Weiter geht’s mit der spannenden Story von Dennis Ehrlich. Dennis erzählt vom Wiedereinstieg in’s Karpfenangeln und allen Neu-Orientierungen und Perspektivwechseln, die damit einhergehen. Er äußert sich damit zu einem Thema, mit dem sich viele Karpfenangler im Laufe ihre „Karriere“ konfrontiert sehen; denn viele Gründe können dazu führen, dass man sich mal ein Pause gönnen will – oder gar muss!

Karpfenangler unterscheiden sich mitunter sehr in der Frage, wie sie damit umgehen. Hat das Karpfenangeln erstmal nur nachgeordnete Priorität oder gerät es gar völlig in den Hintergrund? Game Over? Oder nutzt man die Pause lieber, um sich ein paar grundlegende Gedanken zu machen? Tatsache: Das sind nur ein paar Beispiele der inneren Vorgänge – und die Übergänge sind fließend.
In Dennis‘ Fall war es die Vaterschaft, die ihm eine Pause auferlegte, wie du in Teil 1 (hier klicken) erfährst. Und bereits hier wurde klar, dass das Feuer bei Dennis während seiner Auszeit nie erloschen war.
Die bestehende „Restwärme“ war auch dringend angezeigt, denn er entschied sich ausgerechnet im Winter, die Glut neu zu entfachen. Aber Dennis war schlau und hat sich den Wiedereinstieg so leicht wie möglich gemacht – zumal sich das Gewässer und die Vorzeichen der Angelei am betreffenden See niedrigschwellig mit Dennis‘ neuer Lebensaufgabe verbinden ließen. Und genau dort schließen sich die folgenden Zeilen nahtlos an…
Mein Weg zum Wiedereinstieg – Von Day-Sessions und Erfahrungswerten
Ich beschränkte mich auf Day-Sessions, welche ich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang oder bis maximal eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang aussitzen wollte.

Ich machte mich mit leichtem Tackle los zum ausgewählten Platz. Als ich am Platz angekommen war, beobachtete ich die Wasseroberfläche beim Aufbauen meines Setups, aber wie es im Winter meistens ist: Es zeigte sich keinerlei Aktivität.
Jedoch beunruhigte mich das nicht weiter, denn ich erinnerte mich an die Zeit zurück, an der ich dieses Gewässer intensiv befischt hatte. Seinerzeit hatte ich die Erfahrung gesammelt, dass die Fische das Eintreffen der Boilies immer mit etwas Positivem verbunden hatten. Die Fische wurden durch die Angler dahingehend konditioniert. Die Menge des Futters spielte dabei eher eine untergeordnete Rolle.

Mein Futteransatz – Boiliewahl mit Köpfchen
Den oben genannten Effekt des Futtereintrages wollte ich erneut erzielen. Also griff ich zu meinem Wurfrohr und fing an, einige Boilies in den Sorten Krill und Sweetcorn auf den Plätzen zu verteilen. Warum Krill und Sweetcorn? Ich setze einmal mehr auf die Sorte Krill, da ich oft die Erfahrung gemacht habe, dass die Fische in diesem Gewässer so viele proteinreiche Nahrung auf natürlichem Wege finden, dass ich dem natürlichen Futter sehr nahe kommen wollte. Unter diesem Aspekt bildeten die Krill-Boilies den ersten Teil meines Futterkonzeptes.
Den anderen Teil bildete die Sorte Sweetcorn. Ich entschied mich für diese Sorte, da die Farbe „gelb“ und das Mais-Aroma für die Fische auch nichts Unbekanntes sind. Überhaupt gilt: Viele der Stipp-Angler oder Feeder-Angler nutzen Dosenmais zum Füttern und die Fische kennen die Farbe und den Geruch. Somit ist weniger Scheu und Argwohn der Fische zu erwarten. Des Weiteren bietet der Kohlenhydrat-Mix eine kurze Durchlaufzeit, was die Fische bei Fresslaune hält.
In Summe bildete mein Boilie-Konzept ein perfektes Gemisch aus Proteinen und Kohlenhydraten – aufgeteilt auf zwei Köder.

