Ein Artikel von Stefan Kischel

Die Vorzüge der Angelei im Winter sind für mich in erster Linie die Ruhe und Erholung am Wasser. Die meiste Zeit ist man alleine am Gewässer, diverse Mitstreiter haben ihre Angelklamotten bis zum Frühjahr eingemottet und man trifft nur selten Leute am Wasser. Die Frage, ob man erfolgreich im Winter sein kann, hängt von diversen Faktoren ab: Es sind zum einen die Erfahrungen, die man über die Jahre sammeln konnte, zum anderen ist aber auch eine gute Gewässerkenntnis von Nöten. Davon abhängig, wie man das Wort Winterangelei definiert, macht es durchaus Sinn, im zeitigen Herbst schon einen Futterplatz für den Winter anzulegen. Hierbei sollte berücksichtigt werden, dass sich dieser in Bereichen befindet, in denen man die Fische im Winter auch vermutet.

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Finde die Hot Spots

Es war kurz nach Weihnachten, genau gesagt der 27. Dezember. Ich hatte einen Freund eingeladen, für 2 Nächte zusammen mit mir an einem Gewässer zu angeln, das nur unweit von meinem Wohnort entfernt liegt. Die Bestandsdichte ist super und die Chance, ein paar Winterkarpfen zu fangen, recht gut. Zudem hatte das Wasser immer noch eine Oberflächentemperatur von 6,8 Grad.

Ich bereitete die bevorzugten Plätze sorgfältig vor. Ein großes Weißfischaufkommen oder Brassen gibt es hier kaum und so konnte ich mit Stickmix und kleinen Boilies die Plätze prima vorbereiten. Ein Überfüttern der Fische ist genau so verheerend wie auch die falsche Platzwahl bei geringen Wassertemperaturen. Hält man sich vor Augen, dass die Fische im Winter ihren Energieverbrauch auf das Nötigste zurückfahren, kann man sich nur zu gut vorstellen, dass auch ihre Bewegungsabläufe sehr behäbig sind. Weite Wege legen sie definitiv nicht mehr zurück. Ich suchte mir ganz verschiedene Plätze aus, zugegeben, wir sprechen hier über eine Gewässergröße von 1,5 ha. Hier sollte es möglich sein, die Fische irgendwie aufzufinden beziehungsweise die unmittelbare Nähe ihres Winterquartiers.

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Los geht´s, die Session startet

Ich baute am 27. Dezember relativ früh morgens auf. Es war gerade hell geworden und ich befand mich bereits am Wasser. Der Luftdruck war genauso konstant wie auch der Süd-/Westwind, der wirklich sehr kräftig blies und voll auf dem Ufer stand, an dem ich auch die Plätze gefüttert hatte. Zu diesem Zeitpunkt lag die Außentemperatur bei 5 Grad und ich wusste nicht wirklich, ob sich der kalte, starke Wind positiv oder negativ auswirken würde. Das Tackle war ruckzuck aufgebaut und ich konnte die Ruten fahren.

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Mein Mitstreiter traf erst am frühen Abend ein, somit war ich erst einmal alleine am Wasser. Der Bissanzeiger meldete sich bereits nach 1,5 Stunden das erste Mal ein Spiegler machte den Anfang. Ich war erleichtert, dass sich der Wind nicht negativ auswirkte. Die Freude war natürlich groß und bis zum Eintreffen von meinem Kollegen am frühen Abend konnte ich 3 weitere Fische fangen. Ich hatte eine leise Vermutung, die sich am Ende unserer gemeinsamen Session auch bestätigen sollte. Ich hatte die Nadel im Heuhaufen gefunden und genau den Bereich getroffen, in dem sich die Fische aufgehalten haben. Mein Mitstreiter baute voll motiviert auf und ich fuhr seine Ruten raus. Ihm bei dieser Dunkelheit zu erklären, wo die Montagen liegen müssten, machte aus meiner Sicht keinen Sinn. Mit Einbruch der Dunkelheit setzten jegliche Fischaktionen auch aus und es blieb ruhig.

