Druck, Drive und Dicke

Ein Artikel von Martin Abels

12 Minuten Lesezeit



Wenn man etwas schon lange Zeit und gleichzeitig sehr intensiv betreibt, so wie viele von uns das Angeln auf unseren Zielfisch, besteht immer die Gefahr, dass die Motivation irgendwann nachlässt. Manchmal wandelt sich der ursprüngliche Gedanke hinter dem Angeln, nämlich etwas zu tun, was einem Spaß macht, fernab von der Norm der Gesellschaft und deren allgegenwärtigen Leistungsdruck, schleichend in Stress. Dieser kann von der Umwelt und insbesondere von den sozialen Medien verstärkt werden. Letztlich entsteht dieser aber im eigenen Kopf und hindert einen zum einen daran etwas genießen zu können und zum anderen daran erfolgreich zu sein. In der Berufswelt spricht man von Burnout.


twelveft ausgabe17 martinabels 19 - Druck, Drive und Dicke

Im Sommer 2016 hatte ich einen solchen Zustand beinahe erreicht. Das Angeln machte mir einfach keinen Spaß mehr. Jedes Mal wenn ich raus ging, kostete es mich viel Überwindung. Lief es dann nicht so, wie ich es mir vorstellte, war Frustration vorprogrammiert. Die ganze Vorbereitung, das Rollen der Boilies, füttern, packen, planen - alles wurde zur notwendigen Pflicht zu der ich mich irgendwie gezwungen fühlte. Von Leichtigkeit keine Spur. Im Oktober hatte die ganze Misere dann ihren Höhepunkt erreicht: wie es sich gehört, hatte ich die Wetterapp stets im Blick, immer mit dem Fokus auf relativ konstanten, leicht fallenden Luftdruck und einer ordentlichen Brise aus südwestlichen Gefilden. Als genau diese Wunschkonstellation abzusehen war, präparierte ich über fünf Tage hinweg einen passenden Spot an einem See, von dem ich genau wusste, dass er einige Fische in dem Kaliber beherbergt, wie ich sie mir wünschte. Viele hatte ich bereits gefangen, ein paar fehlten mir jedoch noch in meiner Sammlung. Also hielten mich auch die allabendlichen 100 Kilometer Fahrtstrecke und die darauffolgende Bootsfahrt nicht davon ab mein mir selbst gestecktes Ziel verbissen zu verfolgen. Ich hatte Urlaub und eigentlich sollte es am morgigen Tag losgehen, auch die Wettervorhersage hielt was sie die Tage zuvor voraussagte. Doch ich packte nicht. Ich hatte es satt. Keine Motivation, kein Drive - nichts. Das mag bescheuert klingen, aber irgendwie wusste ich, dass trotz aller objektiver, guter Vorzeichen meine Erwartungen nicht erfüllt würden. Vielleicht spielte auch der Umstand, dass ich mich vor kurzem von meiner langjährigen Freundin getrennt hatte, eine Rolle bei dieser Entscheidung. In jedem Fall fühlte es sich nicht richtig an und so vertrieb ich mir die Tage anderweitig. Von Wehmut, die Chance nicht genutzt zu haben, keine Spur. Von diesem Tag an legte ich eine unbefristete Pause ein. Ich genoss das Leben mit all seinen Facetten außerhalb des Karpfenzirkuses.

Anzeige

MegaKrillpromoweb - Druck, Drive und Dicke
twelveft ausgabe17 martinabels 16 - Druck, Drive und Dicke

Erst im darauffolgenden Herbst verspürte ich wieder diesen so lange vermissten Drang am Wasser zu sein. Mit meinem besten Freund, mit dem ich damals, vor fast zwanzig Jahren mit dem Karpfenangeln begonnen hatte, sollte es für ein ganzes Wochenende an den See gehen, den ich vor ziemlich genau einem Jahr zurückgelassen hatte. Normalerweise beschränkt sich meine Angelei auf häufige und gut vorbereitete Kurzansitze von maximal 20 Stunden. Die Erfahrung hat einfach gezeigt, dass dieses Vorgehen wesentlich effizienter ist. Außerdem lassen sich kurze Nächte oder gut getimte Tagessessions besser in meinen Alltag integrieren. Dieses Mal jedoch stand der Spaß, die Entspannung und die Freundschaft im Vordergrund. Erwartungen hatte ich keine. Alles dem Zufall überlassen wollte ich aber auch nicht und so rollte ich am Wochenende vorher noch schnell einige Kilos feinster Boilies ab. Da ich das Gewässer schon eine Saison befischt hatte, wusste ich, dass hier neben einigen Karpfen der Königsklasse auch etliche Brassen und kleinere Karpfen ihre Bahnen zogen. Größe und vor allem die Härte der Boilies passte ich entsprechend an. Als Highlight machte ich mir per Hand einige übergroße super Big Balls von 35 -50 mm, die ich vor dem Kochen ein wenig platt drückte.

