Was bringen Dips und Liquids eigentlich? Überteuerte “Wundermittelchen” oder ausschlaggebende Ergänzung? In der heutigen Runde von “5 Angler – 5 Meinungen” geben erfahrene Angler Einblick in ihr Vorgehen. Dabei nehmen sie kein Blatt vor den Mund und berichten sogar über hilfreiche Tipps und Tricks.

Wenn ihr aufmerksam lest, erhaltet ihr Hinweise, die sich u.a. ideal für die Kaltwasserangelei eignen. Holt euch also einen frischen Kaffee und hört Arno Bergler, Klaus Wegmann, Christoph Trippe, Marvin Glinka und Tobias Steinbrück zu!

Arno Bergler: “Die Fische werden schneller auf meinen Köder aufmerksam!”

Ja, ich bin sicher, richtig eingesetzt können sie das! Dann, wenn es um den einen Fisch geht und gerade beim Fallenstellen oft der Schlüssel zum Erfolg. Wenn die Fische richtig in Fresslaune sind, verzichte ich auch öfters darauf. Doch wenn es einmal zäh läuft und ich den langersehnten Biss bekommen möchte, genießen einige Produkte mein absolutes Vertrauen. Denn gerade Vertrauen ist eine unglaublich wichtige Konstante in unserem Tun. Die Gretchenfrage, was wirkt, was nicht? Bei kalten Wassertemperaturen und sporadischer Futteraufnahme liebe ich es, mit kleinen PVA Bags vollgepackt mit geschnittenen Boilie-Flakes, ein wenig Pellets und viel PVA-freundlichem Booster Juice zu arbeiten.

Einige Bestandteile steigen in höhere Wasserschichten auf, andere verteilen sich am Gewässergrund rund um den Hakenköder. Bestandteile dieser Booster können Melasse, Fischextrakte, fermentierte Getreideprodukte usw. sein. Ganz viel arbeite ich auch mit flüssigem und pulverförmigen Betain oder Leber- und Krustentierextrakten, erwiesenermaßen absolute Fischmagnete. Wenn die Fische viel fressen, wie beispielsweise nach der Laichzeit oder vor dem Herbst und ich die Futtermengen entsprechend erhöhe, pimpe ich ganz gerne meinen Hakenköder – entweder ein Pop Up oder ein Standard-Bodenköder.

Gerade auf größeren Futterplätzen möchte ich, dass mein Köder mit dem Haken dran auch schnell gefunden wird und nicht am Ende unberührt liegen bleibt. Im Hochsommer setzte ich zudem gerne Hanf- oder Fischöl zum Soaken meiner Boilies ein – ein überaus effektiver Tipp für die warme Jahreszeit. Somit ist garantiert, dass auch lethargische Fische, die in den oberen Wasserschichten umherziehen, schneller auf mein Futter aufmerksam werden. Von meiner Seite also ein klares JA zu Dips & Liquids.

Klaus Wegmann: “Längeres Dippen kann es bringen!”

Ich verwende die verschiedensten Liquids sehr gerne in meinem Boiliemix, so z.B. Krill, Leber, Aminol, Maggie oder Fischöl… Sehr gerne soake ich auch meine Boilies mit Liquids. Tipp: Einige Baits nehmen den Liquid nur sehr schlecht auf, diese Boilies verkleinere ich dann mittels eines Eiswürfelcrushers. Die Boiliekrümmel werden dann mit Liquid übergossen und gut durchgeschüttelt.

Diese nehmen deutlich mehr Flüssigkeit auf, als ganze runde Boilies. Auch in meinen Partikeln gieße ich im Quellwasser gerne Liquids hinein, wie z.B.: Sweetner, Öle… Allerdings so finde ich, gelangt nur wenig davon in die Partikel, der größte Teil verbleibt im Wasser. Deshalb gieße ich das Wasser nicht einfach weg, sondern nutze dieses für´s an mischen von Groundbait oder soake darin sogar Boilies. Die Wirkung von Dips und Liquids stelle ich nicht in Frage, ich bin von ihnen voll und ganz überzeugt. Denn sie bewirkt immer eine Steigerung der Attraktivität, soviel ist schon mal sicher. Letztlich kann das nur gut für uns sein, ganz besonders dann, wenn man instant unterwegs ist! Dippen von Hakenködern: generell finde ich bringt es nichts, einen Köder nur für ein paar Sekunden zu dippen.

