Ein Interview mit Philipp Resch 

12 Minuten Lesezeit
twelvefeet ausgabe20 philippresch 96 - Mein Job: Boilies machen!

Mein Job:
Boiles machen!

Es riecht nach frisch gestrichener Farbe und der Teppich im Verkaufsraum ist noch nahezu unbefleckt. Philipp Resch hat uns eingeladen, bei ihm vorbei zu schauen. Der Einladung sind wir gefolgt, haben Kamera und Equipment ins Auto geladen und schauen uns die Produktion des Jung-Unternehmers aus Süddeutschland an. Es ist unschwer zu erkennen, dass es hier um Baits geht. Was genau die Philosophie von Phil ist und warum er bereits seit über 15 Jahren seine Köder selbst rollt, das erfahren wir heute aus erster Hand.
Servus Philipp, danke für die Einladung in deine neue Halle. Komm´ wir machen direkt mal einen Rundgang und du erzählst, was du hier so aufgebaut hast.

Angefangen habe ich mit dem Angeln 2003/2004 und mich zog es jede freie Minute an unseren ortsansässigen Dorfweiher. Dort fischten wir mit Mais und Maden auf Rotaugen und alles, was dort so rumgeschwommen ist. Bereits ein Jahr später nahm mich der Cousin meiner Mutter, ein Karpfenangler der ersten Stunde, mit an den Main. Nach ein paar Stunden Angeln konnte ich meinen allerersten „Boilie“-Karpfen aus den Fluten ziehen – mit einem stolzen Gewicht von 16,5 kg und seitdem bin ich vom Karpfenvirus infiziert. Wenn ich mir heute noch die Bilder ansehe, muss ich ein wenig schmunzeln, denn mit meinen damaligen 11 Jahren konnte ich diesen – für mich – absoluten Ausnahmefisch kaum hochheben… Von da an zog es mich öfters an den Fluss und ich merkte relativ schnell, dass man dort auch mit entsprechenden Futtermengen arbeiten musste. So drehte ich irgendwann zuhause in der Garage selbst meine Boilies ab und mit den Jahren wurden die Mengen immer mehr und die Ausrüstung hierfür immer etwas besser und weiter optimiert. Einige meiner Freunde nahmen oft ein paar Boilies aus meinen Eimern mit und konnten sehr gut darauf fangen. Dass sie dann immer öfters und mehr Boilies haben wollten, brauche ich ja nun nicht weiter erläutern.

2017 beschloss ich dann den nächsten Schritt zu gehen, ein Gewerbe anzumelden und alle Unterlagen, die man hierfür benötigt, bei den zuständigen Behörden einzuholen. Nachdem ich diese Unterlagen nach einhergehender Prüfung vor Ort durch das Veterinäramt erhalten hatte, konnte ich endlich loslegen. Schon damals merkte ich relativ schnell, dass die Örtlichkeiten, in denen ich damals produzierte, keine Dauerlösung sei. Immer öfters hatte ich nun aufgrund der Gerüche und des Lärms Probleme mit den umliegenden Nachbarn und so konnte es einfach nicht weitergehen.

Relativ kurzfristig erhielt ich die Zusage, mich in einem ehemaligen Baucenter einquartieren zu können und so konnte ich zügig die Produktion aus dem Wohngebiet ins Gewerbegebiet verlegen.

Mit diesem Schritt konnte ich auch weitere Maschinen anschaffen, wie zum Beispiel unseren Dämpfer, mit dem wir pro Dampfdurchgang bis zu 140 kg Boilies dämpfen können. Aber leider war dieser Umzug in die Produktionshalle keine Dauerlösung, da ich kurze Zeit später erfahren musste, dass dieses Areal abgerissen wird und neue Gebäude darauf gebaut werden. So kam alles, wie es kommen musste, und ich konnte nach etlichen Hürden im April letzten Jahres in meine eigene Halle hier im Burgebracher Gewerbegebiet umziehen.

Wow, wie viel Tonnen lassen sich hier täglich abrollen?

