Eine eigene Insel, von der man rundherum auf Karpfen angeln kann, spielend an die entlegensten Stellen herankommt und quasi instant imstande wäre zu moven, sollte es mal nicht so laufen wie gedacht, ist doch der Traum eines jeden Karpfenanglers! Unser Autor Philipp Wenzel und sein guter Freund David haben sich diesen Traum verwirklicht und waren im vergangenen Sommer auf großer Entdeckerreise mit ihren eigenen Inseln. Du fragst dich jetzt wie man mit einer Insel flexibel unterwegs sein kann? Ganz einfach, ihre Inseln sind große, aufblasbare Plattformen der Firma Raptor und somit wie Schlauchboote zu betrachten, nur mit wesentlich mehr Platz und von den Außenmaßen so geschnitten, dass man sich definitiv entspannter bewegen kann. Selbstverständlich sollte man trotzdem keinen enormen Bewegungsdrang haben – doch lies selbst was sie uns zu berichten haben!

Eine eigene Insel – die Freiheit ruft

Nach langen Telefonaten und viel Honig um den Mund schmieren war es endlich soweit, mein guter Freund David war überzeugt davon sich auch eine 1-Mann Raptor Plattform zu kaufen. Meine Wenigkeit hatte sich erst ein paar Monate zuvor eine zugelegt und war damit bereits auf „hoher See“ gewesen und konnte dadurch ein paar schöne Fische landen. Der Clou daran war, ich musste meine Montage nicht endlos lang durch den See spannen, umlenken oder ein Risiko eingehen, die Fische in der dicht mit Schilf bewachsenen Bucht zu verlieren. Ich ankerte meine schwimmende Behausung einfach in dem entsprechenden Seeabteil und war somit wirklich nah am Fisch. Näher ging es jetzt nicht mehr, zumindest nicht auf dem trockenen Wege.

Für unsere gemeinsame Session hatten wir uns einen großen Natursee im Herzen Brandenburgs herausgesucht, der Bestand war uns bis dato nicht wirklich bekannt und doch roch es am Ankunftstag nach Karpfen. Wir stellten die Liegen auf, kochten uns ein super Abendbrot und wollten die Nacht zur Entspannung nutzen, damit wir am nächsten Tag den Tackle-Wahnsinn schon frühzeitig hinter uns bringen könnten. Gesagt getan – David musste natürlich noch seine Ruten fahren, seinen Macher-Drang wird er wohl nie ablegen. Wir genossen das unglaubliche Sternenpanorama und schliefen voller Vorfreude auf die bevorstehende Session ein.

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Am darauffolgenden Morgen war es endlich soweit, wir entluden unsere Autos und ließen zwei mobile Kompressoren parallel laufen, schließlich mussten zwei Plattformen und zwei Schlauchboote aufgebaut werden. Die Boote waren das kleinere Problem, aber solch eine Plattform besteht aus vier großen, einzelnen Luftkammern sowie einem extra Hochdruckluftboden. Da die mobilen Luftpumpen ihre Arbeit selbstständig verrichteten konnte man nebenbei andere wichtige Vorbereitungen treffen, wie zum Beispiel die Bestückung der Ankerleinen mit den entsprechenden Ankern, der Aufbau des eigentlichen Tackles, die Zusammenstellung des Proviants für die kommenden Tage und natürlich die Installation des Wetterschutzes. Angesagt waren für die kommenden Tage 30 Grad Celsius und Sonnenschein pur, deshalb ist man bei diesen extremen Temperaturen auf einer riesigen Wasserfläche über jedes Fleckchen Schatten froh.

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Nach dem erfolgreichen Aufbau, dem Arrangement auf der Plattform selbst und einer kurzen Lagebesprechung stachen wir in See. Unser erster Ankerpunkt sollte die Kante eines riesigen Plateaus werden. Nach dem erfolgreichen Setzen der fünf Anker verteilten wir strategisch günstig unsere Ruten. Praktischerweise konnten wir den Großteil davon werfen, saßen wir ja schließlich direkt am oder auf dem vermeintlichen HotSpot. Anschließend machten wir es uns gemütlich. David kochte hervorragend und wir waren gespannt, welche Schätze uns Unterwasser wohl erwarten würden. Noch vor dem ersten Kaffee am Folgemorgen schreite mein Bissanzeiger auf, die vollkommen abseitig liegende Rute fand einen Abnehmer und sollte uns den ersten Fisch der Tour bringen. Ein kleiner Spiegler ließ sich in der Früh ablichten und entschneiderte mich. Vorausschauend für die kommenden Tage fütterten wir, trotz des Fangerfolges, einen anderen Platz in einem anderen Seeabteil vor – wie sich später herausstellen sollte war dies die absolut richtige Entscheidung.

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Der Durchgang an der Insel

Nach einer weiteren Nacht ohne bemerkenswerte Ereignisse, dafür mit einem grandiosen Frühstück und einem leckeren Kaffee, movten wir zur vorbereiteten Stelle. Hier konnten wir eine im See liegende Insel, den Durchgang zwischen der Insel und dem Festland sowie eine breite Schilfkante befischen. Erneut mussten die Anker gesetzt und die Ruten ausgerichtet werden. Ein mehr als sehr gutes Gefühl umgab uns, so hatten wir diesen Spot doch entsprechend vorbereitet und war er für jegliche Uferangler unerreichbar. Es gab schlicht und einfach keine Stellen in diesem Seebereich, die annähernd für die Beangelung dieses Bereiches in Frage kommen würden. Der Tag verging und wir genossen das sonnige Wetter, luden mit Hilfe der mobilen Solarzelle unsere Zeltlichter, Smartphones und Musikbox auf und harrten der Dinge, die da hoffentlich kommen mögen.

