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Insta.Facebook. Angeln geh ich für mich!

Janik Wolf

7 Minuten Lesezeit


 

Es ist Ende August und die Luft ist bei mir einfach raus. Ich kann mich kaum mehr motivieren ans Wasser zu fahren. Neue Produkte interessieren mich nicht mehr. Wahrscheinlich bin ich in meiner „jugendlicher Leichtsinn“-Phase. Fortan sind mir meine Freunde, Fußball und Ramba-Zamba wichtiger, als das Leben am Wasser. Ich möchte mich ausprobieren, meinen Spaß haben. Doch wie konnte es passieren, dass ich mich so weit von meinem Hobby, meiner Leidenschaft, meiner Lebensweise abwenden konnte? Der tägliche Check bei Instagram, Facebook & Co. zeigte mir massenhaft große Fische. Jeder war laut den sozialen Medien ständig am Wasser. In mir wuchs daraufhin natürlich ein Drang, ebenfalls rauszufahren, schaffte es jedoch aufgrund anderer Verpflichtungen nicht. Aus dem Drang wurde Druck. Dieser stieg ins Unermessliche, bis ich mir ein paar Stündchen nach der Arbeit freischaufelte, um endlich die Köder zu baden – im wahrsten Sinne des Wortes. Einen Fisch konnte ich nämlich nicht überlisten. Somit stieg besagter Druck weiter, jeder meiner Facebook-Freunde schien zu fangen – außer mir.

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Ich versuchte meine Taktik anzupassen und machte mir viele Gedanken. Scheinbar zu viele, denn ich kam zu dem Entschluss, dass wenn ich schon ans Wasser fahre, auch etwas herausspringen sollte. Fortan checkte ich vor meinen Sessions das Wetter, sobald die Bedingungen nicht ganz optimal oder meine anvisierten Stellen besetzt waren, warf ich meine Pläne über den Haufen und gestaltete meine freie Zeit anderweitig. So nahm meine Lust, eine erneute Session zu planen, von Mal zu Mal immer mehr ab. Ich beendete meine Saison also frühzeitig im September. Ebenso wurden mein Facebook-, sowie Instagram-Account gelöscht. Ich wollte nichts mehr vom Angeln hören und schon gar nicht mehr sehen.

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Handy aus. Facebook off. Instagram weg. Ich hatte keinen Bock mehr!

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Mit ein wenig Abstand – wir befinden uns mittlerweile im Sommer des Folgejahres – kribbelte es ganz schön in den Fingern. Also ab ins Auto und an einen Baggersee unweit meines Wohnortes. Ich wollte die Sache langsam angehen, entschied mich für einen kurzen Badeaufenthalt ohne zu angeln. Jedoch mit Taucherbrille und Schnorchel bewaffnet trieb ich in den Flachwasserzonen mein Unwesen. Einige Tage später war meine Freundin über das heiße Sommerwochenende bei mir und wollte sich am See abkühlen. Ihr Vorschlag war es, doch die Ruten einzupacken. Meine Argumente, dass sich die kurze Zeit nicht lohnen würde und ich mir den Aufwand nicht machen möchte, konterte sie mit der Aussage, dass wenn wir schon am See sind, auch zwei Ruten auswerfen könnten. Sie überzeugte mich und ich packte das notwendigste Tackle ein. Ohne Plan und ohne irgendwelche Vorbereitungen saß ich nun bei über 30°C in der Sonne und montierte meine Ruten. Ich entschied mich, beide Ruten mit einem Pop Up in kleinen Löchern mitten im Kraut zu platzieren. Ich erhoffte mir nicht viel, schließlich hatte ich mich auf diese kurze Tagessession nicht im Geringsten vorbereitet. Wir genossen unsere Abkühlung und als die Sonne langsam unterging, meldete sich mein RX plötzlich mit einzelnen Piepsern. Nach kurzem Drill konnte ich einen Spiegler einnetzen. Meine Freude war groß, zwar kein Top Fisch des Gewässers, aber mit dem hätte ich trotzdem nicht gerechnet. Das Gefühl war wieder da.


 

Nach diesem kleinen Erfolg fuhr ich nun wieder regelmäßig an die Seen meiner Heimat. Unabhängig von sozialen Medien, nur auf mich blickend, ohne irgendwelchen Trends zu folgen, machte ich meine eignen Erfahrungen. Bei meiner Angelei setze ich zu 90% auf zwei Rigs. Einmal auf ein normales Bottom-Bait-Rig gebunden aus ummanteltem Material mit einem Kurv-Shank-Haken und einem Rig Ring oder einem Stück Silikonschlauch zur Fixierung des Haares. Definitiv kein Hexenwerk, aber für sinkende Köder oder Snowmans völlig ausreichend. Mein zweites Rig ist das Multi-Chod-Rig. Der größte Vorteil ist, dass ich hier den Haken sehr schnell wechseln kann.

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Ich lernte mehr Wert auf die Location zu legen und nicht um jeden Preis die Ruten sofort ins Wasser zu bekommen. Unter der Woche war ich nach der Arbeit meist mit Markerrute und Pol-Brille am Wasser. Dabei erkundete ich neue Bereich und versuchte die Fische mittels Beobachtung auszumachen. Auch am Angeltag selbst begab ich mich mit der Pol-Brille auf die direkte Suche, das Tackle blieb vorerst im Auto. Nachdem Fische ausgemacht wurden, fütterte ich einen Mix aus Boilies, Dosenmais und Hanf, um die Fische am Patz zu halten. In aller Ruhe baute ich mein Tackle auf und warf die Ruten auf das Futter. Gern setzte ich hier meine Mulit-Chods ein, wenn ich Fische direkt anwerfe, ohne die Struktur an diesem Spot zu kennen.