Der Maschinenpark in der Firma ist mittlerweile so optimiert und darauf abgestimmt, sodass bis zu 1.000 kg Mix an einem 8 Stunden Arbeitstag abgerollt werden können. Dies ergibt circa 1.400 kg fertige Boilies. Diese Mengen klingen zunächst unrealistisch, doch wenn alles aufeinander abgestimmt ist und man eine solche Produktion gut vorbereitet, ist das kein Problem! Viele Kunden wünschen sich neben unseren kugelrunden Readymade Boilies andere Formen, wie zum Beispiel Dumbells oder Kissen. Ab 25 kg Mix kommen wir diesen Wünschen gerne nach und produzieren diese immer frisch auf Bestellung. Übrigens sind wir nach Bayerischem Futtermittelrecht dazu verpflichtet, jedes unserer hergestellten Produkte zu deklarieren und mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum zu versehen. Weiterhin wird von jeder Produktion ein Rückstellmuster gebildet, welches bei einer Kontrolle durch die zuständige Behörde mitgenommen wird und im Labor auf verschiedene Parameter untersucht wird.

Wie sieht dein Tagesablauf in der Firma aus?
Zu Zeiten, in denen ich noch meinem normalen Job im öffentlichen Dienst nachgegangen bin, habe ich von 7.00 Uhr bis 16.30 Uhr gearbeitet. Danach ging es kurz nach Hause, um Dinge wie zum Beispiel eingegangene Bestellungen und dementsprechende Rechnungen oder Pakete zu holen. Danach ging es von 17.00 Uhr bis ca. 22.30 Uhr in der Firma weiter – sei es durch Pakete packen oder natürlich auch Boilies rollen. In den späten Abendstunden dann zuhause wieder angekommen, wurden noch E-Mails von Kunden bearbeitet oder auch Content für unsere Social Media Kanäle geplant. Langweilig wurde es bisher noch nie. Irgendwann merkte ich aber, dass es so nicht weitergehen konnte – immerhin wurde auch jeder freie Tag, wie zum Beispiel Samstag und Sonntag oder sogar Feiertage zum Arbeiten genutzt. Meine Freizeit wurde immer weniger und ich kam wochenlang selbst nicht zum Angeln. Aber mittlerweile ist alles geregelter und ich habe meine festen Abläufe in der Firma.

Machst du das hier alles alleine oder arbeiten bei P.R. Baits & Rods noch weitere mit?

Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr alles alleine schaffe. Man kann nicht mehr als arbeiten – eines nach dem anderen also… Seit diesem Jahr habe ich einen Angestellten, der selbst auch Karpfenangler und seit einigen Jahren einer meiner besten Freunde ist. Heutzutage geeignete Arbeitskräfte zu finden, ist sehr schwer geworden. Es geht nicht mehr nur um Boilies rollen. Es geht bereits mit der Vorbereitung zum Boilierollen los. Die Mixe müssen vorbereitet werden und alle Zutaten genau abgewogen werden. Alle gängigen Zutaten wie zum Beispiel LT-Fischmehl dürfen nie ausgehen und müssen gegebenenfalls immer dann, wenn der Vorrat knapp wird, nachbestellt werden. Im nächsten Schritt müssen die Boilies schließlich auch noch gerollt werden und letztlich abgepackt und natürlich gelabelt werden. Weitere Dinge, wie zum Beispiel das Abfüllen der Liquids oder unserer Hookbaits, das Abrollen einer frischen Charge Pop-Ups, die Umsetzung diverser Kundenwünsche oder aber natürlich auch diverse Dinge im Büro (Bürokratie lässt grüßen). Da fällt mir – passend zur Jahreszeit – noch die Messezeit ein. Diese muss schließlich zu gegebener Zeit auch geplant und vorbereitet werden.
Warum hast du dich vor 3 Jahren dazu entschlossen deine eigenen Baits zu verkaufen? Gibt es doch so viele Hersteller auf dem deutschen Markt. Was macht ihr besser als andere?

Schon in meinen jungen Jahren war ich fasziniert von der Herstellung dieser Teigkugeln und so experimentierte ich viel herum. Jeden Mix und noch so kleinste Änderungen wurden in einem DIN A4 Heft notiert, um Schlussfolgerungen daraus ziehen zu können, was denn nun besser fängt oder am besten wo funktioniert hat. Auch hatte mich die Maschinerie, die zum Boilierollen dazugehört, fasziniert und so wurde vieles ausprobiert und immer weiter verbessert und angepasst. Der Grundstein war also somit schon ziemlich früh gelegt – ohne es gar bewusst wahrgenommen zu haben. Der springende Punkt, weshalb ich mich aber zu dem Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe, war die immer größer werdende Abnehmerzahl und der Zuspruch meines Freundeskreises, eine eigene Firma zu gründen

