Die letzten

Ein Artikel von Janik Wolf

10 Minuten Lesezeit

In der letzten Ausgabe habe ich bereits beschrieben, unter welchen Umständen ich welches Futter einsetze. Doch Futter allein fängt auch keine Fische. Grundsätzlich baut aber mein Endtackle auf der Wahl des Futters auf. Meine Baits beeinflussen, welches Rig oder gar welches Bleisystem ich fische.
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In Abhängigkeit dieser Faktoren

Doch von welchen Faktoren hängt die Wahl meiner Montage noch ab? Zuallererst natürlich von den äußeren Einflüssen, also dem Gewässer. Muss ich werfen und wenn ja, wie weit? Welche Spots, etwa Plateaus, Rinnen oder ins Wasser ragenden Bäume, weist mein Zielgewässer auf? Welchen Untergrund habe ich an den jeweiligen Spots? Habe ich Hindernisse, wie Äste oder scharfkantige Muscheln?

Außerdem beeinflusst natürlich die Wahl meines Futters bzw. wie ich anfüttern kann die Montage. Wenn ich auf einer großen Fläche mit Boilies mit dem Wurfrohr füttere, kann ich beispielsweise ein längeres Rig fischen, da die Fische hier beim Fressen nicht so tief am Grund stehen bzw. sich nach jeder Futteraufnahme wieder aufrichten, um zum nächsten Boilie zu schwimmen. Anders beim Spodden mit der Futterrakete. Hier füttere ich ziemlich punktuell, die Karpfen stehen also während der Futteraufnahme dichter am Gewässergrund. Somit brauche ich kürzere Rigs, um die Fische erfolgreich zu haken.

“Die Gegebenheiten setzen den Schwerpunkt und entscheiden über die Wahl meines Endtackles“

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Für mich beginnt die Auswahl meiner Endtackle-Komponenten bereits bei der Schnur. Im Winter, wenn ich die kommende Saison plane und weiß, welche Gewässer ich im Verlauf des Jahres befischen werde, bestelle ich mit diesem Gedanken im Hinterkopf meine Schnüre. Beispielsweise fische ich im Frühjahr an einem Stausee und im weiteren Verlauf des Jahres an einem Baggersee. Während der Stausee durchgehend schlammigen Boden und keine Hindernisse aufweist, finde ich am Baggersee steile Kanten, Muscheln und ins Wasser regende Bäume vor. An beiden Gewässern ist die Nutzung eines Bootes untersagt. Deshalb bespule ich meine Rollen zum einen mit einer „Tapered Mainline“, also eine sich verjüngende Schnur, für den Stausee und mit einer Fluorocarbon-Schnur für den Baggersee. Die Gründe hierfür sind, dass ich unter Umständen weit werfen muss. Da ich an dem Stausee keine Hindernisse im Wasser habe, kann ich einen sehr dünnen Durchmesser wählen, um auf Weite beim Werfen zu kommen. Dennoch verwende ich gern eine Tapered Mainline, da ich automatisch eine Art Leader habe, damit die Schnur bei kraftvollen Würfen nicht reißt. Am Baggersee hingegen habe ich Hindernisse in Form von Muscheln, Kanten und Bäumen. Hier werfe ich zwar auch, muss aber einen Kompromiss finden, um den Hindernissen stand zu halten. Außerdem klart das Wasser über den Winter auf und ich muss eine nahezu unsichtbare Schnur fischen. Deshalb fällt in diesem Fall meine Wahl auf eine Fluorocarbon-Schnur, da diese nahezu denselben Lichtbrechungsfaktor wie Wasser besitzt und außerdem sehr gut sinkt. Wie ihr seht, kann man bereits hier die ersten Fehler machen und es sollte überlegt sein, welche Schnur man sich für die kommende Saison auf die Rollen spult.

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“Thinking steht allem voran. Mach dir Gedanken, was dein Endtacke erfüllen muss!“

Vergiss nicht das Bleisystem

Auch bei den Bleisystemen wäge ich die jeweiligen Situationen ab. Im Winter fische ich entweder Helicopter-Systeme oder PVA-Bags. Weiß ich, dass die Karpfen fressen und nach Nahrung suchen, dann setze ich gerne PVA-Bags ein. So kann ich meine Montage mit nur einem Wurf ohne erneutes Werfen platzieren, auf abgestorbenen Krautfeldern legt sich der PVA-Bag perfekt ab. Weiß ich allerdings nicht verlässlich, wo sich die Fische gerade aufhalten oder haben wir schlechte Wetterbedingungen, dann suche ich die Karpfen mit Helicopter-Montagen und Pop Ups. Der Vorteil hierbei: das System verwickelt sich nicht und liegt somit auch sauber am Grund, selbst auf abgestorbenen Kraut habe ich dadurch eine perfekte Präsentation. Somit ist meist nur ein Wurf nötig, wodurch die Gefahr minimiert wird, die Fische zu verschrecken. Als Bleigewichte setze ich übrigens leichte Flat-Pear-Bleie zwischen 30 und 65 Gramm ein. Durch das geringe Gewicht und die flache Form mit einer großen Fläche, sinkt das Blei nicht zu sehr in das Kraut ein, sondern legt sich flach obendrauf ab.

