In Zeiten von Deeper, FishSpy Cam und Co. gerät die klassische Lotmethode mit Marker und Blei oftmals in Vergessenheit – obwohl das Prinzip so einfach und simpel ist. Mit etwas Geduld, Fleiß und Zeit kann man sehr viel über ein Gewässer herausfinden, ohne viel Geld für zusätzliche elektronische Hilfsmittel ausgeben zu müssen. Auch Christian Scheller erfährt mit dieser Methode drei Informationen an seinen Gewässern: die Tiefe, die Entfernung und die Beschaffenheit am Grund. Bevor er auf die verschiedenen Untergründe eingeht und wie du sie mit der Lotrute richtig identifiziert, geht er zunächst auf sein Set-up ein. Los geht´s, Christian.

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Erfolgreiches Loten mit diesem Set-up

Ich nutze eine 13 ft., 3,5 lbs Rute, bei der mir die Reichweite und ein möglichst hartes Spitzensegment wichtig ist. Zudem kommt bei mir eine Rolle mit deutlich über 1 Meter Schnureinzug zum Einsatz. Der Unterschied von Spod- und Markerrollen im Vergleich zu herkömmlichen Rollen liegt – da meist nicht mehr als 200 Meter benötigt werden – oft in der geringeren Tiefe der Spule. Schaut euch etwas um, denn es gibt gute und brauchbare Markenrollen bereits für relativ kleines Geld.

Unabdingbar ist es in jedem Fall, eine geflochtene Schnur zu verwenden. Nur mit Geflecht lässt sich, aufgrund der nahezu dehnungsfreien Eigenschaft, der Untergrund sozusagen in die Rutenspitze übertragen. Seit Jahren verwende ich ein rundgeflochtenes Geflecht in der Stärke 0,20 mm. Da sich die Schnur immer etwas abnutzt und ich den Verlust meiner Montage vermeiden möchte, schneide ich zu Saisonbeginn einige der letzten paar Meter ab. Als Blei nutze ich gerne Grippableie mit einer recht offenporigen Oberfläche – hierzu später mehr. Eine Gummiperle als Puffer zwischen Pose und Blei schützt den Knoten und beugt somit Abrisse vor. Viele Anbieter bieten eine Art Seitenarm an, an der das Blei montiert werden kann. Dieser macht bei viel Bodenkraut oder auch Schlamm durchaus Sinn, zwingend notwendig ist er jedoch nicht. Zum „Aufbau“ ist zu sagen, dass zuerst das Blei auf die Schnur gefädelt werden muss. Anschließend ziehen wir die Gummiperle auf und zuletzt ist nur noch die Pose an unsere Schnur zu knoten. Fertig. Bei Reichweiten jenseits der 100 Meter kann zum Werfen zudem ein Fingerschutz sehr hilfreich sein. Das Setup ist klar? Dann ab ans Wasser.

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Die Tiefe deines Gewässers ermitteln

Zuerst lege ich euch noch ein kleines Helferlein ans Herz: Abstandsmarkierungen auf eurer Lotrute. Ich habe mir bei 25 cm und bei 50 cm einen Streifen Isolierband um die Rute gewickelt. So kann ich präzise und nahezu zentimetergenau Schnur von der Rolle zu ziehen. Wenn wir nun die Montage auswerfen, lassen wir diese an strammer Schnur geführt über die Rute zum Grund absinken. Nun bekommt man schon eine erste Rückmeldung. Ein „Tock“ würde beispielsweise einen relativ harten Untergrund bedeuten.

Ist die Montage am Gewässergrund angekommen, dann holt noch etwas Schnur ein, bis ihr das Blei spüren könnt und hört dann auf zu kurbeln. Haltet eure Rute jetzt in Position und öffnet die Bremse, sodass ihr seidenweich Schnur abziehen könnt. Beginnt nun, Schnur von der Rolle zu ziehen. Ein Zug bis zur 50 cm Markierung, zwei Züge, drei Züge und die Markerpose ist an der Wasseroberfläche angekommen. Wir haben hier nun eine Tiefe von 1,5 Metern. An der nächsten Angelstelle habt ihr dann fünf Züge und einen bis zur 25 cm Markierung – macht dann 2,75 Meter in der Tiefe. Wenn ihr so systematisch vorgeht, könnt ihr schnell Untiefen, Sandbänke, Rinnen und Kanten entdecken. Das ist die Fleißarbeit.

