Flussangeln –

pure freiheit. große fische.

Ein Interview mit Philipp Resch
15 Minuten Lesezeit
Flussangeln ist eine Art der Angelei, die man liebt oder hasst. Große Karpfen und hohe Gewichte locken an Deutschlands Ströme, ebenso wie die Freiheit, die vielerorts zu finden ist. Oft begegnet man geringem Angeldruck. Wer außerdem Zeit und Arbeit investiert und dabei die Kosten für diese Angelei nicht scheut, wird unter Umständen sehr erfolgreich sein. Doch bis dahin ist es ein langer Weg und viele Stunden sind nötig, um dem Schlüssel zum Erfolg auf die Spur zu kommen. Doch ist man einmal infiziert und einen hat das Fieber Flusskarpfen so richtig gefasst, dann ist man kaum mehr davon zu lösen. Unser Redakteur Felix Kaczmarek war mal wieder auf Reisen und hat Philipp Resch am Ufer seines Hausgewässers besucht. Zusammen haben die beiden eine Nacht am Main verbracht. Wie gewohnt, sind die beiden tief im Gespräch versunken. Das Interview entstand während der besten Zeit am Fluss – im September.
Moin Philipp, ich freue mich, heute hier sein zu können. Vielen Dank für die Einladung und das Abholen mit deinem Boot. Nachdem auch ich mein Camp errichtet habe, sitzen wir nun hier zusammen. Die Stelle ist genial, kein Wunder, dass es dich immer wieder hier herzieht. Erzähl ein wenig über deine Angelei am Fluss. Seit wann zieht es dich an den Strom und was macht das Feeling Flussangeln für dich aus?

Hallo Felix, vielen Dank für das Interesse an meiner Angelei am Fluss! Auch mich freut es sehr, dass ich dich heute als meinen Gast am Wasser begrüßen darf. Das Thema Flussangeln ist in aller Munde, man sieht hier kaum Karpfenangler – die wenigstens trauen sich an solche Gewässer heran, da letzen Endes der Erfolg auch mit viel Arbeit verbunden ist. Sei es die Suche nach neuen Plätzen, die Zugrouten der Fische herauszufinden und natürlich auch das Füttern selbst am Fluss. Seit Beginn meiner anglerischen Laufbahn – es Begann alles im Jahr 2004 – zieht es mich an den Fluss. Ich weiß noch genau, wie es kam – es war der 1. Mai. Der Cousin meiner Mutter nahm mich damals mit an den Fluss, um mir dort die Angelei auf Karpfen näherzubringen, und es kam wie es kommen musste. Mit meiner damals ersten Karpfenrute, dem ersten Funkbissanzeiger und den ersten, von Hand gerollten Boilies, fing ich bereits nach wenigen Stunden meinen allerersten Main-Karpfen – und was für einen. Mit 16,5 kg gleich einen der ganz Großen zu der Zeit! Ab diesem Zeitpunkt hatte ich Blut geleckt und war vom Karpfenvirus infiziert – der bis heute nicht nachgelassen hat. Im Gegenteil!

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Wow, dann bist du also von Beginn deines Karpfenangelns mit dem Thema Flussangeln vertraut? Was reizt dich besonders am Stromangeln?

Genau. Über die Jahre hinweg lernte ich viel über den Fluss und es kam natürlich immer mehr Erfahrung und Wissen hinzu. Die Unbeständigkeit und das Ungewisse ist genau das, was mich an der Flussangelei so reizt. Die Gegebenheiten verändern sich häufig, sei es durch Hochwasser, die starken Strömungen, die trübes Wasser mit sich bringen, der niedrige Wasserstand oder der geringere Sauerstoffgehalt in den heißen Sommermonaten. Zudem weiß man nie, welche Fische in den Abschnitten umher schwimmen. Durch Schleusen, in denen große Güterschiffe oder auch Passagierschiffe zum nächsten Flussabschnitt gelangen, kommen natürlich auch die Fische mit. Ein Beispiel gefällig? Erst letztes Jahr konnte ich einen markanten Spiegelkarpfen mit einer großen Schuppe auf der Flanke fangen. Keine zwei Wochen später fing mein Kumpel genau diesen Fisch wieder – allerdings 18 km weiter unten und zwei Schleusen weiter. Genau das ist es, was ich an dieser Angelei – die sehr unbeständig sein kann – so mag.

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Das Thema Futter wird beim Flussangeln grundsätzlich mit großen Ködern und extremen Mengenverhältnissen in Verbindung gebracht. Wie gehst du mit dem Futter um?