“Leichte Bleie kommen bei vielen nicht zum Einsatz – bei mir schon. Aus gutem Grund!“

Ansonsten versuche ich möglichst kompakte Inline-Bleie zu verwenden, da hiervon meiner Meinung nach die allerbeste Hakmöglichkeit ausgeht, weil der Fisch sofort den Druck des Bleies bekommt und kein Spiel hat, wie etwa bei einer Montage mit einem Safety Clip. Generell fische ich „semi-fixed“, das heißt, dass der Karpfen, nachdem er sich gehakt hat, das Blei vom Wirbel schüttelt und ich somit weniger Gefahr laufe, den Fisch zu verlieren. Ist es mir durch extreme Wurfweiten oder hindernisreiche Gewässer nicht möglich, Inline zu fischen, verwende ich Saftey Clips und die beschriebenen Heli-Systeme. Saftey Clips bieten den Vorteil, dass ich das Gewicht verlieren kann. Dies ist mir besonders bei der Distanzangelei mit dem Boot wichtig, wenn ich hohe Bleigewichte (über 170 Gramm) verwenden muss, um die Montage auf der Rückfahrt nicht zu verziehen. Bei solch hohen Gewichten hätte der Fische leichtes Spiel, sich vom Haken zu befreien. In diesen Fällen greife ich aber lieber auf Steine zurück, um meinen Geldbeutel und die Umwelt zu schonen. Beim Werfen auf große Distanzen verwende ich ausschließlich Helicopter-Systeme in Kombination mit einem steifen Vorfach. Dieses Set Up ist frei von Verwicklungen und fliegt am weitesten, da das Blei voraus fliegt und dadurch das ganze System aerodynamischer ist, als beispielweise ein Safety Clip. Außerdem ist es schwierig für mich, auf sehr weiten Distanzen zu markern. Dadurch, dass ich nicht weiß, wie der Grund beschaffen ist, kann ich an meinem steifen Rig einen Wafter oder Pop Up fischen, wodurch der Wirbel beim Absinken an die obere Perle gleiten kann und sich das Rig bei unsauberem Untergrund einfach obendrauf ablegen kann. Auch bei schlammigen Gewässern setze ich aus den genannten Gründen auf dieses System.

Besser Leader oder vielleicht doch einen Schlauch?

Ehrlicher Weise setze ich seit vielen Jahren ausschließlich Leader ein – oder eben eine „naked“ Montage. Ganz ehrlich – ich besitze einfach nicht die Geduld, meine Schnur durch einen Schlauch zu fädeln. Außerdem habe ich mit meinen lead free (bleifreien) Leadern noch keine negativen Erfahrungen gemacht, warum sollte ich also Tube fischen? Ich splice meine Leader mit zwei Schlaufen, so kann ich das Bleisystem eines montierten Leaders später noch ändern. Für mich einer der größten Vorteile gegenüber Schlauch. Heutzutage gibt es zwar Tungsten Tubes, also Schläuche, die sehr gut und auch wirklich sinken. Als ich jedoch anfing, auf Karpfen zu fischen, gab es lediglich die normalen Tubes. Diese hatten teilweise Luft eingearbeitet, weshalb diese Auftrieb erhielten und vom Grund abstanden. Die weichen Leader hingegen legen sich sauber auf dem Gewässerboden ab und passen sich außerdem hervorragend den Konturen an.

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„naked – why not?“

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Ist es mir möglich, durch dicke Schlagschnüre auf einen Leader zu verzichten, fische ich auch gern „naked“. Also knote ich den Wirbel direkt an das Ende der Schlagschnur. Ich möchte so wenige Knoten wie nur möglich auf meiner Schnur haben, da Knoten in der Regel immer den Schwachpunkt einer Schnur darstellen (ausgenommen aufgeraute Schnur). So kann ich Knoten vermeiden. Außerdem fische ich gern nackt, wenn ich mit der oben angesprochenen Tapered Mainline auf weite Entfernungen werfen muss, da hier das Endstück meist mehr als 0,50 mm Durchmesser hat.

