Flusskarpfen stalken –

Unterwegs am Fluss Mincio in Italien

Ein Artikel von Davide Viola  | 5 Minuten Lesezeit

Es ist die Dynamik, die Mobilität und am Ende der Erfolg am Fluss, den Davide, Marco und Jonathan aus Italien antreibt. Sicherlich ist diese Angelei nicht unbedingt mit der deutschen, klassischen Flussangelei zu vergleichen und trotzdem ist es sehr spannend zu verfolgen. Das Stalken an Flüssen ist nicht nur in Italien sehr attraktiv, auch in Deutschland ist es durchaus möglich, so zum Erfolg zu kommen. In Italien, speziell am rund 75 km langen Fluss Mincio, spielt die mobile Angelei eine große Rolle bei Karpfenanglern. Der Fluss hat je nach Abschnitt verschiedene Gesichter, ist mal klar, mal trüb gefärbt und verändert sich mit jeder Flusskurve in ein anderes Bild. Rundum ein sehr interessantes Gewässer mit unterschiedlichen Fischarten, großen und kleineren Karpfen.

Erfolg und die Jahreszeiten stehen in direkter Verbindung

Die Angelei an Flüssen zeigt uns Karpfenanglern auf eine sehr direkte Weise das Verhalten der Fische, wo sie fressen, welche Bereiche sie besonders gerne anschwimmen und wo man sie bevorzugt finden kann. Das Verhalten der Karpfen ist an die Jahreszeiten geknüpft und hängt unmittelbar mit den veränderten Wetterbedingungen zusammen. Die Karpfen im Mincio verändern je nach Jahreszeit ihre Verhaltensweisen, fressen anders und sind an unterschiedlichen Stellen zu finden.

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Die ersten Versuche waren ehrlich gesagt nicht positiv und haben mich schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt. So einfach ist die Sache im Fluss dann wohl doch nicht. Ich versuchte es in zu unterschiedlichen Zeiten auf einer Strecke von rund 500 Metern. Man konnte deutlich erkennen, dass die Fische im klaren Wasser bevorzugt auf den hellen Bereichen fraßen. Das Gute im Fluss – die Fische nehmen immer Nahrung auf und sind permanent in Bewegung, sodass sie ihren Energiehaushalt 365 Tage im Jahr stillen müssen. Das hat zur Folge, dass wir die Fische, sofern es keine Ausweich- oder Anschlussgewässer gibt, permanent mit unserem Futter ansprechen können. Die kleinen Bereiche, in denen die Fische ihr Futter aufnahmen, befischte ich gezielt mit kleinen Maggot Clips und sehr attraktivem Futter. Pellets waren hier der magische Erfolgsköder, den ich zusammen mit dem Lebendfutter einsetzte. Die proteinreiche Nahrung stieß bereits nach kürzester Zeit auf Empfänger. In einem Zeitfenster von nur 10 Stunden gelang es mir teilweise 8-9 Fische zu überlisten. Dies ist natürlich auf den guten Bestand zurückzuführen. Doch auch wenn der Bestand noch so gut ist, diese Anzahl muss bei schwankenden Temperaturen zwischen -5 und +5 Grad erst einmal überlistet werden.

Futter spricht sie immer an. 365 Tage im Jahr. Flusskarpfen sind nie satt.

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Mit steigender Temperatur kommen auch andere Bewohner an unsere Hakenköder. 

Das Jahr nimmt seinen Lauf

Die Aktivität der Flusskarpfen nahm mit dem Anstieg der Wassertemperaturen noch einmal zu. Schon zu Zeiten, als die Bäume erst ihr anfängliches Grün zeigten, holte ich mir die nächsten Erfolge in den Kescher. Hier spielten Strategie und Location eine signifikante Rolle. Denn mit steigender Wassertemperatur nahmen auch die Beifänge zu. Gerade Barben und Brassen sind im Mincio stark vertreten und zeigen reges Interesse an meinen Ködern. Ich wechselte nach und nach meine Köder und fischte immer mehr mit Boilies, um die größeren Fische zu überlisten. Diese Angelei war für mich zunächst gewöhnungsbedürftig, da sich das Verhältnis von der Menge an Fisch, die ich angelte, zu einem höheren Durchschnittsgewicht verlagerte. Fische über 15 kg fanden den Weg in meinen Kescher. Diese Gewichtsgröße war zuvor eher eine Seltenheit, weil kleinere Fische die Köder viel schneller inhalierten. Mit der Verwendung von Boilies veränderte sich dies.

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Der Höhepunkt im März

Der März spielt bei mir eine besondere Rolle. Die sonnigen Tage bringen die Fische das erste Mal richtig in Fahrt und führen dazu, dass wir mit erhöhter Beißfrequenz rechnen können. Ich bereitete also einen Futterplatz vor und befischte ihn. Der Platz produzierte einige gute Fische, darunter auch Fische über 15 kg und einige besonders schön gezeichnete, bei uns eher seltene, Spiegelkarpfen. Ich war besessen vom Gedanken an einen der ganz großen Fische. Der Drill eines besonderen Fisches blieb mir besonders im Kopf. Er dauerte wahrlich nicht lange, war aber sehr intensiv. Es waren sechs, vielleicht sieben Minuten, die der Fisch wie ein Verrückter kämpfte. Ich kescherte ihn in der Strömung und war mir sicher, dass ich einen der Könige des Flusses überlisten konnte. Die Fights sind einfach unvergleichlich und mit Fischen aus einem See kaum zu vergleichen. Die Fische hier im Fluss sind stark und impulsiv und legen teilweise sehr starke Fluchten hin.

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Der Mincio ist einfach ein magischer Fluss, an dem ich liebend gern auf Karpfen fische. Allgemein ist die Angelei an Flüssen atemberaubend. Das Gefühl sollte jeder einmal erleben, um sich mit dem Feeling Flussangeln zu infizieren. Nach dem Fang meines persönlichen Königs, bin ich nun gewillt, einen der ganz seltenen Graser in diesem Fluss zu erwischen. Gesehen habe ich die Fische oft, aber von einem Fang habe ich bis heute nicht gehört.

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Abenteuer Flussangeln

Jeder, der sich an einen der vielen Ströme seiner Heimat wagt, sollte sich auf diese Art der Angelei einlassen und für das persönliche Ziel arbeiten. Es müssen nicht immer die Größten sein. Es müssen nicht immer die meisten sein. Es ist allein der eine Fisch, der so lange in Erinnerung bleiben wird. Jeder Flusskarpfen ist besonders und vielleicht eine Rarität, dessen Fang man stets genießen sollte. Die Erinnerungen daran werden für die Ewigkeit sein und lange in deinem Kopf haften bleiben.

Die Erinnerung wird lang in deinem Kopf bleiben. Der Fang eines Flusskarpfens ist einschneidend und etwas ganz Besonderes.

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Ein Artikel von Davide Viola