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Die scheuen
Nomaden meiner
Heimat

Erfahrungen von Younes Gonzalez
9 Minuten Lesezeit

Es ist Winter und meine persönliche anglerische Depression ist auf einem Höchststand. Es ist wohl die schlechteste Zeit, um Abenteuer zu erleben. Diese Zeit ist auch in meiner Heimat Frankreich äußerst unproduktiv. Jeder, der ähnlich intensiv unterwegs ist wie ich, kann nachvollziehen, wie ich mich im Winter fühle. Ich will raus, doch die Aussichten auf Erfolg sind miserabel. Und doch gibt es einen kleinen Funken Hoffnung in mir. Unter bestimmten Voraussetzungen funktioniert meine Angelei auch im Winter bzw. im frühen Frühjahr. Den Fehler, an unbekannte Gewässer zu fahren, sollte man dabei allerdings nicht begehen.

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Wer nur eine gute Zeit am Wasser erleben will, vielleicht einige ganz besondere Gewässer befischen möchte, an denen zur wärmeren Zeit wesentlich mehr los ist, der hat jetzt die Chance, dies zu tun. Doch die Fangaussichten sind oft schlecht und ergeben selten einen Sinn, um besondere Gewässer zu befischen. Stattdessen sollte man sich auf das konzentrieren, was vor der Tür liegt. Ich rate dir, probier es an den Gewässern, die dir gut bekannt sind und versuche hier, die maximalen Erfolgschancen zu erreichen. Du kennst die Gewässer, du weißt eventuell, wo sich die Fische aufhalten und die Locations sind dir bestens bekannt. Von Gewässerstrukturen einmal ganz zu schweigen. Dabei ist es meiner Meinung nach vollkommen egal, ob du am Fluss, an einem Kanal, einem großen See oder einem kleinen Baggersee fischst. 

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Sammle Informationen an deinen Gewässern und mach sie dir in kritischen Situationen zu Nutze – so kannst du auch im Winter oder im Frühjahr erfolgreich sein

Kennst du die Strukturen und die Verhaltensweisen der Fische, steigen deine Chancen extrem an. Du weißt einfach, wo du es zu welcher Zeit probieren solltest und welche Methoden weniger Fische bringen. Das, was du dir an Wissen in den warmen Monaten aneignest, kannst du dir im Winter oder auch im Frühjahr zu Nutze machen. Sammle deine Informationen, verarbeite und speichere sie und wende sie in kritischen Situationen an deinem Gewässer an. Genau dies, also die Verknüpfung von Erfahrungen, machen dich zu einem erfolgreichen Angler, auch dann, wenn alle anderen Angler keine Fische überlisten. Am Ende ist es ein Stückchen auch die Liebe zum Detail, die den Unterschied machen wird. Das gilt im Übrigen für jede Zeit, nicht nur in der kritischen Frühjahreszeit.

Ich kann es nicht lassen

Obwohl ich die vielen Dinge sehe, die gegen eine Session sprechen, versuche ich es dennoch. Ich kann es einfach nicht lassen und je öfter ich Einsatz und Ergebnis gegeneinander rechne, desto weniger hat die Aussichtslosigkeit ein Gewicht. Ich muss es einfach versuchen und das Flair der aufgehenden Sonne nicht nur auf Fotos und Videos verfolgen. Ich muss es live erleben und die Ruhe am Wasser genießen. Zu dieser Zeit ist es unglaublich still am Wasser. So verhalte ich mich übrigens auch immer. Das ist wichtig, denn die Fische werden schnell gestört und verlassen das Gebiet, das im Winter unter Umständen stärker Gewicht findet, als es z.B. im Sommer ist. Sind die Fische einmal weg, kommen sie so schnell nicht wieder.

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Kleinste Vibrationen sind ausschlaggebend

Wie stark sich Bewegungen am Wasser auf den Fangerfolg auswirken, erlebte ich schon in vielen Fällen. Ich verharrte am Ufer, bewegte mich kaum und dennoch bemerkten mich die Fische. Ich war getarnt, die Fische hätten mich nicht erkennen können, nur eine kleine Bewegung war es, die mein Gleichgewicht beeinflusste. Ich versetzte meinen Fuß und löste damit Vibrationen aus, die sich auf die Fische übertrugen. Diese kleinen Bewegungen können entscheidend sein. Das gilt für das Zuschlagen von Autotüren, das Ablegen von Zelt und Tackle bei der Ankunft und übertragen sich bis auf den Futtereimer, den man unsanft ins Boot stellt. All diese Bewegungen können Fische vertreiben, weshalb ich mich schon seit langer Zeit sehr vorsichtig und mit Bedacht am Wasser bewege. Ich rate es dir und kann nur sagen, dass es sich auf meinen Fangerfolg ausgewirkt hat, besonders dann, wenn ich in unmittelbarer Ufernähe fische oder meine Ruten direkt vor den Füßen platziere.