Beeep! – Jetzt geht´s Schlag auf Schlag

Am folgenden Morgen war ich bereits um 7:00 Uhr wach und musste noch 1,5 Stunden warten, bis es hell wurde. Ich kochte Kaffee und band ein paar Montagen. Ich setzte auf ein Line Aligner-Rig, für mich das beste Rig in dieser Situation. Zum einen fische ich hier stark vor Holz und zum anderen ist diese Montage sehr flexible einsetzbar. Es war gerade hell geworden, da fuhr ich meine Ruten neu und es dauerte auch nicht lange, da liefe die Rute erneut ab. Wir fischten mit 5 Ruten an unterschiedlichen Plätzen. Aber nur diese eine Rute lief und brachte Fisch. Im Verlauf dieser Session trat ich meine Rute an meinen Mitstreiter ab und überließ ihm den Platz. So konnten wir beide unsere Fische fangen. Am Ende brachten wir es auf 22 Fische bei 24 Läufen. Wir konnten lediglich nur 2 Fische an einem anderen Spot fangen. Beinahe der gesamte Fischbestand hatte sich auf einer Fläche von 20 Quadratmeter versammelt und stand am Gewässergrund. Man konnte es genau merken. Lag man nicht nah genug in diesem Bereich, blieb der Bissanzeiger stumm.

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Der Karpfen im Schnee – da ist er

Am Morgen des 30. Dezember beendeten wir unsere Session und packten mehr als zufrieden ein. Hatten wir doch sehr gut gegessen und eine tolle Zeit am Wasser verbracht. Dass dieser Ansitz so optimal verlief, hätte keiner von uns ahnen können. Ich war mir aber sicher, dass ich auch eine Woche später erneut ganz gute Chancen haben würde.

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Anfang Januar war es nun und die Wassertemperatur war weiter gesunken. Sie befand sich lediglich bei nur noch 3,7 Grad und auch die Außentemperatur lag nur noch bei 1 Grad. Es schneite immer mal wieder. Aus der Vorwoche wusste ich ja genau, wo ich die Montagen platzieren muss. Ich fuhr dieselbe Taktik wie eine Woche zuvor und konnte im Verlaufe der Session erneut einige fische Fangen. Am Morgen darauf gelang mir sogar noch der Fang eines Spiegelkarpfens bei Schnee. Mit 4 weiteren Fischen in 22 Stunden lief es erneut optimal und ich packte dann, bei absolutem Sauwetter, ein.

Mal gewinnt man, mal verliert man

Zeitgleich fütterte ich ein etwas größeres Gewässer mit ca. 6,5 ha. Im vergangenen Frühjahr fing ich dort bei einer Wassertemperatur von 4,5 Grad bereits richtig gut. Meine Vermutung war, dass sich die Fische auch zu dieser Jahreszeit dort aufhalten würden. Genau 6-mal fütterte ich innerhalb von 3 Wochen und war zu Beginn auch mehr als optimistisch, dass sich zumindest 1-mal mein Bissanzeiger melden würde. Kurz gesagt blieb mir ein Biss verwehrt und über Nacht froren sogar die Schnüre im Eis ein. Ich bin mir sicher, dass dieser Platz im zeitigen Frühjahr wieder anläuft, nur solange wird dieser von mir nur noch sporadisch gefüttert. Und auch nur dann befischt, wenn die Bedingungen für diese Jahreszeit absolut top sind.

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Die Winterangelei hat ihren Reiz, ohne Zweifel, ist aber auch sehr hart und man muss schon ein hohes Maß an Motivation mitbringen. Mal gewinnt man, mal verliert man so ist das. Wie im wahren Leben nun mal auch. Aber wie heißt es so schön? Zuhause fängt man keine Fische und wenn man sie dann doch gefunden hat oder weiß, wo sie stehen, dann klappt es auch ganz sicher mit dem Winterkarpfen.