Facebook. Instagram. Snapchat. Und wie sie nicht alle heißen. Soziale Netzwerke sind auch für uns Karpfenangler seit Jahren ein Medium, wo wir unsere Fänge und Trips posten. Wessen Timeline mit vielen Kontakten gefüllt ist, der erfährt beinahe täglich einen neuen fetten Fang. Klar, wir Karpfenangler streben nach großen Erfolgen und Fängen, die uns von anderen abhebt. Wir verfolgen Ziele, fangen Fische, erfahren Ansehen unter Kollegen und erlangen Ruhm und Ehre, wenn wir einen der ganz großen überlisten konnten. In den sozialen Netzwerken sieht man regelmäßig fette Fische, die man selbst erstmal fangen muss. Bei manch einem führte diese tägliche Big-Fish-Flut zu einer Irritation und verfälschte die Sicht auf die Realität… Wir haben 5 Meinungsmacher gefunden und sprechen heute über ein Thema, das so schnell mit Schreibern belegt war, wie kaum eines zuvor… Viel Spaß!

Christian Jany – Neid ist leider stark verbreitet…

Kurz zu meiner Person, mein Name ist Christian Jany. Ich bin im Social Media- und Marketing-Bereich bei Boiliemaschine.at tätig. Fischen gehe ich seitdem ich eine Rute halten kann und seit mehreren Jahren habe ich mich auf das Karpfenfischen spezialisiert. Ich sehe der Fixierung und dem Hype immer große kapitale Fische zu fangen eher kritisch entgegen.

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Für mich geht es beim Angeln nicht darum den dicksten Fisch zu fangen. Für mich ist Angeln mehr. Für mich ist Angeln draußen zu sein, abschalten zu können, am Rig und meiner Taktik zu feilen, neue Methoden zu probieren und hier auch durchaus mal zu versagen. Aus Fehlern lernt man und geht mit mehr Erfahrung heraus – meiner Meinung nach. Für mich zählt jeder Fisch egal ob klein oder groß. Natürlich freue ich mich, wenn es dann mal ein 20+ Fisch ist, wer tut das nicht. In letzter Zeit kommt es einem aber zum Teil so vor, dass man selbst kein guter Angler ist, wenn man nicht durchgehend die Dicken an Land zieht. Das vermitteln jedenfalls die sozialen Netzwerke. Man liest immer wieder davon, wie kleine Fänge schlecht und dicke gehyped werden. Aber auch die dicken Fänge haben ihre Schattenseiten. Es vergeht kein dicker Fang, bei dem keine Neidposts dabei sind. Hier stell ich mir oft die Frage, wieso wir nicht alle ohne dem anderen etwas neidig zu sein oder den anderen schlecht zu reden, unserem wunderschönen Hobby nachgehen. Mein Appell daher an alle, geht raus, habt Spaß an unserem wunderbaren Hobby und freut euch gemeinsam über jeden Fisch!

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Rafael Bringmann – Frust und Verlust?

Social Media nimmt auf alles und jeden Einfluss. Es ist durchgehend Gesprächsinhalt, sowie überall und zu jedem Zeitpunkt abrufbar und somit immer präsent. Was gesehen wird, glaubt man, will man haben, bewundert es oder redet es schlecht. Ich selbst kann mich davon nicht freisprechen. Oft habe ich mich durch Instagram geklickt und bin dabei von einem 20kg+ Karpfen zum nächsten 20kg+ Karpfen gesprungen, ohne zu beachten, was es dazwischen zu sehn gab.  Schaue ich dann auf mein Profil, zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Neben ein paar Naturaufnahmen, stehen doch eher meine besonderen Erfolge im Mittelpunkt des Profils. Diese besonderen Erfolge sind große Fische, auf die ich stolz bin und diese somit auch gerne zeige. So geht es wohl den meisten Karpfenanglern und so findet sich mittlerweile ein riesiges Portfolio an unglaublich großen und schönen Karpfen in sozialen Netzwerken.