Rigs und Futter-Taktik
Eine Rute bestückte ich mit einem Spinner-Rig, an dem ich einen 15mm gelben Pop-Up anbot und die weitere Rute mit einem Snowman am Slip D-Rig. Das Ungewöhnliche an diesem Gewässer ist, dass die Fische sich im flachsten Bereich des Sees aufhalten – und zwar in allen vier Jahreszeiten. Gleichzeitig wollte ich direkt am Hakenköder ein paar Boilies und Staubfutter anbieten, um eine maximale Lockwirkung auch am Hakenköder zu haben. Somit setzte ich meine PVA-Produkte des Vertrauens ein, welche auf Maisstärke-Basis sind, auf chemische Zusätze verzichten und sich bei jeder Wassertemperatur optimal auflösen. Solcherart vorbereitet, platzierte ich beide Ruten in 70cm Wassertiefe.


Frequenz geht über Menge – mein Weg zum Fisch
Die Rigs lagen an Ort und Stelle und ich fing an meine Boilies auf die Spots zu sticken. Alle 45 Minuten 10-15 Boilies pro Spot sollten ausreichen. Es dauerte keine 15 Minuten bis der erste kleine Spiegler sich den gelben Pop-Up einverleiben wollte.
Nachdem der Fisch versorgt war, warf ich die Rute mit frischem Hakenköder nochmal zum selben Platz. Doch dann war Funkstille. Der Wind drehte, es fing an, wie aus Eimern zu regnen und ich dachte mir, dass der eine Biss der einzige war. Hand auf’s Herz: Auch wenn der Fullrun und alles, was dazugehört, mich schon ganzheitlich erfüllten, so machten sich doch Hunger auf mehr. Ich war wieder „on Fire“ und ich denke, mit dieser Einschätzung kannst du, lieber Leser, dich identifizieren.

Von Sitzfleisch und Dauerregen
Somit blieb ich einfach noch sitzen und ließ mich vom Regen waschen. Ohne Schirm oder Zelt bei Regen angeln – War das Leichtsinn? Jein – ich war nur naiv genug, um dem Wetterbericht genug Glauben zu schenken. Ein Fehler, wie sich rausstellte; denn aus dem kurzen Schauer von 5 Minuten entwickelten sich vier Stunden Dauerregen.
Beharrlichkeit wird belohnt
Aber trotzdem – ich hielt durch und mein Sitzfleisch trotz dieser Bedingungen wurde belohnt. Ich hatte das Meiste schon zusammengepackt, lediglich eine Rute war noch im Rennen. Die Rute mit dem Snowman bestehend aus einem Commander-Krill Hookbait und einem Monster Floater Pop-Up in Pink. Und diese Rute lief plötzlich ab. Mit solch einer Power, dass ich dachte, es wäre Sommer – von Winterträgheit keine Spur. Mehr noch: Der Fisch riss mir fast die Rute vom Rodpod.
Nach hartem Drill vor Hindernissen konnte ich den kampfstarken Schuppi sicher landen. Nicht der Größte aber ein sehr kampfstarker Fisch, der das Feuer in mir noch weiter zum lodern brachte. Komplett durchnässt machte ich mich auf den Weg nach Hause.

Neue Ziele
Mit der neu-aufgenommenen Motivation bereitete ich wieder die nächste Session vor. Ich schloss mich mit einem guten Freund und Teamkollegen zusammen. Gemeinsam versuchten wir, durch Vorbereiten eines Platzes einen der größeren Fische des Gewässers „an’s Band zu kriegen“.
Da sich mein Futterkonzept bewährt hatte, bereitete ich meine Plätze wieder mit Sweetcorn und Commander Krill Boilies in 16mm vor und fütterte alle zwei Tage 2-3 Hände Boilies großflächig mit dem Wurfrohr. Am Angeltag machten wir uns zeitnah zum Gewässer, damit wir die Ruten mit den ersten Sonnenstrahlen auf die Spots werfen konnten. Ich bestückte meine Rute wieder mit den selben Ködern wie beim letzten Mal. Wie war das Sprichwort nochmal? „Never change a running System…“ Da ist was dran!

