Es gibt Gewässer, an die erinnert man sich liebend gerne zurück. Das Wasser, die Fische, die Szenerie und natürlich auch der Erfolg. Diese und weitere Faktoren machen manche Gewässer zu echten Perlen, die einem persönlich am Herz liegen. Drei dieser persönlichen Paradise zeigt Franz Rettenbacher heute und nimmt uns mit auf die Reise an Gewässer, die er niemals vergessen wird und an die er sich gerne erinnert.

Karibik mitten in Oberösterreich.

Als ich diesen See das erste Mal sah, fragte ich mich, warum wir Österreicher überhaupt noch in den Karibik-Urlaub fahren. Dieser türkisblaue, klare See mitten in den Bergen Österreichs ist allerdings nicht nur wunderschön, sondern vor allem für uns Angler ein wahres Paradies auf Erden. Die Sichtiefe des Gewässers beträgt 6-8 Meter und der See hat Trinkwasserqualität. Zu schön, um wahr zu sein – Wenn das „aber“ nicht wär´

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Der See hat eine Wasserfläche von 40 ha und hat einen (bisher bekannten) Besatz von 21 Karpfen. Wenn man es anders betrachtet, hat jeder Karpfen eine Wasserfläche von 2 ha. Dies alleine macht das Beangeln dieses Sees bereits zur Herausforderung. Doch das Gewässer setzt sogar noch einen drauf. Er beherbergt den Signalkrebs und das in sehr hoher Stückzahl. Durch die hohe Wasserqualität haben sich die Krebse extrem vermehrt. Wenn diese einmal den Spot gefunden haben, sind selbst Kunstoff-Köder oder die bekannten Hilfsmittel zwecklos.

Aber genau die Herausforderungen sind es, die dieses Gewässer für mich so besonders machen. An diesem See habe ich mehr denn je gelernt, wie wichtig es ist, die Fische gezielt zu suchen und anschließend mit der richtigen Taktik und dem richtigen Futter zu Beangeln.

Das Futter für diesen besonderen See

Auf Wunsch hab ich mir von Thomas Roll (Eigentümer und Entwickler der Boilies von Bait Fabrik) einen besonderen Mix abrollen lassen. Dieser Mix ist hart und hat eine besondere Anziehungskraft auf die Karpfen. Dank dem Mix meiden die Krebse ihn bis zu einer gewissen Zeit. Es bleibt dadurch ein kleines Zeitfenster die Fische zu fangen.

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Ich hatte eine Taktik!

Ich habe eine Taktik entwickelt, um das Krebsproblem zu umgehen. Bei dieser Vorgehensweise haben sich zwei Herangehensweisen an diesem Gewässer als erfolgreich gezeigt.

  1. Ich suche die Fische (durch Tauchen oder vom Boot aus) und befische sie dann ganz gezielt mit nur wenig Futter. Für diese Vorgehensweise verwende ich die WC20 und die Ciric Milk Range von Bait Fabrik. Mit auffälligen Ködern stelle ich dann in der Holding Area den Karpfen nach.
  2. Bei der zweiten Taktik baue ich mir mit wenig Futter einen Spot auf. Mit dem oben erwähnten, speziellen Mix, füttere ich alle zwei Tage zwei Hände voll der Boilies. Ich wählte dafür einen zentralen Punkt des Sees aus. Mein Gedanke ist, dass an diesem Spot die Fische vorbei schwimmen müssen, wenn sie einen anderen Bereich des Sees aufsuchen wollen.

Fazit: An diesem See kommt man als Angler an seine Grenzen. Man kann zerbrechen oder man nimmt die Umstände auf sich und sieht sie als Herausforderung an. Es ist mit Sicherheit der schwierigste See, den ich bis jetzt beangeln konnte und ich bin bereits zahlreiche Nächte ohne Biss nach Hause gefahren.

Wenn man es aber schafft hier zu Fangen, ist die Freude über den Erfolg dafür doppelt so groß. Genau diese Spannung macht für mich den Reiz aus und nebenbei fühlt sich jeder Angeltrip wie ein Kurzurlaub in der Karibik an.

Ein kleiner See, mitten in den Bergen

Als Jungangler fischte ich einige Jahre an einem ca. 6 ha großen Bergsee. Wie fast jeder, der mit dem Angeln beginnt, fischte ich auf Hecht, Forelle und auf alles, was man an den Haken bekommen kann. Ich drehte mit meinem besten Freund die übliche Runde mit dem Gummifisch, als mir plötzlich ein Urlauber mit viel Tackle auffiel. Ich war zu dieser Zeit 12 oder 13 Jahre und natürlich neugierig, was dieser mit so viel Tackle machte.

