Flussfischen ist und bleibt ein Abenteuer. Endlos fließendes Wasser umgeben von nicht enden wollenden Ufern versprechen absolute Freiheit und große Entfaltungsmöglichkeiten. Meist ohne Angeldruck beherbergen Flüsse wilde, unberührte und auch große Karpfen. Die Jagd auf eben diese Bewohner stellt einen wohl nie an Spannung verlierenden Reiz dar.

In der kalten Jahreszeit stellt das Flussangeln jedoch eine ganz besondere Herausforderung dar. Patrick Reuter stellt 4 Fehler vor, die du am Fluss in den letzten Wochen des Jahres machen solltest. Los geht´s, Patrick.

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Don’t get your first experiences now

Nach den ersten Nächten mit Bodenfrost sind die Wassertemperaturen überall unter 10 Grad Celsius gefallen. Das große Fressen im Vereinssee ist vorbei und so will Mancher sein Glück zum Saisonfinale am Fluss suchen. Der Gedanke scheint naheliegend. Flusskarpfen müssen immer schwimmen und daher auch immer fressen. Oder etwa nicht?

An der Stelle muss ich die Euphorie leider bremsen. Nicht anders als in stehenden Gewässern ist es in der kalten Jahreszeit alles andere als leicht, Karpfen im Fluss zu fangen. Um überhaupt Aussicht auf Erfolg zu haben, sollte man sein Revier gut kennen. Wer nun die ersten Gehversuche unternimmt, wird scheitern und ziemlich schnell die Lust am Flussfischen verlieren.

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Don’t feed to much

Erst vor ein paar Tagen sprach ich mit einem befreundeten Angler über sein Vorhaben, in den nächsten Wochen am Fluss fischen zu gehen. Seine Vorbereitungen liefen bereits und er berichtete mir davon, jeden zweiten Tag 10 Kilo Boilies zu füttern. Krass! Viel zu viel Futter, war mein erster Gedanke dazu.

Bei 8 Grad Wassertemperatur reichen 2 Kilo alle 2-3 Tage völlig aus. Wird es noch kälter, so sollte auch die Futtermenge weiter reduziert werden. Die Angst vor Mitessern ist dabei völlig unbegründet. Auch Döbel, Alande und Grundeln haben Bewegungsradius und Nahrungsaufnahme bereits deutlich heruntergefahren.

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Und noch ein Tipp: Am Tag unmittelbar vor dem Ansitz füttere ich gar nicht. Mit meinem Futter will ich Vertrauen gewinnen, aber nicht ständig sättigen. Ziehende Nomaden mit täglichen Futterrationen bei Laune zu halten, ist nicht erforderlich. Meiner Erfahrung nach dümpeln auch Flusskarpfen nun eher in überschaubaren Bereichen herum, als kilometerweit zu schwimmen.

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Don’t just go overnight

Die schnelle Nacht, sofern erlaubt, ist ein bewährtes Mittel. Abends fährt man direkt nach der Arbeit ans Wasser. Ruten und Futter liegen bereits vorbereitet im Auto. Nun fix die Montagen auf den präparierten Platz legen und ab auf die Liege. Was im Sommer fast immer funktioniert, hat sich für mich im Spätherbst häufig als Irrtum erwiesen. Die immer weniger werdenden Stunden mit Tageslicht sind häufig produktiver, als die Nacht. Mir scheint, als würden die Karpfen das Licht nun deutlich intensiver zur Nahrungssuche nutzen. Wer nach dem Kaffee am Morgen einpackt, verpasst vermutlich die lukrativste Phase. Hat man die Wahl, sollte man also lieber den Tag nutzen. Die Vorteile für uns Angler liegen dabei auf der Hand. Man kann mit wenig Ausrüstung kurze Zeitfenster intensiv nutzen. Mit einem bewussten Blick für die Umgebung lässt sich noch so manches Spätherbstmotiv mit der Kamera einfangen.

Die Wasseroberfläche auf Bewegungen von Fischen zu scannen, motiviert zudem deutlich mehr, als im Dämmerlicht gegen die Zeltwand zu starren.

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Don’t give up

Das häufig beschworene mindset ist in den kommenden Wochen extrem wichtig. Ich probiere nicht mehr viel rum. Mein Angeln fokussiert sich auf maximal zwei Angelstellen von denen ich überzeugt bin, dass sie Fisch bringen. Ich habe mir den tiefsten Bereich des Schleusenabschnitts raus gesucht. Mein spärlich eingesetztes Futter fällt immer wieder auf den gleichen Platz. Kantenverlauf, Bodenstruktur und Wassertiefe kenne ich von meinen Erkundungen im Sommer in- und auswendig. Meine kleinen 12-15 mm Boilies kommen frisch gesoakt aufs Haar. Dann hake ich noch einen mit Liquid verfeinerten PVA Bag ein. Das Auslegen der Ruten gleicht einem Ritual. Mit der Schnur zwischen den Fingern führe ich das Blei vom Aufschlag auf die Wasseroberfläche bis zum Ablegen auf den Gewässergrund. Bei jedem Wurf will ich spüren, ob mein Rig gut liegt.

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Meine Erwartungen sind dennoch nicht hoch. Ich rechne nicht mit einem Fisch. Und doch will ich für einen Biss bestmöglich vorbereitet sein. Ein Blank bringt mich nicht aus der Ruhe, ist er doch fest einkalkuliert. Durchhalten, wieder kommen und weiter angeln lautet die Devise. Nur wer am Ball bleibt, wird auch belohnt. So, don’t give up!

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