Mach dein Ding


twelveft ausgabe17 karstenneumann 29 - Mach dein Ding

Karsten Neumann

13 Minuten Lesezeit

 

Einer meiner ersten besseren Fische aus den kleinen Waldseen meiner Heimatregion

Als ich mit dem Karpfenangeln begonnen habe, war das Equipment, das Futter und ja, eigentlich die ganze Szene noch eine völlig andere Welt als heute.

Und ich bin froh, dass ich nicht erst heute diese Leidenschaft für mich entdeckt habe. Damals gab es lange nicht so viel Input wie heute und darum hatte ich keine andere Wahl als „mein Ding“ zu machen. Doch was ist dieses „Ding“? Meine Sichtweise dazu erzähle ich dir in diesem Artikel.

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Einer meiner ersten besseren Fische aus den kleinen Waldseen meiner Heimatregion

Global statt regional


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Durch soziale Medien, YouTube und zahlreiche Blogs prasseln auf Einsteiger und natürlich auch auf alte Hasen heute so viele Eindrücke ein, dass es scheinbar immer schwerer wird, seinen eignen Weg zu gehen. Irgendwie war doch alles schon einmal da und wirkliche Neuerungen gibt es immer seltener.

Klar gab es zu meiner Anfangszeit auch schon Internet und YouTube, aber ich nutzte diese Medien nicht. In meiner Freizeit ging ich raus, erkundete die Natur und hockte nicht vor dem Rechner oder Smartphone. Als ich begann auf Karpfen zu angeln, stand ich unter dem Einfluss befreundeter Angler und von riesen Fischen aus Frankreich, Kroatien oder Spanien hatten weder die, noch ich je etwas gehört. Sie brachten mir die Grundlagen bei und mit der Zeit wurde der Kreis befreundeter Angler und somit auch anglerischer Grundlagen immer größer.

Ich behaupte mit keiner Silbe, dass man damals nicht nachgeahmt hat, aber es gab mehr Raum eigene Erfahrungen zu sammeln. Es gab für mich einfach niemanden, der dieses oder jenes Problem schon einmal medial beleuchtet hatte.

Ich glaube heute haben es Einsteiger schwerer diesen Raum für sich zu beanspruchen, denn wer medial unterwegs ist, hat gefühlt gar keine andere Wahl, als Dinge nachzumachen. Jede Saison gibt es ein neues Super-Rig ohne das man keine Fische fängt oder den neuen Über-Boilie, der dir 20% mehr Karpfen als je zuvor beschert. Dazu kommen Futterstrategien oder Taktiken, mit deren Hilfe du schlaflose Nächte erleben wirst. Die Superlativen nehmen einfach kein Ende. Dazu sieht man eigentlich nur noch dicke Fische und Zeiler oder dicke Zeiler. Kein Wunder, dass man sich dort schnell überrannt fühlt und den Eindruck erhält: „Ich muss das nachmachen, sonst werde ich nie diesen Erfolg haben.“

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Lange mein bester Fisch, den ich durch viel Ausdauer fangen konnte.

Fokussieren und reflektieren


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Aber nicht alles daran ist schlecht, ganz im Gegenteil. Die Kunst liegt darin, sich das herauszusuchen, was einen in der eigenen Angelei voranbringt. Fische ich z.B. nur Gewässer bis 10ha, bringt es mir wahrscheinlich wenig, Futterstrategien von Großgewässern anzuwenden. Oder gibt es an meinem Gewässer gar keinen Angeldruck, benötige ich wahrscheinlich auch nicht das krasseste Rig, um erfolgreich zu sein.

Dr. Eckhard von Hirschhausen hat einmal gesagt: „Man selbst ist die Schnittmenge der Personen, mit denen man sich umgibt.“ und er hat sowas von Recht. Wenn ich z.B. einige Zeit in Mecklenburg zum Angeln bin, fange ich auf einmal an den Dialekt nachzuahmen. Verbringe ich längere Zeit in Gesellschaft einer Person, nehme ich die Gesten meines Gegenübers teilweise an. Achtet mal drauf und ich bin mir sicher, euch geht es stückweise genauso.

