Es sind bereits ein paar Wochen vergangen, seitdem wir zusammen mit Gregor Nieschwietz das Thema „Digitalisierung der Karpfenangler“ näher beleuchtet haben. Im vorherigen Part hat Gregor unter anderem einen Schwingungssensor mit einer Spodrute verbunden, um messbare Ergebnisse über das Schwingungsverhalten der Rute zu erzeugen und daraus Rückschlüsse zur Optimierung zu ziehen. Im dritten und letzten Teil wird Gregor einen Teil seiner Messergebnisse zur Schwingungsanalyse dieser Rute zeigen und auf weitere technische Errungenschaften beim Karpfenangeln eingehen.

Du brauchst vorab eine Auffrischung der vorherigen Parts? Kein Problem – an diesen Stellen kannst du Part 1 und Part 2 vorab nochmal in Ruhe nachlesen.

Digitale Technik in Ruten – nur eine Spielerei?

Es war erstaunlich, wie gut die Signalübertragung beim Werfen gewesen ist. Es ist zwar im ersten Schritt nur eine technische Spielerei, jedoch macht es auch Spaß, ein wenig Forschung mit dem Angelgerät zu betreiben. Ich werde es nicht zu technisch ausführen, aber die einzelnen Steps eines Wurfes sind hier aufgeführt und können grafisch nachvollzogen werden:

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  1. Beschleunigungsphase beim Auswerfen
  2. Nachschwingen der Rute
  3. Abspulphase
  4. Aufschlag auf der Wasseroberfläche
  5. Verhalten der Rute nach Beendigung des Wurfes

Es ist bei genauerer Betrachtung zu erkennen, dass ein Schwingverhalten in erster Linie einem Rutentyp zugeordnet werden kann. Untersucht man nun auch die einzelnen Frequenzen, so lassen sich diese auch auf die eingesetzten Materialien ableiten. Dies könnte ein weiterer Meilenstein im Rutenbau sein. Die Frage ist, ob die Rutenbauer diesen oder einen ähnlichen Weg gehen werden. Ich sage voraus, dass früher oder später digitale Technik in Ruten verbaut werden wird. Oder zumindest anhand solcher Messungen eine weitere Generation von Ruten entsteht.

Technische Errungenschaften beim Karpfenangeln

Wie auch immer die Zukunft der Angelgeräte aussehen wird, wir sind schon mittendrin. Ein gutes, wenn nicht gar das beste Beispiel, ist der Deeper, den ich im ersten Teil bereits erwähnt habe. Gerade der neue Deeper mit der CHIRP (Compressed High Intensity Radiated Pulse) ist in seiner technischen Ausführung hervorragend für die Angelei geeignet. Er ersetzt größtenteils die Lotpose (außer als Marker) und verbindet die Uferangelei mit den Vorteilen der Spotfindung vom Boot aus. Auch die Reichweite mit 100 m ist in den meisten Fällen ausreichend. Die Verbindung zum Smartphone und die App laufen meistens stabil. Häufiger hört man von Problemen bei Applegeräten. Hier wird in Zukunft bestimmt nachgebessert, um diese Umstände zu lösen.

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Welche digitale Errungenschaft ich selber gerne nutze, ist das Futterboot. Gerade bei meiner vergangenen Auslandstour vor ein paar Wochen habe ich die Vorteile ausspielen können. Ich habe auf 120 m Entfernung auf einer gerade mal einen Meter breiten Kante eines abfallenden Ufers geangelt. Dieser Hot Spot war in 5 Meter Tiefe ausschlaggebend. So konnte ich einige der schönsten und auch schwersten Fische des Sees fangen. Die entsprechende Futtertaktik hat natürlich auch eine wichtige Rolle gespielt, aber ohne ein entsprechendes Hilfsmittel hätte ich die Kante mit der Lotpose wahrscheinlich nicht gefunden. Es war für mich schon fast unangenehm, als ich von einem anderen Angler Besuch bekommen habe. Er fischte schon seit einer Woche und bisher ohne Erfolg. Zu diesem Zeitpunkt drillte ich meinen dritten Fisch. Und weitere folgten! Wir haben uns folglich über den Einsatz solcher Technik unterhalten und die Vor- und Nachteile abgewogen. Ein großer Nachteil sind die Anschaffungskosten. Je nach Hersteller und Ausführung kommt da ein hübsches Sümmchen zusammen. Natürlich dürfen Futterboote nicht überall verwendet werden und das finde ich ehrlich gesagt auch richtig. Es gibt durchaus Gewässer, an denen es sehr schnell zu Unstimmigkeiten kommen würde. Und hier wird auch deutlich, dass es Fluch und Segen sein kann. Während meines Studiums habe ich mir oft die Frage gestellt, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn manche Technik nicht erfunden worden wäre.