Aus. Vorbei. Burnout.


So konnte ich sicher gehen, dass diese Teile auch an einer Kante genau dort liegen blieben, wo ich sie versenken wollte. Als Hakenköder rollte ich mir große Wafter mit etwas mehr Auftrieb als gewöhlich. In Kombination mit meiner, etwas abgwandelten Form des Hinged Stiffrigs sollten diese den dicken Karpfen direkt tief ins Maul fliegen und dank des steifen Mouthtrap Materials und der nadelscharfen Haken, da auch nicht mehr rauskommen. Als Grundmix diente mir die Basis des Crazy Shit Mixes, dem ich schon seit Jahren vertraue und der mir bereits an fast allen Gewässern zu sehr guten Fängen verholfen hat. Auf die Zugabe von sämtlichen Zusätzen wie Flavours, Essential Oils und Sweetnern verzichte ich jedoch komplett, nur etwas Squid Extrakt und Betain sollten den Dicken ihre letzte Scheu nehmen. Um das Vertrauensverhältnis zum Futter und zum Spot noch weiter zu verbessern, trafen sich Felix und ich zwei Tage vorher am See, um die Plätze zumindest einmal vorzufüttern. Außerdem brauchte ich auch noch ein paar Liter Seewasser, um meine Boilies im Vorfeld darin zu wässern. Dieser Trick hat mir schon oft dabei geholfen, an die vorsichtigen und großen Nomaden eines Sees zu kommen. Dieses Mal wollte ich aber noch eine Schippe drauflegen und fügte dem Seewasser einen Pulver-Mix aus verschiedenen Aminosäuren, Enzymen und Betain bei. Hierdurch erhöhe ich die sensorische Attraktivität der Köder erheblich und sorge durch das Einweichen im Seewasser gleichzeitig für mehr Vertrauen. Da ich natürlich auch mit meinen Hakenködern so verfahren bin, war es wichtig, dass diese auch nach langer Zeit im Wasser noch hart genug blieben und ihre Auftriebskraft ausreichend stark gewählt war.

twelveft ausgabe17 martinabels 8 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 10 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 7 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 19 - Druck, Drive und Dicke

Als ich dann am Mittwochabend gemeinsam mit Felix im Boot saß, kam dieses Feeling auf, dass ich so lange schon vermisste. Ein Gefühl von Freiheit begleitet von einer ganzen Menge Vorfreude. Vorfreude auf die Session, auf das Angeln und natürlich auch ein bisschen darauf, herauszufinden, ob mein Plan funktionieren würde. Aber anders als vor meiner Pause setzte ich nichts voraus. Kein Fischgewicht, keine Stückzahl, kein Zielfisch - nichts. Ich war einfach gespannt was da kommen würde. Ein bisschen so, wie damals als kleiner Junge am Abend, bevor es am nächsten Morgen mit meinem besten Freund zu einer unserer ersten gemeinsamen Sessions losgehen sollte. Dieser war übrigens auch vor über zwanzig Jahren der gleiche wie der, der mir hier gegenüber im Boot saß und ebenfalls voller Vorfreude seine Boilies an einem verheißungsvollen toten Baum verteilte.
Wir entschieden uns dafür jeweils eine Rute am gegenüber liegenden Ufer vor dem Totholz zu platzieren und zwei Ruten auf einem gemeinsamen großen Futterplatz zu fischen. Hier wollten wir den Fischen ein besonders reiches Mahl bieten und verteilten neben einigen Kilo Boilies auch zwei Eimer Partikel. An den Uferruten beschränkten wir uns hingegen auf Boilies. Hier, auf engem Raum, wollten wir ungewollte Beifänge und deren Scheuchwirkung so gut es ging ausschließen.

twelveft ausgabe17 martinabels 13 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 4 - Druck, Drive und Dicke

