Ein Artikel von Steven Klatt

Attraktives Futter,

was ist das?

7 Minuten Lesezeit

How to – Baits. 

Generell ist diese Frage nicht leicht zu beantworten, weil man viele Faktoren berücksichtigen muss, um das passende Futter für die jeweilige Situation auszuwählen. Zum Beispiel ist es wichtig, um was für ein Gewässer es sich handelt. Ist es ein fließendes Gewässer oder ein stehendes, ein kleiner oder ein eher großer See? Was für Mitesser können wir erwarten? Wie sind die Wassertemperaturen oder in welchem Zustand befindet sich das Gewässer?

Ich erzähle euch gerne von meinem Vorgehen und die daraus entstandenen Erkenntnisse. Als kleine Randnotiz möchte ich erwähnen, dass ich meistens an sehr kleinen Seen oder am Fluss mit relativ wenig bis gar keiner Strömung fische. Natürlich passe ich mein Futter auch den Jahreszeiten und den allgemeinen Eigenschaften der Gewässer an.

Fangen wir beim Fischen im Winter an. In dieser Zeit verwende ich mein Futter gleichermaßen für den Fluss wie auch für die stehenden Gewässer. Das liegt einfach daran, dass ich im Vorfeld lokalisieren muss, wo die Fische stehen. Habe ich das herausgefunden, kann ich sie mit sehr auffälligem und gut arbeitendem Futter dazu überreden, es aufzunehmen. Das ist im Winter alles andere als einfach, aber mit dem richtigen Futter steigen die Chancen um ein Vielfaches.

Was für Möglichkeiten gibt es, sein Futter für den Winter attraktiv zu gestalten?

Man kann sich natürlich Köder zulegen, die von sich aus schon sehr gut arbeiten und speziell für das Fischen bei niedrigen Temperaturen entwickelt wurden. Die besten Ergebnisse erreicht man jedoch, wenn man sich ein paar Minuten Zeit nimmt und die Köder selbst vorbereitet. Bei einer sehr geringen Wassertemperatur ist es mir wichtig, dass das Futter maximal arbeitet. Das heißt, dass der Austausch von Wasser und Attraktoren relativ schnell stattfindet. Stoffe, die von den Fischen wahrgenommen werden, müssen den Köder relativ schnell verlassen, um eine maximale Lockwirkung zu erzielen. Das erreicht man mit Ködern, die etwas weicher sind. Hier dringt das Wasser schneller ein und trägt die Attraktoren nach außen. Natürlich geht damit einher, dass die Köder schnell ausgewaschen werden und nach wenigen Stunden an Attraktivität verlieren. Was für mich im Winter aber kein Problem ist, da ich selten länger als sechs bis acht Stunden am Wasser bin.
Im Winter kann man alle Trümpfe ziehen, die man hat. Meist mische ich nur kleine Mengen an, die ich auch bei einem Ansitz aufbrauchen kann. Üblicherweise nehme ich 300-500 g Boilies in verschiedenen Größen, bedecke diese knapp mit kochendem Wasser und lasse die Köder 5-10 Minuten ziehen. Anschließend kippe ich das Wasser ab und erhalte Boilies mit einer schönen weichen Oberfläche. Das heißt, die harte Oberfläche, die den Boilie etwas verschlossen hat, ist nun viel durchlässiger. So können die Attraktoren später im Wasser gut austreten.
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Bei kaltem Wasser macht es die Mischung. Ich setze auf Attraktion in kleinen Mengen, unterschiedlichen Durchmessern und Aromen. 

Diese offene und durchlässige Oberfläche können wir aber auch dazu nutzen, zusätzliche Attraktoren in den Köder einziehen zu lassen. Hier gibt es viele Möglichkeiten, den Köder aufzuwerten. Liquids sind eine gute Variante, da sie aus mehreren Zutaten bestehen. Die Attraktivität der Köder kann somit enorm gesteigert werden. Von Bloodworm und Ölen bis hin zu Milchprotein ist alles möglich. Hier kann jeder für sich entscheiden, was gerade am besten passt: Was mögen die Fische oder was ähnelt der natürlichen Nahrung am ehesten.

Diese Vorbereitungen kann man entweder direkt am Wasser vornehmen oder, um eine längere Wirkungszeit zu erreichen, ein bis zwei Tage zuvor. So haben die Inhaltsstoffe Zeit, um tief in die Struktur der Köder einzuziehen. Das Ergebnis ist ein sehr schnell arbeitender Köder, der über einen gewissen Zeitraum die Attraktoren an das Wasser abgeben kann.

Einen vor Attraktoren strotzenden Köder über Stunden am Platz arbeiten zu haben, ist sicher ein gutes Gefühl. Aber nicht nur Geschmacksträger oder Botenstoffe sind interessant für die Fische. In den kurzen Phasen des Tageslichts im Winter sollten wir die visuelle Komponente nicht vernachlässigen. Einige Milchprotein-Liquids zum Beispiel bringen von Natur aus schon einen hohen visuellen Reiz mit. Die Wolkenbildung macht den Platz schon von weitem sichtbar und somit werden die meisten Fische zumindest erst einmal neugierig. Zudem kann man mit Farbstoffen und sogenannten Bait-Smokes oder Dips arbeiten. Diese bringen unter anderem eine UV-Aktivität mit sich. Fische können diese unter Wasser äußerst gut wahrnehmen. Karpfen sind oft sehr neugierig und können an solch visuellen Reizen nur schwer vorbeischwimmen. Das sieht man immer wieder bei den zahlreichen Single-Hookbait Fängen der letzten Jahre. Sie müssen nicht einmal unbedingt Hunger haben, um diese Köder aufzunehmen. Die reine Neugier veranlasst, dass sie sich diese zumindest einmal anschauen kommen. Entscheiden sich die Fische zur Selektion dieser Köder, werden die Bissanzeiger schreien.