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Die digitale Erweiterung unserer Angelei wird mit steigenden Kosten und vermeidlich höherer Effizienz der Angelei verbunden sein. Sofern die angebotenen Systeme tatsächlich einen Mehrwert darstellen werden. Es kommen immer mehr digitale Produkte auf den Markt. Zuletzt habe ich mich mit einem Entwickler unterhalten, der an einem elektrischen Köderfisch für das Wallerangeln arbeitet. Auch das gibt es schon, kleine elektrische Fische für den Hechtfang. Jetzt kommt der nächste Step. Den Fisch größer machen, mit einer kleinen Kamera auszustatten und die Übertragung durch die Pose an das Smartphone zu realisieren. Ob etwas daraus wird und die Wallerangler das Produkt annehmen werden, wird sich zeigen. Ich fische fast ausschließlich auf Karpfen, kann mir aber vorstellen, dass es klappen könnte. Und da wir schon von Kameras im und am Köder sprechen, ist hier die Schnittstelle zu einer Waterwolf auch nahe. Eine kleine kompakte Kameraeinheit, die alles rund um den Hakenköder filmen kann. Hierbei haben wir aber keine direkte Verbindung zu einem Auswertegerät. Die Daten müssen nach dem Einholen ausgelesen werden. Das funktioniert aber problemlos.

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Das Auge im Wasser: Unterwasserdrohne

Ein weiteres nennenswertes Produkt in diesem Zusammenhang, dessen Weiterentwicklung sicherlich stattfinden wird, ist die Unterwasserdrohne von Powervision. Mit einem 70 m langem Kabel ausgestattet, kann das kleine U-Boot schon eine einigermaßen vernünftige Reichweite vorweisen. Dieses „kleine Spielzeug“ ist mit einem Echolot und einer 4K Kamera ausgestattet und durch die beiden Scheinwerfer lässt sich auch die maximal angegebene Tiefe von bis zu 30 Meter erkunden. Es kann zudem durch einen Magnetklip auch Montagen an die gewünschte Stelle bringen. Leider lassen sich damit keine Futtermengen an die gewünschte Stelle transportieren.

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Es ist nicht rein für unsere Karpfenangelei ausgelegt, jedoch verfügt die Drohne über ein enormes Potential. Was so richtig Laune macht, ist die VR-Brille (Virtual-Reality). Damit kann man dann so richtig in die Welt der Fische abtauchen. Ein Tool für sehr zielgerichtete Angler, die nun auch wirklich nichts dem Zufall überlassen wollen. Es ist auch ganz prima vom Boot einsetzbar. Die Tauchzeit beträgt ca. 3 Stunden und das ist für diesen Einsatzzweck auch befriedigend. Um Gewässer zu erkunden und sich seinen Spot in jedem Detail anzusehen, ist diese Unterwasserdrohne bestens geeignet. Je klarer das Wasser, umso deutlicher das Bild. Aber das versteht sich bei einem optischen System von selbst. Die Frage, die sich aber auch stellt, ist der Umstand mit dem Kabel. Neigt es dazu sich in Hindernissen zu verwickeln?  Ich werde mich mit diesem Gerät genauer auseinandersetzen und darüber berichten. Es reizt mich sehr, die Technik auf Herz und Niere zu prüfen und zu sehen, welchen Mehrwert der Tauchroboter leisten kann.

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Digitalisierung beim Karpfenangeln – Fluch oder Segen?

Und schon stelle ich mir vor, dass manche Leser bestimmt schon mit den Augen rollen und sich fragen, ob das alles sein muss. Hat das noch was mit Angeln zu tun und was ist mit der guten alten Abenteuerlust, die unter Umständen durch den Einsatz der ganzen Technik leiden kann? Und genau hier muss es jeder für sich selbst entscheiden, wie er mit diesem Thema umgeht. Es gibt diejenigen, die sich der klassischen Angelei verschrieben haben und diejenigen, die alle möglichen fortschrittlichen Techniken anwenden. Und dann gibt es noch den Mittelweg. Jene, die nur bestimmte technische Produkte anwenden. Welcher Typ von Angler bist du?

Die Frage, die sich durch die Digitalisierung auch stellt, ist wie die zukünftigen Generationen das Karpfenangeln angehen werden. Ich halte es für unabdingbar, eine Lotrute richtig einsetzen zu können, die Fische zu beobachten und ein Gefühl für das Gewässer zu bekommen. Die „Älteren“ unter uns sind mit der Feederrute und der Pose losgezogen und dann später zum Karpfenangler mutiert. Viele Jungangler steigen direkt beim Karpfenangeln ein und durchleben eine andere Entwicklung. Für sie sind Futterboote und Apps nichts neues. Daher werden Sie mit der Thematik auch anders umgehen.

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