So leicht wie möglich, so schwer wie nötig – Bleigewichte

Wie der ein oder andere oben bereits herausgelesen hat, fische ich sehr gern leichtere Bleie. Ich habe einen sehr hohen Glauben daran, dass vor allem große, erfahrene Karpfen durch das Kopfschütteln, wie auf einigen Unterwasser-DVDs zu sehen, den Haken förmlich herausschlagen können. Deshalb greife ich meist auf Bleie zwischen 100 und 120 Gramm zurück. Verwende ich Chod-Rigs, gehe ich auf Gewichte um die 2 oz (ca. 57 Gramm) runter, da mein Vorfach extrem kurz ist. Lege ich mit dem Boot ab und die Umstände erlauben ein Inline-System, verwende ich in der Regel 140 bis 170 Gramm. In allen Situationen, in denen ich Gewichte über 170 Gramm verwenden muss, greife ich, wie gesagt, auf Steine am Safety Clip zurück.
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„Statt auf Blei, setze ich durchaus auch mal auf einen Stein als großes Gewicht“

Die letzten Zentimeter – meine Rigs

In Ausgabe 17 habe ich geschrieben, dass ich zu 90% auf zwei Rigs setze. Bedingt durch neue Gewässer habe ich auch meine Rigs anpassen müssen. Da ich jetzt weit werfen muss, setze ich mittlerweile gern das German Rig aus Fluorocarbon ein. Vorteil ist, dass ich dieses Rig an meinen klaren Baggerseen, sowie beim Distanzangeln an den Stauseen meiner Region verwenden kann – egal an welches Gewässer es mich verschlägt, ich habe immer das richtige Rig dabei. Außerdem kann sich dieses Vorfach aufgrund der Steifheit nicht so schnell verwickeln und resettet sich nach Weißfischattacken und liegt so immer gestreckt am Grund. Ein weiterer Vorteil ist, dass es sich extrem schnell binden lässt. Meine favorisierten Hookbaits sind an dieser Stelle Wafter bzw. andere ausbalancierte Köder. Für Pop Ups verwende ich nach wie vor mein geliebtes Multi Rig, da ich hier den Haken im Handumdrehen wechseln kann. Am liebsten setze ich es beim Stalken oder bei Kurzsessions in Verbindung mit einem Heli-System ein. Generell bleibt zu sagen, dass ich nach wie vor Wert auf einfache, aber der Situation angepasste Rigs lege und nicht, weil das Rig gerade cool ist und überall promotet wird.
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Die berühmte Safe Zone

Natürlich soll unser Endgame so ausgelegt sein, dass es für die Fische nicht wahrnehmbar ist. Es soll um unsere Montage eine sogenannte „sichere Zone“ entstehen, in der es für die Karpfen keinen Grund zur Panik gibt. Um diese zu gewährleisten, greife ich, wie oben beschrieben, an klaren Gewässern auf Fluorocarbon zurück. Zusätzlich senke ich die Schnur mit Absenkbleien ab, sofern es die Struktur des Gewässers zulässt. Habe ich beispielsweise eine Krautbank zwischen Spot und Angelplatz, so drücke ich die Rutenspitze nach dem Auswerfen für einige Minuten unter Wasser, damit sich die Schnur darauf ablegen kann. In solch einer Situation fische ich leichte Bobbins und lasse die Schnur durchhängen. Absenkbleie könnten die Schnur in diesem Fall unter Umständen beispielsweise in Wurzelwerk ziehen.

„Ruten runter. Schnur absenken. Aufpassen!“

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Vertrauen fängt – never change a winning team

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass ich meinem Material seit Jahren vertraue, da ich positive Erfahrungen hiermit gesammelt habe. Jedoch ist es manchmal erforderlich, die Bleisysteme und Rigs an neue Gewässer oder auch an einen Zielfisch anzupassen. Dies ist wichtig, da man schließlich nicht auf einer Stelle stehen sollte, sondern immer nach Verbesserung streben sollte. Alle Änderungen, die ich an meinen Rigs vornehme, tätige ich nicht aus Langerweile oder weil ein anderer Angler genauso fischt, sondern weil ich durch bestimmte Umstände dazu gezwungen werde.

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„Probier etwas aus, mach positive Erfahrungen und gib Neuem die Chance, dein Vertrauen zu gewinnen!“

Wichtig hierbei ist, die Schritte nacheinander zu gehen. Habe ich beispielsweise Aussteiger oder schlecht gehakte Fische, verkürze oder verlängere ich im ersten Schritt mein Vorfach. Lässt die Situation einen Wechsel des Bleisystems zu, ist dies mein zweiter Schritt. Erst als nächstes passe ich dann nacheinander Hakenmodell, Hakengröße oder die gesamte Köderpräsentation an. Je nachdem, welche Komponente schwerer wiegt, entscheide ich, was angepasst wird. Meist sind so viele Schritte aber gar nicht notwendig. Mehrere Komponenten in einem Schritt würde ich nicht wechseln, denn dann habe ich keinen Rückschluss, welches Teil nun der ausschlaggebende Punkt war. Somit würde ein Lerneffekt ausbleiben.

Vielleicht habe ich euch dazu animiert, euch in Zukunft auch mehr Gedanken über euer Endtackle zu machen. Vielleicht konnte ich auch jemanden helfen oder jemand hat andere Erfahrungen und Herangehensweisen. Lasst es mich wissen, sehr gern können wir uns austauschen.

Zuletzt wünsche ich euch viel Erfolg für die kommende Saison.