„Kleine Flüsse“, was bedeutet das eigentlich? Was verstehen wir unter „klein“? Ab wann wird aus einem Bach ein kleiner Fluss, ein Flüsschen oder gar ein Fluss? – Mir völlig egal, solange ich dort Karpfen fangen kann. Und genau deshalb habe ich diese Gewässerform zunehmend zu schätzen gelernt. In der Regel können sie relativ unkompliziert und erfolgreich befischt werden. Viele Karpfenangler unterschätzen den kleinen Fluss (oder größeren Bach) in der Nachbarschaft, stapeln sich lieber an den typischen Teichen und Seen der Vereine oder nehmen den oft aufwendigen und harten Weg an den großen Flüssen oder Kanälen in Kauf.

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Zugegeben, auch für mich ist der kleine Fluss eher dann eine Option, wenn es schnell und unkompliziert gehen muss, ich lediglich wenige Stunde oder nur für eine kurze Nacht loskomme oder dem Angeldruck an anderen Gewässern entfliehen möchte. In meinen Augen gehören kleine Flüsse tatsächlich zu den Gewässern, an denen man recht sicher und schnell erste Erfolge verbuchen kann, ohne dabei einen ganz großen Aufwand betreiben zu müssen. Perfekt also für mobiles, flexibles und kurzweilig erfolgreiches Karpfenangeln. Dennoch gibt es natürlich auch am kleinen Fluss einige Grundlagen, die für mich besonders wichtig geworden sind.

Holding Areas finden

Es wird gepredigt und wurde schon tausendmal wiederholt. In nahezu allen Berichten wird es in unsere Köpfe geprügelt: Wir müssen die Fische zunächst finden oder deren Standorte ausmachen, dann sind wir eigentlich schon auf der Siegerstraße. Die Idee, nach springenden oder rollenden Fischen Ausschau zu halten und diese aktiv zu beangeln, kann extrem erfolgreich sein und findet immer mehr Anhänger. Was an den meisten stehenden Gewässern extrem gut funktioniert, ist an den mir bekannten kleinen Flüssen absolute Ausnahme. Springende Fische sind Fehlanzeige. An sonnigen Tagen können Fische durchaus sehr gut beim Patrouillieren an der Oberflächen entdeckt und bei klarem Wasser auch in tieferen Schichten gut ausgemacht werden. Das funktioniert an einigen Tagen extrem gut, an den meisten anderen Tagen jedoch überhaupt nicht. Daher konzentriere ich mich bei meiner Angelei auf die möglichen Standorte und Ruhezonen.

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Denn auch in Flüssen gibt es sie, die typischen Holding Areas, an denen man immer einen schnellen Fisch überlisten kann und auch ein längerer Ansitz immer lohnenswert sein wird. Egal ob Ausbuchtungen, Rückströmungen, Einläufe, Seerosenfelder usw., alle Unregelmäßigkeiten sind interessante Bereiche, die genauer ins Auge gefasst werden sollten. Besonders effektiv haben sich für mich überhängende Busch- und Baumreihen dargestellt, natürlich besonders dann, wenn auf weiten Strecken das Ufer unbeschattet ist. Das kleine Waldstück auf sonst weiter und offener Flur ist oft ein echter Hotspot, besonders am Tag. Äste und Wurzeln ragen ins Wasser, bieten Krebsen, Muscheln und Insekten Unterschlupf und decken so schon auf natürliche Weise den Tisch für Karpfen und Co. Hier kann ich also immer mit Fisch rechnen und richte sowohl meine Tages- als auch Nachtangelei ausschließlich nach solchen Bereichen aus. Nach ersten Erfolgen, kristallisieren sich zunehmend die besten Stellen heraus und können später gezielt abgesucht werden.

Flusswanderungen

An einem kleinen Fluss können solche Areas auch sehr gut nacheinander angelaufen werden, leichtes Gepäck vorausgesetzt. Die Tatsache, dass wir von einer eher gut überschaubaren Gewässerform mit kurzen Wurfdistanzen sprechen, macht mobiles und aktives Angeln sehr erfolgreich. Für mich waren es tatsächlich auch zwei sehr kurze aber erfolgreiche Stalkingrunden, die ein Schlüsselerlebnis darstellten. Aus der Not heraus bin ich damals in sehr kurzer Zeit mit dem Auto drei verschiedene Stellen angefahren und war gleich dreimal erfolgreich. An einem Flüsschen, das ich vorher nur belächelt hatte. Natürlich gehe ich heute die ganze Sache deutlich gezielter an.

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Bei meinen mobilen Flusswanderungen laufe ich unmittelbar vor dem Angeln einige 100 Meter flussaufwärts und verteile dabei an mehreren potenziellen Aufenthaltsorten wenig aber attraktives Futter. Das Angeln beginne ich dann von „oben“ und laufe mit der Strömung die einzelnen Plätze ab. Je nach Aktivitäten und Bauchgefühl verweile ich dann selten länger als 40–60 Minuten an einer Stelle. Kann ich Fische fangen, natürlich länger. Auf diese Weise laufe ich den Fischen im Idealfall entgegen, statt von ihnen weg, denn unser Futter arbeitet in der Regel nur in eine Richtung und lässt die Karpfen gegen den Strom wandern.

