Mitte des Jahres planten wir eine Tour für die Herbstzeit in den Süden Frankreichs. Die Vorbereitungen starten bereits einen Monat vor der Session. Das Wetter war mit vorhergesagten Temperaturen um die 20 Grad auf unserer Seite.

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Am 24. Oktober trat ich den 1500 Kilometer langen Weg an. Meine Freunde waren bereits seit zwei Wochen im Süden Frankreichs unterwegs. Nach 15 Stunden Autofahrt erreichte ich einen kleinen Stausee in Südfrankreich. Die Temperaturen lagen über 20 Grad. Man musste durch die starke Sonnenstrahlung aufpassen, sich keinen Sonnenbrand einzufangen. Nach zwei Nächten mit wenig Erfolg entschieden wir uns die Segel zu streichen und am nächsten Tag weiter Richtung Norden zu fahren. Mitten in der Nacht klingelte der Wecker und wir verstauten unsere Sachen bei strömendem Regen in unseren Autos. Schon beim Packen der Sachen merkte man, dass sich das Wetter extrem abkühlte.

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Am Lac de Pareloup

Am Lac de Pareloup angekommen zeigte das Thermometer bereits Temperaturen unter 5 Grad an und der Wind wurde minütlich stärker und deutlich kälter. Schnell hatten wir eine Stelle am 1200 Hektar großen See gefunden und bauten unser Lager auf. Die Ruten verteilte ich auf Tiefen zwischen 4 und 12 Metern. Die Stellen befütterte ich großflächig mit einem Partikelmix aus Mais, Weizen, Hanf, Pellets und Tigernüssen. On Top und um den Hakenköder präsentierte ich mehrere Boilies in unterschiedlichsten Größen.

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Beim Blick auf das Wetterradar am Abend dann der Schock: Für die nächsten Tage war ein Temperatursturz mit Temperaturen weit unter die 0 Grad und Schneefall gemeldet. Da die Wettervorhersage in den Vorbereitungen noch deutlich wärmere Temperaturen vorhersagte, verzichteten wir im Großteil auf warme Bekleidung und Utensilien für die Kälte. Am nächsten Abend erreichten uns Temperaturen von -5 Grad und es begann leicht zu schneien. Wir entschieden uns von dem unangenehmen Wetter zu flüchten und in den ,,warmen“ Norden Frankreichs aufzubrechen. In der Nacht klingelte der Wecker und beim Blick aus dem Zelt mussten wir feststellen, dass der Schneefall immer stärker wurde. Wir begannen abzubauen und plötzlich meldete sich mein Bissanzeiger. Auf der Rute in 12 Metern Tiefe konnte ich einen kleinen Spiegler landen.

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Innerhalb von einer Stunde wurde der Schneefall so stark, dass bereits 10cm Schnee auf dem Boden liegen blieben und wir uns ernsthaft Gedanken machten, ob wir das Gewässer bei diesen Bedingungen über die schlechten Zufahrtswege verlassen können. Nachdem alles verladen war, wagte ich den Versuch das Gewässer zu verlassen und habe es nur mit Hilfe von Freischaufeln und Anschieben geschafft. Unser zweites Auto hatte weniger Erfolg. Das Auto senkte sich immer weiter in den weichen schlammigen mit Schnee bedeckten Boden. Weder Freischaufeln noch Anschieben brachte einen Erfolg und so lag es in meiner Hand einen Traktor mitten in der französischen Provinz ausfindig zu machen. Nach 2 Stunden hatte ich Erfolg und fand einen Bauern, der uns glücklicherweise seine Hilfe anbot und unser Auto über die Zufahrtswege zog.