Die Fütterei im Fluss ist ein wichtiges Thema, welches über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Auch die Jahreszeit entscheidet dementsprechend über Menge und Art des Futters.

In den Monaten März bis Mai verwende ich hauptsächlich kleinere und hochattraktive Pellets, die auch Weißfische auf dem Platz aufmerksam machen. Irgendwann werden die Karpfen dann auch neugierig und ziehen auf diese Plätze. Wenn die Wassertemperatur die 13 Grad Marke erreicht hat, füttere ich zeitweise nur noch Boilies aus einem Mix aus 20 mm, 24 mm und 30 mm. Baue ich einen Futterplatz neu auf, kommen bei den ersten beiden Futteraktionen auch Partikel in Form von abgekochten Tigernüssen, Hanf und Hartmais zum Einsatz. Hier möchte ich wieder Weißfische auf den Platz ziehen, damit die Karpfen neugierig werden. Zum Schluss vor der eigentlichen Angelei kommen nur noch Boilies zum Einsatz.

In der Regel füttere ich drei mal an, bevor ich meine Tour starte. Sonntag Abend kommen circa 10-15 kg Partikel und 5 kg Boilies auf den Futterplatz. Das Gleiche wiederhole ich am Dienstag noch einmal, bevor am Donnerstag nur noch 3-4 kg Boilies auf den Platz fliegen. Am Sonntag, wenn ich nach dem Angeln wieder nach Hause fahre, beginne ich diese Tortur von vorne und füttere am Dienstag erneut an. So habe ich einen idealen Rhythmus, bei dem ich die Fische auch an einen Platz gewöhnen kann.

Auf das Thema Boilies möchte ich an dieser Stelle noch kurz eingehen. Bei mir kommen am Fluss nur fischige Boilies zum Einsatz – hier zum Beispiel der Feed-Grade Fish Boilie. Nicht nur aufgrund des ausgezeichneten Preis- und Leistungsverhältnis, sondern auch aufgrund der hochwertigen Zutaten, wie zum Beispiel der 40%-ige Fischmehl-Anteil. Gerade in den warmen Sommermonaten, bei dem die Fische viel Energie durch lang zurückgelegte Strecken verbrauchen, ist Fischmehl ein erstklassiger Energielieferant in Form von hochwertigen Proteinen.

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Füttern. Füttern. füttern. Flusskarpfen liegen futter.
Fischst du immer auf vorbereiteten Plätzen, oder probierst du es auch instant?

Grundsätzlich versuche ich, alle zwei Tage an den Stellen Futter einzubringen, an denen ich auch angeln möchte. Allerdings klappt das aufgrund der Arbeit in meiner Firma nicht immer so ganz, wie ich mir das vorstelle. Oftmals komme ich erst in den späten Abendstunden aus der Halle und fische dann nur eine kurze Nacht aus dem Bus heraus. Kurze Nächte bedeuten bei mir abends von 20 Uhr bis früh 6 oder 7 Uhr – dann geht´s zurück in die Firma. Hier wähle ich aber dann bevorzugt Stellen aus, von denen ich weiß, dass ich im Vorjahr zu bestimmten Jahreszeiten schon Erfolg hatte. Das Verhaltensmuster der Karpfen ist jährlich fast immer das gleiche und man kann sich daran orientieren. Im Mai/Juni zum Beispiel wähle ich Altarme aus, in denen die Fische zum Laichen reinziehen, und stelle dort oftmals nur Fallen unter überhängenden Büschen. Einer dieser Altarme ist der, in dem ich dich vor ein paar Stunden mit dem Boot abgeholt habe. Im Sommer zum Beispiel fische ich in Bereichen, die viel Sauerstoff produziert. Das wären unter anderem Bereiche im Hauptstrom oder an Schleusen, wo durch Wasserturbinen das Wasser ständig umgewälzt wird und so ein hoher Sauerstoffgehalt entsteht.

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Kann man Flusskarpfen überhaupt am Platz halten, oder konditioniert man sie mit einem Futterplatz nur, immer mal wieder am Platz vorbeizukommen?