Mit einem guten Gefühl machten wir uns auf den Heimweg. Dieses Mal kamen mir die 100 km jedoch weder lang vor, noch hatte die ganze Aktion Arbeitscharakter. Sie fühlte sich einfach richtig an. Einen kleinen Dämpfer bekam unsere Euphorie jedoch beim Blick auf die Wetterapp und den vorhergesagten steigenden Luftdruck. Noch vor einem Jahr wäre ich ins Grübeln gekommen, ob sich das alles überhaupt lohnen könne. Diesmal lies ich diesem Gedanken in meinem Kopf jedoch gar keinen Raum...
So ging es dann Freitag endlich los und nachdem wir alles fertig gemacht hatten, ging es ans Ruten legen. Hierfür nahm ich mir wie immer viel Zeit, denn nur wenn ich weiß, dass alles so liegt, wie ich es möchte, finde ich im Anschluss auch meinen inneren Frieden. Gerade bei der Rute, die ich unmittelbar vor dem Totholz ablegte, musste ich äußerst genau vorgehen. Nur ein kleiner Sandfleck am Fuße der Kante bot die Möglichkeit die Montage optimal zu präsentieren. Legte ich zu weit oben ab, wäre die Gefahr zu groß, dass ein fressender Fisch in die gespannte Schnur schwimmen könnte. Auf ein Backlead musste ich verzichten, denn der Knick im Schnurverlauf würde einem gehakten Fisch trotz komplett geschlossener Bremse und fixierter Rute genug Spiel geben das gefährliche Geäst zu erreichen. Legte ich hingegen zu weit unten ab, würde die Montage im dichten Krautdschungel versinken. Damit die einmal platzierte Montage auch sicher liegen blieb, entschied ich mich für 200 Gramm Inline Gripper Blei. Um einen gehakten Fisch möglichst schnell hoch zu bekommen und zu verhindern, dass er sich direkt ins dichte Kraut gräbt, befestige ich das Blei in solchen Situationen so, dass es sich nach einem Biss lösen, und der weitere Drill an freier Leine stattfinden kann.

Ich hatte Bock. Ich hatte wieder Drive. Aber keinen Druck.

Anzeige


kryston 800x1250w - Druck, Drive und Dicke

Anzeige

twelveft ausgabe17 martinabels 18 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 19 - Druck, Drive und Dicke

Die zweite Rute platzierte ich am Rande des großen gemeinsamen Futterplatzes, am Fuße einer Sandbank im leicht schlammigen Bereich. Auch hier sollte ein eingeweichter Wafter auf einen, hoffentlich schwergewichtigen Abnehmer warten. Hier fütterten wir weit gestreut, wohingegen die Baumruten eher punktuelle, oder besser gesagt linear entlang der Kante vor und direkt im Holz gefüttert wurde. Auf Partikel verzichteten wir diesmal gänzlich. Lediglich zwei drei größere Brocken des ungekochten Boilieteigs fanden den Weg ins Wasser. Daran herumlutschende Fische sollten noch schneller die Scheu verlieren und den schwerelosen Köder quasi nebenbei inhalieren. Die Hindernisrute lag auf knapp 200 Meter Distanz. Um dem Fisch kein zusätzliches Spiel zugeben und ihn garnicht erst bescheunigen zu lassen wurde die geflochtene Hauptschnur hart durchgespannt, die Bremse bis zum Maximum geschlossen und die Rute mit einem Expander fixiert. Dieses kompromisslose Vorgehen hat mir in der Vergangenheit schon so manchen Ausnahmefisch von extrem hindernisreichen Spots gebracht.  Wichtig ist hierbei absolutes Vertrauen in sein Gerät und das eigene Handeln, denn nach einem Biss, der oft nur aus 2- 3 Piepern besteht, muss man die Rute direkt aufnehmen und im Idealfall ein paar Schritte rückwärts machen, um den Fisch aus der unmittelbaren Gefahrenzone zu manövrieren. Gerade die richtig dicken Fische benötigen ein paar Meter Anlauf, bis sie Ihre ganze Kraft entfalten können und wir nicht mehr viel ausrichten können. Ähnlich wie eine Lok, deren Beschleunigung zwar zu wünschen übrig lässt, einmal in Fahrt gekommen aber kaum mehr zu stoppen ist. Daher sind gerade die ersten Sekunden in einer solchen Drillsituation entscheidend.

twelveft ausgabe17 martinabels 20 1 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 21 1 - Druck, Drive und Dicke