In der Kürze der Zeit gelangt nicht genügend Flüssigkeit in den Köder. Funktioniert haben bei mir Dips auf der Basis von: NHDC, Buttersäure, vollfette Kondensmilch oder die Fluo Farben von diversen Herstellern. Gerade im Frühjahr oder Winter, habe ich mit gedippten Ködern gute Erfahrungen gemacht. Immer wieder neu auswerfen und dabei den Hakenköder gut dippen, kann sehr erfolgreich sein. Chod Rigs mit Fluo Pop Ups eignen sich hierfür besonders gut.

Fazit:
Im Grunde ist es doch so: „Wer fängt hat Recht!“ und „Vertrauen ist alles…!“ In diesem Sinne, habt Spaß am Wasser und wer mag sollte vielleicht mal wieder öfters seine Köder dippen.

Christoph Trippe: “Rehydrieren als Schlüssel zum Erfolg!”

In den vergangenen drei Jahren habe ich viel mit flüssigen Additiven in Form von Dips und Liquids herumexperimentiert. Ob sie wirklich für eine bessere Fangausbeute sorgen, hängt davon ab, wie man sie einsetzt. Um den Köder attraktiver zu machen, reicht ein kurzer Dip definitiv nicht aus. Sobald das Rig mit dem Köder den Grund erreicht, hat sich der Dip schon längst verabschiedet. Die Köder sollten über einen längeren Zeitraum eingelegt, ehe sie eingesetzt werden. Mit dem Einlegen einzelner Hakenköder habe ich allerdings komplett aufgehört, denn deutlich mehr gefangen habe ich damit nicht und die ständige Sauerei ging mir nach der Zeit echt auf die Nerven. Ein nicht eingelegter Hakenköder fängt meiner Erfahrung nach mindestens genau so gut. Natürliche und höchst wasserlösliche Liquide sind aus meiner Angelei allerdings trotzdem nicht mehr wegzudenken. Diese nutze ich nämlich, um große Mengen an Boilies zu rehydrieren.

Als Rehydrierung beschreibt man den Prozess, den Wassergehalt bzw. die Feuchtigkeit eines Gewebes, wie in unserem Fall Boilies, durch Zugabe wässeriger Lösungen zu steigern. Gerade wenn ein großer Trip ins Ausland bevorsteht, lasse ich meine Boilies über einen längeren Zeitraum in einem Karpfensack trockenen/dehydrieren um sie gegen Weißfische, Welse und Krebse resistent zu machen. Hier spaltet sich Wasserstoff ab, meine Boilies trocknen aus und werden steinhart. Durch die Dehydration verlieren sie meines Erachtens aber leider auch deutlich an Attraktivität.

Genau aus dem Grund benetze ich die Boilies, knapp 24 Stunden bevor sie zum Einsatz kommen, mit dem passenden Liquid. Die steinhart getrockneten Boilies haben einen sehr niedrigen Feuchtigkeitsgehalt und saugen sich regelrecht mit dem Liquid voll, sprich sie rehydrieren. Für zehn Kilogramm Boilies sind ein Liter Flüssigkeit in Form von Liquid gar kein Problem. Die Boilies werden durch den Liquid wieder deutlich attraktiver, fangen unter Wasser sofort an zu arbeiten und geben ihre wasserlöslichen Inhaltsstoffe ab. Das hat den Vorteil, dass vorbeiziehende Fische mein Futter schneller wahrnehmen können und auch schneller fressen. Der Kern meiner Boilies bleibt durch das vorherige Trocknen allerdings weiterhin steinhart und andere Fische haben keine Chance meine Boilies zu verwerten.

Marvin Glinka: “Mehr Attraktivität beim Instant-Angeln!”

Gewiss, eine schwierige Frage. Und ganz ehrlich? Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. Dafür ist das Karpfenangeln einfach zu vielseitig und hängt von zu vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel von dem Gewässer, von der Jahreszeit, vom Wetter. Man muss diese Thematik differenziert betrachten. Generell bin ich davon überzeugt: In manchen Szenarien können Dips & Liquids den Unterschied ausmachen. In anderen Situationen hingegen halte ich Dips & Liquids für überflüssig. Doch in meinen Augen ist es nahezu unmöglich, ein aussagekräftiges Urteil über die Fängigkeit von Ködern und Lockstoffen zu fällen. Denn woher soll man beispielsweise wissen, ob ein Karpfen, welcher auf einen stinknormalen Boilie gebissen hat, nicht im selben Moment auch einen gedippten Boilie inhaliert hätte. Geht nicht. Daher kann man diese Frage nur beruhend auf eigens gesammelten Erfahrungen und Vermutungen beantworten – woraus sich letztlich keine wissenschaftliche Antwort ergibt, sondern lediglich eine Tendenz. Im Folgenden möchte ich mich auf zwei typische Szenarien beschränken.

