Zu keiner Jahreszeit kommen sich Angler und Nichtangler so nahe, wie es im Sommer der Fall ist. Jetzt, wo die Temperaturen gern mal über 30 Grad gehen, merken auch die „Normalos“, wie schön es an einem See sein kann. Da kommen plötzlich Menschen zum Vorschein, die man vorher noch nie dort gesehen hat, Menschen, die das Gewässer beim kleinsten Abflauen der wärmenden Strahlen vermutlich genauso schnell verlassen, wie sie gekommen sind – fast so, als wären sie nie da gewesen.
Menschlich, allzu menschlich…
Es geht mir hier nicht darum, diese – irgendwie allzu menschlichen – Verhaltensweisen, zu bewerten. Worum es mir vielmehr geht, ist der Effekt, den dieser Umstand für meine Angelei alle Jahre wieder nach sich zieht: Es ist der Versuch, Ruhe zu finden. Genau die Ruhe, die noch vor ein paar Wochen meinen erholsamen Aufenthalt am Wasser begleitet fand ich nunmehr vergebens: Rücksichtslose Jugendliche, die entweder auf deinem Spot und durch deine Schnur schwimmen oder bis in die Morgenstunden Partys am Wasser feiern und mitunter besoffen über die Türschwelle deines Zeltes stolpern. Das ist alles schon vorgekommen, wobei es nicht an weiteren Beispielen mangelt.
Nochmals: Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Seen nicht den Anglern gehören und ich insofern auch keinen Anspruch auf freie Platzwahl erheben kann. Ich verstehe es umgekehrt auch vollkommen, dass die Leute eine Auszeit im kühlen Wasser brauchen. Dann muss es aber auch erlaubt sein, zu sagen: So gerne ich auch für die Hege und Pflege des Gewässers aufkomme, so unstrittig ist auch: Es ist immer sehr ärgerlich, wenn wir Angler unverhofft diejenigen sind, die sich dann wieder darum kümmern, die Gewässer von dem Partymüll anderer Leute zu befreien.

Schau mal, ein Angler! – und dergleichen
Ganz zu schweigen von den Fragen, mit denen man als Angler in dieser Phase des Jahres verstärkt konfrontiert wird. Wer kennt es nicht: „Haben sie schon was gefangen?“ „Was du bleibst über Nacht?“ Oder Klassiker. “ Hier dürfen Sie gar nicht angeln“. Für mich ist das zu viel. Zu viel Unruhe in der Natur und vor allem zu viele Menschen mit denen man sich unterhalten muss. Man hat ja leider meistens keine Wahl, sofern man nicht grob unfreundlich sein will jedenfalls.
Flucht nach vorn: Vom See zum Kanal
Genau aus den genannten Gründen zieht es mich an den typischen Badetagen weg von den Seen. So auch am letzten Wochenende, als ich mich kurzerhand entschied, an den Kanal zu fahren. Sicherlich: Auch hier hat man den ein oder anderen Verrückten, der ins Wasser springt und sich womöglich einredet, er könne den Schiffen schnellstmöglich entkommen. Ein gefährliches Spiel mitunter: Ich staune immer wieder wie rücksichtslos manche Menschen gegenüber dem (in dem Fall Schiffs-) Verkehr handeln. Von der Gefahr für`s eigene Leib und Leben ganz zu schweigen. Aber sei’s drum. Zumindest finde ich hier unterm Strich die benötigte Ruhe für mein Angeln. Mein Kumpel Timo sollte mich begleiten.
So angeln wir: Mobil am Kanal
Wie immer, wenn wir am Kanal angeln, versuchten wir auch diesmal, mobil zu bleiben. Das bedeutet: Keine zwei Nächte infolge auf der selben Stelle, sondern vielmehr eine kurze Nacht hier, eine weitere Nacht dort. Zwischendurch Kaltgetränke holen und Eis. Das hat auch seinen besonderen Reiz.
Zur Kanal-Angelei selbst: Ich versuche alles so einfach, wie möglich und so robust, wie nötig, zu gestalten. Als Futter kommen bei mir nur Boilies zum Einsatz. Dazu werden Active Krill in 16,20 und 24mm mit Liquid übergossen und anschließend mit Boiliemix überstreut. Das ergibt eine äußere klebrige Schicht, die sich abwäscht und und für eine kontinuierliche Attraktor-Wolke unter Wasser sorgt. Zwei, drei Kellen auf jeden Platz reichen hier völlig aus, um den Platz zu aktivieren. Mehr zu füttern wäre ohnehin nicht allzu sinnvoll. Schließlich kommt es durchaus vor, dass man – nach vorbeifahrenden Schiffen mit Tiefgang – neu auswerfen- oder ggf. nachfüttern muss.
Bei den Rigs setze ich auf einfache Semi-Stiff durchgebundene Rigs. Allerdings wechsle ich situativ auch auf Stiff-Rigs wenn viel Schiffsverkehr ist. Der Grund für die Wahl dieser Rigs liegt neben ihrer Robustheit gegenüber die harschen Spundwände und Kanalufer auch in deren Unanfälligkeit gegenüber Verwicklungen.
Leider verlief die erste Nacht ruhig. Doch am zweiten Platz waren wir uns sicher: Trotz dem enorm warmen Wetters würde hier etwas passieren.Unser gutes Gefühl sollte nicht trügen: Aus dem Nichts startete die rechte Rute an der eigenen Uferkante durch. Richtig guter Fisch….zieht konstant Schnur und fühlt sich schwer an.
Was auch der Fall war: Schon bald kam die weiße Flanke eines Wallers zum Vorschein. Mit 1,53cm immerhin ein schönes Exemplar. Nach ein paar schnellen Fotos und dem „entschleimen“ der Schnur lag die Rute bald wieder auf ihrem designierten Platz.
Im Morgengrauen der nächste Run. Dieses mal kam ein Spiegler an die Oberfläche. Schönes Tier! Dies war dann allerdings auch die letzte Aktion. Nachdem bereits um 10 Uhr am Vormittag wieder knapp 30 Grad waren, entschieden wir uns, die Session zu beenden. Die Erfahrung am Kanal hat gezeigt, dass es ein längeres ausharren über die Mittagszeit bei solchen Temperaturen wenig vielversprechend ist. Aber allemal besser, als sich am See mit Badegästen herumzuärgern.
Ob nun am See oder Kanal: Ich wünsche euch eine fischreiche Sommerzeit! Und, dass die Erholung nicht zu kurz kommt. Euer Robert Schneider.