Anzeige

Nachdem wir alle Ruten zu unserer Zufriedenheit gelegt und gewissenhaft gesichert hatten, konnte der entspannte Teil des Abends beginnen. Bei knapp 20 Grad und T-Shirt-Wetter genossen wir den baldigen Sonnenuntergang bei einem leckeren Kaltgetränkt – Herrlich! Angeln kann doch so schön sein. Wir philosophierten über Gott und die Karpfenwelt und waren uns einig, dass solche Sessions in den letzten Jahren bei uns leider viel zu selten waren. Um genau zu sein war die letzte sogar fast vier Jahre her. Damals, kurz bevor Felix Vater wurde, stand eigentlich auch das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund, sodass wir sogar mit nur zwei Ruten fischten. Ein besonderes Erlebnis wurde es auch, denn wir fingen in dieser verregneten Septembernacht Fisch auf Fisch. Gerade als wir voll in unserer gemeinsamen Vergangenheit aufblühten, gab eine meiner Ruten drei Pieper von sich. Die Baumrute! Der Swinger klebte bereits unterm Blank und bei der Aufnahme der Rute und noch bevor ich das Handstück in eine auch nur annähernd aufrechte Position ziehen konnte wusste ich, dass es sich definitiv nicht um einen der kleineren Bewohner des Sees handeln konnte. Wie ein Sack Zement, der an einem Seil hin und her baumelt, zog es mit einer dumpfen Gewalt am 200 Meter entfernten anderen Ende der Schnur. Zum Glück hatten wir Niedrigwasser, sodass ich zwei kleine Schritte rückwärts machen konnte, um so ein bis zwei Meter gewinnen zu können ohne die Rute senken zu müssen. Anschließend legte ich mein bescheidenes Körpergewicht voll in die Rute und hielt erstmal nur stand. Nach einigen bangen Sekunden wagte ich die erste Pumpbewegung. Mit Erfolg. Die Dampflock schien gedreht und folgte nun ganz gemächlich meinem Druck. Bevor ich ins Boot steigen wollte, musste ich aber noch einige mehr Meter Sicherheitsabstand zum tödlichen Geäst aufbauen.

3 Pieper. Fisch! Eine Dampflock.

twelveft ausgabe17 martinabels 17 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 12 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 14 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 19 - Druck, Drive und Dicke

Einmal im Schlauchboot, würde ich auch trotz E-Motor schnell zum Spielball des offenbar nicht ganz so kleinen Karpfens werden. Als ich mir meiner Sache halbwegs sicher war, wagte ich den Schritt und pumpte mich an das, was mich auch immer am anderen Ende erwarten würde, heran. Über dem Fisch angekommen ereilte mich ein Dé­jà-vu-Erlebnis. Nur, dass dieses Mal der Sack Zement nicht mehr 200 m entfernt, sondern nun knapp 6 m unter mir keine Anstalten machte meinem großen Druck Folge zu leisten. Egal – jetzt saß ich am längeren Hebel und Zeitdruck hatte ich auch keinen. Wie hatte ich dieses Feeling vermisst: Aus völliger Entspannung in den absoluten Adrenalinrausch gerissen zu werden, der sich dann Stück für Stück, Meter um Meter in freudige Vorahnung wandelt. Wobei hier waren es eher Zentimeter um Zentimeter, denn der Schlagschnurknoten war immer noch ganz oben auf der Spule und ab und zu verabschiedete er sich auch wieder in Richtung Spitzenring. Ich kann es heute tatsächlich nicht mehr genau sagen, wie lange sich dieses Hin und Her noch gezogen hat. Den Moment, in dem ein riesiger Schädel das Kreuz des Keschers schon fast berührte und die massive, mit Perlschuppen gespickte Schwanzwurzel so gerade die Kescherschnur passiert hatte, habe ich aber noch vor Augen, als sei es eben erst geschehen. Yeeees!!! Er ist drin! Als der Schein der Kopflampe den massiven Nacken meines Kontrahenten trifft, habe ich Gewissheit. Gewissheit, dass meine, zum Beginn der Session nicht vorhandenen, dann im Verlauf des Drills mit jeder verstrichenen Minute gewachsenen Erwartung übertroffen wurde. Da lag einer der Topfische des Sees vor mir, ganz sicher weit über fünfzig Pfund schwer und das nach knapp 2 Stunden angeln nach einjähriger Abstinenz. Kann man sich ein schöneres anglerisches Comeback wünschen? Ich glaubte zu diesen Zeitpunkt nicht.
Natürlich kannte nach diesem Fang unsere Euphorie keine Grenzen. Als dann Felix nach zwei Stunden mit einem hohen Dreißiger nachlegte und sich auch bei mir noch zwei weitere Kameraden der gleichen Gewichtsklasse die Ehre gaben, schien plötzlich alles möglich. „Vergiss mal den Luftdruck – was geht hier bitte ab?“ Im Morgengrauen sah ich nach einem schönen Dauerton meinen Freund mit krummer langsam über den spiegelglatten See in Richtung Futterplatz gleiten. Ich genoss das Schauspiel aus meinem warmen Schlafsack heraus und vergaß darüber sogar diese malerische Szene auf Bild zu bannen. Oft ist es bei mir so, dass ich in solchen Momenten so sehr den Augenblick genieße, dass ich mich immer erst im Nachhinein darüber ärgern kann, ihn nicht für die Ewigkeit festgehalten zu haben. Aber muss ich mich wirklich ärgern? Sind die Erinnerungen an solche genussvollen Momente nicht viel mehr wert als ein Foto?

