Flusskarpfen an Englands Strömen

Jack Thompson
8 Minuten Lesezeit
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Heutzutage scheint die Kunst, in den Flüssen nach Karpfen zu fischen, ein vergessenes Unterfangen zu sein, und viele Angler begeben sich auf der Suche nach Fischen lieber an eine andere Stelle. Viele meiden diese Art von Angelei, dabei gibt es kaum etwas Schöneres, als einen Stromkarpfen zu überlisten. Jack Thompson liebt diese Angelei und nimmt uns mit, um einen der scheuen Flusskarpfen auf die Matte zu legen. Es dauerte seine Zeit, bis Jack den Fischen an seinen befischten Flüssen erfolgreich nachstellen kann. Sie sind scheu, sie sind selten und sie sind immer auf der Reise und Suche nach neuen Futterstellen.
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In den frühen Morgenstunden begleiten wir Jack im Landesinneren der britischen Insel. Es ist ein staubiger Pfad, den wir entlangfahren, um Jack live an eine seiner Lieblingsstellen zu folgen. Sein Tackle ist bereits vorbereitet und liegt im Van bereit. Nach einem kurzen Talk machen wir uns auf an den Fluss, den er so liebgewonnen hat. Was der Tag wohl bringen wird? Wir wussten es zu diesem Zeitpunkt nicht und auch Jack war durchaus gespannt, ob er einen der seltenen Fische in die Kamera halten dürfte. Doch selbst, wenn es nicht werden sollte, ist seine Motivation für die folgenden Session unverfälscht und ebenso intensiv.

Jack über seine Angelei an englischen Flüssen

Ich fische seit Jahren an kleinen und größeren Strömen in England, mische diese Angelei aber immer wieder auch mal mit Sessions an stehenden Gewässern. Die gesunde Mischung macht eine erfolgreiche Flussangelei aus. An den meisten Flüssen findest du eine extrem ruhige Situation vor. Aber sehr wenige Angler trauen sich wirklich langfristig an den Fluss. Dabei ist diese Angelei die wohl realste Erfahrung, die du machen kannst. Die Angelei ist hart und ehrlich, deine Fehler werden kaum verziehen. Und trotzdem ist die Angelei vergleichsweise einfach. Mich zieht es immer wieder an die strömenden Gewässer, weil sie so rätselhaft und mystisch sind und du nie weißt, welche Schönheit wohl beißen wird. Ist es ein besonders schöner, ein wilder oder ein unvergleichlich alter, großer Spiegler? Man weiß es nie, weil immer wieder Unbekannte wie aus dem Nichts auftauchen.

Arbeit. Arbeit. Arbeit.

Das Größte am Fluss ist die Vorbereitung. Recherchieren. Spazieren. Beobachten. Den Fluss kennenlernen. All diese Punkte – und natürlich noch viele mehr – sind die Basis für eine erfolgreiche Angelei an Flüssen. Eine gute Vorbereitung eröffnet dir die Chance auf einen der heißbegehrten Stromfische. Einige Flussabschnitte enthalten mehr Karpfen, andere wiederum beherbergen eventuell die etwas größeren Fische. Hier gilt es zu probieren und auzustesten, wo du die besten Fische erwarten kannst. Vielleicht ist es aber auch dein Bestreben, möglichst viele Fische zu überlisten? Auch hier musst du testen, wie dein Flussstück funktioniert.

Ich verwende Google Maps, um mir erste Stellen auszusuchen. Erfahrungen anderer können auch helfen, wobei du immer davon ausgehen musst, dass du die richtig guten Stellen selbst finden musst. Diese werden dir kein Tackle Shop, kein Angler und auch das Internet nicht verraten können. Arbeit ist gefragt. Das sagen dir alle Flusspioniere und erfolgreichen Stromangler. Hast du erste Anhaltspunkte gefunden, musst du deine Stellen regelmäßig antesten, um die Spreu vom Weizen trennen zu können.