Und so ist es auch beim Angeln, nur dass heute die Personenzahl, der mich umgebenen Individuen durch Social Media weitaus größer ist.

Aber nur, wenn man viele Dinge ausprobiert, kann man letztlich auch seinen Weg finden und sein „Ding“ machen. Es gehört nämlich auch dazu, zu wissen, was man nicht kann, will oder möchte. Vieles ausprobieren braucht wiederum viel Zeit und die hat heute scheinbar ja niemand mehr.

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Höher. Schneller. Weiter. Die Superlativen nehmen beim Karpfenangeln kein Ende...

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Ich habe es schon immer einfach und funktional gehalten.

In der Psychologie spricht man von der Zehn-Jahres-Regel. Diese besagt, dass man seine volle Kreativität in einem Bereich erst abrufen kann, wenn man sich zehn Jahre intensiv mit einer Sache beschäftigt hat. Bei dem einen oder anderen mag es auch etwas schneller gehen, aber letztlich muss man über viele Jahre dem Druck der Einflüsse, die auf einen einströmen, Stand halten und immer wieder versuchen sich zu reflektieren. Reflektieren bedeutet für mich dabei nicht, alles immer wieder in Frage zu stellen. Ich selbst habe mich früher nach Blanknächten regelmäßig gefragt: „Ob es an meinen Rigs liegt? Vielleicht probiere ich besser ein anderes aus?“. Auf Dauer machte mich das irre, denn Rigs sind ja nur eine Variable des Systems, dass mich zum Fisch führt. Reflektieren bedeutet auch Vertrauen zu haben. Vertrauen zu haben in sein Tackle, seine Taktik und letztlich in sein Können.

Ziel sollte es meiner Meinung nach nicht sein, besser zu sein als andere, sondern morgen besser zu sein als man gestern war. Niemand fängt immer nur dicke Fische und blanken sollte man nicht als Niederlage werten, denn auch aus dem scheinbaren Misserfolg, lässt sich immer eine neue Erkenntnis gewinnen. Man muss sie eben nur erkennen. Die Kunst liegt darin, gestärkt daraus hervorzugehen.

Wie ich mein „Ding“ fand


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Um diesen Artikel zu schreiben, ließ ich meinen anglerischen Werdegang noch einmal Revue passieren.

Begonnen hat alles an einem kleinen Erdloch in meiner Heimat Brandenburg. Ich beobachtete bei einem Vereinsevent einen Kameraden, wie er sein Camp aufbaute und die Ruten startklar machte. Alleine vom Equipment war ich schon beeindruckt. Als am Abend der Bissanzeiger Vollspeed los schredderte, war ich Feuer und Flamme. Der Fisch, den er zu Tage förderte, war für mich damals ein Riese und ich beschloss Karpfenangeln ist mein „Ding“. In den nächsten Jahren angelte ich, wie meine Vereinskollegen an den Erdlöchern meines Heimatortes. Die Fische waren nicht besonders groß, aber ich fing regelmäßig schöne Karpfen.

Als ich durch den Führerschein mobiler wurde, besuchte ich auch andere Angelläden und kam mit noch spezialisierteren Karpfenanglern ins Gespräch. Durch diese Kontakte erweiterte sich auch mein anglerisches Einzugsgebiet und ich fischte nun auch mittelgroße Seen in meiner Region. Schließlich plante ich mit einem dieser Angler einen Trip nach Mecklenburg. Wir wollten an größeres Wasser, wobei das auch nicht allzu schwer war. Die Session hatte es in sich und wir fingen uns die Finger wund. Wie ich heute weiß, hatten wir mit Gewässer und Stelle aber einfach nur richtig Schwein. Aber Glück gehört eben auch bei unserem Hobby dazu.

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Neue Bekanntschaften brachten auch neue Gewässer und neue Fische.

