Eine klare, eisige Nacht Anfang November. Der abnehmende Mond steht am Firmament. Über der Stadt hängen Wolken. Dächer glänzen nass und Straßen spiegeln das gelbliche Licht der vielen Laternen. Wellen schlagen an eine Betonwand. Es hallt ein lautes Geplätscher über den Fluss, als würde ein großes Boot vorbeifahren. Das Wasser schwappt auf mein kleines Betonplateau, auf dem ich sitze. Beinahe hätte ich nasse Füße bekommen. Kreischende Möwen fliegen hoch über mir am Himmel während man die aufgehende Sonne schon am Horizont erahnen kann. Ein Krankenwagen fährt mit lauter Sirene vorbei und Pendler machen sich mit ihren Autos auf den Weg zur Arbeit. Langsam erwacht das Leben am Fluss. Der sanfte Dunst über dem Wasser dämpft den Geräuschpegel der erwachenden Gesellschaft. Von dem Trubel der Menschen nehme ich kaum etwas wahr. Meine volle Aufmerksamkeit liegt auf der im Halbkreis gebogenen Rute in meinen Händen.

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Ein paar Minuten zuvor wurde ich durch einen grellen Alarmton geweckt. Einige Sekunden später zerrt ein starker Gegner viele Meter Schnur von meiner Rolle. Mit langsamen und starken Flossenschlägen bewegt sich der Fisch stetig in Richtung der Fahrrinne. Ich versuche seine Flucht zu stoppen. Meter für Meter nimmt er sich Schnur von meiner Spule. Die Bremse tickt unaufhörlich. All meine Bemühungen, die Kontrolle zurückzuerlangen und ihn vom Grund zu lösen, scheinen keinen Eindruck auf den offensichtlich großen Fisch zu machen. Ich werde nervös. Meine Beine zittern. Mein Körper produziert Unmengen an Adrenalin. Ich werde mit dem Zeug vollgepumpt. Meine Herzfrequenz steigt. Meinen Puls spüre ich beim Versuch nach Luft zu schnappen. Ich muss es unbedingt schaffen den Fisch zu stoppen.

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Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich die Fische in einem Hindernis im Flussbett festsetzen. Der Grund des Flusses ist mit einigen wirklich gefährlichem Unrat übersät. Ich entscheide mich die Chance zu ergreifen und gebe mehr Druck auf den Fisch. Er kämpft. Gibt alles, als würde sein Leben davon abhängen. Zuerst passiert nichts. Ich befürchte der Fisch könnte aussteigen. Doch dann sehe ich Luftblasen aufsteigen. Ein Glück, der Fisch gibt auf und ändert seine Schwimmrichtung. Das ist der Moment, auf den ich gewartet habe. Mit gleichbleibender Kraft schaffe ich es, den riesigen Fisch an die Oberfläche zu pumpen. Wie ein Brett liegt er vor mir. Ich muss bloß noch den Kescher unter ihn schieben. Leichter gesagt als getan. Die Strömung drückt den Kescher immer wieder weg. Schließlich taucht der Fisch wieder ab und nimmt einige Meter Schnur. Der nächste Versuch klappt. Nach ein paar atemberaubenden Momenten, gelingt es mir, den massiven Fischlaib ins Netz zu führen. Ich bin erleichtert. Eine Last fällt von meinen Schultern. Der Erfolg fühlt sich großartig an. Ich bin stolz!

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