Erlebnis oder Ergebnis? – eine immer wieder heißdiskutierte Frage. Was sind Gewichte wirklich wert, im Vergleich zu den Eindrücken, Erlebnissen und Abenteuern, die wir regelmäßig am Wasser erleben? Alex Heimann nimmt Stellung. Ein Catch-Report aus dem vergangenen Jahr, der richtig Bock auf den Saisonstart macht.

Die ersten spürbar warmen Sonnentage lagen hinter uns – nach den immer so zäh und unendlich lang wirkenden Wintermonaten stand der Frühling kräftig in den Startlöchern und trieb unsere Motivation, Fische zu fangen, auf ein Maximum. Die erste mehrtägige Session mit Freunden stand an.

Da ich in einer vorangegangenen Session bereits einen schönen nussbraunen Schuppenkarpfen fangen konnte und somit bekannt war, dass Fische vorhanden sind, lag ein öffentliches Verbandsgewässer in unserem Fokus. Über den Bestand oder die Fischgrößen hatten wir jedoch keine genauen Informationen.

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Das sind unsere Spots

Nach etwas über einer Stunde Reiseweg mit dem Pkw erreichte ich am späten Nachmittag den See. Angelbuddy Flo konnte schon etwas eher anreisen und betrieb schon ordentlich Location. Seine Platzwahl stand bereits fest und ich wusste, auf seine Meinung kann ich mich verlassen.

Unsere Angelstelle lag auf einem Plateau, das stark an eine kleine Insel erinnerte und mit etwas Augenmaß Platz für drei Bivvies bot. Vor dieser Stelle öffnete sich der gesamte See und wir hatten die Möglichkeit, ihn mit all seinen Facetten zu befischen. Der See wies reichlich Struktur auf. Eine besondere Eigenschaft des Gewässers ist ein stark ausgeprägter Kessel mit einer Größe von ca. 100 m x 100 m und einer durchschnittlichen Tiefe von etwa drei Metern. Dieser Kessel befindet sich zentral in der Seemitte gelegen und zeichnet sich stark umsäumt von einer flachen Sandbank und einer ausgeprägten Krautkante ab. Der restliche Gewässerbereich hat eine deutlich höhere Durchschnittstiefe. Kurz darauf traf Niclas am Wasser ein.

Da keine Fischaktivitäten von uns ausfindig gemacht werden konnten, wurden unsere Ruten gestaffelt und unsere Köder in verschiedenen Wassertiefen angeboten. Somit deckten wir eine breite Range der uns gebotenen Wasserfläche und Möglichkeiten ab.

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Jetzt ging es an den gemütlichen Part. Wir fachsimpelten, verbrachten Zeit mit der Fotografie, kochten und das Bierchen am Abend durfte natürlich auch nicht fehlen. Uns allen war klar: Im Vordergrund steht das Erlebnis! Jeder auf den Social Media-Plattformen vertretenen Angler wird es sehr wahrscheinlich so oder so ähnlich kennen: Die Saison beginnt und mit den warmen Sonnenstrahlen überschlagen sich die Fangmeldungen. Das Gefühl, ans Wasser zu müssen, steigt mit der Fischgröße, die man doch so gerne fangen möchte proportional an.

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Hiervon kann ich und möchte ich mich auch gar nicht gänzlich lossprechen. Jeder verfolgt seine persönlichen Ziele und erfährt sein eigenes persönliches Erlebnis. Ein gestecktes Ziel treib zumindest mich da an, wo ich beim letzten Mal aufgehört habe und mein gewünschtes Ergebnis nicht erreichen konnte. Sei es das Fangen eines besonderen Fisches aus einem besonderen Gewässer, oder das Knacken des eigenen PBs. Vielleicht ist es auch das Anlernen eines unerfahrenen Junganglers mit dem Ziel, ihm zum ersten Karpfen zu verhelfen.

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Es kann losgehen – Fischkontakt

Die erste Nacht sollte bis auf eine Brasse, die sich an meiner rechten Rute verirrt hatte, ruhig bleiben. Mit der Hoffnung auf die wertvollen Morgenstunden, legte ich meine mit einem pinken Pop-Up bestückte Helikopter-Montage wieder sicher vor eine Krautkante ab und legte mich zurück auf mein Bedchair.

Mit Einbruch des Morgens sollte aber auch der ersehnte Dauerton läuten. Nicht wie erhofft bei mir, sondern bei meinem Zeltnachbarn. Niclas konnte einen schönen nussbraunen Schuppenkarpfen, meinem sehr ähnelnd, auf die Matte legen. Es war nicht der Größte dafür aber ein wirklich sehr schönes Tier. Seine Rute lag mittig im Kessel und um Brassen-Bissen ein wenig entgegen zu wirken, war sein Haar mit einer aufgepoppten Tigernuss bestückt.

Nach einem gemütlichen Essen und etlichen Stunden ohne Fischkontakt ertönte dann doch endlich einer unserer Bissanzeiger. Wieder lief die Rute von Niclas ab. Sofort nahm er die Rute von den Banksticks und baute Druck zum Fisch auf, bekundete jedoch sofort ein untypisches Drillverhalten. Der Fisch flüchtete jedes mal kräftig und gab sich augenscheinlich als massiger Kämpfer zu erkennen. Mit der Hoffnung auf eine sichere Landung bereiteten wir alles für die letzten Drillminuten vor. Die Spannung stieg.

Mit der Wathose, brusttief in mitten eines Krautteppichs stehend, kam nach gefühlt unzähligen Minuten das Vorfach zum Vorschein. Dem Vorfach folgend konnte ich eine riesige Silhouette ausmachen, die sich auf Nachdruck von Niclas stetig in Richtung meines Keschers bewegte. Eingenetzt!

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Und dann war er im Netz

Wir staunten nicht schlecht, als sich die Keschermaschen schlossen und wir das Ausmaß des stürmischen Gegenspielers ausmachten. Es befand sich ein Hecht im Kescher. Aber kein normaler Hecht. Nein, eher ein Hecht in Endstufenformat. Eher das Kaliber, das passionierte Raubfischangler als Fisch des Lebens bezeichnen würden. Auf der Abhakmatte stellten wir dann das gesamte Ausmaß des Fisches fest. Immer noch ein wenig ungläubig konnten wir dann jedoch eine Länge von satten 1,23 m verbuchen. Wahnsinn! Im Maulwinkel gehakt und am Ende des Haars hing ein 16 mm Pop-Up in weiß. So kann es kommen.

Nach dem Versorgen des Fisches kehrte erst mal ein wenig Ruhen ein. Nicht nur bei uns Anglern. Nein, auch an unseren Ruten. Am letzten Morgen konnte Flo noch einen schönen Lauf auf seiner rechten Rute verzeichnen. Jedoch stieg der Fisch nach einer kurzen Drillphase wieder aus. Dabei sollte es dann letztendlich auch geblieben sein. Wir beendeten unsere gemeinsame Session.

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Manchmal etwas spannender, andere Male etwas gediegener, aber jedes Abenteuer mit Gleichgesinnten und Freunden schreibt seine eigene Geschichte und bleibt somit in Erinnerung. Ich kann hier von einem tollen Ergebnis sprechen, denn die erlebten Momente und die gesammelten Impressionen bei dem Anstreben des gleichen Zieles macht das Erlebnis aus und das Erlebnis ist das, was zählt.

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