Während sich das Jahr in großen Schritten dem Ende zuneigt, wollen wir dem allgemeinen Trend folgen und ein Resumé ziehen – die Feiertage sind seit jeher prädestiniert dafür, reflektierend zurückzublicken und – im Lichte dieser Rückschau – gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten – , lies: Auf das Jahr 2024 und damit auch auf die kommende Saison.
Also: Schnapp dir ein heißes Getränk, mach‘s dir bequem und nimm dir gerne ein paar Minuten deiner Zeit, um 2023 gemeinsam mit uns Revue passieren zu lassen. Vielleicht findest du dich ja in einigen Dingen wieder – in anderen vielleicht weniger. Was auch vollkommen okay ist, denn am Ende zeichnet dieser Beitrag ein subjektives Bild der twelve ft.-Redaktion. So oder oder so: Wir möchten einige Dinge, Entwicklungen, Meinungen und Tendenzen aufgreifen und die Dinge benennen, die wir als Antwort auf die Frage geben würden, was das Jahr 2023 in anglerischer Hinsicht zu dem gemacht hat, was es war.
Messerückblick und -Ausblick
Beginnen wir dafür zunächst mit einem Blick auf die Messesaison. Das macht auch deshalb Sinn, weil Messen immer auch ein Indikator des Stellenwertes darstellen, den das Karpfenangeln in Deutschland bzw. im deutschprachigen Raum einnimmt. In dieser Hinsicht haben sich bei den zurückliegenden Messen in Hofheim-Wallau bzw. der Carp Austria einige Tendenzen abgezeichnet.
Zunächst einmal betreffen diese die Besucherzahlen. Von der durch die Nachwehen der Corona-Pandmie bedingten Zurückhaltung und Verhaltenheit aus dem Vorjahr war in diesem Jahr fast gar nichts mehr zu spüren. Bereits im Vorfeld zeichnete sich ein reges Interesse an den Messen ab, wobei der Tenor, der sich hier in den Social-Media-Diskursen abzeichnete, eindeutig zu benennen war: Groß war die Vorfreude der Besucher, endlich einmal wieder unter Leute – unter seinesgleichen – zu kommen. Und so geschah es dann auch.
Es ist ja nicht so, als wäre nicht schon 2022/2023 die Möglichkeit wiederbelebt worden, eine Messe aufzusuchen. Und doch sprachen die Besucherzahlen dieses Jahr eine deutlich optimistischere Sprache – und das, obwohl die deutlich-höhere Inflation eigentlich in eine gegenläufige Richtung wies. Im Ergebnis machte sich das bei unserem Besuch der Messe in Hofheim-Wallau in hohen Besucherzahlen und einer gesteigerten Nachfrage bemerkbar – wenngleich diese – subjektiv – nicht ganz an das Niveau der Vor-Corona-Zeit heranreichte.
Auf Seiten der Händler zeitigte sich die Kauflust der Besucher jedenfalls in einer erfreulichen Umsatz-Bilanz, die für 2024 in eine deutliche Richtung weist: Alles wird größer – und das Interesse am Karpfenangeln scheint hoch zu sein. Ob das nun trotz- oder gerade wegen Corona der Fall ist, sei dahingestellt. Jedenfalls: In Wallau konnte man die Tendenz zur Hochskalierung der Größenordnung bereits an der Aussteller-Liste festmachen, die sich wiederum als Reaktion auf das hohe Besucherinteresse im Vorfeld erwies.
Die Entscheidung zu einem Ausbau des Karpfenbereichs bei der Messe in Wallau ging umgekehrt mit einem Rückgang des Welsangel-Bereiches einher, was sich schließlich auch in einer Anpassung des Namens bemerkbar machte: War es im Vorjahr noch die Carp & Cat-Expo, so war es nunmehr allein die Carp Expo – und das wird wohl auch so bleiben. Ein richtungsweisender Trend – und zugleich ein gutes Vorzeichen für den weiteren Ausbau der Größenordnungen, der auf die große Beliebtheit des Karpfenangelns abstellen lässt.
Und dieser Trend wirft bereits jetzt sein Licht für die bevorstehenden Messen voraus: Man denke nur an die Carp Expo Berlin, die – wir berichteten – als einzige Messe im ostdeutschen Raum aufgrund überbordender Besucherströme für 2024 von Veranstalter Markus Sippel an einen neuen Standort verlagert wurde – und zwar nach Magdeburg, mit größeren Hallen-Kapazitäten, die dem absehbaren Besucheransturm gerecht werden können und zugleich – auch für die Aussteller – eine neue Größendimension vorauswerfen. Und einen neuen Namen: Die Carp Expo Elbe, Oder, Spree gibt sich die Ehre.