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Die Entfernung deines Spots

Wenn ihr nun einen Spot gefunden habt, den ihr gerne beangelt möchtet, dann kurbelt die Lotpose langsam in Richtung Blei. Ist das Blei erreicht, dann clipt die Schnur in den Schnurclip und holt die Rute ein. Mit Hilfe von Distance Sticks könnt ihr nun die Anzahl der Wicklungen ermitteln und letztendlich den Spot immer wieder punktgenau anwerfen. Wichtig wäre nur, dass ihr euch auch die horizontale Peilung, also die Richtung, in die euer Köder fliegen soll, merkt. Mein Notizbuch im Handy ist voll mit Informationen wie zum Beispiel: Windrad 28 Wicklungen, Baum 35 Wicklungen usw.

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Beschaffenheit am Grund erkennen

Für mich persönlich ist das Wichtigste, was mir eine Lotrute an Informationen liefern kann. Das Abtasten des Grundes, so wie ich es nenne, ist die effektivste Methode, schnell etwas über ein Gewässer zu erfahren. Es sei gesagt, dass man dies auch ohne eine Lotpose und nur mit einem Blei machen kann. An einer Angelstelle werfe ich das Gebiet vor mir fächerförmig ab. Ich halte die Rute dabei im 90 Grad Winkel zur Schnur und parallel zum Uferverlauf und kurble langsam und gleichmäßig ein.

Sand, Sediment und Co.

Ein sandiger Boden ist kaum wahrzunehmen und das Blei gleitet fast widerstandslos über den Boden. Hier kommt nun das offenporige Grippablei ins Spiel. Wenn ihr es eingeholt habt und nichts daran haftet sowie zudem nicht besonders riecht, handelt es sich sehr häufig um eine saubere, sandige Fläche.

Lehmflecken sind meist Zufallstreffer. Oft sind diese inmitten von Sand- oder Sedimentflächen. Ein Indiz dafür ist eine sich urplötzlich nach vorne verneigende Rutenspitze und Widerstand. Kurbelt ihr jetzt schnell ein und es klebt etwas Lehm an den Poren des Bleis, würde ich sagen: Jackpot! Horizontpeilung sowie Wicklungen notieren und anschließend unbedingt beangeln.

Sediment nimmt man, ähnlich wie Sand, kaum wahr. Jedoch ist Sediment voller Leben, mit beispielsweise Schnecken und Insekten. Wenn sehr viele Schnecken vorhanden sind, spürt man diese mit winzig kleinen Schlägen in der Rutenspitze. Des Weiteren kommt jetzt das offenporige Grippablei erneut ins Spiel. Wenn ihr es eingeholt habt, werdet ihr sehen, dass bei Sediment oft etwas in den Poren haften bleibt und zudem etwas riecht. Jedoch nicht faulig oder schlammig. Wenn diese Faktoren zusammenkommen, handelt es sich sehr häufig um eine Fläche mit Sediment.

Schotter überträgt sich durch viele kleine Schläge in die Rutenspitze. Ich würde es ein permanentes Ruckeln nennen. Hier wimmelt es meist von Bachflohkrebsen, Schnecken und Krebstieren. Lange Zeit dachte ich, dass am Grund nur kleine Steine dicht an dicht liegen würden. Mit der Unterwasserkamera habe ich mir inzwischen aber mehrfach solche Bereiche angesehen. Oft befindet sich Sand oder Sediment zwischen den Steinen und dann waren diese Bereiche auch sehr produktiv.

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Steinfelder als Orientierung für Zugrouten?