Ich fuhr von dort an, wann immer es meine Zeit zuließ, häufiger nach Mecklenburg Vorpommern und lernte neue Leute kennen. Leute, die den globaleren Einfluss, wie wir ihn heute gewohnt sind, auch schon damals kannten. Durch Hamburger, Berliner und erfolgreiche regionale Angler erweiterte sich auch mein Horizont ungemein.

Die Theorie von Dr. Hirschhausen spiegelt sich in diesem Rückblick sehr schön wieder, wie ich finde. Dazu kommt, dass mir in dieser Zeit, rückwirkend betrachtet, auch die Kreativität fehlte meine eigenen Wege zu gehen. Ich fuhr an die gleichen Gewässer wie alle, ich fischte die gleichen Spots und meine Montagen waren wie bei allen anderen. Der Fangerfolg lag damals nicht in meiner Hand, sondern wurde eher vom Glück, Zufall oder wie auch immer man es nennen möchte gesteuert. Ausnahmefische oder Fangorgien gab es nicht.

Bootskarpfenangeln trat in mein Leben


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Regnen durfte es jetzt natürlich nicht. Hat nicht immer geklappt.

Es war Mitte der 2000er als ich zum ersten Mal einen Angler vom Boot aus auf Karpfen angeln sah. Er verbrachte den Tag an Land bei einem Freund im Camp und fuhr abends auf die andere Seite. Die Anzahl und Größe an Fischen, die in seinem Kescher landeten, war für mich unvorstellbar und ich dachte mir: „So ein Boot, das wäre doch was.“. Doch lange blieb es ein Traum und ich verwarf den Gedanken wieder.

So blieb mir nichts anderes übrig, als wie die Anderen an Land zu hocken und die bekannten Stellen zu befischen. Doch das kann nicht alles sein dachte ich mir.

„Man muss doch auch ohne ein großes Boot bei dieser Wasserfläche so erfolgreich sein können, oder?“

Am Anfang waren die Fische nicht sonderlich groß. Aber ich spürte, wie das Feuer begann zu glimmen.

Andere Wege gehen


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Andere Wege gehen und neue Stellen fischen, die niemand zuvor erreichte.

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Auch heute vom Boot halte ich immer Ausschau nach vielversprechenden Spots.

Ich analysierte die Situation und kam zu dem Entschluss, dass ich nicht länger mit dem Strom schwimmen darf. Weil, was machte der Bootsangler letztlich anders? Die Montagen und Futterstrategien waren es wahrscheinlich nicht. In erster Linie fischte er Plätze, die für andere nicht oder nur schwer erreichbar waren.

Die Suche begann. Mittlerweile wohnte ich in Mecklenburg und war also dauerhaft vor Ort. Ich fuhr in meiner Freizeit von Gewässer zu Gewässer und checkte die Lage, wann wird wo geangelt. Da ich durch meine Arbeitszeiten in der Gastronomie selten am Wochenende zum Fischen kam, bot es sich an die Zeit so zu nutzen. Ich stellte fest, dass die leicht erreichbaren Stellen gerade am Wochenende hoch frequentiert waren.

Mein erster Versuch bestand darin, diese Stellen unter der Woche zu befischen. Denn es war der leichteste Weg und vielleicht hatten die Fische ja einfach nur ihre Fressphasen angepasst. Teilweise war diese Strategie recht erfolgreich, aber letztlich war ich mit dieser Art der Angelei nicht zufrieden. Das Abenteuerfeeling fehlte irgendwie.

Ich begann immer mehr die Abgeschiedenheit zu suchen und konzentrierte mich auf weniger stark beangelte Gewässer. In Mecklenburg Vorpommern bedeutete das schon damals, sich von den Großgewässern zu verabschieden und einen der zahlreichen kleinen bis mittelgroßen Waldseen aufzusuchen. Heute weiß ich, ich war noch nicht bereit für die Big Lakes.

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„Hier gibt es gar keine Karpfen.“


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Abseits der großen Gewässer gibt es auch heute noch Perlen an denen man sich durchkämpfen  muss.