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Mit einem differenzierten Blickwinkel auf das wilde mediale Geschehen, stellt dies noch längst keinen Fluch für mich dar. Hinter vielen Profilen stecken Menschen, die versuchen die abenteuerlichen Geschichten in Bildern zu erzählen. Folgt man den richtigen Menschen, ist es, als ob man einer Geschichte folgt und nicht nur ein paar Bilder anschaut! Damit dies möglich ist muss man natürlich selbst den richtigen Leuten folgen und nicht nur jedem, der einen dicken Fisch in die Kamera hält.

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Ganz so einfach ist es jedoch nicht für alle und so gibt es viele Leute und besonders viele Jugendliche, die solche Bilder sehen und sich davon beeinflussen lassen. Man will auch so große Fische fangen, obwohl man vielleicht aufgrund von Gewässern oder anderen Begebenheiten nicht die Möglichkeiten dazu hat. Dies führt schnell zu Frust und dem Verlust vom Spaß am eigentlichen Angeln. Dies sollte mit aller Kraft vermieden werden. Tatsächlich sieht es aber so aus, dass es ein Kampf gegen Windmühlen wäre und sogar ich, der hier diese Zeilen verfasst, kein gutes Vorbild ist. Doch vielleicht ändere ich es ja einfach mal mit meinem nächsten Instagram Post! #großkannjeder

Tammo Schiller – Lass dich nicht blenden!

Große Fische in den Medien? Sind doch geil und schaue ich mir auch gerne an, solange diese nicht aus irgendwelchen Paylakes kommen oder sogar geklaut sind. Da sinkt für mich der Wert dieser Fische gegen Null und interessiert mich auch nicht. Gefühlt gibt es heute viel mehr große Fische, als es noch vor Jahren der Fall war, aber ist das wirklich so? Wir dürfen nicht vergessen, das wir inzwischen durch die verschiedenen “Sozialen” Medien mit viel mehr Menschen verbunden sind als früher. Logischerweise sehen wir dadurch auch ein vielfaches mehr an gefangenen und auch großen Fischen. Hinzu kommt noch die Werbung der Firmen, auf der fast immer dicke Fische zu sehen sind. Auch das ist mengentechnisch viel mehr geworden und lässt sich heute über die digitalen Medien viel einfacher verbreiten. Dann ist da noch ein Punkt: Ab wann ist eigentlich ein Fisch ein großer Fisch? Haben uns vor Jahren noch Fangmeldungen mit 20 Kilo Fischen umgehauen, so liegen die Gewichte heute teilweise weit darüber.

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Die Fische sind in vielen Regionen und Ländern nun mal über die Jahre gut abgewachsen und auch dadurch gibt es logischerweise mehr Fangbilder mit großen Fischen. Ich glaube das Zusammenspiel aus den oben aufgeführten Punkten, sorgt für das verzerrte Bild, das nur noch große Fische gefangen werden. Die Menge, die uns erreicht und die Tatsache, dass es einfach mehr dieser Fische gibt, spielen halt eine große Rolle. Ob nun Fluch und Segen, liegt an jeder einzelnen Persönlichkeit selbst und wie damit umgegangen wird. Große Fische sind irgendwie wie Scheisse, zieht das Eine die Fliegen an, so zieht das Andere die Angler an und das kann schnell zum Fluch werden. Das Veröffentlichen von großen Fischen kann für das Heimatgewässer des Fisches eine Menge Probleme mit sich bringen und natürlich auch für die dort anwesenden Angler. Beispiele gibt es genügend. Hier verurteile ich allerdings nicht denjenigen der das Bild veröffentlicht, sondern die Idioten, die akribisch Bilder analysieren, um die Herkunft der Fische zu erfahren, um dort zu fischen!

