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Überspitzt

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spitzt

Ein Artikel von Tobias Steinbrück

6 Minuten Lesezeit

Kaum hat der Fisch den Köder eingesaugt, fliegt dieser im hohen Bogen auch schon wieder aus dem Maul. Wir haben den „Elfmeter“ verschossen. Wir haben nichts davon bemerkt, lange auf genau diesen Moment gewartet, Zeit, Mühe, Geld und Hoffnung investiert.

Unser Rig war nicht in der Lage, den Haken zu setzen. Das Vorfachmaterial war evtl. zu dick, nicht weich genug und so konnte der Haken sich nicht schnell genug drehen. Zumindest nicht in jenem Bruchteil der Sekunde, auf den es eben in diesem Moment der kurzen Köderaufnahme ankommt. Wäre der Karpfen in einem richtigen Fressmodus gewesen, hätte der Haken sicher in der Unterlippe Halt gefunden.

Kanste abhaken

Aber die Fische sind zu oft nicht im ungehemmten Fressmodus. Zu viel Futtereintrag lässt sie kaum noch hungrig sein, zu viel Angeldruck lässt sie vorsichtig werden. Was vor vielen Jahren noch des öfteren gut funktionierte, funktioniert heute nur noch selten. Als Angler suchen wir oft Lösungsansätze für solche Phänomene. Liegen die ausbleibenden Erfolge am Köder oder am Angelplatz? Doch ist dem wirklich immer so? Schon allein die Tatsache, dass die Mäuler der Fische immer härter werden, wenn sie oft gefangen werden, zeigt uns, dass mit zunehmendem Alter der Fische und steigendem Angeldruck die Sache „überspitzt“ gesagt nicht einfacher wird. Der Anspruch an Rigmechanik und Hakenspitze steigt, wenn wir die größtmögliche Bissquote rausholen wollen.

Der Anspruch an unsere Haken muss steigen, wenn wir größtmöglichen Erfolg haben möchten

Am Echo Pool hatte ich ein weiteres Phänomen

Klaus Trautmann erzählte mir nach seinem Badger´s Holt-Trip (ein kleines kommerzielles Gewässer), dass sich die Fische nach dem Haken kaum zu bewegen scheinen. Sie würden auf der Stelle stehen bleiben und die Haken wieder abschütteln. Aus diesem Grund sei dringend von Slack Line, also angeln mit schlaffer Schnur, abzuraten.

Ich schmunzelte etwas aber behielt diese Info im Hinterkopf. Am Echo Pool herrschen ähnliche Verhältnisse. Ich spannte die Schnüre vorsichtshalber. In der Tat wippte am dritten Tag die Rutenspitze vorsichtig. Der Hanger wackelte etwas. Ich nahm die Rute zügig auf und hatte kurze Zeit später Gordon, einen der größten Fische des Gewässers, im Netz. Wer hätte gedacht, dass dieser Fisch mit über 32 Kilo auf der Stelle stehen bleibt? Ich hätte eher einen Schnurschwimmer vermutet aber durch Klaus´ Tipps bewertete ich die Situation Schnurschwimmer als Biss. Hättest du es auch so gesehen?

Was wir wissen

Karpfen verfügen über die Möglichkeit, unsere Rigs nach der Köderaufnahme auszublasen ohne gehakt zu werden. Karpfen sind in der Lage, einen gesetzten Haken wieder abzuschütteln, ohne dass wir davon Notiz nehmen.

Was können wir dagegen tun?

Aus meiner Sicht ist ein überspitzter Haken, also ein nachgeschliffener Haken mit einer deutlich dünneren Spitze als die industriell vorgefertigte Variante, verantwortlich für ein tieferes Eindringen bei minimalem Gegenzug. Je dünner und spitzer ein Haken ist, desto schneller kann er im Maul eines Karpfens halt finden. Selbst wenn er die Hakenspitze nur leicht berührt, ist die Möglichkeit des „Klebenbleibens“ gegeben.

Nachgeschliffene Haken mit dünner Spitze finden im Maul eines Karpfens deutlich schneller Halt

Risiken und Nebenwirkungen bei nachgeschliffenen Haken?

  • Haken werden schneller stumpf/ steigender Materialbedarf
  • der Haken findet ab und an auch in Bereichen außerhalb der Unterlippe halt, dies kann die „Ausschlitz-Quote“ erhöhen
  • hoher Arbeitsaufwand
  • finanzieller Mehrkostenaufwand (Schleifgeräte, Hakenverbrauch)

Vorteile

  • höhere Bissfrequenz
  • schwierig zu fangende Fische sind wieder „erreichbarer“
  • Haken können Wiederverwendung finden, indem sie neu „aufpoliert“ werden

Wo und wann machen nachgeschliffene Haken Sinn und wann nicht?

Gewässer mit Lehmböden oder gar weichen, schlammigen Böden sind sehr gut geeignet für den Einsatz nachgeschliffener Haken, hier bleibt die Spitze erhalten. Gewässer mit hartem Dressureffekt, also starkem Angeldruck, können mit nachgeschliffenen Haken ebenfalls erfolgreicher beangelt werden. Karpfen mit harten Mäulern haken sich zudem mit überspitzen Haken besser.

In Fließgewässern oder auch Gewässern mit sehr steinigen Böden erwiesen sich hingegen als ungeeignet für „überspitzte“ Haken, weil sie zum Teil zu schnell Beschädigungen an der Hakenspitze aufweisen.

Das Einsatzgebiet für nachgeschliffene Haken ist vielfältig

Pure Geldverschwendung

„Bevor ich mir was zum Schleifen kaufe, hole ich mir lieber für das Geld ein paar Packungen Haken extra.“

Wie oft habe ich diesen Satz immer wieder gehört? Klar kann ich jeden Angler verstehen, der eine kostenaufwändige Neuanschaffung kritisch betrachtet. Haken aus der Packung sind fangfähig auch ohne nachschleifen. So eingesetzt können sie bis zur Erschöpfung der Hakenspitze eingesetzt werden. Meist tritt eine deutliche Abstumpfung der Spitze zeitnah ein. Wer die Haken erst dann nachschleift, ist in der Lage, sie noch besser zu machen als sie bereits im Vorfeld (aus der Verpackung) waren. Mit dem Hook Doctor brauchst du also bei diesem Einsatz nur noch die Hälfte an Haken und Vorfachschnur. Obendrein müssen nicht so oft Rigs neu geknotet werden. Zeit und Kostenersparnis trotz Neuanschaffung, wenn man es überspitzt darstellt.

Die Anwendung des Hook Doctor ist selbst für diejenigen, die ungeübt im Nachschärfen von Haken sind, super easy

Infos zum Hook Doctor

  • Akku hält für über 100 Haken
  • Akku mit USB aufladbar
  • Hakenschleifen ist für Jedermann ein Kinderspiel (auch ohne Übung und handwerkliches Geschick)
  • Schleifstein auswechselbar