Wer kennt das Gefühl nicht: Das Bauchgefühl. Es sagt uns “Ja, dies kann eine erfolgreiche Session werden, doch dann tritt das Gegenteil ein, eine Session ohne einen Piep an den Bissanzeigern folgt.” Das wirft Fragen auf. Liegt es am Wetter, ist es der Wind, Luftdruck, Mondphase, zu warm, zu kalt? Was am Ende der Auslöser war, kann nur schwer klar definiert werden.

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Oft sind wir selbst der Auslöser!

Ich sage, oft liegt es daran, dass in Summe zu viele Fehler von einem selbst gemacht werden. Fehler, die es ausmachen erfolgreich oder nicht erfolgreich zu sein. Beispiele dafür gibt es genug, denn ehrlich gesagt habe auch ich früher nie genauer über verschiedene Dinge nachgedacht. In den letzten Jahren habe ich die Passion entdeckt, gezielt an kommerziell bewirtschafteten Gewässern zu fischen. Gerade an den Gewässern mit hohem Angeldruck mag ich die Herausforderung erfolgreich zu sein. Dass einem dort die Karpfen nicht im Kescher springen ist bekannt. Die richtige Herangehensweise, eine durchdachte Taktik, aber auch das Reagieren auf neue Situationen, gehören neben dem Beobachten des Gewässers zu den wichtigsten Dingen, um erfolgreich zu sein. Bei meinen Ködern stelle ich im Grunde genommen nichts in Frage. Da hab ich Vertrauen und weiß, dass meine eingesetzten Boilies und Baits perfekt funktionieren. Das Vertrauen in sein Handeln ist bei allem wichtig. Beim Köder und bei Rigs steht es meiner Meinung nach aber besonders im Gewicht.

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Wenn es jeder gleich macht … kommerzielle Gewässer sind speziell

Besonders an kommerziellen Gewässern sind die Unterschiede in den Taktiken häufig gering. Die Vorgänger, die vor einem den Platz befischt haben, sind sicherlich auch nicht auf den Kopf gefallen und haben sich einiges ausgedacht, um einen der Fische zu überlisten. Klassische Spots wie Plateaus, abfallende Kanten, Löcher, Schilfkanten oder Seerosen sind häufig die ersten Anlaufpunkte, um seine Köder zu platzieren. Daraus resultiert aber auch, dass Karpfen diese Bereiche häufig mit großem Misstrauen aufsuchen und Köder entsprechend vorsichtig aufnehmen.

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Das Misstrauen kann groß sein

Jede Woche. Immer wieder aufs Neue. Karpfen lernen daraus. Naja, ich glaube sie lernen in erster Linie die verbundene Gefahr wahrzunehmen. Da kann auch der gute Geruch unserer Köder manchmal keinen Unterschied darstellen. Klar, sie nehmen das Futter wahr, aber auch unsere Schnüre, die ins Wasser gehen. Schnurdruck, ist ein häufig unterschätztes Problem, das großen Einfluss auf unseren Erfolg nehmen kann. Auch die Anwesenheit von Anglern alleine kann einen Impuls auslösen, der die Mäuler der Fische zuschnürt. Sie nehmen Laute wahr – das kann hektisches Herumlaufen oder die zugeschlagene Autotür sein. Sie registrieren aber auch übermäßiges Bootfahren und Echolotgeräusche, davon bin ich überzeugt. Lichter in der Nacht oder ein Feuer am Platz können ebenfalls Faktoren sein, die den Karpfen gewisse Gewässerbereiche meiden lassen. Dabei ist die Verknüpfung der Einflüsse stets ein Thema. Daher ist es wichtig stets zu prüfen, ob sein eigenes Verhalten die Fische nicht in irgendeiner Form verscheuchen könnte. Karpfen, die stark befischt werden, reagieren häufig sehr sensibel darauf. Karpfen, die nicht so stark befischt werden, reagieren sicher auch auf diese Einflüsse, der Unterschied ist nur, dass sie wiederkommen. Das kann an Gewässern mit hohem Angeldruck ganz anders sein – die Fische meiden Bereiche dann unter Umständen für mehrere Tage und verwehren einem die Chance die Fische zu fangen.

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Finde den Fehler

Wichtig ist es immer, die eigene Verhaltensweise zu prüfen. Das fängt bei mir schon an, wenn ich den Swim betrete. Während andere wie eine Herde Elefanten einkehren, Camp und Setup aufbauen, mit dem Boot in See stechen und einen riesigen Trubel veranstalten, starte ich mit der Beobachtung. Ich gehe leise vor, trinke vielleicht erstmal ein oder zwei Kaffee und hole mir einen ersten Eindruck vom Platz. Andere wollen die Zeit natürlich sofort nutzen und direkt mit dem Fischen starten. Leider oft mit dem falschen Ansatz. Große Futtermengen prasseln auf die Oberfläche, die verdächtigen Spots werden direkt angefahren, ohne sich ein richtiges Bild von den Gegebenheiten zu machen. Anfänglicher Aktionismus mündet häufig in schlechten Ergebnissen.

Meine Taktik ist anders. Aber erfolgreich.

Ich mache es anders. Oft fische ich in der ersten Nacht überhaupt nicht oder nur mit einer einzigen Rute. Das Ganze mache ich oft mit ganz wenig oder gar keinem Futter. Erst am nächsten Tag geht es dann richtig los. Auch dann setze ich zunächst hochattraktives Futter ein und spare mir die großen Mengen. Das führt nämlich häufig zu einem umgekehrten Effekt. Oft befische ich die Gewässer mit einem Futterboot und nähere mich nur langsam den Spots, um möglichst wenig Unruhe zu stiften. Offensichtliche Spots, wie Inseln oder Schilfkanten befische ich mit etwas Abstand und bewusst auf eine andere Art und Weise. Immer mit dem Hintergrund, anders zu fischen als meine Vorgänger. Auch lege ich am eigenen Ufer ab und versuche die Fische direkt vor den Füßen zu überlisten. Das klappt sehr gut, wenn man mit Bedacht vorgeht.

Wenn ich meinen Platznachbarn erzähle, dass ich teilweise mit Bleien um die 1-2 oz fische und meine Rigs nur 10-12 Zentimeter lang sind, dann bekomme ich häufig unverständliche Reaktionen. Ich kann dann nur sagen, dass es funktioniert und das ist wichtig. Lässt es der Wind zu, dann versuche ich sogar Slack zu fischen. Also vollkommen ohne Blei und ohne Spannung in den Schnüren. Meine Köder wähle ich besonders klein. Damit möchte ich mich von anderen Anglern absetzen.

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Beobachtungen bringen Erfolg

Sind die Fische in gewissen Stunden besonders aktiv und ziehen, ohne zu fressen, dann hole ich meine Ruten auch schonmal für ein paar Stunden raus, um den Schnurdruck zu reduzieren. Meine Beobachtungen zeigen, dass Karpfen an kommerziellen Gewässern oftmals große Futterplätze meiden. Dies kommt besonders dann vor, wenn regelmäßig sehr große Futtermengen eingebracht werden. Dies gilt es zu beobachten, um seine Angelei dahingehend anzupassen. Auch lege ich die Ruten oft nach einem Biss nicht direkt wieder auf den Spot, um dem Bereich Ruhe zu geben, damit sich die Fische wieder erholen können. Besonders wenn man länger an einem Gewässer fischen möchte, ist dies ein wichtiges Puzzlestück, um mehrere Tage lang erfolgreich zu sein.

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