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Attraktives Futter einsetzen

Strömung ist oft großes Leid vieler Angler, bringt es Bleie zum Rollen, Futter auf Abwege oder Treibgut jeglicher Art in Schnur und Montage. Am kleinen Fluss haben wir damit zumeist keine großen Probleme und können uns eine leichte bis mittlere Strömung sogar zum besten Verbündeten machen. Auf einfache Weise können wir mit entsprechendem Futter eine extreme Reichweite unseres Wirkungsfeldes erzielen. Mit der Strömung können wir unsere Attraktoren auch entfernten Fischen flussabwärts zugänglich machen und sie dadurch hoffentlich in Bewegung bekommen.

Beginne ich meine Flusswanderungen wie beschrieben flussaufwärts, gebe ich dem Futter an den untersten Plätzen die meiste Zeit, um auch entfernte Fische zu locken. Im Idealfall treffen wir uns dann zum Ende der Session am letzten Platz auf ein kurzes Rendezvous. Beim Futter sind die Fische in der Regel nicht wählerisch und da mir vor allem kurze Zeitfenster zur Verfügung stehen, setzte ich auf attraktives Futter. Weichfutter, Pellets, Dosenmais und nur ganz wenige Boillies sind meine absoluten Favoriten. In Verbindung mit einem gutem Liquid und einigen Händen Haferflocken kann ich eine attraktive Spur in die Strömung legen. Feste und schwere Bestandteile bleiben am Platz, während Liquid, Haferflocken und sich ablösende Kleinstpartikel ihren Job in der Strömung verrichten.

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Besonders gut funktionieren dabei auch gepimpte Pelletvarianten wie beispielsweise Hellfire Pellets. Diese sind von einer zusätzlichen Attraktorenschicht umhüllt und arbeiten deutlich schneller als glatte, versiegelte Sorten. Fische ich nur wenige Stunden mobil am Tag, setzte ich auf maximale Lockwirkung und nehme sehr gerne auch Weißfische in Kauf. Sie sind gerade in Flüssen immer ein guter Indikator und bringen mir Aktion und kurzweiliges Angeln. Bleibe ich über Nacht, verringere ich die Attraktivität je nach Weißfischbestand etwas und setzte zusätzlich auf größere und härtere Boilies als Hakenköder. Wer das Prinzip verstanden hat, baut sein Nachtlager dann natürlich strategisch passend zur nächsten Holding Area auf.

Weiche Ruten, dicke Schnüre

Im kleinen Fluss setzte ich ausnahmslos auf weichere, parabolische Ruten bis maximal 3 lbs oder leichter. In der Regel werden die Ruten nur geschlenzt oder gependelt, was selbst mit Futter oder Teig am Blei kein Problem ist. Die Distanzen sind kurz und die Fluchten wild. Eine weichere Rute ist daher absolut von Vorteil. Selbst beim Hook & Hold habe ich mit weicheren Ruten immer die besseren Erfahrungen gemacht. Meine Wolf X-Serie Ruten in 3 lbs passen da perfekt und sind meine Begleiter am kleinen Fluss. Schlicht-modernes Design und echte Playerruten für den Nahkampf. Und da ich an meinem Flüsschen auch regelmäßig mit kleineren Karpfen rechnen muss, behalte ich auch dort ein gutes Gefühl und Spaß im Drill.

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Gleichzeitig setzte ich gerne auf dickere Schnüre mit einer guten Dehnung und verzichte nach Möglichkeit auf eine Schlagschnur. Warum? Sicherheit gegen Abrieb und zusätzlicher Puffer auf den kurzen Distanzen und beim Halten vor Hindernissen. Und da ich nicht selten vor den Füßen ablege, landet ein Schlagschnurknoten irgendwo auf der Rolle oder kurz vor der Rute und stellt im Nahgefecht eine Sollbruchstelle dar, auf die ich gerne verzichte. Was am Ende der Schnur folgt, ist Geschmackssache und Vertrauensfrage. Wichtig ist Stabilität und gerne ein etwas längeres Vorfach. In der Regel wird nicht abgesenkt und Schnur oder Leader laufen recht steil vom Blei in Richtung Oberfläche. Für mich fühlt sich ein längeres Vorfach da einfach besser an.

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Auf leisen Sohlen

In meinen Augen eigentlich eine Selbstverständlichkeit, für viele „Wochenendcamper“ scheinbar unbekannt. Wenn ich am Fluss unterwegs bin, spielt sich in der Regel alles vor meinen Füßen ab – oder auch nicht, wenn man zu laut und auffällig unterwegs ist. Wo steht die Sonne bei meiner Flusswanderung? Schmeiße ich meine Ausrüstung schwungvoll auf den Boden und laufe direkt bis an die Wasserkante oder beobachte ich etwas aus der Ferne? Kann ich aus einer Deckung heraus meine Ruten ablegen und füttern? Muss ich meinen Schirm oder meine Liege direkt am Ufer aufbauen oder kann das auch 10 m nach hinten verlagert werden? Klingt alles so unglaublich logisch und oldschool, aber kaum einer achtet darauf. Viele Dinge können beispielsweise nachts auch ohne Kopflampe erledigt werden. Wenn doch Licht benötigt wird, kann es nicht schaden, sich vom Wasser abzuwenden oder hinter dem Schirm zu arbeiten. Bin ich auf einer Flusswanderung, sind diese Dinge besonders wichtig. Bei einem kurzen Zeitfenster hat man oft nur eine Chance. Auch das Vorbereiten der Plätze sollte daher sehr vorsichtig erfolgen. Auf leisen Sohlen heißt daher mein Basic Nummer 5.

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