Kleine Rig-Anpassungen
Auch, wenn ich dem alten Prinzip treu blieb, so nahm ich ein paar kleinere Anpassungen vor. Dieses Mal setzte ich zusätzlich noch auf meiner Pop-Up-Rute Partikel und Insekten ein, z.B. roten und gelben Mais, Hanf, Weizen und Insekten wie Bachflohkrebse, Zuckmückenlarven und gecrushte Boilies, um mehr Attraktivität auf den Spot zu bekommen. Doch den ganzen Tag hatten wir keinen einzigen Zupfer.
Wetterwechsel und Überraschungen
Doch woran lag die Beissflaute? Eine Theorie: Wir haben nicht aufs Wetter geachtet. Es war ein Temperatursturz von 6 Grad und zuvor mehrere Tage Ostwind. Es fing an zu schneien und zu hageln. Doch was wir aus dem Auge verloren hatten: Der Luftdruck war rapide gesunken und der Wind hatte von Osten nach Süden gedreht.
Doch als die Sonne sich langsam zurückzog und wir an’s Einpacken dachten, passierte es wieder.
Der Swinger schnallte nach oben und ich hatte einen Fisch im Drill. Ich merkte schon beim Drill, dass der Fisch einfach nur marschierte. Keine Kopfschläge, sondern der Fisch gab durch sein Gewicht in diesem Kampf erst einmal den Ton an.
Es war wieder die Rute mit meinem Slip D-Rig, bestückt mit einem Commander Krill Hookbait und einem pinken Pop-Up. Nach gut 20 Minuten Drill konnten wir den Fisch in den Kescher führen. Mein Teamkollege Tim sagte zu mir, dass sei einer der größeren Fische. Doch ich kannte diesen Fisch nicht. Ich habe ihn in den Jahren zuvor noch nie gefangen – so glaubte ich jedenfalls. Doch bei genauerem Hinblicken konnte ich mich an ein Detail erinnern: Ich hatte diesen Fisch doch schon Mal gefangen – allerdings war das schon viel länger her und seinerzeit hatte der Fisch viel weniger Gewicht. Daher war er auch nicht auf Anhieb zu erkennen.
Umso größer war die Überraschung – im wahrsten Sinne: Als wir ihn wogen riss ich die Augen auf und wir jubelten bis zum geht nicht mehr. Dieser wunderschöne Spiegler hat in den letzten 3 Jahren 7 Kilogramm zugenommen.

Mein Fazit
Dieser Fang war für mich das Gegenstück einer großen Genugtuung. Auf eine Formel gebracht: Hartnäckigkeit ist oftmals wichtiger als die schwierigen Vorzeichen der Jahreszeit. Wichtig ist, seine Angelei den Gegebenheiten anzupassen und die Natur auf sich wirken zu lassen.
Und noch etwas: Eine einstweilige Pause vom Angeln kann durchaus beflügelnd sein. Meine Geschichte hat gezeigt, dass der Wiedereinstieg gar nicht so schwierig und holprig sein muss, wenn man seine Ziele realistisch setzt, seine „Hausaufgaben macht“ und dabei zumal auf seine Erfahrungen aus vergangenen Jahren zurückreifen kann. Gelernt ist eben gelernt! Auch der Winter muss hierbei kein Hindernis darstellen!
In diesem Sinne: Lasst euch nicht unterkriegen und bereitet euch euch einen erfolgreichen Wiedereinstieg, falls auch ihr einstweilen andere Prioritäten im Leben habt! Ich bedanke mich für’s Lesen und nicht vergessen: Geht nicht, gibt’s nicht!




