Wenn ich einige Jahre zurückdenke, waren Touren nach Frankreich ein riesiges Abenteuer: Große Gewässer, unbekannte Fische, kaum Verbote und unbegrenzte Möglichkeiten. Wenn ich heute auf das Thema Frankreichangeln schaue, dann ist dieser Spirit an einigen Stellen, zumindest aus meiner Wahrnehmung, etwas verloren gegangen. Es gibt viele Entwicklungen, die für mich über die letzten Jahre das Angeln in Frankreich massiv verändert haben.

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Einschränkungen werden mehr

Noch vor 10 oder 20 Jahren durfte in Frankreich an fast jedem Gewässer nachts geangelt werden. Nachtangelzonen oder sogar Nachtangelverbote waren in vielen Ecken des Landes kaum ein Thema. Heute ist das anders: Es gibt Departments, in denen es nur noch eine Hand voll Seen gibt, an denen überhaupt noch nachts geangelt werden darf. An riesigen Seen gibt es teilweise nur noch kleine Zonen. Warum ist das so? Für mich ganz klar ein Werk von uns Anglern. Es ist wie überall im Leben. Dort, wo sich Leute nicht benehmen können, müssen Regeln oder Verbote geschaffen werden, um sie in die Schranken zu weisen. Ich bin selbst in den letzten Jahren viel in Frankreich herumgekommen und habe dabei Dinge gehört und erlebt, bei denen ich nur noch mit dem Kopf schütteln kann.

Ich möchte ein kurzes Beispiel geben: Vor einigen Jahren besuchte ich mit meiner Liebsten auf einem Roadtrip für zwei Tage den Lac du Salagou. Ich wollte ihr unbedingt diesen wunderschönen roten See in den Bergen zeigen. Ich kannte den See nur aus dem Winter, fast ohne Angler. Im August nun standen allerdings etwa 100 Camps am See. Wir suchten uns trotzdem ein freies Plätzchen und bauten auf. Ich schaute das erste Mal ins Gebüsch hinter unserem Zelt und erblickte auf großer Fläche etwa 100 Papierhäufchen, wo Angler Ihre Notdurft verrichtet hatten, ohne sich die Mühe zu machen, dies in irgendeiner Form zu verstecken. Muss das sein? Und da sind diese Hinterlassenschaften häufig nur das kleinste Übel…

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Geht ein Stück Freiheit verloren?

Es wundert mich nicht, dass nach solchen Aktionen irgendwann die ansässigen Angelvereine mal die Geduld verlieren, Verbote aussprechen und Kontrollen verschärfen. Genauso wundert es mich nicht, dass die Locals nicht sonderlich begeistert darüber sind und es teilweise zu Anfeindungen kommt.

Ein weiterer Punkt, der sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat, ist die Zugänglichkeit einiger Gewässer. Einige kleine Seen sind in den letzten Jahren zu Paylakes geworden. Das Thema des Fischdiebstahls ist allgegenwärtig und immer wieder tauchen Fische auf einmal in einem kleinen kommerziellen See auf, die andere Angler zuvor noch in großen öffentlichen Gewässern gefangen haben. Wieder einmal geht es um Geld und den möglichst einfachen Fang, vieler großer Fische. Keiner macht sich Gedanken über das Tier oder die Umwelt. Und auch einige große Gewässer sind mittlerweile teilprivatisiert. An Seen über 1000 ha müssen Plätze gebucht werden. Das Angeln dort ist natürlich trotzdem schwer und weiterhin ein riesiges Abenteuer. Trotzdem nimmt es für mich ein Stück Freiheit.

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Social Media verändert das Karpfenangeln

Ein weiterer Faktor, der heutzutage einen extremen Einfluss auf das Angeln in Frankreich hat, ist der Informationsfluss. Schon immer haben sich Angler über Gewässer und Fänge ausgetauscht. Jedoch hat sich die Reichweite, die Vernetzung und die Verfügbarkeit an Informationen über alles und jeden, in den letzten Jahren durch Social Media und diverse Websites so sehr erweitert, dass viele nur noch an ein Gewässer fahren, weil Sie auf Instagram Fotos von drei verschiedenen Fuffis aus diesem See gesehen haben. Ich kann mich selbst auch nicht frei davon machen, an solche Gewässer zu fahren, denn natürlich ist es reizvoll zu wissen, dass in dem Gewässer, wo man gerade angelt, ein guter Bestand an dicken Fischen schwimmt. Völlig normal. Trotzdem nehme ich mir damit oft selbst das Ungewisse und damit auch ein Stück vom Abenteuer.

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Frankreich kann ein Abenteuer sein

Nun klingt das bis hierhin vielleicht sehr negativ. Ich habe einige Entwicklungen und Erfahrungen aus den letzten Jahren zusammengefasst, die sicher auch nicht als positiv zu sehen sind. Trotzdem ist das kein Grund, das Frankreichangeln an sich negativ zu sehen. Jeder muss nur für sich die Frage beantworten, was er denn nun eigentlich will. Es kann durchaus reizvoll sein, ein Gewässer in den sozialen Netzwerken zu verfolgen und zu recherchieren, dort hinzufahren mit allen verfügbaren Informationen und sich gegen 8 andere Angler am Tagangelsee zu behaupten und einfach besser zu fangen.

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Im Kontrast dazu kann ich mir heute über das Internet einfacher denn je aber auch bewusst unbekannte Gewässer aussuchen, an denen alles erlaubt ist und kaum jemand angelt. Hier gibt es oft keine großen Informationen über Bestände oder Gegebenheiten und man kann alles für sich selbst erkunden. Das ist natürlich meistens nicht das Erfolgsrezept, um möglichst viele, möglichst große Fische zu fangen. Es ist aber das, mit dem man das größtmögliche Abenteuer erlebt. Abschließend kann man also sagen, dass das Angeln in Frankreich nach wie vor ein riesiges Abenteuer sein kann.

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Noch mehr Fische, noch mehr News der Baitfabrik