Diese Aussage bekam ich in dieser Zeit häufig zu hören, wenn ich mein Zelt an einem solchen Gewässer aufschlug und Einheimische mich argwöhnisch beäugten.

Dann wusste ich, hier bist du richtig. Denn einen See ohne Karpfen, gibt es sowas überhaupt? In den neuen Bundesländern wohl kaum.

So verbrachte ich Tage und Wochen an einem Gewässer und fing mal besser, mal lief es zäh. Doch fast immer war ich für mich allein und brauchte auf dem Weg ans Wasser nicht befürchten, dass meine Stelle besetzt sein könnte.

In dieser Zeit nahm das Gewicht meiner gefangenen Karpfen spürbar zu und die ersten Ü-20kg-Spiegler glitten in die Maschen meines Keschers.

In dieser Zeit lernte ich sehr viel über mich und meine Angelei, bekam Vertrauen in mein Tun und lernte es vor allem, die richtigen Spots zu finden. Dinge, die noch heute einen wichtigen Teil meiner Angelei ausmachen. Doch irgendwann spürte ich, ich will me(e)hr, Binnenmeer um genau zu sein. Ich fühlte mich bereit und begann die Suche nach den Fischen.

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Hart erkämpft und ausgesessen! Nach 4 Wochen an diesem See, hielt ich ihn endlich in den Armen.

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Mein erster richtig Dicker. An diesem Herbstmorgen verschwand ich im Nebel und der Drill dauerte 45min.

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Meine Anfänge vom Boot. Einfach und mobil.

Mobilität statt aussitzen


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Entgegen meiner Strategie an den kleineren Gewässern, bemerkte ich an den Großgewässern schnell, dass Aussitzen nur selten Erfolg brachte. Die oft kurze Zeit konnte ich so nicht effektiv nutzen. So begann ich mich mobil zu machen, tacklete ab und kaufte mir ein größeres Schlauchboot. Schnell merkte ich, dass es auch viele Stellen abseits der ausgetretenen Wege gab. Mit der Zeit bekam ich ein Gefühl dafür, wie die Karpfen sich auf diesen Wassermassen verhielten und welche Spots wann Erfolg versprachen. Dann kam das Füttern dazu und ich erweiterte wieder einmal meinen Horizont, denn Futter ist Macht, bringt aber nichts, wenn es auf der falschen Stelle liegt.

Hatte ich eine vielversprechende Stelle gefunden, gingen die Eimer auf und wurden erst wieder geschlossen, wenn sie leer waren.

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Der erste gute Biglake-Fisch. Nicht ausgesessen sondern
aktiv gesucht. Vier mal wechselte ich in 3 Tagen die Stelle.

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Mobilität ist meiner Meinung nach das A und O.

An einem Abend kam ich nach der Arbeit ans Gewässer. Der Spot war gut präpariert und ich konnte an den Tagen davor schon den ein oder anderen Fisch fangen. Doch zu meinem Entsetzen, war die Stelle von Aalanglern besetzt. Was nun? Kurzum, ich musste mir etwas anderes für diese Nacht suchen. Das Gewässer gab nicht viele interessante Plätze her. Am erfolgversprechendsten erschien mir noch ein Platz nahe einer stark befahrenen Straße. „Was soll´s,…“ dachte ich mir, „…für eine Nacht wird es schon gehen.“ Zum Schlafen kam ich kaum und schuld daran war nicht die Straße. In den folgenden Tagen fing ich mir die Finger abermals wund. Den bestehenden Futterplatz gab ich auf und konzentrierte mich auf die neue Stelle. Nach der Arbeit um 22 Uhr raus, morgens ab 4 Uhr drillen und gegen Mittag wieder zur Arbeit. Nach gut einer Woche war alles vorbei und ich lief rum wie Falschgeld.

Gelernt habe ich daraus vor allem 2 Dinge: 1. Wenn es irgendwo O.K. läuft, kann es woanders trotzdem besser laufen. Und 2. In der Laichzeit kann man sich dumm und dämlich fangen, man muss nur wissen wo.