Angeln auf Futterplätzen

Ich persönlich würde mich in die Kategorie „Futterangler“ einordnen. Damit meine ich, dass ich mein Angeln intensiv vorbereite. Ich verbringe viel Zeit damit, interessante Stellen zu lokalisieren und diese dann regelmäßig mit Boilies anzufüttern. Natürlich kann man seine Köder auch bei Futterkampagnen mit Dips & Liquids verfeinern. Dann aber sollte man so konsequent sein und nicht nur seinen Hakenköder mit einem Dip oder Liquid behandeln, sondern sein gesamtes Futter. Damit würde man das volle Potential der flüssigen Lockstoffe ausschöpfen. Andernfalls kann man gleich auf Dips & Liquids verzichten und seinen Geldbeutel schonen. Denn ich bin ohnehin der Meinung, dass man bei Futterkampagnen das Vertrauen der Fische allein durch die Kontinuität des Fütterns gewinnt. Dips & Liquids? Das halte ich bei Futterkampagnen einfach für überflüssig.

Instantangeln

Fischt man jedoch instant, im Frühjahr oder im Winter, wenn die Karpfen sehr verhalten fressen, dann kann es durchaus Sinn machen, sein Futter mit Dips & Liquids zu behandeln. Denn diese flüssigen Zugaben beinhalten zumeist hochwertige Attraktoren, Fressstimulanzien und Appetitsanreger und entfalten dadurch eine enorme Lockwirkung. Nebenbei sättigen die flüssigen Lockstoffe nicht. Habe ich also nur ein begrenztes Zeitfenster zum Angeln und hatte vorher keine Möglichkeit, meine Angelstellen anzufüttern, dann greife ich gerne auf hochwertige Dips & Liquids zurück. Dadurch verleihe ich meinem Futter mehr Attraktivität und errege damit schnell die Aufmerksamkeit der Fische.

Und was generell gilt: Eine minderwertige und schlechte Qualität des Futters lässt sich nicht durch den Einsatz von Dips & Liquids kompensieren. Hochwertiges Futter ist die Grundlage des Fangerfolges.

Tobias Steinbrück: “Sie schützen bei schlammigem Gewässergrund!”

Dips und Liquids machen definitiv einen Unterschied. Die Frage ist jedoch ob sie einen positiven oder negativen Effekt hervorbringen. Hochwertiges Fischöl ist zum Beispiel ausgezeichnet. Ohne Chemie ist es ein günstiges und zugleich absolut natürliches Liquid. Es wertet jeden Köder auf (Partikel ausgenommen) und alle Karpfen lieben es überall auf dem Planeten.

Sind die Köder lange genug in einem derartigen Liquid eingelegt (ca. 24 h oder länger), dann nehmen sie den schlammigen Geruch am Gewässerboden nicht mehr so schnell an. Das soaken macht sich in diesem Fall also doppelt gut bemerkbar. Es wertet den Köder auf und verhindert die Aufnahme vom Schlammgeruch.

Ist das Wasser jedoch kalt, im Frühjahr , Herbst und Winter zum Beispiel, dann versiegelt das Fischöl oder eben ein Dip auf Ölbasis schnell die Poren des eigentlich aktiven Boilies. Eine im kalten Wasser nahezu unlösliche „Ölschicht“ verhindert, dass unser Boilie sich auswaschen kann. Wir haben also dann genau das Gegenteil erreicht.

Ich persönlich benutze ölige Dips regelmäßig. Vor allem dann wenn das Wasser nicht kalt ist und schlammige Böden den Ködern das Aroma förmlich entziehen.

Von farblichen Dips und Glugs halte ich wenig. Sie funktionieren zwar ausgesprochen gut, aber ich bin persönlich noch nie ein großer Fan davon gewesen sie in Mengen einzusetzen.

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5 Angler – 5 Meinungen Rückblick // Darum ging es in Runde 10!

In der zehnten Runde von 5 Angler – 5 Meinungen wurde über scharfe Haken diskutiert. Markus Rosenberger, Felix Kaczmarek, Marc Voosen, Achim Schlüßel und Nils Oetjen taten ihre Meinung zur Hakenfrage kund.

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