Ich war noch nicht allzu lange „auf dem Markt“, da erreichten mich immer wieder E-Mails aus dem Ausland, ob ich denn nicht Interesse hätte, meine Mixe oder gar Rezepte abrollen zu lassen. Ich müsse nur noch mein eigenes Etikett auf die Tüte kleben und mich um nichts mehr weiter kümmern. Diese Angebote, die ich damals bekam, lehnte ich jedes Mal dankend ab. Diese Art von Geschäft entspricht nicht meiner Philosophie – ich bin selbst Angler und verkaufe meinen Kunden nur das, was ich selbst fische und für gut befinde. Ich selbst gestehe, dass ich auch schon einige Male Sachen ausprobiert und abgerollt habe, die nicht funktioniert haben – sei es die Fängigkeit eines Köders über einen längeren Zeitraum oder auch die Verarbeitung eines speziellen Mixes. Es gibt Dinge, die funktionieren – aber auch Sachen, die in der Theorie logisch und vollkommen nachvollziebar sind, jedoch praktisch nicht oder nur kaum umzusetzen sind. Auch das gehört dazu! Aber um auf deine Frage zurück zu kommen. Was machen wir anders als alle anderen auf dem Markt? Diese Frage kann ich dir ehrlich gesagt nicht beantworten, da ich keinerlei Ahnung habe, „wer, was, wo und wie“ macht.

Wir stellen fast ausschließlich alles, was mit Baits zu tun hat, in unserem Hause her. Egal ob unsere Boilies, Stickmixe und Groundbaits, Hookbaits und Pop-Ups – alles läuft durch unsere Maschinen und Mischer. Nur so kann ich meinen Kunden diese Dinge ruhigen Gewissens empfehlen. Ich selbst habe sehr große Ansprüche an meine eigenen Produkte – passt mir etwas an einem bestimmten Produkt nicht, zum Beispiel während der Testphase, so wird es auch nicht verkauft und weiter daran getüftelt. Hier arbeite ich dann eng mit meinem Team zusammen und wir erarbeiten neue Lösungsvorschläge und schon mache ich mich wieder ans eingemachte – wie zum Beispiel mit unserem neuen Feed-Grade Fruit Boilie.

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Ehe wir auf deine persönliche Angelei umlenken noch eine Frage: Ist Boilies machen ein Traumjob?

„Such Dir eine Arbeit aus, die Dir Spaß macht und du brauchst keinen Tag mehr in deinem Leben arbeiten“ – so lautet ein bekanntes Sprichwort. Von ganz alleine erledigen sich die Arbeiten in der Halle leider nicht, wie sich vielleicht manch einer denkt!

Hierbei spreche ich nicht vom Boilierollen alleine. Viele weitere Arbeiten, wie zum Beispiel die Buchführung, die nach jeder neuen abgerollten Charge Boilies genau geführt werden muss. Die Vorbereitung für kundenspezifische Aufträge und natürlich auch der Versand. Ebenso müssen nach jeder Produktion alle Maschinen gereinigt werden und dies für Veterinäramt und Co. dokumentiert werden. Auch gehört natürlich die Kommunikation zu den Tierfuttermittel-Herstellern dazu, bei denen wir einen großen Teil unserer Rohstoffe beziehen.

Kein Tag ist wie der andere, denn die Aufgabengebiete sind sehr vielfältig und komplex. Somit kommt immer etwas Abwechslung in den Tag rein und die Arbeit macht einem immer Spaß – und genau das ist es, was doch einen Traumjob ausmacht! Hierbei spreche ich nicht vom Boilierollen alleine – es ist die bunte Mischung, die dieser Job mit sich bringt.

Wenn du es dir aussuchen könntest, welche Art von Köder würdest du jedem deiner Kunden empfehlen? Fruchtig? Fischig? Fleischig?

Diese Frage hängt von einigen Faktoren ab, wie zum Beispiel die Jahreszeit und natürlich auch vom Gewässer! Nicht jede Ködersorte funktioniert überall gleich gut, wie zum Beispiel hier bei uns am Fluss. Mit einem Kohlehydrat-Boilie, der schön süß und fruchtig ist, fange ich kaum etwas. Ziehe ich damit hingegen in den Baggersee, fange ich damit besser als mit einem Boilie auf Fischmehlbasis! Warum das so ist, kann ich mir kaum erklären. Aber für meine Angelei im Fluss setze ich zu 99% auf Köder mit hohem Fischmehlanteil.