Diese Frage kann man sehr schwer beantworten. Anhand meiner Erfahrungen der letzten Jahre bin ich mir jedoch ziemlich sicher, dass man die Fische am Futterplatz halten kann – auch wenn es zeitlich begrenzt ist. Durch das konstante Einbringen von Futter auf einem Platz oder gar mehreren Plätzen, kann man die Fische an feste Zugrouten gewöhnen. So war es auch beispielsweise dieses Jahr im Juli und August an dieser Stelle. Jeden Morgen – Punkt 6.00 Uhr lief die linke Rute, die im Durchstich zwischen Altarm und Main lag, ab. Man hatte hier ein Zeitfenster von circa 30 bis 40 Minuten, wo man die Fische abfangen konnte. Danach lief den ganzen Tag nichts mehr. Erst am nächsten Morgen um 6.00 Uhr lief es erneut an. Das gleiche Spiel konnte ich schon Jahre zuvor auf anderen Plätzen feststellen, dass zu bestimmten Uhrzeiten eine zeitlang die Fische gebissen haben. Wie oben schon erwähnt, bin ich der festen Überzeugung, dass man anhand gut angelegter Futteraktionen die Fische an die Plätze angewöhnen kann – auch wenn die Karpfen diese nur truppweise anlaufen.

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Das Bauchgefühl muss gut sein. Das ist der beste indikator für einen guten platz. na klar, die randbedingungen müssen natürlich stimmen.

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Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass einer der wichtigsten Dinge an Flüssen mit Schiffsverkehr ist, den Platz möglichst danach auszusuchen, wo das Futter lange liegen bleibt. Ich beobachte den Strom und die Strömungsverhältnisse bei Schifffahrt genau: Wo liegt das Futter sehr lange, weil es ein Bereich mit wenig Strömung oder Kehrströmung ist? Wie wählst du deine Plätze am Fluss aus?

Ehrlich gesagt, ich habe keine festen Anhaltspunkte oder gar ein Schema, nach dem ich meinen Angelplatz aussuche. Hier verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl und entscheide mich meistens kurzfristig für eine Stelle. Hier fahre ich meistens an einem Sonntag Nachmittag mit meinem kleinen Boot mit Motor auf dem Fluss umher und erkunde die Gegend. Finde ich dann eine Stelle, die mir zusagt, beginne ich dort ein paar mal zu füttern und gehe zwei bis drei Wochenenden angeln, um ein kleines Fazit ziehen zu können. Beim Anfüttern selbst mache ich mir keine große Gedanken, ob mein Futter liegen bleibt oder nicht. Im Gegenteil: Ich versuche die Strömung mit in meine Planung einzubeziehen. Beim Anfüttern gehe ich wie folgt vor: Nehmen wir mal eine Tiefe von circa 6 m in der Fahrrinne an. Ich füttere Partikel und Boilies etwa 20 m oberhalb der eigentlichen Stelle an. Warum in etwa diese Länge? Ich baue hier einen Puffer ein, denn durch das Absinken des Futters wird dieses durch die Strömung noch etwas abgetrieben. Fahren dann auch noch große Güterschiffe an der Stelle vorbei, werden die Partikel am Gewässergrund minimal aufgewirbelt und kommen etwas weiter unten wieder am Boden an. Meine ausgeworfene Montage lasse ich liegen – auch wenn Schiffe vorbei fahren. Durch die Unterwasserströmungen, die beim Vorbeifahren entstehen, kommt die Montage dort zum Liegen, wo auch das Futter hingespült wird.

Etwas anderes wäre das im Frühjahr, wenn der Hauptstrom voll mit Treibgut und reger Strömung ist. Dann weiche ich zudem auf strömungsberuhigte Bereiche aus, da hier ein Angeln im Hauptstrom zeitweise unmöglich wäre.

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Wie wichtig ist das Thema Tiefe dabei?