Denn genau das hatte ich erlebt, laichende Fische, die sich morgens am Rande ihres Laichgebietes die Bäuche vollschlugen. Mobilität ist darum bis heute mein „Ding“.

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Wenn es irgendwo OK läuft, dann läuft es anderswo sicher besser. So mein Gedanke. Ich behielt Recht!

Mobil sein ist nicht immer leicht


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In den folgenden Jahren versuchte ich dieses Erlebnis immer wieder zu wiederholen und in manchen Jahren gelang mir das auch. Doch Mobilität ist auch anstrengend. Ein Fakt, den viele bei ihrer Angelei versuchen zu vermeiden. Es bedeutet nicht nur körperliche Anstrengung, sondern ist auch psychisch eine Herausforderung. Wenig Schlaf und das „immer auf Achse“ sein, benötigen mentale Stärke. Meine mobilste Phase hatte ich wohl während meiner Studienzeit. Von der Uni ging es direkt ans Wasser und morgens wurde früh abgebaut, um rechtzeitig im Vorlesungssaal zu sitzen. Tagelang ging das so und mein Motto, #draussenzuhause war aktueller als je zuvor.

In den letzten Jahren lässt mein Drang zur Mobilität auch immer mehr nach. Durch die Erfahrung dieser Jahre, kenne ich aber heute die vielversprechenden Plätze und kann es vor mir selbst verantworten auch mal hocken zu bleiben, trotzdem es noch besser laufen könnte. Immer höher und weiter muss nicht mehr sein. Ich genieße die Momente in der Natur und tanke Kraft für den Alltag. Man(n) ist halt auch keine 20 mehr.

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Meine wohl mobilste Zeit. Die Strapazen sieht man trotz fetter Laichmutti ganz deutlich in meinem Gesicht.

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Tags über Uni, abends raus und nachts drillen…LIEF, aber war anstrengend.

Ein Traum wird wahr


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Mit dem Boot kam die maximale Mobilität und der erste Karpfen innerhalb von wenigen Minuten.

Die Zeit an den Binnenmeeren rief natürlich alte Erinnerungen in mir hervor und ich fasste den Entschluss, mir einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Ich wollte meine Mobilität auf das Maximum erhöhen. So recherchierte ich den Winter über und machte im zeitigen Frühjahr Nägel mit Köpfen. Das erste Boot wurde angeschafft.

Es gab einfach zu viele Stellen, die vom Ufer aus nicht befischbar waren, an denen ich aber auf meinen Locationtouren immer wieder sehr gute Fische beobachten konnte.

Das Projekt Bootskarpfen startete und mein erstes Frühjahr übertraf alles, was ich bis dahin erlebt hatte. Nächte mit 16 Läufen und Fische, die vorher noch niemand in den Händen hielt, lagen plötzlich auf meiner Matte. Es war genau wie bei dem Bootsangler, den ich Jahre zuvor kennen gelernt hatte.

Wenn der Futterplatz läuft.

Das Feeling ist einfach unbeschreiblich.

Mittlerweile gab es aber auch mehr Angler, die diese Leidenschaft für sich entdeckt hatten. Ein Trend, der sich immer noch fortsetzt. Die Vorteile liegen auf der Hand und das Gefühl der großen Freiheit habe ich schon in Ausgabe 14 ausführlich beschrieben. So bleibt mir nichts anderes übrig, als wie früher, auch in Zukunft wieder vermehrt Wege zu gehen, die andere nicht beschreiten. Pionierarbeit ist vielleicht heute nicht mehr der richtige Begriff, dafür sind die Gewässer schon zu bekannt geworden. Aber selbst dort gibt es Ecken und Stellen, die andere übersehen oder aus welchen Gründen auch immer nicht berücksichtigen.

Oft rennen alle in einen Seeteil, weil irgendjemand dort einen Dicken gefangen hat. Dreht euch um und geht genau in die andere Richtung und ihr werdet sehen, es lohnt sich. Nachahmen ist wichtig, um sein „Ding“ zu finden, kopieren aber nicht.

