Karpfenangeln im Fluss ist für viele Karpfenangler eine Challenge, die zunächst unlösbar erscheint. Ist der Fluss klein und überschaubar, dann ist es kein Problem die passenden Spots zu finden oder sogar direkt auch Fische zu sehen. Ist der Flusslauf jedoch größer oder gehört sogar zu einem der größten Fließgewässer der Republik, dann wird es zunehmend schwieriger, die richtigen Plätze zu finden. Unser Redakteur Felix Kaczmarek befischt seit über 10 Jahren Fließgewässer auf Karpfen und hat in den vergangenen Jahren viel Zeit und Aufwand in seine Angelei investiert.

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Fische bis fast 60 Pfund gingen ihm dabei in Netz, wobei sein Antrieb ein ganz anderer ist. Natürlich ist es der Reiz der großen Fische, genauso aber auch die ständige Veränderung, die Fließgewässer mit sich bringen. Was in diesem Jahr noch wunderbar und erfolgreich funktionierte, kann im kommenden Jahr schon wieder vollkommen von Misserfolg geplagt sein. Flüsse verändern sich permanent und damit auch die Fressgewohnheiten der Fische. Felix zeigt dir heute drei Spots, die er häufig befischt und dabei regelmässig zum Erfolg kommt.

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Foto by Franz van Maanen (Ausgabe 5)

Wenn das Wasser steht oder zurückfließt

Es spielt hier keine Rolle, ob es ein großer oder kleiner Fuss ist. Die Denkweise hinter diesen Plätzen ist sehr simpel. Nur wo Futter liegen bleibt, kann es auch gefunden werden. Setzt die Strömung aus, fällt Sediment und Nahrung zum Grund und sammelt sich dort auch über einen längeren Zeitraum. Das mache ich mir zu Nutze und füttere gezielt strömungsarme Bereiche, die zum einen strömungsarm aber auch bei vorbeifahrenden Schiffen nicht von deren Sog leergeräumt werden.

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Das können Kehrströmungen, Inseln, Buhnen oder Gumpen sein. Doch allein das Aufsuchen dieser Spots ist nicht die Lösung zum Erfolg. Du musst viel Beobachten und den Strömungsverlauf beachten. Wer füttert muss erreichen, dass seine Baits, Partikel oder Pellets möglichst lange am Spot liegen bleiben. Nur so können Karpfen das Futter auch finden. Ich suche mir gezielt Stellen, an denen z.B. der Schifffahrtsog das Futter nicht erreicht und somit nicht verwirbelt. Zum einen beobachte ich meine Plätze während Schiffe vorbeifahren, zum anderen nutze ich z.B. Stöcker, um den Strömungsverlauf genau zu prüfen. Es gibt immer wieder Plätze, an denen sich die Strömung dreht, kehrt macht oder sich in großen Strudeln dreht. Auch Strömungskanten an Buhnenfeldern sind interessant, wobei ich hier die Erfahrung gemacht habe, dass nicht jede Buhne gleich ist. Häufig befische ich die tiefsten Buhnen, die erste oder letzte einer Buhnenreihe. Hier finden sich andere Buhnenverhältnisse, bezogen auf Strömungsverlauf und -intensität.

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Spots, die du auf den ersten Blick nicht erkennst

Viele Fluss Hot Spots erkennst du auf den ersten Blick. Viele bleiben allerdings auch im Verborgenen oder sind auf den ersten Blick nur ganz schwierig zu erkennen. Für diese Spots nehme ich meist ein Boot und suche den Flusslauf ab. Im Laufe der Zeit ist eine ganze Liste interessanter Spots entstanden, die ich auf einer Flussstrecke von rund 100 Kilometern beangeln könnte. Die Liste von Spots ist dabei ganz unterschiedlich. Ich entscheide hier je nach Wetterverhältnissen und Wasserstand. Von tiefen Löchern, die auch schonmal tiefer als 10 Meter sein können, bis zu Kanten oder auch flachen Sandbänken gibt es eine ganze Reihe von Plätzen, die man durchaus mal testen sollte. Zwei meiner Lieblingsspots, der im verborgenen liegenden Spots, ist eine Sandbank, die sich auf rund 40 Meter erstreckt.

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Foto by Franz van Maanen (Ausgabe 5)

Der Boden ist ganz sauber, rund herum liegen viele große Steine, sodass sich der Spot auch visuell etwas abhebt. Ist das Wasser ganz klar, wie es zum Beispiel bei sinkenden Wassertemperaturen schonmal sein kann, schimmert das helle Sediment und ist super auffällig. Hier fische ich häufig auch instant, weil ich weiss, dass die Fische diesen Platz ohnehin anschwimmen. Gefunden habe ich diesen Spot übrigens mit dem Echolot. Andere Plätze sind ebenfalls mit dem Echolot entdeckt worden. Ich nutze bei der Suche nach Hot Spots gerne mein Striker 7SV von Garmin mit entsprechender Sideimagin-Funktion. Das ist super nützlich bei der Suche nach Spots auf großer Fläche – auch wenn ein wenig Übung natürlich dazugehört.

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Abseits des Hauptstromes

Besonders während der Übergangszeit vom Winter ins Frühjahr, kann man die Fische an strömungsarmen Verbindungsgewässern finden. Kleine Buchten, Zuläufe, Häfen oder angrenzende Baggerseen, die mit dem Strom verbunden sind, bieten jetzt ein Eldorado für kalte Frühjahrskarpfen. Durch den ständigen Energieverbrauch, den die Strömung mit sich bringt, fressen die Fische bereits im zeitigen Frühjahr sehr gut. Jetzt kann man sie auch instant fangen, denn viel Futter ist bei kaltem Wasser auch im Fluss nicht unbedingt die beste Taktik.

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Ich suche gezielt nach Fischaktivität und probiere die Fische zu lokalisieren. Da braucht es einen vollen Autotank, eine Polbrille und ggf. ein kleines Boot, das ich bei der Location immer mit im Auto habe. Zu den Grenzgewässern, wie ich sie nenne, sei vielleicht noch gesagt, dass meine Erfahrung dahin geht, dass ich die Fische dort häufig nur einen kurzen Zeitraum über lokalisieren kann. Wenn man Fische ausmachen kann, dann sollte man sie schnell beangeln. Möglicherweise sind sie nur Gast und führen ein Nomadenleben. Wenn du erst am nächsten Tag oder gar mehrere Tage später eine Session planst, dann verlasse dich niemals auf Beobachtungen in der Vergangenheit. Ich musste schon viel Lehrgeld zahlen, bzw. viel unnütze Zeit an Spots verbringen, die vor einigen Tagen noch bis zu 15 oder 20 Fischen aufwiesen, Tage später allerdings keinerlei Fischaktivität mehr zeigten.

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Die Erfahrung zeigt also, dass die Fische auch im Frühjahr nicht standortgebunden sind und durchaus den Weg in den Hauptstrom nehmen, um die Holdingarea zu wechseln. Apropo Holding Area. Manch angrenzende Gewässer dienen den Fischen nur als Rastplatz, ohne überhaupt zu fressen. Hier ziehe ich Spots vor, die sehr nah an den Holding Areas liegen, sich aber im Hauptstrom befinden. Das bringt oftmals den entscheidenen Unterschied und den Erfolg. Am Übergang zu den stehenden Gewässern oder aber unter- oder oberhalb dazu, lassen sich die Fische häufig fangen. Es gehört etwas Zeit und Erfahrung dazu, die passenden Plätze ausfindig zu machen. Wer es schafft, lernt aber soviel, dass ihn die Flussangelei trotz vieler Blankstunden begeistern wird.

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