Das Thema der Gewässertiefe steht bei mir am Fluss eher an letzter Stelle – wobei ich sagen muss, dass gerade im Winter und Frühjahr die Tiefe über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Im Winter – hier meine ich die Zeit von November bis Anfang April – fische ich überwiegend in tiefen Bereichen mit 8-9 m. Die Wassertemperatur bleibt in tiefen Regionen im Winter bei kalten Außentemperaturen, Wind und Wellen auf dem Fluss einfach konstant und ist nicht so wechselhaft, wie in den oberen Wasserschichten. Zusätzlich suche ich mir bei kalten Temperaturen strömungsberuhigte und langsam fließende Bereiche aus. Dies können Außenkurven im Fluss sein, oder auch Eingangsbereiche zu Altarmen. Hier stapeln sich die Fische förmlich, da diese im Winter weniger aktiv sind und nicht so viel umher schwimmen wie beispielsweise im Sommer. Im Umkehrschluss kann man sagen, je weniger Energie der Fisch verbraucht, desto weniger Nahrung nimmt er auf. Im Sommer hingegen, wenn der Fisch einige Kilometer am Tag umher schwimmt, benötigt er dementsprechend Energie in Form von Futter. Als ich im Winter 2017 beim Spinnfischen in einem Eingang eines strömungsberuhigten Altarms auf Hecht und Zander unterwegs war, konnte ich in 20 Minuten drei kleinere Karpfen auf Gummifisch fangen. Nun war ich neugierig und war einen Tag später mit Boot und Echolot auf der gleichen Stelle zur Erkundung unterwegs. Hier konnte ich dann ein Loch finden, welches von 6 m Wassertiefe auf 9,5 m abging und etwa 10 m² groß war. Genau hier versenkte ich ein paar Boilies und Pellets und wagte zwei Tage später einen Ansitz. Dort konnte ich dann innerhalb weniger Stunden etliche Karpfen fangen. Das gleiche Spiel wiederholte sich ein paar Wochen später nach dem Messe-Auftakt 2017 wieder. Daraufhin bestätigte sich meine These, dass die Fische bei den kalten Temperaturen in strömungsberuhigten und tiefen Bereichen etwas zur Ruhe kommen.

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Was kannst du Neulingen bei der Flussangelei empfehlen? Welche Mythen kannst du bestätigen und bei welchen Gerüchten schüttelst du den Kopf?

Tatsächlich gibt es zwei Mythen bzw. Gerüchte, bei denen ich nur schmunzeln kann, wobei sich eines davon auch schon des Öfteren bestätigt hat.

Einer dieser Mythen ist die Nahrungsaufnahme der Fische während der vier- bis sechswöchigen Schleusensperre im Frühjahr. Anfang April bis Mitte Mai werden hier bei uns in der Region die Schleusen gewartet. Dies hat zur Folge, dass in diesem Zeitraum kein Schiffsverkehr, insbesondere Güter- und Passagierschiffe, auf dem Main stattfindet. Hier erzählen viele Angler, dass man in dieser Zeit gar nicht zum Angeln rausgehen braucht, da die Fische ohnehin nicht beißen. Das halte ich für Unsinn. Sicherlich wird durch die Schleusensperre das Wasser im Fluss relativ klar und die Fische haben es einfacher mit der natürlichen Nahrungsaufnahme – zum Beispiel Krebse, Dreikantmuscheln, Zuckmückenlarven etc. Aber meine Erfolge im Frühjahr widerlegen dieses Gerücht.

Ein anderer Mythos, den ich auch schon sehr häufig selbst erfahren musste, ist das Thema der Grundeln. Hier hab ich dir bereits vorhin erzählt, dass die Grundeln normale Bodenköder gerne attackieren und diese sehr stark anfressen. Aber nun zum Thema: Fressen die Grundeln, fressen auch die Karpfen. Warum das so ist, kann ich bis heute nicht sagen bzw. kann mir keinen Reim daraus machen! Oft konnten wir nur feststellen, dass wir immer unsere Fische gefangen haben, wenn die lästigen Plagegeister die Hakenköder attackiert haben oder gar beim Reinziehen mit am Haken hingen. Waren die Hakenköder noch genau so, wie zu dem Zeitpunkt, als man sie vor einigen Stunden reingeworfen hat, also ohne Beiß- und Kratzspuren, so ging meistens nie etwas. Ob da nun wirklich etwas dran ist, oder alles nur ein dummer Zufall ist? Wer weiß – diese Sache ist und bleibt ein Mythos.

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Wie wichtig ist das Thema Hakenköder? Setzt du auf besondere Hakenköder, oder nutzt du normale Baits als Hookbait?

Hier am Fluss setze ich auf spezielle Hakenköder, nämlich unsere extra dafür konzipierten „High-Light“ Hookbaits. Das „High“ steht für hochattraktiv und extrem widerstandsfähig und „Light“ für extra leichte Hakenköder, die dem Karpfen beim Einsaugen quasi schon ins Maul fliegen. Weiterhin kann diese Art von Köder dem größte Feind der Hakenköder hier im Fluss widerstehen: nämlich den schon seit längerer Zeit beheimateten Schwarzmeergrundeln. Diese kleinen Fische haben ein rasiermesserscharfes Gebiss, mit dem sie die Boilies in wenigen Stunden komplett kleingefressen haben. Zum Beispiel hatten wir vor einigen Wochen extrem beißfreudige Grundeln, die innerhalb von zwei Stunden einen 24 mm Bodenköder in einen 10 mm Boilie verwandelt haben. Auf das Thema „Beißfreudigkeit der Grundeln“ gehe ich später aber noch einmal genauer ein. Da diese Fischart allerdings keine Schwimmblase hat, was bedeutet, dass sie am Gewässergrund nur „hüpfen“, können sie unsere leicht auftreibenden High-Light Hookbaits wenig bis gar nicht angreifen.