Für die neuen Größenordnungen ist die Carp den Bosch, die Neuauflage der Carp Zwolle, die dieses Jahr erstmals in s’Hertogenbosch stattfand, das beste Beispiel: Die größte Messe Europas, die bereits dieses Jahr mit einer riesigen Größendimension ihre Pforten öffnete – wir berichteten –, kündigt für 2024 einen weiteren Zugewinn um 3000 Quadratmeter an: Auch hier lautet also die Devise: Höher, schneller, weiter, wie du auf den offiziellen Seite der Messe oder auch in diesem Beitrag nachlesen kannst.
Nun bleibt aber umgekehrt auch abzusehen, dass sich dieser Trend nicht endlos fortsetzen wird. Es bleibt zu fragen, ob und wann der Zenith der Nachfrage überschritten ist. Bis dahin tasten sich die Messe-Betreiber nach den Geboten von Angebot und Nachfrage sukzessive an die positiven Ausschläge auf der internationalen Beliebtheitsskala unseres Hobbys ran.
Trade Shows
Nah verwandt zu den beliebten Messen sind die Trade Shows der renommierten Hersteller für Tackle und Baits im Karpfenangel-Segment. Dennoch unterscheiden sie sich in einem Punkt ganz besonders: Die Besucher. So kann zu den bekannten Messen, gegen ein gewisses Entgelt, jedermann erscheinen, im Gegensatz ist das bei Trade Shows nur nach vorheriger Einladung der Fall. Hier präsentieren die Hersteller ihre neuesten Kreationen und Entwicklungen für die neue Saison. Wir sind stolz darauf, immer wieder erneut solche Einladungen wie zum Beispiel zur Sonik Trade Show in Tschechien oder zur Nash Trade Show in Birmingham zu erhalten und folgen denselbigen auch überaus gern. Natürlich sind wir genau so neugierig wie ihr und versuchen euch stets umfangreich an diesen Veranstaltungen teilhaben zu lassen – sei es in schriftlicher oder videotechnischer Form. Die Trade Shows sind, nicht nur auf zwischenmenschlicher Ebene, sondern vor allem auch auf der fachlichen Ebene immer einen Besuch wert und so sind wir schon gespannt, was im Jahr 2024 für Tackle-Neuheiten das Licht der Welt erblicken werden.
Tackle und Baits
Wenngleich die Punkte hier unter einer Überschrift zusammengefasst sind und oftmals in einem Atemzug genannt werden, so verdienen sie doch eine differenzierte Betrachtung, zumal unsere Beobachtungen zu den Trends so unterschiedlich sind, wie die beiden Seiten derselben Medaille zum Karpfenangeln nur sein können.
Baits
Beginnen wir mit den Baits: Im Bait-Bereich zeitigt sich bei vielen Herstellern nach die vor der Trend, den man etwa mit “ zurück zur Natur“ oder auch „weniger ist mehr“ auf eine Formel bringen kann. Will meinen: Natürliche Zutaten ohne künstliche Zusätze sind angesagt und stecken die Marschroute vieler Baithersteller für 2024 ab. Unsere Einordnung: Dieser Trend ist einerseits der Einsicht zu verdanken, dass die Natur immer noch vorgibt, was künstliche-Zusätze und Aromen nicht- oder nur bedingt nachempfinden können – was wohlgemerkt nicht heißen soll, dass letztere nicht auch ihre Berechtigung hätten.
Mindestens genauso entscheidend für diesen Trend ist der zweite Grund: Denn dieser Trend ist andererseits auch – in vorauseilendem Gehorsam – eine vorweggenommene Reaktion auf die immer raumgreifenderen Verbote von Zusatz- und Farbstoffen im Futtermittel-Bereich. Man denke hier nur an das Verbot des Färbemittels Titanium-Dioxid, durch das die Boilies ehedem einen strahlend weißen Farbton erhielten. Nach weiteren Ankündigungen und europaweit-greifenden Vorgaben zur weiteren Futtermittel-Regulierung ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Verbote um sich greifen.
Wir finden: Die Rückkehr zur Natur ist – gerade in Punkto Farbgebung – keine Notlösung, sondern ein angezeigtes Mittel, das zumal der vormals-gewohnten Farbgebung verdächtig nahe kommt – um nicht zu sagen: ebenbürtig ist. Man kann sich davon bereits jetzt in Gestalt einiger heller Milchprotein-Boilies ohne Farbzusätze überzeugen, zumal sich im Wasser ein nochmals-nachhellender Effekt dieser Boilies einstellt. Diese Boilies sind kaum von ihren gefärbten Vorgängern zu unterscheiden.