Warum genau diese Art von Köder? Was macht hier den Unterschied aus und warum setzt du die Art von Köder in deiner Angelei ein?
Wie eingangs erwähnt, fische ich sehr viel in den Flüssen unserer Umgebung. Diese beherbergt neben großen Karpfen auch sehr viel natürliche Nahrung, die zu einem größten Teil tierischen Ursprungs besteht. Die Boilies, die ich einsetze, enthalten einen sehr hohen Anteil an tierischen Proteinen in Form von Fischmehl oder auch das altbewährte und schon für den Fang zig großer Karpfen verantwortliche Green Lipped Mussel Extrakt. Diese Zutaten sind nicht nur ein idealer Geschmacksträger, sondern fördern auch das Wachstum der Fische. Einen gewissen Anteil an Kohlehydrate, wie zum Beispiel Maismehl, geben dem Fisch die nötige Energie, um weitere Strecken im Fluss zurücklegen zu können. Den Abschluss dieser Mischung bildet ein hinzugefügtes Hefeextrakt, das die Verdauung anregt und so einen schnellen Durchlauf des Futters positiv beeinträchtigt. Diese leicht bekömmliche Kost wird gut verstoffwechselt und immer wieder gefressen. In der Vergangenheit haben solche Fischmehlköder konstant ihre Fische gefangen – und ich bin mir ziemlich sicher, dass die das auch in Zukunft tun werden!
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“In meiner Angelei setze ich häufig auf Köder mit einem hohen Anteil natürlicher Inhaltsstoffe.”

Wenn wir schon bei deiner eigenen Angelei sind – wie sieht deine Angelei so aus? Bist du oft in Frankreich oder wo treibst du dich herum?

In den letzten beiden Jahren musste ich meine eigene Angelei etwas schleifen lassen. Ich war letztes Jahr im Herbst seit langem mal wieder in Frankreich unterwegs. Es waren ein paar richtig coole Tage mit unserem Teamangler Julian Jurkewitz – gefangen haben wir auch richtig gut! Dennoch, 99% meiner freien Zeit verbringe ich hier bei uns am Main. Hier bin ich groß geworden und habe das Angeln gelernt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Fluss einen ganz großen Schatz beherbergt. Und genau das möchte ich in der nächsten Zeit noch genauer rausfinden.

“99% meiner Angelei findet an meinem Heimatfluss, dem Main, statt. Ich liebe die Angelei an diesem einzigartigen Fluss.”

Ich suche noch nach einem Köder für den Frühling. Kannst du mir sagen, auf was ich dabei genau achten sollte. Wie sieht dein perfekter Frühjahresköder aus?

Seit Herbst letzten Jahres tüfteln wir an einer fruchtigen Version unseres preisgünstigen Feed-Grade Fish Boilies. Ein Köder, der mit einem 40-%igen Fischmehlanteil und weiteren nötigen Zutaten alles enthält, was wichtig für den Karpfen sind. Da sich unser „Feed-Grade Fish“ bereits seit Jahren bewährt hat und die Nachfrage nach einer fruchtigen Variante stetig gestiegen ist, haben wir uns diesem Anliegen unserer Kunden angenommen und etliche Mischungen und Komponenten untereinander ausprobiert und gefischt. Herausgekommen ist eine sehr fängige Mischung, die mir und meinem Team bereits etliche dicke Fische im letzten Jahr ans Band gebracht hat. Die Basis dieser Mischung bildet der bewährte Feed-Grade Fish Mix mit einem Fischmehlanteil von 40%. Dieser wird mit einer guten Portion der fruchtigen Variante aus dem Hause Haiths – nämlich Robin Orange, abgedreht. Diese Zutat bringt in den Boilie einen hervorragenden, leicht würzigen und fruchtigen Geschmack. Weiterhin enthält dieser Boilie unseren Powder Sweetner und Buttersäure. Buttersäure verwenden wir übrigens in all unseren Readymade Boilies – wenn es eine Zutat gäbe, die in keinem Boilie fehlen darf, dann diese! Abgerundet wird unser Feed-Grade Fruit mit einer Mischung aus verschiedenen Fruchtaromen und Fruchtsäuren sowie unser NHDC Liquid, der den Geschmack im Boilie noch mal um ein Vielfaches verstärkt. Zu dieser Sorte bieten wir unsere bewährten Hookbaits, Pop-Ups und Liquids an.