Die Angelei an unseren industriell geprägten Schifffahrtsstraßen wurde mir bereits in jungen Jahren in die Wiege gelegt. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen: ich saß zusammen mit meinem Opa auf der Sitzkiepe, habe als Jungangler meine erste Nacht am Gewässer vorbereitet und in Gedanken schon von einem riesigen Aal geträumt. Die Sonne verschwand allmählich hinter den Schleusen-Kesseln, die turbulente Schifffahrt nahm zunehmend ab und ich warf den dicksten Tauwurm, den meine Köderdose hergab, in das mystisch gelbe Licht der Spundwandbeleuchtung, die den im Nebel eingebetteten Kanal mit einem besonderen Charme belegte.

An diesem Tag muss es passiert sein: die Faszination der Kanalangelei muss mich hier gepackt haben – und ich bin froh behaupten zu können, dass sie mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.

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Meine Hotspots am Kanal

Da ich es beruflich bedingt nicht schaffe, meine Angelspots über Tage oder sogar Wochen vorzubereiten, lege ich meine Hauptaugenmerk auf die Location. Ich suche nach Unterbrechungen und markanten Stellen, die der Fisch in den zum Großteil sehr strukturlosen Gewässerabschnitten aufsucht. Bereiche wie Hafen- oder Wendebecken, Schleuseneinfahrten oder Unterbrechungen der Spundwand haben sich schon oftmals als absolute Hotspots herausgestellt. Ebenfalls mache ich meine Angelei stark Jahreszeit abhängig. Zum Beginn der Laichzeit befische ich ausschließlich strömungsberuhigte Bereiche, die im Idealfall mit einer dichten Krautkante einhergehen und in einer flachen Uferpartie verlaufen. Ab ca. Mitte Mai verschlägt es mich wieder an die tieferen Abschnitte, wie Wendebecken oder Hafenbereiche. Hier präsentiere ich meine Köder an der Kante zur Fahrrinne. Durch die stetige Schifffahrt und den regelmäßigen Schleusengängen wird das natürliche Futtervorkommen an die benannten Stellen gedrückt, dem der Karpfen instinktiv folgt.

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Tackle reduzieren, flexibel bleiben

Die Zeit fängt den Fisch! So hört man es zumindest all zu häufig und dem muss ich auch zu einem großen Teil meine Zustimmung zusprechen. Um meine meist kurzen Ansitze zu optimieren, habe ich mein Tackle auf ein Minimum reduziert. So ist mir ein schneller Auf- und Abbau möglich und ich kann in vielen Situationen flexibel reagieren. Einige Stellen sind mit dem Auto gut zu erreichen, sodass lange Transportzeiten zum Wasser vermieden werden können. Meine kurzen 9 ft. Ruten liegen bereits meist vormontiert im Kofferraum und können kurz nach der Ankunft an meiner Angelstelle scharf gestellt werden. Diese urbane Art der Angelei ermöglicht es mir, meine kurzen Angelphasen so ergiebig wie möglich zu gestalten.

Aufmerksamkeit am Platz: Meine Futterwahl

In sehr kurzer Zeit, mit möglichst wenig Aufwand, den höchst möglichen Effekt – so gestalte ich meine Wahl der Futtermischungen. Um schnell Bewegung und Aufmerksamkeit auf meinen Angelplatz zu bekommen, versuche ich vom kleinen Weißfisch, bis hin zum erhofften Karpfen, jede Fischart anzusprechen. Hierfür empfinde ich eine kontinuierliche Futterfreigabe zu gewährleisten als äußerst wichtig. In Bereichen des Fahrwassers binde ich meine Partikelmischung in Groundbait. In strömungsberuhigten Bereichen verzichte ich auf Groundbait jedoch gänzlich.

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Um den Karpfen letztendlich zum Anbiss zu verleiten, setze ich gerne auf einen visuellen Reiz sowie einer starken Freigabe von Nahrungssignalen an das Wasser. Hierfür muss die Qualität der zum Einsatz kommenden Boilies passen und dem Angler ein sicheres Bauchgefühl geben.

Der Erfolg gibt recht

Und dann ist es soweit! Nach gefühlt unzähligen Stunden und Niederlagen ertönt der so sehr ersehnte Dauerton aus der Richtung der Bissanzeiger. Weit und breit ist kein Schiff zu sehen, das mal wieder die Ursache für den Dauerton hätte sein können und die Schleuse ist auch außer Betrieb. Ein Blick zu den Ruten und die Vermutung wird bestätigt! Fisch!

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Solche Momente sind unbeschreiblich und lassen den Adrenalinpegel jedes mal aufs Neue bis ins Unermessliche steigen. Dieses Gefühl, doch wieder einmal alles richtig gemacht zu haben. Der richtige Zeitpunkt, der richtige Ort und die richtige Strategie. All das sind Momente, die einem in Erinnerung bleiben und an die man sich gerne erinnert. Momente wie damals als Jungangler mit dem Opa beim Aalangeln.

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