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Zu viele Boote – das war´s!

Ich gehe weiter auf dieses Thema ein. In der Ruhe liegt die Kraft, das wird leider oft vergessen. Stattdessen poltern wir wie ein Elefant im Porzellanladen am Ufer herum und verstören uns den Traum vom großen Erfolg quasi selbst. Auch der Einsatz eines Bootes verunsichert die Fische oftmals. Besonders dann, wenn die Fische im Grunde genommen nur die Boote von uns Karpfenanglern kennen. Die Verknüpfung von Gefahrenpotenzialen lässt die Fische dann vorsichtiger sein. Ich bevorzuge den Ruderschlag, ziehe dies dem Einsatz eines Motors vor. Auch beim Einsatz von Echoloten kann man Unterschiede feststellen. Ich bin der Meinung, dass es die Fische verschreckt, wenn man laute Echolotsignale sendet. Alles in allem versuche ich mittlerweile den Einsatz eines Bootes stark zu reduzieren. 

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Bin ich vor Jahren noch vor Langeweile manchmal mit dem Boot herumgefahren und habe die Fische gesucht, versuche ich mich heute auf das Wesentliche zu konzentrieren. Oft nutze ich heute mein Futterboot. Auch hier muss man den Einsatz stark reduzieren, aber es verursacht deutlich weniger Bewegungen und Aufmerksamkeit, als ein großes Schlauchboot. Mein Schlauchboot versuche ich tatsächlich nur zur groben Location einzusetzen, oder aber um Bereiche zu erreichen, auf die ich ansonsten nicht zugreifen könnte. Oft nutze ich in der Vorbereitung einen Deeper Pro+, der mir besonders an neuen Gewässern oder an neuen Spots einen raschen Überblick über Struktur und Tiefenprofil geben kann. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass mir mehr Ruhe auch mehr Fisch bringt und ich mit der Reduzierung von Geräuschen und Wasserbewegungen schneller zum Fischerfolg kam.

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Abstand nehmen – der Schritt zurück

Lärm und Gestampfe können dazu führen, dass sich Fische aus deinem Bereich entfernen und erst zurückkehren, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist. Meist bist du dann schon gar nicht mehr am Wasser. Das merken die Fische natürlich. Denn jede Bewegung, jedes Geräusch außerhalb des Wassers überträgt sich mal mehr, mal weniger auf das Verhalten unserer Zielfische. Ein Tipp dazu – bau dein Camp nicht direkt am Ufer auf, sondern verziehe dich etwas weiter in den Rückraum deines Platzes. Nimm Abstand zum Wasser, bau nur deine Ruten auf und lass den täglichen Trubel im Camp in einigem Abstand zum Wasser stattfinden. Es wird deinen Erfolg beeinflussen – da bin ich mir sicher!

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Lärm führt dazu, dass sich die Fische aus deinem Spot entfernen. Dein Camp sollte deshalb nicht direkt am Ufer aufgebaut werden

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Lichtquellen reduzieren – Vorsicht ist geboten

Ein schnelles Ende des Fangerfolges kann es nehmen, wenn deine nächtlichen Aktivitäten von großer Beleuchtung begleitet werden. Die Lichtstrahlen durchdringen die Oberfläche und sorgen für Misstrauen. Rotlichtfunktion helfen, um das helle weiße Licht zu reduzieren. Oftmals reicht das rote Licht bereits, um die wichtigsten Dinge zu tätigen. Klar, im Drill schalte auch ich das Licht ein. Dann aber habe ich bereits den Fangerfolg kurz vor dem Kescher. Das ist dann okay für mich. Doch immer dann, wenn ich noch darauf hoffe, dass die Fische an meinen Platz kommen, versuche ich den nächtlichen Lichteinsatz stark zu reduzieren oder bewusst so einzusetzen, dass die Lichtstrahlen nicht auf die Wasseroberfläche treffen.