Steinfelder sind recht schwierig, ausfindig zu machen. Was meine ich damit? Auf einer größeren Fläche liegen alle paar Meter große Steine. Ja, und ich meine wirklich große Steine. Teilweise haben diese das Format eines Fußballs aber auch bis hin zu der Größe einer Regentonne. Ich habe solche Felder lange Zeit nicht wirklich deuten können. An einem recht tiefen Baggersee zum Beispiel kenne ich eine Ebene, die zum Großteil aus Sediment besteht. Immer mal wieder hatte ich jedoch auf unerklärlicher Weise Hänger. Mit viel Kraftaufwand ließ sich dann aber alles befreien. Oft war die Schnur etwas aufgeraut. Ein Stein lag im Schnurverlauf, der Marker blieb hängen und man musste diesen dann mit Kraft um den Stein herumziehen. Ich fragte mich immer, was dies wohl sein könnte- Lehm konnte es nicht sein, da man diesen eigentlich gut identifizieren kann. Schlussendlich war es die Technik, die mir das Rätsel löste. Mit einer FishSpy Cam konnte ich dann letztendlich sehen, was mir lange Zeit nicht klar werden wollte.

Aus meiner Mecklenburg Angelei wusste ich, dass große Steine wie Magnete auf Karpfen wirken. Ich glaube, dass sie Zugrouten markieren. Ich erinnere mich an einen Stein vom Format einer Regentonne an einem über 1000 ha großen See. Wenn der Wind auf das Ufer stand, ging dort immer Fisch. An Steinen sind Muscheln und sie bieten allerlei andere Kleinstlebewesen Deckung und Schutz. Finde ich so ein Steinfeld in einem meiner Baggerseen, ist ein nasser Kescher meist garantiert.

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Schlammareale können sehr produktiv sein

Da er sich dort gut ablagert, findet man Schlamm häufig in Senken und Rinnen. Er macht sich durch eine immer wieder permanent biegende Rutenspitze bemerkbar. Wenn man nach dem Einholen am Blei riecht, kann man oft auch einen faulig-schlammigen Geruch feststellen. An vielen Baggerseen meiner Region finden sich ausgeprägte Schlammareale am Ostufer wieder. Wieso? Die Erklärung liegt auf der Hand. Die Hauptwetterlage befindet sich bei uns aus westlicher Richtung. Sediment und Schwebstoffe werden bei stärkeren Winden dann an das Ostufer getrieben und lagern sich dort ab. Wenn diese Schlammschicht jedoch nicht „faulig“ riecht, ist diese auch oft sehr produktiv.

Kraut ausfindig machen

Kraut gibt es in unzähligen Formen. Es fühlt sich, wenn es höher steht, oft wie ein Hänger an und ihr spürt auch wie es abreißt bevor sich das Blei erneut verfängt. Bodenkraut, das nur ein paar Zentimeter hoch ist, wird hingegen kaum wahrgenommen. Ein charakteristisches Merkmal für dichtes Kraut ist, dass die Lotpose nicht bis zur Oberfläche aufsteigen kann, da sie sich im Kraut verfängt. Macht euch die Mühe, dieses Kraut zu identifizieren. Ihr werdet feststellen, dass es oft einige verschiedene Sorten in einem Gewässer gibt. Ich bin davon überzeugt, dass Karpfen ihr „Lieblingskraut“ haben.

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Wenn ihr all die Information, die euch eine Lotrute geben kann, gesammelt habt, seid ihr schon ein ganzes Stück näher am Fisch. Ja, ein Deeper oder eine Cam liefert euch deutlich einfacher und schneller Informationen, jedoch ist die Fleißarbeit mit der Lotrute durch nichts zu ersetzen. Wobei ein kleines Helferlein in meiner Technik Sammlung absolut nicht mehr wegzudenken ist. Ein GTM 40 + ist bei meiner Angelei immer dabei, denn die Sprungschicht kann euch eure Lotrute alleine nicht verraten. Nun packt die Lotrute ein und erkundet die Gewässer.

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