Ohne Vorfüttern geht´s für Christian Scheller nicht ans Wasser. Der Pro Line Teamangler ist daher der ideale Ansprechpartner, wenn es darum geht, Futterplätze im Spätsommer aufzubauen. Diese Tipps und Tricks haben sich bei Christian in den vergangenen Jahren bewährt. Heute lässt er uns an seinem Wissen teilhaben.

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Anlegen von Futterplätzen im September – Christian Scheller

Der September war einst ein Übergangsmonat für mich. Nicht Sommer, nicht wirklich Herbst. In den vergangenen Jahren ist er aber zu einem meiner absoluten Lieblingsmonate avanciert. Die vergangenen Jahre waren von teils extremen Sommern geprägt. Ab Mitte Mai bis weit in den September hinein herrschten oft überdurchschnittlich hohe Temperaturen. Aufgrund dessen war die Wassertemperatur auch eigentlich viel zu hoch, zumindest für unsere Breitengrade. Jeder von euch da draußen konnte das nächste Tiefdruckgebiet kaum erwarten, um in den kurzen Phasen der Abkühlung ein paar Bisse zu bekommen. Mit der ersten Abkühlung im September und dem merklichen Ende des Sommers, kam in den vergangenen Jahren eine “neue“, große Fressphase hinzu. Aussagen wie „der September ist der neue Oktober“ gingen durchs Netz. Was soll ich sagen, es war auch für mich so. Wenn im September das erste Mal die Wassertemperatur unter 20 Grad fiel, begannen die Fische massiv zu fressen. Egal ob bei mir oder Freunden, der September brachte zuletzt heftige Serien an Fisch. Wo hingegen der einstmals goldene Oktober von Hochdruckphasen dominiert wurde und einfach nicht mehr lief, wie gewohnt.

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„Grobe Kelle“ im Herbst? Dafür ist es dann zu spät

Im September, so habe ich das Gefühl, kann man fast nicht zu viel füttern. Unsere Zielfische geben mit dem Ende des Sommers bei der Nahrungsaufnahme richtig Gas. Vorausgesetzt ihr kennt euren Bestand und könnt die Zahl der Mitesser einschätzen, dann geizt jetzt nicht mit Futter. Zwei Sorten Boilies kommen bei mir häufig zum Einsatz. Zum einen ein Fischmehl-Boilie, in Form von NG Squid und zum anderen meist ein Getreidemehl- oder Birdfood Boilie mit einer optisch auffälligen Farbe. Hier setze ich inzwischen auf unseren Magic Mango. Liegen meine Futterplätze in Ufernähe und ich kann die Futterkelle nutzen, sind gelegentlich auch Tigernüsse im Einsatz.

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Zudem solltet ihr einen Blick auf die Wassertemperatur haben. Ab Ende August warte ich auf das Ende des Sommers bzw. auf Wassertemperaturen unter 20 Grad, denn genau dann fange ich an, meinen Futterplatz aufzubauen. Wichtig ist es, im Laufe des Herbstes die Futtermenge zu reduzieren, denn das große Fressen ist meist nach ein paar Wochen vorbe, und große Futtermengen wären dann kontraproduktiv. Mit sinkender Wassertemperatur sinkt aufgrund des verminderten Stoffwechsels nämlich auch deutlich die Nahrungsaufnahme.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Es bringt gar nichts, irgendwo blind Futter in den See zu schaufeln. Ich gehe davon aus, dass jemand, der mit größeren Futtermengen arbeitet, sich einen Plan macht und ein Ziel vor Augen hat. Ein paar Euro Investment sollten z.B. auch in eine Kamera zur Spotkontrolle fließen und nicht eben nur in Futter. Je nachdem, welche Regelungen bei euch herrschen, kann ich euch ganz klar zur Anschaffung einer Fish Spycam oder einer Unterwasserkamera mit Kabel zur Kontrolle raten. Wer beispielsweise 5 Kilo Futter einsetzt, sollte nicht blind zwei Tage später einfach „drauf“ füttern. Nutzt die Kamera, kontrolliert eure Stellen und füttert nur weiter, wenn ihr euch sicher seid, dass euer Futter angenommen wurde. Wenn es das Gewässer zulässt, kann auch schon ein altbewährtes Aquascope dafür ausreichen.