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Weniger Schnüre im Wasser

Schauen wir uns ein Thema an, das immer dann eintritt, wenn viele Angler am See sind. Besonders hier in meiner Heimat Frankreich ist der Angeldruck teilweise sehr hoch. Man darf hier bei uns bekanntermaßen mit 4 Ruten fischen, was die Sache dabei nicht unbedingt einfacher macht. Ich habe gemerkt, dass es manchmal sogar effektiver ist, mit weniger Ruten zu fischen. Ich nutze manchmal sogar nur 2 Ruten. Je mehr Schnüre sich im Wasser befinden, desto stärker spannen wir die Gewässer ab. An sehr großen Gewässern ist das noch okay, weil sich hier der Angeldruck verteilt. Doch an kleineren Gewässern wird diese Taktik auch praktiziert. Bei 4 Ruten pro Angler kannst du dir vorstellen, wie sich das Spinnennetz aus Schnüren unter Wasser ausprägt.

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Karpfen scheuen sich vor Schnüren – manchmal ist es daher effektiver, mit weniger Ruten zu fischen

Du hast sicherlich schon einmal davon gehört, dass Karpfen bei Schnurberührungen argwöhnisch werden können oder sich sogar erschrecken. Wie sehr dieses Thema tatsächlich gewichtet wird, erkenne ich immer wieder, wenn am Wochenende an den Gewässern sehr viel los ist. Die Gewässer sind wie ausgestorben. Kein Biss. Kein Fisch. Keine Aktion. Ich führe dies auf die vielen Schnüre und abgespannten Bereiche zurück. Im Übrigen verwende ich unauffällige Schnüre wie z.B. Flurocarbonschnüre von RidgeMonkey, um nahezu unsichtbar zu sein. Einfluss darauf nehme ich natürlich nur bei mir selbst, was andere machen bleibt ihnen überlassen. Somit kann ich nur bei mir das „Spinnennetz“ reduzieren und hoffen, dass sich meine Angelei dadurch verbessert. Sind keine Hindernisse vorhanden, so fische ich gern mit sinkenden Schnüren, sind besonders viele Hindernisse im Gewässer, setze ich Subfloats von Carpspot ein. Auch so reduziere ich die sich im Wasser befindlichen Schnüre und versuche so, den Angeldruck etwas zu reduzieren.

Futtermengen – füttere weniger, dafür nur gutes

Gutes Futter ist essentiell für meine Angelei. Zum einen habe ich nur Vertrauen in Dinge, die wirklich gut sind, zum anderen danken es mir die Fische mit nachhaltiger Akzeptanz und schnellen Erfolgen. Besonders die scheuen Nomaden meiner Heimat stehen unter großem Angeldruck und werden oft beangelt und natürlich auch gefangen. Die Fische lernen immer mehr und lassen sich immer schwieriger fangen. Man muss sich immer wieder neue Taktiken und Strategien ausdenken und darf auf keinen Fall alte Vorgehensweisen übernehmen oder genauso fischen, wie es alle anderen tun. Ich setze deshalb in bestimmten Situationen sehr kleine, dafür aber hochattraktive Futtermengen ein. Ich pimpe sie und treibe die Lockwirkung bis zum Maximum. Alles, um mit möglichst wenig Futter, möglichst viel zu erreichen. Während andere Kiloweise Futter in das Gewässer schaufeln und durchaus auch Fische fangen, mache ich mir diese Taktik zu Nutze, setze auf kleinste Futtermengen und hoffen, dass die großen Nomaden vom Trubel großer Futterplätze gestört werden und das Futter lieber in Ruhe an meinen Plätzen aufnehmen. Ein Versuch ist es Wert und ausgezahlt hat sich diese Taktik schon sehr oft.

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Ändere deine Strategie – im Gegensatz zu vielen anderen Anglern setze ich auf kleine, dafür aber hochattraktive Futtermengen

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Ich setze dabei gerne auf das Trigga Konzept von Nutrabaits. Jahrzehntelange Erfahrung sind in die Entwicklung dieser Serie geflossen und münden heute in ein absolutes Stand-alone-Konzept. Die Menge, die bei mir dann zum Einsatz kommt, beläuft sich auf 500 Gramm bis 1 Kilogramm je Rute. Manchmal ist es aber viel weniger und ich setze auf die berühmte Handvoll. Wie die Fische darauf reagieren, kann ich ideal mit dem Aquascope feststellen, in dem ich die Plätze bei einem Neuauslegen kontrolliere. Futterboote mit Kameras eignen sich ebenfalls und bieten eine echte Alternative, weil man auch größere Tiefen begutachten kann. Ist das Futter gefressen worden? Liegt mein Hookbait noch an passender Stelle und viele weitere Fragen, lassen sich so ideal beantworten.

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