Ein Dialog mit
Alexander Schneider

10 Minuten Lesezeit
Ich scrolle durch die Instagram-Nachrichten eines Anglers, der so viele Nächte, so viele Stunden, ja, es waren Jahre, gebraucht hat, um sich seine Ziele zu erfüllen. Die Rede ist von Alexander Schneider. Auf das Konto von Alex gehen Fische wie Puzzle, Scarface, der Bronzene oder Banana Joe – Fische, die mit ihrem Gewicht oder ihrem Charakter jedem von uns das Gefühl von Begierde wecken.

Der große Unterschied zwischen uns und Alex ist allerdings, dass er diese ganzen Fische tatsächlich gefangen hat. Zielfischangeln ist in den letzten Jahren zu seiner Challenge geworden, die er so angenommen hat, wie kaum ein Zweiter. Der Lohn dafür sind all diese Fische und ein Erfahrungsschatz, der seine Angelei heute besser macht und auf den er nie wieder verzichten will.

Unser Redakteur Felix Kaczmarek ist mit Alex in den Dialog gegangen – ein Interview, bei dem die beiden Vollblutangler hunderte Kilometer auseinander sitzen und doch eng verbunden waren. Karpfenangler unter sich eben – heute auf dem digitalen Wege.

Alex, ich muss mir die Augen reiben. Nachdem du mir einen Teil deiner vielen Fänge via Instagram geschickt hast, war uns direkt klar, dass wir dich in einer unserer Ausgaben mit dabeihaben wollen. Hammer und großen Respekt! Erzähl uns ein wenig über dich und deine Angelei.
Erstmal vielen Dank für die Gelegenheit, in dieser Ausgabe mit dabei sein zu können. Nun ein paar Worte über mich: Mein Name ist Alex Schneider, bin 34 Jahre und komme aus Nürnberg. Bereits als kleiner Junge stellte ich unseren geschuppten Freunden mit großer Lust nach. Diese Passion hält bis heute an. Mit der Trennung meiner Eltern hat sich eigentlich mein Weg geebnet. Wir waren in einem Verein außerhalb der Stadt Mitglied. Da war die Angelei immer mit einer Autofahrt verbunden. Schnell suchte ich die Unabhängigkeit und nutzte das Fahrrad mit einem entsprechenden Anhänger als Tackletransporter.
twelvefeet ausgabe21 alexschneider 88 - 200 Nächte im Jahr.

Erst die Unabhängigkeit zeigte mir den Weg zum Zielfischangeln. Ich konnte mein Ding so richtig durchziehen. Heute blicke ich positiv auf die Anfänge zurück

Wahnsinn. Wie viel Zeit hast du in den letzten 5 Jahren jährlich am Ufer deines Hausgewässers verbracht? Und – bist du dabei in der Regel allein unterwegs?
Mittlerweile gehe ich das Ganze etwas entspannter an. Das neue Jahr beginnt erst langsam, das letzte habe ich frei von Druck ausklingen lassen. Insgesamt muss ich aber zugeben, es sind viele Nächte… im Jahr kam ich locker auf 200 Nächte. Damit war es aber nicht getan. Ich habe eigentlich nur noch für dieses Vorhaben gelebt. Sprich nach der Arbeit schnell nach Hause, um zu duschen, was zum Essen einpackt oder auf dem Weg besorgt und so schnell es ging raus. Um 5:15 Uhr hat dann der Wecker geklingelt. Um 7:00 Uhr auf der Arbeit stehen und das ganze Spiel wieder von vorne. Ja, ich war und bin überwiegend alleine unterwegs. Es ist einfach effektiver und natürlich ist die Chance auf einen oder sogar „den Fisch“ besser, wenn nur zwei Ruten im Wasser sind. Nicht, dass ich anderen die Fische nicht gönne, im Gegenteil. Jeder, der raus geht und sich die Arbeit macht, soll logischerweise auch fangen. Aber in dieser Challenge habe ich eher mir die Fische gegönnt als anderen.

Morgens. Mittags. Abends. Nachts. Für mich gab es lange Zeit keinen anderen Gedanken. 200 Nächte machte ich sicher – immer auf der Jagd nach dem nächsten Target Fish

Du hast unzählige einzigartige Fische gefangen. Jeder einzelne war sicherlich ein Meilenstein in deiner Angelei. Gibt es Fische, die dir fernblieben oder die du niemals fangen konntest?
Ja, leider. Als ich mit der Mission begann, sind in kurzer Zeit zwei der richtigen Großen verstorben. Das war natürlich bitter. Man kann eben nur das fangen, was es zu fangen gibt.
Wie sah deine Zielfischangelei genau aus? Hast du immer wieder die Jagd nach einzelnen Fischen begonnen, oder war dein Ziel einfach, alle bekannten Fische in deinem Kanal fangen zu können?
Begonnen hat alles natürlich mit Fotos, auf denen man die großen Fische gesehen hat. Selbstverständlich wollte ich genau diese dann auch einmal fangen. Wer möchte nicht gern große Fische fangen? In den ersten Wochen und Monaten habe ich mir das relativ easy vorgestellt… aber was letztendlich an Arbeit, Zeit und Kilometern dahintersteckten, darf man gar nicht sagen. Nach den ersten „bekannten“ Fängen kam natürlich der Wunsch, alle Schwimmenden aus dem Altbestand ablichten zu können. Eine Challenge, die bis heute anhält.
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Ich wollte sie alle fangen. Ganz egal ob Phantom oder leicht fangbar. Sie reizten mich alle!

