Die Nächte werden länger. Dichte Nebelfelder ziehen über das Wasser. Morgentau lässt sich auf dem Rasen nieder und die Temperaturen fallen nachts langsam in den einstelligen Bereich. Jetzt ist die beste Zeit zum Karpfenangeln!

Vorbereitung ist das A und O

Das ganze Jahr über erstreckte sich meine Angelei fast ausschließlich über spontane Sessions, meist unter der Woche. Im Frühjahr auch mit recht guten Ergebnissen, die sich Richtung Sommer dann aber gegen Null bewegten. Ich hatte schon lange meinen Urlaub für die längere Session eingereicht – endlich mal Angeln mit besserer Vorbereitung.

Ich nahm meine Lotrute und das Futterboot, Location machen war angesagt. Den Bereich, den ich befischen wollte, hatte ich mir schon im Frühjahr ausgeguckt. Diesmal guckte ich aber genauer hin. Ich malte mir den Verlauf der Strukturen auf ein Blatt Papier. Schnell war klar, wo ich fischen werde. Ich warf die Spods nochmal mit dem Blei an und längte alles ab.

Ich fütterte ein wenig an und fuhr mit einem guten Gefühl Richtung Heimat. Am nächsten Tag wiederholte ich meine Futteraktion und blieb noch einige Minuten und beobachtete das Wasser. Am darauffolgenden Tag sollte es los gehen. Schon morgens hatte ich kein richtiges Ohr für meine Frau, da ich bereits voll im Angelmodus war. Früh suchte ich meine Sachen zusammen und legte mir alles parat. Vor der Abfahrt fragte ich meinen Sohn noch, ob ich heute was fangen werde. „Ja“, sagte er.

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Die Karpfen schon in Hörweite

Am See angekommen war ich froh, den See für mich alleine zu haben. Ich fütterte einige Spombs auf meine Plätze und richtete das Camp ein. Vereinzelt konnte ich einige Carps schon springen hören. Was an dem See immer ein gutes Zeichen ist. Also Ruten ablängen, PVA Sack dran und raus mit den Montagen. Ich verzichtete bewusst auf mein Futterboot, da an dem See so gut wie jeder damit fischt. Gegen 22 Uhr hatte ich den ersten Lauf. Nach der Aufnahme verlor ich den Fisch aber recht schnell. Ich war leicht niedergeschlagen durch den Aussteiger, hatte aber gute Hoffnungen auf weitere Aktionen.

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Aussteiger – na und?

Was dann geschah, kann unter die Kategorie Sternstunden verbucht werden. Im 45-Minuten-Takt lief die Rute ab. Und immer dasselbe Spiel: Ablängen, neues Vorfach mit einem 20 mm Kraken Wafter bestücken, PVA Sack einhängen und raus. Gegen 5 Uhr morgens versagte der Akku meiner Bivvy Lampe.

Zu dieser Zeit schrieb ich grade mit einem Freund und erzählte ihm, dass meine Karpfensäcke alle voll sind. Ungefähr 1 Stunde später stand ich mit gekrümmter Rute am Ufer und Michael kam grade um die Ecke. „Du kommst genau richtig“, sagte ich ihm. Als ich wenige Minuten später einen dicken Spiegler über den Kescherrand zog, war der Aussteiger vom gestrigen Abend komplett aus meinen Gedanken verschwunden. Wahnsinn! 5 Fische, einen Aussteiger und das in der ersten Nacht. Mehr ging nicht!

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Eine Wiederholung der ersten Nacht?

Am Tag machte ich mir Gedanken um meine zweite Rute, diese brachte bis auf einen Bresen der Kategorie „Klodeckel“ nichts zustande. Ich warf ein paar Mal die Markerrute aus und fand auch tatsächlich ein vielversprechendes Areal. Auch hier kamen einige Spombs drauf. Der Tag verlief ruhig und so begann ich einige PVA Säckchen für die Nacht vorzubereiten. Gegen 22 Uhr meldete sich mein linker RX. Unfassbar! Sollte das eine Wiederholung der ersten Nacht werden? Ein makelloser Spiegler fand sich wenig später auf meiner Matte wieder.

Um 5 Uhr wurde ich dann durch einen einzelnen Pieper der rechten Rute wach. Schnell legte ich mich wieder ab, da ich noch einiges an Schlaf nachzuholen hatte. Doch die Augen waren noch nicht ganz zu, da meldete sich die rechte Rute mit einem Dauerton. Eine wirklich rasante Flucht legte der Fisch aufs Parkett. „Das ist ein guter“, dachte ich mir.

Langsam und gemütlich zog er umher und setzte sein Gewicht gut ein. Die Exclusive One machte, wie zuvor auch, einen super Job. Im ersten Licht, kurz vor dem Kescher kam dann ein Guter Fisch zum Vorschein. Eine letzte Flucht. „Fest — nein!!!! Sch…!!“, genau in das Krautfeld vor mir. Kurze Zeit später bekam ich ihn frei. Ein großes Bündel Kraut kam jedoch mit. Ein schlechter Gedanke schoss durch meinen Kopf, keine 2 Sekunden später verwirklichte sich dieser: Der Fisch winkte noch einmal zum Abschied und nutze das Kraut, um sich den Haken rauszuhebeln. Ich sprang im Dreieck, denn der Fisch war echt gut. Aber so kann das Angeln sein. Verloren habe ich an dieser Stelle wirklich nicht.

An Schlaf war nicht mehr zu denken und so packte ich gegen 10 Uhr mit einem Lächeln zusammen und begab mich auf den Heimweg.

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