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Es entwickelte sich ein tolles Gespräch und der Mann erzählt mir, dass er ausschließlich Karpfen fängt. Er erzählte viel darüber, gab mir Tipps, wie ich die Karpfen an Futter und einen Spot gewöhnen konnte und ich sie damit an die Angel bekomme. Ab diesem Zeitpunkt packte mich die Sucht nach dem Karpfenfischen. Mit meinem Taschengeld kaufte ich mir so viel an Tackle und Futter, bis kein Cent mehr im Sparschwein war. Jede freie Minute verbrachte ich an diesem Bergsee und verfeinerte meine Taktik schrittweise, um den Karpfen dort nachzustellen.

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Dieser See beherbergt einige Amurkarpfen, die man bei heißem Wetter auf der Oberfläche sehen kann. Jegliche Art und Weise diese zu beangeln scheiterte aber kläglich. Nach und nach konnte ich fast alle Karpfen dieses Sees fangen, aber nicht ein einziger Amur ging an den Haken. Zu dieser Zeit wusste ich auch über die Art und Weise, wie ein Amur frisst noch nicht ausreichend Bescheid. Ich beschloss mir mehr Wissen über diese Karpfenart anzueignen. Und tatsächlich – mit diesen Infos konnte ich dann einen der größten Amurkarpfen, genau an diesem See, fangen. Es ist bis heute einer der größten Amurkarpfen, die ich bis jetzt gefangen habe. Dieser See ist der Grundstein meiner jetzigen Angelei. Danke an dieser Stelle an den Urlauber, dessen Namen ich leider nicht kenne.

Eine Perle in Nordfrankreich: Der Lac de Madine

Der legendäre Lac de Madine. An diesem See fand das 20-jährige Jubiläum der World Carp Classic Weltmeisterschaft im Karpfenangeln statt. Immer noch unglaublich, aber wahr, hatten ich und zwei andere Teamangler über Thomas Roll und die Baitfabrik die Möglichkeit und Ehre, bei dieser Veranstaltung als Team teilzunehmen. Die 10-stündige Anreise nach Frankreich, wo der Lac de Madine liegt, verging wie im Flug. Uwe und ich fuhren gemeinsam von Österreich aus mit einem Bus voller Tackle und Futter. Wir sprachen darüber, was wir wohl alles erleben würden und tauschten sämtliche Informationen über den See aus, die wir beide zuvor noch in stundenlanger Recherche gesammelt hatten.

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Offiziell begann die Meisterschaft mit einer Flaggenparade. Sämtliche Nationalitäten gingen gemeinsam in einer Kolonne zu einer riesigen Festhalle, in der die Startplatzauslosung stattfand. Aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten rund um den See war es natürlich von großer Bedeutung, auf welchen Platz man gelost wurde. Glücklicherweise bekamen wir einen der Spots, auf den wir gehofft haben und uns am Besten vorbereitet haben.

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Am nächsten Morgen wurden wir an unseren zugeteilten Platz gebracht und bauten unser Tackle auf. Um 10 Uhr ertönte das Signal und alle 116 Teams durften nun anfangen, ihre Spots zu befischen. Nach genauer Suche, legten wir unsere Montagen auf ihre Plätze. Die Anspannung war uns allen ins Gesicht geschrieben. Mit diesem Druck einen Fisch an den Haken zu bekommen, den man dann auf keinen Fall verlieren durfte, mussten wir allesamt erst lernen umzugehen. Der Druck vergrößerte sich weiter, als andere Teams bereits die ersten Fische verzeichneten.

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Thomas Roll kreierte uns speziell für dieses Vorhaben einen eigenen Köder – den WC20. Dieser ist hoch attraktiv, mit enormer Anziehungskraft ohne Fischmehl. Ein Köder ohne Fischmehl war deswegen so wichtig, da der Madine bekanntlich einen großen Wallerbestand verzeichnete. Wir versuchten uns an verschiedenen Taktiken. Zwei Ruten fischten wir auf Futterplätze und die anderen Zwei verteilen wir nach Gefühl in unserem Areal. In der zweiten Nacht brachte die Futterplatzrute den ersten Fisch für unser Team.

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Patrick und Uwe konnten den ersten Fisch auch problemlos an Land bringen. Dies war gar nicht so selbstverständlich, da sich die Algen auf unserem Areal, welches auf ca. 300 m in der Breite begrenzt war, an der Wasseroberfläche an dieser Stelle ca. 200 m in den See reingezogen haben. Mit Hilfe von Umlenkern, Bangsticks und Holzstielen, die die Veranstalter zur Verfügung stellten und von denen wir bereits im Wissen dessen genügend mitgenommen hatten. Insgesamt verzeichneten wir am Ende dieser WCC einen Fang von stolzen 14 Fischen und hatten damit von den Fängen her, die meisten aller Teams.

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Durch Teamwork und der Unterstützung von Bait Fabrik Gründer Thomas erreichten wir schlussendlich den Sektor Sieg Dometic und den 6. Gesamtrang von 116 Teams. Dieses Event hat uns zu einer Einheit und zu guten Freunden werden lassen. Schöne Momente, geile Fische und die Erfahrung werden mir immer in Erinnerung bleiben – an einem Gewässer das mir persönlich auch nie wieder aus dem Kopf gehen wird.

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