Bei derartiger intensiver Angelei fallen doch sicher auch unzählige Fische, die nicht zu deinen Zielen gehören. Wie sieht deine Selektion aus, wie schafft man es, gewisse Fische gezielt anzusprechen? Hast du dazu ein paar Erfahrungen?
Im Kanal ist es relativ schwer, selektiv auf große Fische zu angeln. Auch wenn der Kanal mit seinen 90 m zu einem der schmaleren seiner Art angehört, ist es dennoch eine gewaltige Wasserfläche, die man befischen kann. Das vergessen viele. Der Kanal hat einen sehr gesunden Bestand und einen starken Besatz. Das ist aber auch gleichzeitig das Aufregende. Bei jedem Run kann sich ein richtiger Guter oder auch der 2 kg Satzer den Boilie geschnappt haben. Du weißt im Grunde nie, was als nächstes kommt. Die Angelei birgt unzählige Überraschungen und immer dann, wenn du nicht damit rechnest, kommt wieder einer der Zielfische an die Oberfläche – und ich schiebe meinen Kescher drunter.
Welcher Taktik gehst du dabei nach? Holst du dir Infos ein, wo bestimmte Fische in der Vergangenheit besonders oft fielen, oder hast du einen festen Futterplatz, den du über längere Zeiträume bedienst?

Es gibt schon die ein oder andere Area, in der sich die Fische zu einer bestimmten Zeit aufhalten. Das haben die Jahre gezeigt. Viel aufsaugen, viel Location, viel schreiben. Das hat mir geholfen und meist die Vermutungen bestätigt. Meinen letzten Zielfisch musste ich aber „aussitzen“. Ich hatte ihn schon zweimal drauf… zweimal vor dem Kescher ausgeschlitzt… oft die Plätze gewechselt und dann kam er doch… immer wieder bei anderen… deshalb habe ich den „letzten“ über einen Langzeitfutterplatz und der Angelei auf immer wieder denselben Spots fangen können.

Den letzten meiner Zielfische musste ich aussitzen. Viele andere fing ich in den bekannten Areas

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Gibt es deiner Meinung nach NoGo´s in deiner Zielfischangelei?

Nein, ein NoGo fällt mit gerade nicht ein. Solange man am Wasser ist und die Köder liegen, ist die Chance da.

War dir in all den Jahren schon einmal zum Aufgeben zu Mute, oder bist du so fokussierst, dass Selbstzweifel im Grunde niemals aufkamen?
Du kannst mir glauben, das war nicht nur einmal der Fall… Jedes Mal wenn „er“ wieder kurz vor einem gefangen wurde, oder wieder in einer ganz anderen Richtung oder gar in einem anderen Schleusenabteil überlistet wurde… Das ist schon ein mieser Schlag in die Magengegend. Der Selbstzweifel kommt da sehr schnell auf und Fragen über Fragen sind im Kopf… Tatsächlich sehr oft ohne jegliche Antwort. Manchmal verliert man die Freude, im selben Moment entfacht aber wieder dieses innere Feuer und der Ehrgeiz, diesen Fisch auch unbedingt auf der Liste streichen zu können. Wenn ich nur daran denke, glimmt es wieder auf.

Manchmal denkst du ans Aufgeben, um im nächsten Moment das innere Feuer wieder zu entfachen. Zielfischangeln – ich find´s geil!

Gibt es einen Fisch, ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Na klar. Man nennt diesen Fisch Rosenkohl. Die ersten 2,5 Jahre, in denen ich auf ihn gefischt habe, war er gar nicht auf dem von mir befischten Abschnitt unterwegs. Phantomfischen war das…. Nicht mehr und nicht weniger. Da tust dir schon auch was an. Keine Infos, kein Fund, bei dem sein Tod Gewissheit wird. Der Fisch namens Rosenkohl war spurlos verschwunden. Und dann taucht doch wieder ein Bild mit ihm auf. Im gleichen Moment bist du wieder da. Voll on fire!
Es beeindruckt mich und der Erfolg gibt dir Recht. All diese Fische, die wir hier heute sehen sind einzigartig und würden sich ehrlicherweise auch auf meiner Matte ganz gut machen. Dass ich bei dieser Frage lache, ist sicher klar. Aber mal im Ernst, stößt man bei dieser Angelei nicht irgendwo auch auf andere Angler, denen deine Erfolge so gar nicht schmecken?

Doch klar. Wo Erfolg ist, ist auch Neid. Das ist wie überall. Auf einmal wird auf dem Futterplatz geangelt… alles schon durch. Eine Unart, der ich nichts abgewinnen kann.

Welche Worte hast du für solche Karpfenangler übrig?
Wenn Leute reden, ist man interessant und es zeigt sich, dass es richtig ist, was man macht. Getreu dem Motto: i love my haters. So und nicht anders!
Alex, danke für das Gespräch. Ich bin noch immer sehr beeindruckt und inspiriert, vielleicht selbst mal wieder in die Zielfischangelei einzutauchen. Danke!
twelvefeet ausgabe21 alexschneider 88 - 200 Nächte im Jahr.