Die richtige Taktik beim Karpfenangeln am Fluss​

Ich verfolge zwei Taktiken, die ich am Fluss in der Vergangenheit erfolgreich eingesetzt habe. Dabei kommt es immer darauf an, wann und wie ich meine Sessions plane. Fische ich nur tagsüber oder gehe ich eine oder mehrere Nächte raus? Fische ich tagsüber, bleibe ich am liebsten mobil und befische unterschiedliche Stellen. Dabei lerne ich viel über die Flussstrecke und kann einiges beobachten. Ein leichter Rucksack oder ein Trolley sind dabei ideal. Manchmal fische ich auch aus dem Auto heraus. Fische ich nur tagsüber, versuche ich alles, um möglichst einen Biss zu bekommen. Instant ist hier das Erfolgsrezept. Je nach Größe des Gewässers gehe ich auch schon mal auf Sicht los. Das funktioniert natürlich besonders an sonnigen Tagen sehr gut. Die erlangten Erfahrungen und Beobachtungen setze ich auch gerne ein, wenn ich nachfolgend einige Nächte mache. Ich weiß dann, wo sich die Fische aufhalten und kann diese Areale gezielt befischen. Es ist wichtig, dort zu fischen, wo die Fische sich tatsächlich aufhalten oder regelmäßig vorbeiziehen. Das ist ein Teil meiner Taktik, die auf der Erfahrung beim Tagangeln basiert. Ich kann diese Herangehensweise nur empfehlen und sagen, dass sie mir zu einigen kapitalen Flussfischen verholfen hat.

Ich muss zugeben, dass sich meine Angelei mittlerweile fast nur noch nachts abspielt. Oft mache ich schnelle Nächte und verbringe Zeit während der Arbeitswoche am Fluss. Die mangelnde Zeit drängt mich zu einer starken Vorbereitung. Ich befische dann häufig jene Spots, die sich in der Vergangenheit als erfolgreich herausgestellt haben. Hier füttere ich in der Regel im Voraus und bereite so einen Platz vor. Ich wecke also das Interesse der Karpfen und schaffe mir einen Platz, der hoffentlich beständig von ihnen angeschwommen wird. Liegt regelmäßig Futter am Spot, lassen auch kleine Zeitfenster den Erfolg zu. So produzieren auch einzelne Nächte in der Woche gute Fische und kontinuierlichen Erfolg.

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Oft sind es schnelle Nächte, die den Erfolg am Fluss bringen. Dann aber bereite ich meine Plätze akribisch vor. Ohne Vorbereitung läuft meist nichts…

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Heute mobil unterwegs

Heute bin ich mobil unterwegs und versuche aus meinen Beobachtungen der letzten Tage Profit zu schlagen. Ich habe eine Partikelmischung dabei und möchte den Fischen mit Sämereien und Nüssen auf die Pelle rücken. Ich bin mir sicher, dass sie heute im Flussbett unterwegs sind und meine Partikel vom Boden saugen. Diese habe ich in den letzten Tagen bereits mehrfach in größeren Mengen verteilt. Ich gehe also davon aus, dass die Fische das Futter schon kennen und es nicht lange dauern wird, bis wir einen der Futterdiebe überlisten können. Sobald wir die Partikelphase überbrückt haben, beginne ich in der Regel, Boilies zu füttern. Ich schaffe zuerst Aufmerksamkeit, um dann selektiv zu werden. Eine Mischung aus großen und kleinen Ködern und unterschiedlichen Formen vergrößern das Angebot. Nach ein paar Tagen befische ich den Platz dann nur noch mit Boilies und versuche so die größeren Fische zu überlisten. Eine Taktik, die sich in den letzten Jahren als sehr erfolgreich gezeigt hat.

Harte Bedingungen. Starkes Material.

Befischt man stehende Gewässer häufiger mit leichtem Gerät, setze ich bei meiner Angelei am Fluss auf Stabilität und Tackle, das für diesen Style konzipiert ist. Mit anderen Worten sind es dicke Schnüre, stabiles Endtackle und das richtige Setup, um den teils harten Bedingungen entgegen zu wirken. Häufig sind es anspruchsvolle Angelplätze und harte Bedingungen, die die Angelei an Flüssen stark von der an Schottergruben oder Parklakes unterscheidet. Plötzlich sind es große Haken und dicke Mono-Schnüre, statt kleinster Hooks und leichtem Setup, das sich an unseren Ruten wiederfindet. Ein kompletter Kontrast zur leichten Stehgewässer-Angelei.