Vor allem kommt hinzu: Die Ankündigung weiterer Verbote setzt neue Energien frei, wenn es darum geht, nach alternativen Farbstoffen zu forschen, was übrigens bereits jetzt erste Erfolge zeitigt. Wir finden: Eine Entwicklung, die in den folgenden Jahren sicherlich (und notwendig) weiter vorangetrieben wird – mit postiven Synergieeffekten für die Forschung und Futtermittelindustrie, von der schließlich auch die Baithersteller und – am Ende – die Angler profitieren.
Tackle
Wohingegen sich das Ausmaß an Innovation in mancherlei Tackle-Bereich in Grenzen hielt – hier wurde zumeist nur an ein paar kleineren Stellschrauben gedreht –, zeitigen sich gerade im Banklife und Endtackle-Bereich besonders viele Neuerungen und Tendenzen. Das ist schlichtweg an der schieren Summe der dieses Jahr auf den Markt gebrachten Produkte abuzulesen. Gerade die kleineren Player auf dem Tackle-Sektor bieten hier mit ausgefeilten Produkten und viel Innovationsgeist Nischenprodukte, die sich als echte Problemlöser erweisen.
Solcherlei Lösungen markieren einen postiven Trend. Sie zeigen, dass die Tackle-Industrie nicht mehr oben herab den Markt diktiert, sondern, dass der Markt – und die Angler, aus dem er hervorgeht– mittelbar an der Gestaltung der Produkte mitwirken. Wie heißt es doch so schön: Von Anglern – für Angler. Exemplarisch stehen hierfür etwa Produkte, wie der Stoven von ND-Tackle– eine Mischung aus Kocher, Grill und Ofen – oder auch das von Nash Tackle auf den Markt gebrachte Inflatable-Bivvylight, das leichtgewichtig, platzsparend und vor allem funktional ist. Die Liste innovativer Produkte ließe sich noch weiter fortsetzen.
Erfreulich ist: Diese Innovationsfreude färbt mitunter auch auf andere Tackle-Bereiche ab – auch jene, deren Entwicklung bereits am Ende schien, obwohl deren Verbesserungs- und Veränderungspotential noch lange nicht ausgeschöpft war. Nur ein Beispiel: Die Synergie-Effekte, die der Ansatz “ Von Anglern – für Angler“ mit sich bringt, haben sich etwa auf den Bootsbereich ausgeweitet und machen sich in Gestalt weiterer Optimierung für Karpfenanglers Zwecke bemerkbar.
Wir finden: Ein positiver Trend, zumal er – abgesehen vom Produktnutzen – das Potential bietet, etwaige Differenzen zu überwinden und die Anglerschaft näher zusammenzubringen.
twelve ft. PRO-Hihlights
Weil es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde – und danke, dass du bis hierhin gelesen hast – sämtliche twelve ft. Jahreshighlights hieran anzuschließen, haben wir unseren Film-Empfehlungen mit Blick auf die Feiertage und deine Unterhaltung ein eigene kleine Beitragsreihe gewidmet.
An dieser Stelle also nur soviel: Unser twelve ft. PRO-Team hat sich dieses Jahr mehr denn je dafür stark gemacht, tollen Video-Content zu allen Facetten unseres schönen Hobbies abzubilden. Unsere Mediathek ist dieses Jahr auf annähernd 200 Filme angewachsen – mit allem, was das Karpfenangler-Herz begehrt; darunter Session-Filme, Dokumentationen, Lifestyle-Berichte, Tutorials, Formate zur Meinungsbildung, kritische Reflexionen und vielen weitere Filme und Formate. Gerade dieses Jahr haben wir hier neue Wege erschlossen und neue Formate produziert, von denen wir glauben, dass wir damit einen zukunftsweisenden Weg für 2024 eingeschlagen haben.
Diese Zielvorgabe wirft bereits jetzt ihr Bildschirm-Licht voraus: Mit unserer Auswahl an twelve ft.PRO-Highlights möchten wir dir noch in diesem Jahr einen Vorgeschmack der weiteren Ausrichtung von twelve ft. PRO bieten – und liefern dir gleichzeitig einige Filmtipps für die Feiertage.
Das Wichtigeste zum Schluss: Das Wachstum von twelve ft. PRO wäre nicht ohne unsere treuen twelve ft. PRO Abonnenten zu verzeichnen gewesen, für deren Abo-Treue wir uns hiermit nochmal herzlich bedanken möchten!
In diesem Sinne: Wir wünschen allen twelve ft.-Lesern und twelve ft. PRO-Abonnenten alles Gute für das neue Jahr und eine tolle Saison in 2024.