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Sturm und Unwetter sind auf dem Boot eine ganz andere Nummer, werden aber belohnt.

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Bootskarpfenangeln auf den großen Seen… einfach mein Ding!

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Mein Beitrag zu Social Media


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Lange Zeit habe ich für mich gefischt und jegliche Öffentlichkeitsarbeit abgelehnt. Ich habe meine Freude über den Erfolg nur mit mir nahestehenden Anglern geteilt.

Im Grunde hat sich daran nicht viel geändert, nur das Social Media auch in mein Leben getreten ist und sich der Kreis an mir nahestehenden Anglern gewachsen ist.

Gerade mein YouTube-Channel ist ein Projekt, welches im Moment immer mehr zu meinem „Ding“ wird. Ich freue mich einfach am Ende eines geilen Turns, wenn ich bewegte Bilder als Erinnerung habe. Umso mehr freut es mich, wenn auch der ein oder andere von euch Freude daran hat und sich seinen für ihn relevanten Teil an Input daraus ziehen kann.

Sicherlich ist es leider immer ein Thema, dass man Gefahr läuft Stellen oder Gewässer zu „verbrennen“. Doch jeder muss für sich entscheiden, was er für ein Angler sein will. Einer der stupide kopiert oder jemand, der nachahmt und versucht das Gesehene auf seine eigene Angelei zu übertragen. Ich bin der Meinung Anfeindungen hat nur bedingt derjenige verdient, der Bilder veröffentlicht, sondern der Angler, der aufgrund dieses Fangerfolges versucht das Gewässer und die Stelle herauszufinden, um stumpf zu kopieren. Leider lässt sich das natürlich schlechter nachvollziehen. Somit ist und bleibt letztlich jeder nur vor sich selbst Rechenschaft schuldig und sollte sich gut überlegen, was er vor sich und seinen Mitmenschen verantworten kann.

Gewässer erleben immer wieder einen Hype, der aus der Erfahrung heraus aber auch wieder abnimmt. Bei kleineren Gewässern kann das natürlich fatale Folgen haben, auf Großgewässern äußert sich dieser Druck meiner Meinung nach weniger stark. Einzelne Stellen können natürlich auch hier unter hohem Angeldruck leiden. Doch meistens sind das Stellen, an denen man aus dem Auto fällt und wenig Arbeit hat. Kopierende Angler sind nämlich faul und suchen den maximalen Erfolg bei minimalem Aufwand.

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Hypes kommen und gehen. In diesem Jahr ist dieses Gewässer populär. Im nächsten Jahr sitzt man wieder vollkommen allein dort. So ist es eben. Mich stört es nicht.

Mein Ding


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Abschließend kann ich also für mich resümieren, dass es wohl mein Ding ist neue Wege zu gehen und der breiten Masse den Rücken zu kehren. In den letzten Jahren wurden die Großgewässer im Osten der Republik immer mehr zu meiner anglerischen Heimat und die Angelei vom Boot hat einen großen Stellenwert eingenommen.

Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. Denn eins ist jetzt schon sicher: Das war noch nicht das Ende. Mobilität, Flexibilität, selbstreflektierendes Angeln und ein respektvoller, freundschaftlicher Umgang mit Gleichgesinnten machen für mich die Angelei erstrebenswert. Pöbeln, „haten“ und kopieren sind hingegen gar nicht mein Ding. Wie ich anfangs schon erwähnt habe, muss man auch wissen, was man nicht möchte. Umso glücklicher bin ich, dass ich mich bisher nur sehr selten mit solchen Wesenszügen auseinander setzen musste und hoffe, das bleibt auch so.

Ich würde mich freuen, wenn dir dieser Artikel auf der Suche nach deinem „Ding“ hilft und dich darin bestärkt es durchzuziehen. Letztlich ist man eben doch nur die Schnittmenge der Leute, mit denen man sich umgibt. Drum prüfe gut, wen du zu diesem Kreis zählst, denn sie werden dich maßgeblich beeinflussen.

In diesem Sinne… Mach dein Ding!

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Einfach mein Ding!

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