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Karpfenangeln ist sein Leben


Zu Besuch bei Bernd Hahne und Cockbaits

6 Minuten Lesezeit

 

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Karpfenangeln ist sein Leben. Karpfenangeln gehört zu seinem Beruf, denn Bernd Hahne ist Inhaber der Firma Cockbaits und produziert seit mehr als 10 Jahren professionell Boilies. In seiner Produktionsstätte fallen täglich Boilies in unterschiedlichsten Größen, Farben und Formen vom Band. Alle Rezepturen basieren auf jahrelanger Erfahrung am Wasser. Bernd angelt seit Jahrzehnten auf Karpfen und kennt die Verhaltensweisen der Fische ganz genau. Fische bis über 70 Pfund gingen ihm in den letzten Jahren an den Haken, wobei eine extrem hohe Frequenz von 40, 50 und 60 Pfündern dazugehört. Angeln bestimmt sein Leben und davon lässt ihn nichts abbringen. Einige Wochen im Jahr nutzt er, um selbst fischen zu fahren. Wir haben den langhaarigen Sympathieträger mit ausgeprägtem Bartwuchs an seiner Wirkungsstätte in der Voreifel, rund 60 Kilometer von Köln entfernt, besucht und uns seine Philosophie erklären lassen.

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Hallo Bernd, vielen Dank, dass wir heute bei dir in der Produktion sein dürfen.

Da gibt es nichts zu danken. Meine Produktion steht allen Interessierten offen. Hier gibt es keine Geheimnistuerei, jeder kann sich vor Ort ein Bild machen, wie meine Mitarbeiter und ich mit viel Liebe und Know-how fängige Köder herstellen.

Ich gehe davon aus, dass nicht alle unsere Leser dich und deine Firma kennen werden. Eingehend damit sind einige deine Köder auch nicht bekannt. Magst du ein wenig über dich und deinen Werdegang erzählen?

Ich angele seit meiner frühesten Kindheit. Anfangs als Allrounder mit Papa an der Ruhr bei Bochum, wo ich aufgewachsen bin. Später hab ich mich dann der Wettkampfangelei mit der unberingten Stipprute verschrieben. Sei Ende der 80er kam dann das moderne Karpfenangeln dazu, welches ich dann ab Anfang der 90er ausschließlich betrieben habe. Seitdem fische ich jährlich mindestens 100 Tage und Nächte auf große Karpfen.

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Ich fische seit meiner Kindheit. Früher mit Papa an der Ruhr, heute auf die größten Karpfen Europas.


Wie kam es zum Entschluss vor 10 Jahren deine eigenen Köder herzustellen?

Meine eigenen Köder stelle ich schon viel länger her, da es früher einfach keine bezahlbaren Baits gab, die meinen Ansprüchen genügten. Insofern hatte ich damals für mich privat schon eine ganz gut funktionierende Produktion und das Risiko, einfach mal anzufangen und zu schauen was daraus wird, erschien mir überschaubar.

Heute vertreibst du in ganz Europa Köder für das moderne Karpfenangeln. Hättest du das vor 10 Jahren gedacht?

Erträumt hatte ich mir dies schon, dass es dann aber auch so funktioniert hat, erfreut mich noch heute jeden Tag

Lass uns ein wenig über Boilies bzw. allgemein über Karpfenköder sprechen. Welche Köder setzt du selbst am liebsten ein und warum genau diese Art von Baits?

Stark fischmehlhaltige Köder wie meine Penny-, WUMMS-, oder Cocki-Boilies, zählen zu meinen persönlichen Lieblingsködern. Seit neuestem aber auch meine intensiv insektenmehlhaltigen N`Sectuss Boilies. Die hohen Anteile an tierischen Proteinen lassen den Karpfen diese Köder evolutionär bedingt sofort als hochwertige Nahrung erkennen. Ohnehin bin ich ein Fan tierischer Proteine. Nahezu alle meine Köder enthalten tierische Proteine – weil sie eben am besten funktionieren.

Wie steht’s um Ködergrößen. Empfiehlst du eher große Boilies, um möglichst selektiv zu sein, oder wie gehst du bei diesem Thema vor? Auf welche Ködergrößen hast du die meisten deiner großen Fische in den letzten 5 Jahren fangen können?

