In doppelter Hinsicht eine besondere Session: Nach einer zweijährigen Pause ging es für Benjamin Heigl endlich wieder raus ans Wasser – und zum ersten Mal in Begleitung seines Sohnes Emil. Nach ein paar ordentlichen Startschwierigkeiten hat ein Fang den ganzen Aufwand jedoch wett gemacht und die gemeinsame Session die Krone aufgesetzt. Das Wort überlassen wir an dieser Stelle direkt Benjamin. Los geht´s.

Es war soweit. Nach zweijähriger Abstinenz habe ich endlich mal wieder die Karpfenruten ausgepackt. Dazu kommt, dass es die erste Session mit meinem 7-jährigen Sohn Emil gewesen ist. Geplant waren 4 Tage und 3 Nächte. Ich bereitete alles vor und bepackte das Auto. Bis oben hin gefüllt ging es an einen ca. 10 h großen See nach Österreich.

Dort angekommen, wurde erstmal das Gewässer gecheckt. Nach dem Ausladen und Aufbau bei schwülen 28 Grad wurde das Boot „zu See“ gelassen und der Gewässerabschnitt genauer unter die Lupe genommen. Für meinen Sohn war das alles natürlich sehr aufregend und hat sehr viel Spaß gemacht.

Die Begebenheiten vor Ort

Nun wurde unser Abschnitt mit dem Echolot durchforstet. Die Struktur hatte wenige markante Stellen. Krautwuchs war mittelmäßig vorhanden. Nach langer Suche fanden sich drei Spots, die vielversprechend aussahen. Fraßlöcher, minimale Plateaus, Krautlöcher. Die Spots wurden aktiviert und die Ruten gelegt.

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Aprilwetter im August

Das Wetter hat es uns nicht einfach gemacht. Die Tage vor der Anreise hat es nach längerer Trockenphase mächtig geregnet. Laut einem Local stand das Wasser ca. 15 cm über Normalstand. Da ich das erste Mal an diesem Gewässer war, wussten ich nicht, wie sich diese Verhältnisse auf die Fische auswirken.

Am ersten Tag war es nach dem Regen bei 28 Grad sehr schwül und man merkte, dass sich da was zusammenbraute. Gegen Abend fing es dann an, zu regnen und der Wind legte ziemlich zu. Der Regen hielt die ganze Nacht über an und legte sich erst im Laufe des Vormittags wieder. Somit wurde der Start im trockenen Bivvy verbracht. Die restlichen Tage waren von konstantem Wind und gelegentlichen Schauern geprägt. Die Temperaturen blieben bei steigendem Luftdruck soweit stabil.

Meine Futterwahl

Zum Aktivieren der Spots setzte ich auf Partikel und vereinzelte Boilies. Die Spots wurden verschieden mit Tigernüssen, Hanf, Weizen und Mais bestückt. Mal sehen, was die Fische mögen. An den Rigs befanden sich ein klassischer Schneemann sowie Tigernüsse und auch ein Wafter. Ich musste ja erstmal sehen, auf was die Karpfen hier anspringen.

Viel Zeit für andere Sachen

Da wir viel Zeit hatten, musste diese auch vertrieben werden. Mit Radiobegleitung saßen wir am Wasser, beobachteten den See und fachsimpelten ein wenig. In den Abendstunden mit kleinem Feuer, Marshmallows und auch dem ein oder anderem digitalem Zeitvertreib. Einfach nur die gemeinsame Vater-Sohn-Zeit genießen. Steinchen schmeißen, so manch Getier entdecken oder auch einfach mal das abendliche Fußballspiel beim Lagerfeuer gucken.

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Durststrecke – und dann die dicke Überraschung

Ich versuchte wirklich viel und schwankte zwischen Ausharren und Strategiewechseln. Jedoch blieben die Bissanzeiger bis zum dritten Tag mucksmäuschenstill. Soweit ich es mitbekommen habe und beobachten konnte, wurde in diesen Tagen sehr wenig bzw. nichts gefangen. Dann kommt das natürliche Grübeln. Liegt es an mir? Was mache ich falsch? Was muss ich ändern? Ich änderte jedoch nichts grobes an meiner Taktik und dachte mir „das muss doch funktionieren, du bist auf dem richtigen Weg.“ Auch mein Sohn wollte nun unbedingt mal seinen ersten Karpfen fangen.

Dann, am dritten Nachmittag: Pieppieppiiiep. Ein Biss! Aufgeregt wie ein kleines Kind zu Weihnachten griff ich die Rute und spürte, er ist dran. Nun die Ruhe bewahren. Mit großen Augen und Hoffnung meines Sohnes, der hinter mir stand und dem Druck, den ich mir selber machte, holte ich das noch Ungewisse am Ende der Schnur immer näher. Einige Fluchten später sah ich diesen großen schuppigen Rücken aus dem Wasser steigen. Das machte den Druck nicht geringer und ich bekam sogar weiche Knie.

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Herangekurbelt, zog der Dicke immer wieder einige Meter ab. Welch Power. Immer wieder spürte ich seine Schläge in der Rute. Doch irgendwann habe ich den Kampf gewonnen und er lag in den Maschen. Die Freude und die Erleichterung waren grenzenlos. Erstmal in die Craddle damit und durchatmen. Das Grinsen von mir und Emil wurde nur noch durch die Ohren begrenzt. Dann versorgten wir den Fisch. Emil reichte mir die Waage und da stand es: 31,4 Kilo!

Bei diesem einen Fang sollte es dann auch bleiben. Aber wie heißt es so schön, „nicht jeder Tag ist Fangtag“. Es kommt ja auch nicht auf die Masse an und dieser Fang entschädigt dann natürlich auch den ganzen Aufwand. Fazit: Viel Aufwand, viele Fragezeichen, ein bisschen Frust, aber zum Ende mit einem guten Gefühl die Heimreise angetreten.