Die folgenden Zeilen aus der Feder von Dennis Ehrlich beleuchten ein Thema, mit dem sich viele Karpfenangler im Laufe ihrer „Karriere“ konfrontiert sehen: Geänderte Lebensumstände führen dazu, dass man dem Karpfenangeln einstweilen den Rücken zuwenden muss – oder möchte.

Die Gründe sind vielfältig: Seien es familiäre Verpflichtungen, berufliche Gründe oder andere äußere Umstände. Und Hand auf’s Herz: Womöglich rennt eine solche Zwangspause auch ein Stück weit „offene Türen“ ein, will meinen: Manchmal kann ein gewisser Abstand zum Hobby nicht schaden, um nach einer gewissen Abstinenz umso motivierter und mit neuem Elan zurückkehren zu können!

Dennis Ehrlich: Von der Pause zum Neustart

Der Fall von Dennis Ehrlich ist das Beste Beispiel dafür. Er zeigt, dass eine gewisse Pause neue Energien freisetzen kann. Dennis hat sich 2024 eine Pause gegönnt, nachdem er Vater wurde – dazu unseren herzlichen Glückwunsch. Die folgenden Zeilen erzählen davon, welche Transformation damit für sein Hobby und sein Leben einherging. Der Tenor: Die Pause war rückwirkend das Beste, was Dennis passieren konnte. Aber lassen wir ihn selber zu Wort kommen.

*Hinweis: Dies ist der erste Teil von Dennis‘ ausführlichem Bericht. Teil 2 folgt in Kürze – stay tuned…

Dennis Ehrlich über den Spirit des Karpfenangelns: Von der Hobby-Pause zum Neuanfang -

Vaterschaftspause und Angel-Abstinenz: Mein Weg zur Hobby-Wiederaufnahme

Durch die Tatsache, dass ich im Jahr 2024 Vater geworden bin, war leider das Karpfenangeln eine gewisse Zeit nicht in den Alltag zu integrieren. Damit war zugleich klar, dass das Angeln einstweilen nicht mehr den Mittelpunkt meines Lebens einnahm, sondern eine untergeordnete Rolle spielte.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Je länger dieser Zustand zwischen väterlichen Verpflichtungen, Familienalltag und Arbeiten anhielt, desto mehr wuchs der Wunsch in mir, wieder am Wasser zu sein. Vielleicht war dieser Wunsch sogar größer denn je, denn die neuen Lebensumstände ließen mich schmerzlich vermissen, was mir mein Hobby seinerzeit immer gab.

Dennis Ehrlich über den Spirit des Karpfenangelns: Von der Hobby-Pause zum Neuanfang -
Dennis Ehrlich – Fangfoto aus alten zeiten!

Ende Oktober hielt ich es einfach nicht mehr aus. Durch den ganzen Stress brauchte ich einfach die Geräusche der Natur, den Nervenkitzel und die Zeit für mich. Und überhaupt: Man kann nur ein guter Vater und Ehemann sein, wenn man selbst im Gleichgewicht ist. Ehrlicherweise traf das auf mich in letzter Zeit nur bedingt zu, da ich nur noch „funktionieren“ musste.

Dennis Ehrlich über den Spirit des Karpfenangelns: Von der Hobby-Pause zum Neuanfang -

Neuanfang trotz schwieriger Vorzeichen

Natürlich ging meine Hobby-Wiederaufnahme mit dem Zugeständnis an kleinere Zeitfenster zum Angeln einher. Klar, dass an eine längere Session erstmal nicht zu denken war. Also musste ich überlegen, wie ich kurze Zeitfenster optimal nutze.

Erschwerend kam hinzu: Meine Gedanken zum Neustart fielen in die  Zeit, in der es auf den Winter zugeht. Kein guter Zeitpunkt für einen Neuanfang, magst du dir zurecht denken, lieber Leser! Das stimmt zwar, aber es tat meiner Motivation keinen Abbruch: Ich sah es als Herausforderung und nahm diese auch an. Mein eiserner Wille nochmal das Geräusch der Bissanzeiger zu hören, das Werfen oder ausfahren der Ruten, das Binden von Rigs, das Tüfteln für die perfekte Strategie. Und auch, wenn es manchem wohl komisch vorkommen mag: Selbst den üble Geruch des Keschers und der Abhakmatte am Ende der Session vermisste ich.