 

Anzeige

12ft Dez - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 15 - Druck, Drive und Dicke

Als Felix freudenstrahlend am Ufer ankam wusste ich, dass auch sein morgendlicher Wecker nicht viel kleiner gewesen sein konnte, als die nächtlichen Besucher. Und ich sollte Recht behalten. Nach diesem Auftakt galt es nun nicht übermütig zu werden, schließlich hatten wir noch über 24 Stunden vor uns. Daher entschied ich mich dazu die produktiven Morgenstunden erst am nächsten Tag voll zu nutzen und nun erstmal alle Plätze mit einer ordentlichen Ration Boilies zu versorgen. Die Fische sollten nach der turbulenten Nacht wieder etwas Vertrauen zurückgewinnen und wir könnten eine extra Portion Schlaf auch gut gebrauchen. Dass sich diese Entscheidung als goldrichtig herausstellen sollte, zeigte sich am Nachmittag, als die Ruten keine Stunde im strahlenden Sonnenschein an den Plätzen lag. Nach einem nervenaufreibenden Drill fing ich den König des Sees mit fast 29 Kilo. WAHNSINN! Eigentlich war die Session schon an diesem Punkt, nach nicht mal 20 Stunden am Wasser, kaum mehr zu toppen, aber manchmal, wenn man sich wirklich frei von jeglichem selbstauferlegtem Erfolgsdruck oder gar Zwängen macht und dem Glück eine Chance gibt, dann scheinen manchmal Regeln, Gesetzmäßigkeiten und Wahrscheinlichkeiten außer Kraft zu treten. Dann sind Sternstunden möglich, die diesen Namen mehr als nur verdienen. Die zweite Nacht und insbesondere der letzte Morgen sollte genau hierfür den Beweis liefern, denn nachdem auch Felix in dieser Nacht einen echten Kracher über 20 Kilo fangen konnte, stiegen kurz hintereinander zwei Fische eben dieser Gewichtsklasse auf meine Baumrute ein. Bei der anschließenden Fotosession lief dann wie aus dem nichts die lange unangetastete Futterplatzrute von mir voll durch. Felix hatte, ohne dass ich es mitbekommen hatte, seine Go-Pro auf einem Eimer positioniert, so dass dieser unvergessliche Moment samt meines dämlichen Gesichtsausdrucks und der chaotischen Boarding-Szene für immer in Bild und Ton festgehalten wurden. Der Fisch am anderen Ende entpuppte sich schließlich als dritter Fünziger an diesem Wochenende für mich.

Nummer1. Nummer 2. Nummer 3. 25 Kilo+.

twelveft ausgabe17 martinabels 11 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 3 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 2 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 19 - Druck, Drive und Dicke

Ich konnte und kann es bis heute kaum glauben, was wir an diesem denkwürdigen Oktoberwochenende erlebten. Und es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde nicht auch ein bisschen stolz auf dieses Ergebnis zu sein. Wichtiger finde ich aber die Massage, dass egal wie sehr man versucht sein Glück zu beeinflussen, egal wie viel man bereit ist zu investieren – wenn es sich nicht richtig anfühlt, man sich selber zwingen muss ans Wasser zu fahren und man einfach nicht mehr mit der nötigen Leichtigkeit an die Sache ran geht, man sich nicht nur den Spaß, sondern auch die Chance auf Erfolg verbaut. Die Großen kommen, wenn sie kommen wollen und lassen sich nicht bestechen. Genauso wenig, wie das Glück. Etwas nachhelfen ist aber durchaus ratsam und es macht ja auch schließlich Spaß zu sehen, dass ein Plan funktioniert. Und letztlich geht es doch um den Spaß und eine gute Zeit am Wasser.

twelveft ausgabe17 martinabels 9 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 1 - Druck, Drive und Dicke

twelveft ausgabe17 martinabels 5 - Druck, Drive und Dicke
twelveft ausgabe17 martinabels 8 - Druck, Drive und Dicke

Mehr über den Autor

Folge unseren Autoren auf Ihren Social Media Accounts