Eine erschreckende Nachricht erreichte uns aus Sachsen-Anhalt: Am Barbyer „Kiessee Süd“ ist es zu einem ungewöhnlichen Fischsterben gekommen – insbesondere Karpfen sind davon betroffen. Aus welchem Grund es zu diesem Massensterben gekommen ist, war zunächst noch unklar. Was Loclas bereits befürchtet haben, ist nun traurige Gewissheit: Der Karpfenbestand ist mit dem Koi-Herpesvirus infiziert. Die Tageszeitung „Volksstimme“ hat am gestrigen Montag (13.07.2020) in einem Artikel darüber berichtet. Was ist der Koi-Herpesvirus? Wie erkennt man ihn? Und wie kann eine Ausbreitung verhindert werden? Wir beantworten die aus unserer Sicht wichtigsten Fragen.

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Das Angeln ist am Kiessee Süd verboten

Durch die Angler vor Ort wurden bereits mehrere hundert Kilo tote Fische aus dem Wasser geholt und die entsprechenden Behörden in Kenntnis gesetzt. Zur Sicherheit aller ist das Angeln und Baden bereits seit einigen Tagen bis auf Widerruf verboten. Entsprechende Informationen sind an den Toren zum Gewässer angebracht.

Die ersten Vermutungen, die wir über Locals erfahren haben, sind nun offiziell bestätigt worden: Der Karpfenbestand ist mit dem Koi-Herpesvirus infiziert. Alle Angler, die ab dem 20.06.2020 am Kiessee Süd gefischt haben, werden gebeten, die Ausrüstung zu desinfizieren, da eine Übertragung an ein anderes Gewässer sonst möglich ist.

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Was ist der Koi-Herpesvirus – Vorkommen in der freien Wildbahn

Der Koi-Herpesvirus ist eine Viruserkrankung und kommt bei Kois ebenso wie bei unseren Zielfischen in der freien Wildbahn vor. Seit 2005 zählt diese virale Infektionskrankheit zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen, weshalb die Fälle von KHV auch in den Medien bekannt werden. Häufig sind es die lokalen Tageszeitungen, die über die betroffenen Gewässer berichten. Unsere Zielfische sind bei einem Befall direkt betroffen. Der Krankheitsverlauf nimmt in 80-sogar 100% der Befälle ein tragisches Ende. Die Fische verenden. Ganze Großfischbestände können ausgerottet werden und Gewässer nahezu komplett von Karpfen „befreit“ werden. Es ist keine Seltenheit, dass Gewässer durch diesen Virus komplett zerstört werden. Erstmalig scheint der Virus Ende der Neuziger im Ausland bekannt geworden zu sein. Heute erfährt man immer wieder vom Ausbruch der Krankheit – auch in unseren Gefilden und heimischen Gewässern

Beim KHV handelt es sich um einen Virus der Klasse DNA-Virus. Genauer gesagt um einen Herpesvirus, wie es der Name schon betitelt. Die Übertragung erfolgt im direkten Kontakt – wobei Flüssigkeiten, Kiemenausscheidungen, Hautkontakt und weitere Kontakte zu einer Infizierung führen. Ohne Kontakt zum Wasser überlebt das Virus rund zwei Stunden, im Wasser ohne einen Karpfen als Wirt rund 14 Tage. Menschen, Wasservögel oder Neubesatz können den Virus einschleppen. Dabei reichen schon wenige Viruszellen aus, um die Katastrophe auszulösen.

Glaubt man den Untersuchungen und Tests, so geht man davon aus, dass der Virus nur Karpfen befällt. Graser z.B. sind in der Regel nicht betroffen. Ebenso wie andere Fische eines Gewässers.

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Wie erkennt man den Virus bei Karpfen?

Grundsätzlich ist anzunehmen, dass der Virus besonders bei Wassertemperauren zwischen 18 und 25°C die höchsten Todesrate hervorruft. Daher wundert es nicht, dass besonders in den wärmeren Monaten öfters vom KHV gesprochen wird, als im Winter. Grundsätzlich kann der Virus aber auch schon ab einer Wassertemperatur von gerade einmal 8°C aufkommen. Verschiedene Einflüsse sorgen für stärkere, andere für mildere Verläufe und Befälle im Gewässer. Bestandsdichte, Wasserqualität und weitere Parameter sind Kennziffern, die den Verlauf beeinflussen.