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Der Spirit des Karpfenangelns – Meine konkrete Auslegung

Somit entschied ich mich einfach den Spirit, den ich spürte, in jedes Rig, jeden Boilie und Pop-Up und jeden Meter, den ich im dem Trolley zurücklegen musste, einfließen zu lassen. Apropos Spirit: Viele reden vom „Spirit des Karpfenangelns“ aber niemand verrät, wie man diesen sich aneignen kann – geschweige denn, worin dieser Spirit eigentlich genau besteht. Ich bin der Meinung, dass der Spirit mit dem Interesse an der Sache wächst. Der Spirit steht und fällt mit der Frage, wie viel Gefühl und Herzblut man in dieses Hobby mit einfließen lässt. Das beginnt bereits bei den ganzn kleinen Handgriffen und der Liebe zum Detail.

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Liebe zum Detail – der kritische Blick auf den Hookbait!

Die erste Session seit dem Neubeginn

Um es gleich vorwegzunehmen: Die erste Session mündete in einem Blank. Und auf die Frage nach dem „Warum“ habe ich schlicht und ergreifend eine einfache Antwort: Wenig Vorbereitung, ein neues Gewässer, purer Stress im Vorfeld der Session und zu allem Überfluss auch noch Bauchschmerzen. In Summe: Es sollte einfach nicht sein. Und die Erkenntnis: Oft reflektiert man sich in seinem Handeln viel zu wenig. Aber ich hatte in der Zwischenzeit erkannt, dass genau darin bei bei mir oft der Schlüssel zum Erfolg lag. Es galt also, die gemachten Fehler zu beheben und die Vorgehensweise zu ändern.

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Neuer Versuch mit neuem Mindset

Mit diesem Zugeständnis an die reflektierte Neu-Bewertung bereitete ich mich für die neue Session zwei Wochen lang vor. Zur Klarstellung: Mit Vorbereitung meine ich nicht, dass ich Plätze vorbereitete oder Futter einbrachte. Ich konzentrierte mich hingegen vielmehr auf die Wetterbedingungen. Wie verhält sich der Mond, der Luftdruck, der Wind, wie sind die Temperaturen – und nicht zuletzt: Die Location. Übrigens konnte ich das Suchen und Finden der Fische wunderbar mit langen Spaziergängen mit Frau und Kind verbinden.

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Nachdem ich meine „Hausaufgaben“ gemacht hatte, ging es dann Mitte November an ein mir bekanntes Vereinsgewässer. Dieses weist eine maximale Tiefe von circa 2m auf. Viele fragen sich jetzt bestimmt, warum ich es nicht an tieferen Gewässern versucht habe, wie man es immer Winter vielleicht eher erwarten würde.

Das hat einen bestimmten Grund: Die Tatsache, dass ich dieses Gewässer mehrere Jahre befischt habe und jede Zugrute, jedes Verhalten zu jeder Jahreszeit wirklich studiert habe. Und insofern wusste ich, wo ich an diesem speziellen-, flachen Gewässer realistische Erfolgsaussichten haben würde. Überhaupt wartet dieses Gewässer immer wieder mit Eigenheiten und Überraschungen auf, was sich im Laufe des Berichtes noch herausstellen wird.

Dennis Ehrlich über den Spirit des Karpfenangelns: Von der Hobby-Pause zum Neuanfang -

Jedenfalls: Ich beschränkte mich auf Day-Sessions, welche ich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang oder bis maximal eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang aussitzen wollte.

Ich machte mich mit leichtem Tackle los zum ausgewählten Platz. Als ich am Platz angekommen war, beobachtete ich die Wasseroberfläche beim Aufbauen meines Setups, aber – wie es im Winter meistens der Falls ist: Es stellte sich keine Aktivität ein. Dann erinnerte ich mich an die Zeit zurück, an der ich dieses Gewässer intensiv befischt hatte. Dabei wurde mir klar, dass ich seinerzeit nie wenig gefüttert hatte, da die Fische das Eintreffen der Boilies immer mit etwas Positivem verbunden hatten. Die Fische wurden durch die Angler dahingehend konditioniert. Es wär doch gelacht, wenn ich da nicht anknüpfen könnte…

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Das ist doch ein guter „Cliffhanger, oder? In Teil 2 erfährst du, wie es Dennis gelang, seine Taktik an die Umstände anzupassen – nicht zuletzt dank der neuen Perspektiven, die Dennis durch seine Angel-Abstinenz gewinnen konnte. Sie halfen ihm, wie er oben selber andeutet, seine Erfahrungen mit den neu-gewonnenen Eindrücken abzugleichen – und das Beste daraus zu machen!

Dennis Ehrlich über den Spirit des Karpfenangelns: Von der Hobby-Pause zum Neuanfang -