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Die Kälte überraschte uns

Auf den Landstraßen angekommen, merkte man, dass die Einheimischen von dem plötzlichen Kälteeinbruch genauso überrascht waren wie wir. Keine Straße war befreit vom Schnee und mehrere Autos befanden sich bereits im Straßengraben. Auf der Autobahn angekommen, war die Freude über geräumte Straßen riesig und wir hofften auf eine schnelle Fahrt zu unserem Zielgewässer, dachten wir. Plötzlich erwischte uns der Schneefall mitten auf der Autobahn und es kam wie es kommen musste. Innerhalb von wenigen Minuten schaffte es kein Auto mehr über die Autobahn zu rollen und es ging keinen Meter mehr vor oder zurück

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Nun hofften wir auf die Winterfahrzeuge, aber selbst diese hatten keine Chance mehr gegen die immer schlimmer werdenden Schneefälle. Somit mussten wir die nächsten 20 Stunden im Auto verbringen bis uns die Evakuierung in warme Hallen angeboten wurde. Diese Variante lehnten wir ab, da der Wille nach Wasser viel größer war und so kämpften wir uns mit Freigraben der Autos durch den Schnee.

Nach 2 Tagen waren wir dann endlich an einem großen Stausee im Norden Frankreichs angekommen. Die Temperaturen lagen zwar immer noch um die Nullgrenze, jedoch war kein Schnee weit und breit. Aufgrund des schlechten Wetters hatten wir freie Platzauswahl und so entschieden wir uns mit dem Boot in die tiefen Teile des Gewässers umzusetzen.

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Wir bauten unsere Zelte auf und ich vertraute auf die gleiche Futtertaktik wie am Lac de Pareloup. Die Ruten verteilte ich auf Tiefen von 3 bis 9 Metern.

In der ersten Nacht meldete sich mein Bissanzeiger und ich konnte einen sehr markanten Schuppenkarpfen landen. Ich fütterte den Platz auf 7 Metern Tiefe nach. In den nächsten 2 Nächten blieb der Erfolg aus.

Ein Fisch. Ein Traum. Uglaublich!

Dann brach der vorletzte Abend an. Beim gemeinsamen Abendbrot und einem Glas Wein meldete sich plötzlich mein Bissanzeiger.  Ich nahm die Rute auf und merkte einen massiven Widerstand am Ende der Schnur. Der Fisch war nicht zu bremsen und nahm immer mehr Meter Schnur von der Rolle. Gemeinsam mit einem Freund fuhren wir dem Fisch mit dem Boot nach.

15 Minuten lang kreiste dieser seine Runden auf dem Grund des Gewässers. Dann konnte ich den Fisch nach oben drücken und die Umrisse des Fisches erstmals einen Meter unter der Oberfläche erkennen bis er wieder in die Tiefe zog. Plötzlich war uns beiden klar, dass das ein ganz Dicker ist. Das Adrenalin schoss ins Herz und ich merkte wie meine Arme und Knie immer mehr zitterten. Nach weiteren 5 Minuten lag der Fisch im Kescher und ich leuchtete mit der Kopflampe auf ihn. Urplötzlich fassten wir uns gegenseitig an die Köpfe und es entstand eine Totenstille inmitten der Weite des Sees. Mein wahnsinniger Herzschlag und die Wellen des Wassers waren die einzigen Geräusche, die man in dieser Situation wahrnahm. Zurück an Land konnten wir die wahnsinnige Schönheit des Fisches mit einer perfekten Zeile erkennen und die Waage blieb bei unglaublichen 25,5 Kilo stehen. Ein Fisch mit einer solchen perfekten Zeile und dann auch noch mit diesem Gewicht machten alle sprachlos.

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Ab diesen Zeitpunkt hätte alles passieren können, denn nichts hätte diesen unglaublichen Moment und diese Glücksgefühle zerstören können. Alle Bemühungen und Anstrengung  der letzten Tage waren innerhalb von wenigen Sekunden verpufft.

In der letzten Nacht blieb alles still und so traten wir am nächsten Morgen mit einem riesigen Lächeln auf den Lippen die Heimreise an. Über 3000 Kilometer gefahren, mehrere Tage nasse Klamotten und an Aufgabe war nie zu denken. Der Wille und das Ziel sind entscheidende Elemente in unserem Hobby, gerade jetzt in dieser schwierigen Winterzeit. Meist wird man für all seine aufgebrachte Energie und Bemühung belohnt.

In diesem Sinne Au Revoir Frankreich und bis nächstes Jahr.

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