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Genauso sollte man sich nicht von Fangbildern in den Medien blenden lassen und regional denken, große Fische kann nur der Fangen, der diese im Gewässer hat und auch hier ist “groß” immer relativ. Das Betrachten der Fangbilder anderer sollte auf die eigene Angelei keinen Frust ausüben, sondern Ehrgeiz und/oder Freude für den Fänger. Traurig finde ich es, wenn die Wertigkeit der Fische komplett auf ihre Größe reduziert wird. Manchmal hat die Geschichte hinter dem Fang einen viel höheren Wert, als sein Gewicht. Inzwischen werden sogar Angler belächelt, die angeblich nur “kleine” Fische fangen. Auch das ist scheinbar modern geworden und auch ich werde von einigen Proleten der Angelwelt dementsprechend betitelt. Juckt mich aber auch nicht. Ich lebe andere Werte, als diese Personen und die Waage bestimmt nicht meine Angelei. Zumindest sehe ich persönlich die in den Medien gezeigten Großfischbilder, wie vieles andere auch, als eine dazugehörende Entwicklung und wie immer liegt es am eigenen Umgang mit dieser. Ich kann mich für die Fänger freuen und bewundere auch viele der gezeigten Fische, muss aber den realen Bezug zu meinem Angeln behalten und in jedem Fisch etwas wertvolles sehen, egal ob groß oder klein.

Fluch und Segen? Das was wir daraus machen!

Uwe Roithner – Groß. Größer. Noch größer…

Alles fängt nur noch dicke Fische? Das denke ich nicht. Aber es werden fast ausschließlich die Dicken gepostet. Man bekommt also vorgegaukelt, dass immer nur große Fische gefangen werden. Der Kleine Fang ist sozusagen „nichts“ wert. Was natürlich alles andere als richtig ist. Jeder Fisch sollte gleich behandelt werden. Jeder Fisch sollte gleich geschätzt werden. So ist es aber nicht, was meiner Meinung nach völlig legitim ist. Ich bin jetzt mal ehrlich. Ich sage, dass ich mich mehr über große Fische als über kleine freue.

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Das allerdings macht in Umgang und Versorgung der Fische keinen Unterschied. Wenn ich dann Beiträge auf den sozialen Kanälen lese wie: “Ich freu mich über einen kleinen Fisch genau so wie über einen großen“. Zieht es mir nur noch ein kleines Schmunzeln aufs Gesicht. Warum kann man da nicht einfach ehrlich sein und sagen “Hey, ich hab die Session leider nur die Kleinen gefangen und keinen Großen überlistet”. Das ist das Produkt der sozialen Medien. Niemand kann sich selbst eingestehen nicht erfolgreich gewesen sein. Bzw. sieht jeder Erfolg auch vollkommen anders. Jeder und ich meine wirklich jeder Angler freut sich mehr über große Fische als über kleine. Das denke ich schon.

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So wird sich gegenseitig in die Höhe gepostet, um den größten Fang kundzutun. Der Eine will immer besser sein als der Andere. Der Angler von heute will sich mit seinen Fängen brüsten. Sich selbst beweisen. Naja eigentlich nicht sich selbst, sondern vor den unzähligen Bait- und Tacklefirmen, um so schnell wie möglich gesponsert zu werden. Denn nur dann ist man ein guter Angler, was natürlich nicht der Wahrheit entspricht. Ich denke es ist mehr Fluch als Segen in dieser Hinsicht. Den Angelanfängern wird vorgelogen, dass man nur erfolgreich ist wenn man 20+ Fische fängt. Was ja augenscheinlich heutzutage auch nicht mehr den Gegebenheiten entspricht.