Wie bereits erwähnt, können es sehr raue Bedingungen sein, die wir an unseren Flüssen vorfinden. Hier ist es wichtig, den vielen Steinen, dem Unrat und Hindernissen entgegen zu wirken. Sind wir mal ehrlich. Der Angeldruck an Flüssen ist deutlich geringer als an Seen. Viele Fische sind unseren Rigs wahrscheinlich noch nie begegnet, sodass alles ruhig stärker sein darf. Ein einfaches Rig und ein starker Haken mit ebenso beständigem Hooklinkmaterial sind die Basis. Mit starkem Gerät ist es möglich, den Fisch möglicherweise aus einem Hindernis zu lösen und ihn danach doch noch zu landen. Das bringt leichtes Material häufig zu Bruch und der wertvolle Fisch gilt als verloren. Worauf ich beim Flussangeln niemals verzichten kann, ist eine starke und entsprechend dick gewählte Hauptschnur. Ohne die wird es tatsächlich schwierig, den harten Bedingungen zu trotzen.

Ich mag die rauen Bedingungen, den harten Charakter und die intensive Angelei an den Flüssen Englands.

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Tackle für Short Sessions am Fluss

Bei meinen Short Sessions am Fluss setze ich ein wenig leichteres Tackle ein, als wenn ich nachts auf meinen Futterplätzen fische. Ich setze hier auf nur eine Rute, mit der ich permanent die Kontrolle über Köder und Montage besitze. Ein kleiner Köder dient dabei als Hookbait. Ich habe hier nur die eine Rute, eine Matte, ein Netz und einen Rucksack dabei. So muss mein Tackle entsprechend leicht sein, denn ich mache hier schnelle Sessions. Beisst nichts, laufe ich weiter und suche mir einen anderen Spot, der erfolgsversprechend ausschaut. Natürlich ist das Tackle stabiler als im See, aber lange nicht so stark wie bei meinen Ansitzen, die länger dauern. Die mobile Angelei ist einfach von weniger und leichterem Tackle geprägt.

Der richtige Spot ist entscheidend

Egal ob ich längere Sessions mache oder nur ein paar Stunden am Fluss unterwegs bin, der Platz und das Umfeld sind entscheidend und machen den Unterschied aus. Ich befische an kleineren Flüssen sehr gerne Flusskurven, in denen sich Kehrströmungen und strömungsarme Bereich bilden. Naturbelassene Bereiche sind ebenfalls sehr interessant. Urige Spots mit Holz oder viel natürlichem Bewuchs sind sehr attraktiv. Im Sommer setze ich ebenfalls auf sauerstoffreiches Wasser. Wehre oder Staubereiche sind hier meine erste Wahl. In beschifften Flussabschnitten ist die Fahrkante ebenfalls sehr interessant. Diese gilt als Leitlinie für ziehende Fische. Im Allgemeinen gelten Bereiche, in denen Nahrung liegen bleibt als sehr erfolgsversprechend. Je länger die Nahrung und unser Futter liegen bleiben kann, desto besser sind die Stellen – gerade wenn es Schifffahrt auf diesem Bereich gibt. Meine Flüsse beherbergen oftmals sehr viele Stellen mit extremem Krautbewuchs. Hier mache ich mir bekannte Methoden zu Nutze. Ich füttere – wie oben bereits erwähnt – große Mengen Partikel und lasse die Fische meinen Platz sauberputzen. Nach ein paar Mal Füttern ist der Platz oft sauber und vom Kraut entfernt. Je länger ich dies praktiziere, desto härter wird der Untergrund. Die Fische durchwühlen das weiche Sediment, was von der Strömung abgetragen wird. Ein deutliches Zeichen für die Aktivität von Fischen an diesen Plätzen.

Eine letzte Aktion an diesem Tag

Gerade als wir zurückkehren und zum Van von Jack gehen wollen, entdecken wir die Fische. Ganz nah am Ufer bewegen sie sich. Diese Gelegenheit lässt sich Jack nicht entgehen und zeigt par excellence, wie man innerhalb kürzester Zeit einen Flussfisch überlisten kann. Perfekt, um einen erfolgreichen Tag abzuschließen und die gewonnen Erfahrungen und Beobachtungen zu verarbeiten.

Ein Artikel von Jack Thompson