Manchmal entstehen die interessantesten Projekte nicht direkt am Wasser, sondern durch Begegnungen auf Veranstaltungen, bei denen sich Menschen aus der Angelszene austauschen. Genau solch eine Begegnung hatte Eduard Falkowsky von Soulfulbaits auf der Messe in Lingen. Was sich daraus entwickeln sollte, hätte er zu diesem Zeitpunkt bestimmt nicht erwartet. Doch die Einzelheiten erzählt er dir am besten selbst. Wir übergeben das Wort an Eduard Falkowsky.
Die Messe als gemeinsamer Schnittpunkt
Auf der Messe kam es zunächst zu einem Kontakt zwischen mir, Eduard Falkowsky, und Gregor von Concept for you, im weiteren Verlauf dann auch mit Fabian, der als engagierter Angler, Teamer und Jugendwart beim ASV Greven 1933 e.V. tätig ist.
Daraus entwickelte sich ein sehr angeregtes Gespräch, ein Gespräch, aus dem die Idee hervorging, das Jugendangeln des Vereins inhaltlich zu begleiten und den Junganglern einen praxisnahen Einblick in’s moderne Karpfenangeln zu geben. Die Anfrage ließ nicht lange auf sich warten. Es war die Rede davon, ob ich das Jugendangeln nicht nur als Gast wahrnehmen-, sondern aktiv mit einem inhaltlichen Beitrag unterstützen möchte.
Natürlich sagte ich zu und für mich war zudem relativ schnell klar, dass es dabei nicht um Produkte oder Marken gehen sollte, sondern um den Austausch von Wissen, Erfahrung und einem besseren Verständnis für das, was unter der Wasseroberfläche passiert. Gerade die Förderung junger Angler, das Verständnis für Zusammenhänge im Gewässer und der respektvolle Umgang mit Fisch und Natur standen dabei im Mittelpunkt.
Zwischen den beteiligten Köderherstellern – Soulfulbaits und Concept for you – spielte dabei von Beginn an das Miteinander eine Rolle. Umgekehrt: keine Spur von Konkurrenzdenken. Das setzte sich in einer klaren gemeinschaftlichen Mission fort: Der Austausch war direkt von einem gemeinschaftlichen Ansatz geprägt, mit dem Ziel, das Jugendangeln sinnvoll zu unterstützen und Wissen praxisnah weiterzugeben.
Karpfen verstehen statt nur fangen
Im Rahmen meines Vortrags ging es mir vor allem darum, grundlegende Zusammenhänge im modernen Karpfenangeln verständlich zu machen. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie ein Karpfen seine Nahrung überhaupt wahrnimmt. Geruch, Geschmack, visuelle Reize und das Fressverhalten selbst spielen dabei eine deutlich größere Rolle, als viele anfangs vermuten. Und hier galt es, mit einigen Vorurteilen und Halbwahrheiten aufzuräumen. Je früher dies passiert – umso mehr ist den Anglern damit geholfen.
Das lässt mich auf einen allgemeinen Punkt zurückkommen: Mir ist wichtig, nicht einfach fertige Lösungen vorzugeben. Entscheidend ist das Verständnis dafür, warum bestimmte Köder, Zutaten oder Strategien überhaupt funktionieren. Denn wer den Fisch versteht, versteht automatisch auch das Gewässer besser. Und wer das Gewässer versteht, trifft bewusstere Entscheidungen bei Köderwahl, Futterstrategie und Platzwahl. Darin liegt schließlich der nachhaltige Ansatz der Wissensvermittlung. Wie das folgende Bild zeigt, lauschten die Kids meinen Worten mit großer Aufmerksamkeit. Sehr erfreulich!
Angeln nach der Laichzeit – Gewässer lesen statt Muster kopieren
Ein Schwerpunkt des Tages war das Angeln nach der Laichzeit. Diese Phase ist stark vom jeweiligen Gewässer abhängig und lässt sich nicht pauschal beantworten. Faktoren wie Wassertemperatur, Futterdruck, natürliche Nahrung, Struktur und Fischbestand spielen hier entscheidend zusammen. Grundsätzlich bedeutet die Zeit nach dem Laichen für Karpfen eine hohe körperliche Belastung. Die Fische haben Energie verloren, sind viel in Bewegung und beginnen anschließend wieder intensiv mit der Nahrungsaufnahme, um ihre Reserven aufzufüllen. Oft entsteht dabei eine Phase erhöhter Fressaktivität, in der die Fische weniger selektiv reagieren können als in anderen Jahreszeiten. Trotzdem bleibt ein Grundsatz entscheidend: Kein Gewässer funktioniert nach demselben Schema. Mein Ansatz berücksichtigt diesen Umstand: Erst beobachten. Dann verstehen. Dann handeln.