Visuelle Reize sind verführerisch. Karpfen können nur schwer daran vorbei schwimmen. Da bin ich mir sicher! 

Das Fischen im Winter unterscheidet sich von der Vorgehensweise deutlich von dem, was ich das restliche Jahr über mache. Im Winter ist es wichtig, mit wenig Futter, dafür aber vollgestopft mit Reizen, die Karpfen regelrecht anzubetteln, unseren Köder zu fressen. Das klappt sehr gut, wenn wir wissen, wo die Fische stehen. Denn auch noch so auffälliges Futter zieht keine Karpfen aus 100 m Entfernung auf den Platz. Der Übergang von der Winter-Angelei und damit der Verwendung unterschiedlicher der Köder, ist meist fließend.

Wenn ich anfange, meine Sommerspots zu füttern, muss ich davon ausgehen, dass die Fische noch keinen Fokus auf diese Plätze haben. Im Sommer fische ich im Fluss auf Strecke. Bedeutet wiederum, dass ich darauf angewiesen bin, dass die Fische Meter machen und nach Futter suchen, also ganz anders, als es im Winter der Fall ist. Das passiert bei uns meist erst im Juni, wenn die Wassertemperaturen schon recht hoch sind und das Laichgeschäft durch ist. Dann begeben sich die Fische auf Strecke und fressen, was sie finden können. In dieser Zeit bin ich sehr daran interessiert, den Fischen mein Futter nahe zu bringen. Sie sollen es kennen und lieben lernen. Ich lege einen relativ großen Bereich mit Boilies an, die anfangs auch gerne vorbehandelt sein können. Das zieht natürlich Mitesser auf die Plätze, was in dem Fall jedoch gewollt ist. So bekomme ich schnell die Aufmerksamkeit der Karpfen, die sich bei dem Gewusel einfinden und die Plätze für sich behaupten.

Wenn die Wassertemperatur steigt, lege ich einen großen Bereich mit Boilies an. Mitesser sind willkommene Gäste, weil ich so auch die Aufmerksamkeit der Karpfen bekomme, die die Plätze für sich behaupten.

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Mit den ersten Fängen stell ich das Vorbehandeln der Köder komplett ein und verteile das Futter etwas großflächiger. Die Brassen bekommen so keinen Ansatz, um in Fresslaune zu kommen. Somit werden die Plätze schnell verlassen bzw. nur ein paar wenige Köder aufgenommen. Die Selektion ist ihnen schlichtweg zu anstrengend. So treffen die Karpfen regelmäßig auf mein eingebrachtes Futter. Mal mehr und mal weniger ausgewaschen. Sie Fressen diese Art des Futters nach einiger Zeit arglos und suchen auch gezielt danach. Trotzdem kann ich die Fische so nicht dauerhaft auf den Plätzen halten. Es kommt vor, dass sich die Fische 14 Tage oder länger nicht in diesem Areal aufhalten. Das merkt man sofort an den ausbleibenden Bissen. In diesem Fall setze ich meine Futtermengen etwas herab, sodass der Weißfischbestand die Mengen beim Zerfallen gut verarbeiten kann. Somit gehe ich keine Gefahr ein, den Spot durch verrottendes Futter zu versauen. Auf diese Art und Weise fange ich mit meinem Partner recht regelmäßig Fisch auf diesen Plätzen. Sicher gibt es auch Wochen, in denen man selten Läufe bekommt. Wenn man aber den Glauben nicht verliert und fleißig seine Hausaufgaben macht, wird man auch diese Phasen überstehen und schlussendlich immer belohnt.

Ich denke, es ist deutlich geworden, dass ich mein Futter dem Verhalten der Fische anpasse. Im Winter möchte ich die leicht lethargisch wirkenden Fische mit dem Futter überreden. Im Sommer jedoch muss ich das nicht. Sie sind eh fleißig am Suchen und müssen durch ihren erhöhten Stoffwechsel sehr viel Fressen. Hier muss ich nur dafür sorgen, dass sie regelmäßig auf das von mir eingebrachte Futter treffen und die Plätze erst dann wieder verlassen, wenn auch wirklich jede Murmel gefunden wurde. Selbst bei größeren Schulen mit kleineren Fischen bleibt für jeden etwas übrig. Das macht sich in der Rate der Läufe pro Nacht bemerkbar.

Futter ist eines der wichtigsten Elemente, das man nutzen kann. Ob viel oder wenig Futter, ist dabei erstmal zweitrangig. Wichtig ist, sich zu fragen, was können wir mit dem Futter bei den Tieren erreichen oder was sind unsere Ziele? Welche Situation braucht welche Art von Futter oder welche Art des Fütterns?
Wer es schafft, das zu erkennen und einen guten Umgang damit beherrscht, wird am Ende belohnt werden. Hier habe ich nur einen sehr kleinen Teil der Möglichkeiten genannt, die für Eure Angelei interessant sein könnten.

Also ab ans Wasser und Futter bei die Fische!