Es ranken sich viele Mysterien um das Wetter und welchen Einfluss es auf das Beißverhalten der Fische hat. Auch wir werden diese Frage heute nicht abschließend beantworten können. Dennoch startet Sidney Kalbitz einen Versuch und teilt heute seine Erfahrungen mit uns. Los geht´s.

Um der Frage nach dem passenden Wetter beim Karpfenangeln auf den Grund zu gehen, möchte ich meine Gewässer zunächst in drei Kategorien unterteilen, da sie meiner Meinung nach unterschiedlich auf verschiedene Wettersituationen reagieren. In diesem Kontext möchte ich euch dann meine Erfahrungen mitteilen.

Tiefe Baggerseen – welche Rolle spielt das Wetter beim Karpfenangeln?

Die tiefen Kiesgruben in meiner Region – Seen mit einer durchschnittlichen Tiefe von mindestens 15 Metern – haben mir immer konstant Fische oder keine Fische geliefert. Das Wetter war meistens ein Faktor, der meine Erfolge nicht wirklich stark beeinflusst hat. Natürlich gab es auch da mal längere Hitzeperioden, die auch mal ein bisschen schlechtere Fangquoten mit sich brachten. Im Großen und Ganzen hatten Sonne, Wind und Regen aber eher geringe Einflüsse auf meine Angelei und den Fangerfolg. Bei unterschiedlichsten Bedingungen hatte ich gute Nächte und schlechte Nächte. Eine viel größere Rolle spielte einfach der passende Bereich zur passenden Jahreszeit.

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Bei sehr inkonstanten Wetterbedingungen in einer regnerischen Nacht lief diese Kanone ab.

Flachlandseen – der Wind ist entscheidend

Bei meiner Angelei an den großen französischen Flachlandseen sieht das schon wieder ganz anders aus. Der wichtigste Faktor dort kristallisierte sich ganz klar nach einigen Sessions heraus: Wind. Viele Sessions, die als blank bei „Ententeichwetter“ angefangen hatten, drehten sich bei zunehmendem Wind zu guten Sessions mit einigen Fischen. Je mehr Wind, desto mehr Fisch gab es – sofern der Wind natürlich richtig stand. Ebenso flachten die Fänge ab, wenn aus stürmischem Wetter sonniges Wetter ohne Wind wurde.

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Eine sehr stürmische Herbstsession an einem flachen franz. Schlammsee, die zur wahren Fangorgie wurde und zum Schluss mit ca. 1 m hohen Wellen und 90 km/h Wind mit Vorsicht zu genießen war. Das Video zu dieser Session findet ihr auf dem NatureCarpTV YouTube-Channel.

Das erkläre ich mir vor allem durch den Sauerstoffeintrag. Diese Seen sind sehr flach und voller Schlamm und grade durch diese Umwälzung bei stärkeren Winden wird dem Wasser ordentlich Sauerstoff zugeführt, das aktiviert meiner Meinung nach die Fische und animiert sie zum Fressen. Durch den Wind werden natürlich auch gewisse Bereiche aufgewühlt, wodurch Nahrung freigelegt wird.

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Nach einem Wetterwechsel und einer stürmischen ersten Nacht lief die Uferkanten-Rute ab und bescherte mir diesen alten französischen Kämpfer.

Ein Gewässer sticht dabei, denke ich, besonders heraus. Der Lac de la foret d’orient. An diesem See verbrachte ich insgesamt schon sechs Wochen Angelzeit und das ohne jeglichen Karpfen und dafür schäme ich mich nicht. Erstaunlich war wirklich, dass ich bei Sonnenschein und keinem Wind zwei Wochen auf einem Platz saß, der im Herbst als einer der Top-Plätze gilt. Ich bekam zwei Wochen lang keinen einzigen Biss, außer ein paar Schleien, die sich bei dem Wetter pudelwohl fühlten. Bei meiner Abreise übernahm ein netter Engländer meinen Platz, der eine Woche später bei mega stürmischem Wetter und sehr viel Wind extrem gut fing. Die Bisse kamen auf Ruten, die genau dort lagen, wo meine Ruten ein paar Wochen zuvor ebenfalls lagen, an einer markanten alten Mauer.

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Eine der vielen Schleien aus dem Orient, die ich bei Sonnenschein und Ententeich fangen konnte.

Ebenso hatten wir im vergangenen Jahr aber auch eine Session an einem der großen nordfranzösischen Flachlandseen, bei der wir bei Sonnenschein und wenig Wind ein paar tolle Fische überlisten konnten. Erstaunlich war aber, dass wir doch nur dann fingen, wenn der Wind in unsere Richtung stand – auch wenn es nur wenig Wind war. Ob das wohl einfach Zufall war? Man wird es wohl nie wissen. Diese Session könnt ihr auf dem YouTube-Channel von Carpleads als Video ansehen.

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Ein hochrückiger französischer Spiegler an einem sonnigen und windarmen Tag.

Welchen Einfluss hat das Wetter am Fluss und Kanal?

Meine Erfahrungen bezüglich des Wetters am Fluss oder Kanal sind eigentlich relativ ähnlich zu den tieferen Seen. Ich arbeite am Kanal oder Fluss sehr viel mit Futter und das über längere Zeit. Wenn meine Plätze einmal angelaufen waren, fing ich kontinuierlich meine Fische. Egal ob Sonnenschein und 30 Grad oder ein bewölkter nass-kalter Tag – es gab in der Regel keine Unterschiede beim Fangen oder Nicht-Fangen. Vielleicht lag das auch an meinen Langzeitfutterplätzen. Ich persönlich denke jedoch, dass durch die kontinuierliche Bewegung und Umwälzung an diesen Gewässern, das Wetter einfach eine kleinere Rolle spielt.

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Ein goldener Schuppi aus der Elbe, der bei sommerlichem Wetter und 25 Grad trotzdem am Univerza hängen blieb.
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Mein erster französischer Kanalvierziger, der sich in einer milden Nacht auf meinen Futterplatz fingen ließ.

Planung und Freizeit

Ich persönlich handhabe es weiterhin so, dass ich dann angeln gehe, wenn ich Zeit und Lust habe. Ich denke, ein wichtiger Punkt ist die richtige Location oder den richtigen Gewässerbereich zu befischen. Die einzigen Sessions, die nach der Wetter-App geplant werden, sind meine Sessions an den großen nordfranzösischen Flachlandseen. Dort warte ich dann doch lieber mal eine Hitzeperiode mit wenig Wind ab und verschiebe meine Urlaubsplanung auf eine windigere Zeit mit deutlich „fängigerem Wetter“. Gerade plane ich meinen nächsten Orienttrip und kann euch versichern, bei Ententeichwetter werde ich dort nicht mehr angeln und verzweifeln. Ein Zeitraum von sechs Wochen steht zur Verfügung und irgendwann in dieser Zeit werde ich zwei wochenlang dort angeln. Doch wann genau ich losfahre, das weiß nur Aiolos (griech. Gott des Windes).

Zum Abschluss möchte ich noch loswerden, dass das alles nur meine persönlichen Erfahrungen sind und es da sicherlich viele Differenzen zu euren Gewässern geben kann und nur wer am Wasser ist, kann Fische fangen.

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Wichtig ist mir vor allem eins, immer auf der Jagd nach Freiheit zu sein.

Diskutiere mit!

Bei welchem Wetter lohnt es sich beim Karpfenangeln? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Unter diesem Facebook-Post kannst du gerne mitdiskutieren und deine persönlichen Erkenntnisse mit uns teilen. Wir sind auch auf deine Meinung gespannt.

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