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Ich konzentrierte mich auf das Wichtigste, ließ Zweitrangiges bei Seite.

Habe ich mehr Zeit und bleibe über Nacht, stelle ich mein Futter auf ausschließlich Boilies ohne Fischmehl um und versuche so die Fische zu selektieren. Jetzt möchte ich nicht mehr so attraktiv wie möglich fischen, sondern mit mehr Ruhe auf den Plätzen. Schließlich habe ich genug Zeit und möchte die Chance auf einen besseren Fisch nutzen.


 

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Eine weitere Sache, die ich lernte, war Flexibilität. Eines Freitags kam ich an meinem Hausgewässer an, wusste genau wo und wie ich fischen wollte. Die in meinen Augen beste Stelle am See war frei, also baute ich in Ruhe auf. Lediglich ein anderer Angler in meinem Bereich. Dieser warf abends ausgerechnet auf meinen Favorit-Spot. Da er schon früher da war, als ich, musste ich einen anderen Spot suchen, weil für mich in diesem Bereich kein anderer Spot bekannt war. Nach über einer Stunde markern fand ich nichts Passendes, es wurde dunkel und ich entschied die Rute direkt vor den Füßen an der eigenen Uferkante abzulegen. Genau diese Rute bescherte mir in dieser Nacht die einzigen beiden Fische. Ein weiteres Beispiel ist eine gemeinsame Session mit meinem guten Freund Marc im Sommer 2018, mit dem ich bereits von klein auf im selben Verein vor den Ball trat. Marc plante eine Woche an unserem heimischen Baggersee zu fischen, die Bedingungen sollten sich über die Woche sehr positiv verändern. Spontan reichte ich Urlaub ein und kam Dienstag am See an.


 

Die aus meiner Sicht Top-Spots des Bereiches hatte Marc in Beschlag. Jedoch war mir eine Sandbank in gut 70 m Entfernung noch im Gedächtnis. Nur für die zweite Rute ließ sich kein passender Spot finden. Da ich Schnorchel und Taucherbrille dabei hatte, tauchte ich die Uferkante zu meiner linken ab. Ich fand einen schmalen Streifen zwischen Schilf und Kraut mit zahlreichen Fraßlöchern. Ich entschied diesen Streifen entlang der Schilfkante mit Hanf und Tigernüssen zu befischen. Als Hakenköder legte ich 2 ausbalancierte Tigers per Hand ab. Am nächsten Morgen lief die Rute ab und brachte mir den ersten Fisch der Session. Beim Kontrollieren des Platzes fand ich sehr trübes Wasser des sonst sehr klaren Baggersees vor. Am Grund stapelten sich regelrecht die Fische. Also wieder gefüttert und abgelegt. Die andere Rute, auf dem bekannten Spot, brachte bis jetzt garnichts. Während der gesamten Woche war es stets die linke Rute, die Fisch brachte.

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Ab dieser Zeit unterstütze mich außerdem meine Freundin immer öfter am Wasser. Als wir im September Zuwachs durch Nugget, unsere Französische Bulldogge, bekamen, kam in mir eine gewisse Skepsis auf, da ein Hund auch sehr viel Zeit bedeutet. Anfangs fuhren wir mit ihm für wenige Stunden ans Wasser und Nugget fühlte sich sehr wohl. Im Oktober sollte es die erste Nacht mit Hund rausgehen. Die ersten Stunden fischte ich allein mit ihm. Meine Freundin Mel sollte gegen halb 9 nach der Arbeit dazu kommen und uns bereits sehr früh wieder in Richtung Arbeit verlassen. Für Nugget war der ganze Abend mit seinen unterschiedlichen Geräuschen sehr aufregend. Gegen 20 Uhr ging es für den kleinen Angsthasen, der schreckhaft in die Dunkelheit bellte, in den Schlafsack. Hier beruhigte er sich sehr schnell und durfte nach einer halben Stunde seinen ersten Drill miterleben. Ein kleiner Schuppi konnte auf einen Candy Floss Snowman überlistet werden. Im weiteren Verlauf konnte noch ein weiterer Fisch gefangen werden und morgens verabschiedeten wir Mel. Am nächsten Wochenende ging es erneut mit Nugget ans Wasser, wieder konnten wir einen Fisch fangen und Nugget gewöhnte sich immer mehr an unser Hobby. Mittlerweile springt er vor Freude auf mein Carryall, wenn er es in der Wohnung sieht.

Sei flexibel und lass Dinge auf dich zukommen. Das macht dich freier und frischer.

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Ende des Jahres entschied ich mich dafür, meine Angelei wieder öffentlicher zu gestalten. Ich richtete mir wieder einen Instagram-Account ein, da ich einfach wieder auf dem neusten Stand sein wollte. Ganz unabhängig und ohne Zwang möchte ich hier Fotos posten ohne einen Druck zu spüren unbedingt abliefern zu müssen. Wenn nichts kommt, dann kommt halt nichts und wenn in einer Woche drei Sachen gepostet werden, dann ist das so.

Niemand sollte sich von irgendwelchen sozialen Medien unter Druck setzen bzw. beeinflussen lassen. Sei es bei den Fischgewichten oder der Anzahl an „Likes“ und „Posts“. Jeder kann und sollte es handhaben, wie er es für richtig hält, denn das ist der einzig richtige Weg. Ich bin froh wieder zu meiner Leidenschaft zurückgefunden zu haben, auch durch meine Freundin, die mich in der Zeit, als es nicht lief stets animiert und motiviert hat.


 

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