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Ein dickes blei. ein scharfer haken. endtackle muss am fluss funktionieren. für schnick-schnack ist kein platz.
Wie wichtig ist das Endtackle? Auf was würdest du hier nicht verzichten und welchen Kleinteilen kannst du den Stempel „Spielzeug“ aufsetzen?

Das Endtackle spielt hier am Fluss eine sehr große Rolle – ja wenn nicht sogar die wichtigste, die über Erfolg und Misserfolg entscheidend ist. Wie du siehst, fischen wir hier sehr grob. Auf meinen Ruten sind überall 25 m 0,70er Schlagschnur drauf, ein stabiles Inlineblei mit 270 g. Ein 45 lbs geflochtenes Vorfach mit einem stabilen 6er Haken runden die Sache perfekt ab. Hier kommt seit Jahren immer das gleiche Material zum Einsatz, da ich keine Kompromisse in dieser Sache eingehe. Das ist kein geringeres Material als das Kryston Quicksilver in 45 lbs, in welches Kevlar- und Aramidfasern eingearbeitet sind. Kevlarfasern werden unter anderem in Schusswesten der Polizei und Bundeswehr verarbeitet – also ein Material, das höchste Ansprüche für die Sicherheit hat. Hier im Fluss ist der größte Feind der Schnur die Dreikantmuschel. Du hast gesehen, dass die Schlagschnur meiner zweiten Rute vorhin komplett aufgeraut war. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich die Rute so ausgeworfen und ein großer Karpfen gebissen hätte… Ein schweres Blei, das die Montage auch bei starkem Schiffsverkehr und starker Strömung an Ort und Stelle hält, ist genau so wichtig, wie die 0,70er Schlagschnur, die einen zusätzlichen Schutz gegen die sehr scharfkantigen Dreikantmuscheln bieten.

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Was macht für dich den großen Unterschied zwischen der Angelei am See und am Fluss aus?

Der größte Unterschied zwischen Fluss und See – und für mich auch das, was es hauptsächlich ausmacht – ist die Ungewissheit. Wie ich vorhin schon erzählt habe, weiß man nie, welcher Fisch als nächstes beißt. Das kann entweder ein großer Wels mit über 2 m sein, oder eine richtige Bombe mit weit über 25 kg – ja sogar 30 kg. Ich bin mir sicher, dass diese Fische in den Flüssen beheimatet sind. Nur diese zu finden und zu fangen – das ist mit Sicherheit eine Frage der Zeit. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und mit einer Portion extra Glück wird ein solcher Traum wahr! Vor zwei Jahren zum Beispiel gelang es mir, einige Flusskilometer weiter oben einen traumhaft schönen Koi mit 10 kg zu fangen. Ein prächtiger, makelloser orange-schwarz gefärbter Koikarpfen – die Nadel im Heuhaufen hier im Fluss – ja sogar schon ein 6er im Lotto!

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Was darf bei deiner Flussangelei niemals fehlen?

Da ich bei der Flussangelei nicht viel mitnehme, haben alle Ausrüstungsgegenstände ihren festen Platz bei mir. Mein wichtigstes Utensil neben meiner Abhakmatte ist mein 210er Boot – das mich von A nach B bringt. Eine kleine wasserdichte Tasche, in dem meine Hakenköder, ein paar Ersatzklamotten und Endtackle verstaut sind, gehört ebenso dazu, wie eine leistungsstarke 80Ah LiFePo4 Batterie mit einem Gewicht von nur 10 kg, was eine tolle Sache ist, mit der ich neben E-Motor auch Handy und Tablet laden kann. Ein kleiner Schirm, meine Ruten und etwas Futter runden mein Fluss Set-Up perfekt ab. Mehr bedarf es nicht, um erfolgreich zu sein!

Vielen Dank Philipp, für dein Wissen, die leckere Pizza und deine Gastfreundlichkeit. Es war eine coole Zeit an deinem Fluss!

Ein Artikel von Philipp Resch