Ich bin ein Freund recht kleiner Köder. Über 90% der von mir gefütterten Köder haben einen Durchmesser von 14 mm. Damit kann ich viel mehr Köder pro Kilo ins Wasser bringen als mit größeren Durchmessern. Ich verteile auf gleicher Fläche also viel mehr Boilies, die die Fische suchen und finden. Am Haar hab ich dann aber doch lieber einen 20er, da hierzu ein etwas größerer Haken passt, der einfach leichter Halt im Karpfenmaul findet. Ich kann nur jedem empfehlen, es mit kleinen Ködern zu probieren. Der Erfolg wird sich schnell einstellen!

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In meinem Bait-Bag findet man in der Regel stark fischmehlhaltige Boilies, die zudem meist nicht größer als 14 mm sind.

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Das überrascht ein wenig. Dann hast du wahrscheinlich eine sehr hohe Beifang-Quote, oder wie selektierst du, trotz der verhältnismäßig kleinen Ködergrößen?

Ganz im Gegenteil. Brassen mögen meine Penny- und Wumms-Boilies nicht besonders. Meist nehmen sie diese Köder nur mal kurz auf und spucken sie dann wieder aus. Grund hierfür ist eine spezielle Zusammensetzung der Köder, die Brassen nicht so richtig verwerten können. Ausnahme ist das zeitige Frühjahr, kurz vor und kurz nach der Laichzeit der Brassen. Zu dieser Zeit nehmen die es wohl nicht so genau. Für Rotaugen sind 14er Boilies schon wieder zu groß, mit diesen auch noch recht harten Ködern haben sie Schwierigkeiten. Tatsächlich kommt bei mir auf 10 gefangene Karpfen vielleicht ein unerwünschter Weissfisch.

Tierische Proteine. Darauf basieren viele deine Köder. Warum spielen Fisch und andere tierische Zutaten eine sehr bedeutende Rolle in der Herstellung deiner Köder?

Die Evolution hat sowohl die Sensorik des Karpfens so geschaffen, tierische proteinreiche Nahrung zu erkennen, als auch den Verdauungsapparat so entwickelt, diese optimal zu verstoffwechseln. Tierische Proteine sind die einzige Energiequelle, welche der Karpfen natürlicherweise im Gewässer findet. Daher setze ich diese mit Erfolg in meinen Ködern ein.

Wie stehst du zu Kohlendydraten, wie z.B. Partikeln, Tigernüssen oder auch Ködern wie Pellets? Verwendest du sie in deiner Angelei?

Ausschließlich kohlenhydratbasierte Köder, als auch Partikel oder lösliche Pellets holen dir die Weissfische an den Platz. Wuselige, schnellfressende Weissfische mag der eher langsam und behäbig fressende Karpfen aber mal so gar nicht. Um solche Plätze macht der Großkarpfen ganz gerne einen großen Bogen und sucht sich einen Platz, an dem er ohne Konkurrenz seine tierischen Protein aufnehmen kann. Auch merkt der Karpfen recht schnell, dass derartiges Futter für Ihn nicht optimal zu verwerten ist und wird diese Plätze eben nicht immer wieder gezielt aufsuchen.

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Ich wähle meine Zutaten nicht danach aus, was der Angler gerne riecht. Ich mache Köder, die von Karpfen gerne gefressen werden.

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Futtertaktiken sind auch immer wieder ein großes Thema, bei dem sich die Meinungen scheiden. Bist du eher ein Instantangler oder schwingst du die Kelle und setzt voll auf die Macht deines Futters?

Ich zähle mich eher zu den Futteranglern. Klar, ich sitze natürlich auch an der Quelle. Das hat damit aber nichts zu tun. Würde Instantangeln erfolgreicher sein, würde ich meinen Angelstil verändern. Instantangelei hat sehr viel mit Zufall zu tun. Exzellentes Futter in Verbindung mit einer vernünftigen Futterstrategie sind die schärfste Waffe, um regelmäßig erfolgreich auf große Karpfen zu fischen. Und da macht es oft einfach Sinn, die „Kelle zu schwingen".

Diese Vorgehensweise betreibst du auch im Frühjahr?

Im Frühjahr fange ich futtermengenmäßig tendenziell etwas verhaltener an. Zu viele Faktoren machen es dann schwer, belastbare Voraussagen bezüglich der Aktivität unserer Freunde zu machen. Aber letztendlich bin ich auch im Frühjahr ein Futterangler. Nur eben mit reduziertem Einsatz, mit dem ich aber trotzdem regelmässig erfolgreich bin.

Wow, danke für deine ausführlichen Antworten. Sehr interessant und wissenswert! Wir machen uns wieder auf den Weg und bedanken uns für einen Tag, den wir so schnell nicht vergessen werden.

 

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