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In der jetzigen Zeit muss man ja schon 30+ Fische fangen, um cool und erfolgreich zu sein. Das Ganze wird sich noch ins unermessliche hochschaukeln bis der ein oder andere den Spaß an der Freude verliert. Schade, ist aber leider so…

Martin Abels – Jeder wie er möchte – Hauptsache glücklich

Betrachtet man heute die geposteten Fangmeldungen in den öffentlichen Netzwerken entsteht tatsächlich schnell der Eindruck, dass der Fang wirklich großer Karpfen mittlerweile keine Besonderheit mehr darstellt. Dies hängt natürlich mit dem, nicht von der Hand zu weisenden, steigenden Durchschnittsgewicht der gefangenen Fische zusammen. Erinnere ich mich an meine Anfänge vor knapp zwanzig Jahren zurück, stellte damals der Fang eines Fisches jenseits der 15 kg Marke eine kleine Sensation dar. Heute entlockt selbst der Fang eines guten Vierzigers vielen Huntern nicht mal mehr ein müdes Lächeln. Aber liegt dies nur an dem kontinuierlichen Wachstum? Ich denke nicht. Damals gab es einfach noch nicht so viele Möglichkeiten seine Fänge publik zu machen. Es gab ein paar einschlägige Fachmagazine und den direkten Austausch am Wasser, im Tackleshop oder auf Messen. Heute ist das Bild vom gefangenen Fisch, der noch im Kescher liegt schneller bei Facebook, als der Haken gelöst wird. Es bedarf ja schließlich auch nur weniger Klicks mit dem Handy und schon erhält man zahlreiche digitale Schulterklopfer in Form von Likes oder Kommentaren. Das baut das Ego des Fängers auf und freut den Sponsor. Aber nimmt es nicht auch ein bisschen den Zauber des Fangerlebnisses?

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Nicht, dass ich jetzt den Moralapostel geben möchte, auch ich habe vor Jahren fast jeden Fang bei Facebook geteilt und mich auch über anerkennende Worte von meist nur virtuellen Freunden gefreut. Jedoch hat diese Gangart den negativen Beigeschmack, dass man sich, wenn auch nicht bewusst stetig mit anderen geposteten Fangerfolgen vergleicht. Dabei kann man bei solchen unterbewussten Vergleichen doch eigentlich nur als Verlierer aus dem Ring gehen, denn es gibt immer jemanden, der mehr und häufiger noch dickere Fische fängt. Ganz nebenbei macht Vergleichen in vielen Lebenssituationen eher unzufrieden und unglücklich, als das Gegenteil zu bewirken. Klar, dass in unserer heutigen Leistungsgesellschaft viele am liebsten ihre größten Fänge präsentieren wollen. Wenn es einen persönlich wirklich glücklich macht, ist das ja auch gut so und ein großer Fang eines (Facebook-)Freundes kann auch durchaus sehr motivierend wirken, aber einen repräsentativen Überblick geben diese Fangmeldungen meiner Einschätzung nach nicht.

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Mir waren meine ganz persönlichen Erlebnisse, die ich mit bestimmten Fängen verband irgendwann schlicht zu schade, um sie in der Masse der Fänge anderer untergehen zu lassen. Lieber teile ich heute Bilder entweder mit Freunden, denen ich auch die entsprechenden Rahmenbedingungen erläutern kann oder nutze sie für Berichte, in denen ich versuche, gemachte Erfahrungen mit lesewilligen Gleichgesinnten zu teilen.
Einen anglerischen Vorteil kann man aus geposteten Fängen dennoch ziehen: Es gibt Zeiten im Jahr, da werden überdurchschnittlich viele große Karpfen veröffentlicht. Oft ist dies ein guter Hinweise, dass die aktuellen Bedingungen ganz gut zu sein scheinen und ein Versuch, selber ans Wasser zu kommen besonders lohnenswert sein könnte. Natürlich gilt es dann noch, die lokalen Bedingungen richtig einzuschätzen, aber das ist ein anderes Thema…

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5 Angler – 5 Meinungen Rückblick // Darum ging es in Runde 19!

In der 19. Runde von 5 Angler – 5 Meinungen wurde über das Thema “5 Angler – 5 Meinungen: “Karpfenangeln im Winter” behandelt

-> Hier kannst du Runde 18 nachholen! 

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