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Anders Füttern als die anderen

Wenn alle einen Futterplatz aufbauen – was dann? Mehr als der Nachbar am See zu füttern, bringt dich nicht wirklich zum Ziel. Meine Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten mir, dass sobald mehrere Leute größere Mengen Futter einbringen, es „schwieriger“ mit einem klassischen Futterplatz wird. Dies ist jedoch auch ganz klar von der Gewässergröße abhängig. An einem 8 ha Baggersee sind drei Futterplätze für meinen Geschmack schon einer zu viel. An einem 50 ha See sind sich drei Futterangler nicht wirklich im Weg. Da in meiner Region die meisten Baggerseen zwischen 5 und 20 ha haben, verzichte ich definitiv auf dieses „Wettfüttern“.

Drei alternative Taktiken zum Füttern, wenn andere Jungs oder Mädels schon am Füttern sind, kann ich euch ans Herz legen.

Das Gewässer impfen – Ihr füttert an so ziemlich jedem Hot Spot und interessanten Bereich im See euren Boilie. Somit bindet ihr euch nicht an einen Platz. Ihr schafft Vertrauen in einen Boilie und nicht in einen Spot. Ich habe dies schon ein paar Mal gemacht. Über einige Woche hinweg stellte sich letztendlich Vertrauen auf meinen Boilie am ganzen See ein. Ihr reagiert dann beim Angeln auf die äußeren Einflüsse. Wetter, Angeldruck und Beobachtungen. Ihr seid an keinen Platz gebunden und fischt dort, wo euer Gefühl am besten ist.

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Big Balls im Nirgendwo – kleine Mengen an großen Getreidemehlboilies in Durchmessern ab 25 mm kommen hier zum Einsatz. Hier Vertraue ich auf den Nutrition Boilie von ProLine. Kugeln frei von tierischem Protein, die aber trotzdem gute Nährwerte und eine hohe Attraktion vorweisen. Ich nenne die Bereiche, die ich dort befische, „Nebenplätze“. Es sind die Angelstellen neben den allseits bekannten Hot Spots und den üblichen Futterplätzen. Diese sollten auf den vermutlichen Zugrouten der Fische liegen. Genau hier liegt dann mein weniges aber großflächig gefüttertes Futter. Gezielt für einen der Dicken, der den Trubel auf den dauerhaft beangelten Futterplätzen meidet.

Klasse am Ar***lochplatz – Was meine ich hiermit? Die Stelle, wo kein Brolly hinpasst. Wo die Böschung so steil ist, dass Angeln unmöglich ist. Die Stelle, zu der du vom Parkplatz am weitesten laufen musst. Wo laut aller anderen Angler noch nie ein Karpfen gefangen wurde. Die Stelle, die eigentlich keine Angelstelle ist! Genau dort setze ich auf hochwertige Boilies, wie zum Beispiel den Crayfish aus unserem Hause. Diesen in kleinen Mengen und zusätzlich attraktives Futter aus Pellets, Weichfutter, Hanf oder Boilieteig. Ich suche mir irgendein Merkmal im Gewässer. Auch wenn dieses noch so klein ist, eine Stelle, in der sich der See in irgendeiner Weise vom Rest unterscheidet, gibt es immer irgendwie. Dort füttere ich wenige, hoch attraktive Boilies in verschieden Größen. Hinzu kommen dann gerne noch Liquids und Insekten, die in CSL gesoakt wurden. Oft reichen mir hierbei lediglich 500 gr. Futter

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Dies sind meine drei Herangehensweisen, um anders zu füttern als klassische Futterplatzangler. Ich hoffe, ich konnte euch damit ein paar Ideen und Anregungen mit auf den Weg geben und wünsche euch einen fischreichen Herbst.

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