In dieser Phase arbeite ich gerne mit auffälligen-, aber gleichzeitig funktionalen Ködern, die sowohl optisch als auch über ihre Inhaltsstoffe wirken. Der Scopex Rex aus unserem Sortiment ist dafür ein gutes Beispiel. In Kombination mit Liquids wie GLM oder dem Raw Attraction Booster lässt sich die Attraktivität gezielt steigern, ohne das System unnötig zu überladen. Entscheidend ist nicht die Menge an Reizen, sondern deren richtige Platzierung im richtigen Moment.
Praxis am Wasser – wenn Theorie greifbar wird
Nach dem theoretischen Teil ging es direkt an die praktische Umsetzung. Ein wichtiger Punkt war das Arbeiten mit dem Boot beim Ablegen der Montagen. Hierfür hat sich Pieter von Soulfulbaits stark gemacht. Und wie: Wie wichtig ihm die Weitergabe seines Wissens in diesem Punkto war, ist alleine daran abzulesen, dass er eine Anreise von 400 Kilometer in Kauf genommen hat, um die Kids in diese wichtige „Disziplin“ in Karpfenangeln einzuweisen. Der Tenor: Präzision spielt hier eine entscheidende Rolle. Sauberes Anfahren des Spots, kontrolliertes Ablassen und ein ruhiger (Schnur-)Ablauf sorgen dafür, dass die Montage in der Praxis so arbeitet, wie die Theorie besagt.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Fischpflege und dem respektvollem Umgang mit dem Fang – Stichwort: Fishcare. Dazu gehören nicht nur eine nasse Abhakmatte und kurze Wege, sondern vor allem ein ruhiger Ablauf ohne Hektik. Auch die Fotografie ist Teil dieses Prozesses – nicht als Selbstzweck, sondern als bewusster und respektvoller Abschluss eines Moments. Hier vermittelte Micka von Soulfulbaits mit seiner Expertise rund um Fotografie und Fisch-Versorgung, worauf es ankommt und teilte – technisch wie praktisch – seine besten Tipps und Kniffe. Erfreulich, wie interessiert die Kids auch an diesem Thema waren, was sich nicht zuletzt in Gestalt zahlreicher Nachfragen äußerte.
Und damit nicht genug: Abgerundet wurde der Praxisteil durch den zeitgemäßen Einsatz eines Futterbootes. Neben GPS-gestützter Platzierung und exakter Spotmarkierung ging es vor allem um die Frage, wann Technik wirklich einen Vorteil bringt und wann sie nur ein fehlendes Gewässerverständnis ersetzt. Das ist ein entscheidender Unterschied!
Ein Tag, der in Erinnerung bleibt
Für mich war das Jugendangeln beim ASV Greven 1933 e.V. ein rundum besonderer Tag. Die Beteiligung war groß, die Fragen waren ehrlich und das Interesse ging deutlich über einzelne Produkte hinaus. Genau das ist der Punkt, an dem Lernen im Karpfenangeln beginnt: Wenn nicht nur Ergebnisse zählen, sondern auch die Wege dahin. Auch die Atmosphäre am Wasser hat ihren Teil dazu beigetragen. Gute Gespräche, gemeinsames Essen und eine entspannte Stimmung haben den Rahmen für einen intensiven Austausch geschaffen. In der Nacht konnten zudem einige Fische gefangen werden, was den praktischen Teil perfekt abgerundet hat.
Fazit
Dieses Jugendangeln hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig Austausch in unserer Szene ist. Es geht nicht um Konkurrenz, nicht um Marken und nicht um Profilierung. Es geht darum, Wissen weiterzugeben, Erfahrungen zu teilen und jungen Anglern einen Zugang zum Verständnis des Karpfenangelns zu ermöglichen. Wenn daraus Interesse entsteht, Fragen gestellt werden und ein bewusster Umgang mit Fisch und Gewässer wächst, dann hat ein solcher Tag seinen eigentlichen Zweck längst erfüllt.
Und genau darum geht es: Gemeinsam statt gegeneinander. Nur so ist Karpfenangeln nachhaltig und zukunftsweisend!