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Kaum brach die Dunkelheit über uns herein lief die erste Rute ab. Diesmal war David an der Reihe und drillte den Fisch souverän und doch mit einer gewissen Vorsicht, wollte er doch seinen ersten Fisch der Tour unter keinen Umständen verlieren. Als der Fisch sicher im Keschernetz lag staunten wir nicht schlecht, so hatte der Fisch doch ein tolles Schuppenmuster und knackte die 30 Pfund Marke spielerisch. Da wir unsere beiden Plattformen fest miteinander verbunden hatten konnten wir die Abhakmatte perfekt auf den beiden in der Mitte liegenden Schläuchen platzieren und somit stand einer nächtlichen Fotosession nichts im Wege. Nachdem der Fisch mit einem Glas Weißwein begossen wurde verzogen wir uns in die Schlafsäcke. Auch wenn es tagsüber merklich über 30 Grad Celsius heiß war und man kaum barfuß auf dem Gummifußboden laufen konnte, so kühlte es sich nachts doch merklich ab und alles war überzogen mit einer feinen Schicht Kondenswasser. Der nächste Biss sollte nicht lange auf sich warten lassen, doch leider verlor ich den Fisch nach einer kurzen Drillphase. Anschließend war wieder David am Zug und konnte im Schein der Morgensonne einen wunderschönen Spiegelkarpfen in den Händen halten.

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Der Umzug an das andere Ende vom See

Auch wenn die aktuell beangelte Stelle gut lief, wir wollten unbedingt noch mehr von diesem Gewässer sehen und entschlossen uns nach zwei Tagen erneut umzuziehen. Im beinah hintersten Teil des Sees stellten wir eine vollkommen andere Struktur zu den zuvor befischten Bereichen fest. Hier gab es kaum Schilf welches das Ufer säumte. Vielmehr lagen um uns herum bestellte Felder, die an den Ufern schroff abfielen. Lediglich überhängende Bäume gab es als optische Anhaltspunkte für vielversprechende Stellen. Unter Wasser fanden wir eine Mischung aus grobem Kies, Steinen und vereinzelt geknackten Muscheln vor. Wäre doch gelacht wenn wir hier nicht auch noch zum Erfolg kommen würden, schließlich hatten wir ja bislang jede Stelle zum Laufen bekommen. Gesagt, getan – um sich auf einer neuen Stelle zu positionieren benötigte man mindestens ein Schlauchboot, besser ist man aber mit zwei Booten aufgestellt. Wir hatten unseren schwimmenden Behausungen zu einer großen Einheit zusammengebunden, somit mussten lediglich die Anker gelichtet werden. An der neuen Stelle angekommen galt es die Plattformen auszurichten, die Anker zu versenken und die Vertauung entsprechend auf Spannung zu bringen. Nichts kann nerviger sein als eine schluderige Verankerung und das Gepiepe des Bissanzeigers bei der kleinsten Seitwärtsbewegung.

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Nach dem Genuss des Sonnenunterganges kehrte langsam Ruhe auf dem Wasser ein. Die ortsansässigen Angler kehrten mit ihren Ruderbooten nach und nach in ihren kleinen Hafen zurück und wir hatten diesen riesigen Natursee wieder für uns ganz allein. Welch ein grandioses Schauspiel uns allabendlich geboten wurde kann man kaum in Worte fassen. Der Sonnenuntergang läutete täglich die bevorstehende Nacht ein, die vor allem durch ihren mit Sternen übersäten Himmel geprägt war und uns jedes Mal erneut in einen Zustand des puren Staunens versetzte. Keinerlei Lichtverschmutzung oder ein dichtes Blätterdach vermochte uns den Blick zu den Sternen zu versperren, es war ein wunderschönes Naturschauspiel und man konnte sich nicht wirklich satt sehen daran. Gerade eingeschlafen und mit den Erinnerungen der letzten Tage im Kopf sollte mein Bissanzeiger ein letztes Mal für diese Tour ertönen. Yes, auch diese Stelle haben wir also zum Laufen gebracht und ein wenig später konnten wir eine kurze Fotosession mit einem schönen Fisch abhalten.

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Nach dem rituell zelebrierten Guten-Morgen-Kaffee entschieden wir uns für eine verfrühte Heimreise, so war doch für den kommenden Tag ein verheerendes Gewitter angesagt worden. Da die Sicherheit vorgeht zog unsere Wasser-Karawane weiter, wieder zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Am Strand mit den Autos angekommen hielten wir noch einmal kurz inne um zu reflektieren, was wir in den letzten Tag alles erleben durften. Es war eine Session der etwas anderen Art, weder David noch ich waren jemals so lange auf kleinem Raum auf dem Wasser unterwegs, erst Recht nicht um unserem liebsten Hobby, unserer Passion, dem Karpfenangeln, nachzugehen. Wir atmeten noch einmal tief ein, genossen die frische Luft und die Freiheit um anschließend den gesamten Tackle-Berg in die Autos zu verladen und mit einem kleinen Badegang die Session gebührend abzuschließen.

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