Das Problem bei der Erkennung des Virus ist die Überlagerung anderer Krankheitsbilder, sodass oft nicht direkt erkannt werden kann, dass es sich um den Koi-Herpesvirus handelt. Meist wird er erkannt, wenn es schon längst zu spät ist.

Einige Krankheitsbilder sind symptomatisch und immer wieder zu beobachten:

  • Fische wirken apatisch
  • Einzelne Fische werden den Schulen separiert
  • Eine extrem starke Schleimbildung
  • Schleimhaut löst sich in Fetzen
  • Karpfen dümpeln schnappend an der Oberfläche herum
  • weiße oder rote Flecken an den Kiemen
  • Fleckenbildung und Blutungen an der Haut
  • Fische fressen nicht mehr und Verweigern die Futteraufnahme – nicht zu verwechseln mit einem klassischen Blank und auch keine Ausrede, wenn es bei dir mal nicht rund läuft.
  • Augen fallen ein
  • Karpfen stehen Kopf und sind desorientiert
  • Der Verlust einer natürlichen Körperfärbung
  • Die Haut ist extrem rau
  • Innere Organe sind auch häufig betroffen

Was mache ich, wenn ich in meinem Gewässer den KHV vermute?

Wie oben bereits erwähnt zählt der Koi-Herpesvirus zu jenen Tierkrankheiten, die als anzeige- und meldepflichtig gelten. Das bedeutet, dass die Krankheit den Behörden gemeldet werden muss. Dazu kannst du entweder die zuständige Wasserbehörde deiner Stadt bzw. deines Landkreises ansprechen oder du gehst den Weg über deinen Gewässerwart. Dein Angelverein ist unserer Meinung nach der erste Ansprechpartner, damit die Verantwortlichen die passenden Schritte einleiten können und das Gewässer sperren bzw. melden können. Auf keinen Fall solltest du weg schauen und die Meldung einem anderen überlassen!

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Koi-Herpesvirus – wie können Karpfenangler die Verbreitung verhindern?

Wir fragen uns, was wir als Karpfenangler machen können und wie wir eine Verbreitung des KHV verhindern können. Na klar können wir etwas machen und müssen es auch. Schließlich wollen wir unsere Gewässer nicht selbst zerstören. Die Übertragung durch uns Karpfenangler ist übrigens genauso wahrscheinlich wie die Einschleppung durch Wasservögel oder infizierter Besatzfische. So plädieren wir erstmal an jene, die noch immer Fische umsetzen. Es kommt immer wieder vor, dass Angler große Fische aus dem einen Gewässer in andere setzen. Im Ausland hört man davon immer wieder aus dem Raum des Balaton-Sees ebenso wie aus Frankreich. Häufig sind es dort besonders große Fische aus bekannten Seen oder Flüssen. Wer Fische umsetzt, aus welchem Grund auch immer, muss damit rechnen, dass er einen ganzen Seebestand gefährdet. Dann ist nicht nur ein großer Fisch aus einem anderen Gewässer entnommen worden, er ist sogar der Auslöser für den Tod eines ganzen Bestandes.

Weiter können wir bei ganz kleinen Dingen beginnen. Ohne Wasser kann der Virus rund 2 Stunden überleben, im feuchten Medium sogar 14 Tage ohne Wirt. Nutzen wir Abhakmatten, Kescher oder Eimer und Falteimer innerhalb kürzester Zeit an unterschiedlichen Gewässern – z.B. beim Stalken oder wenn man an einem Nachmittag auf der Suche von Fischen ist, dann ist der Transfer durchaus möglich. Achte darauf, dass du keinen Austausch unterstützt und damit eventuell der Auslöser einer Sterbeserie bist. Gleiches gilt ebenso für andere Klamotten, die mit dem Wasser in Berührung kommen. Achte darauf – unseren Zielfischen zu Liebe!