Im Dialog: Matthias Plöger

 

twelvefeet ausgabe21 matthiasploeger 236 - Wie viel Schnick Schnack braucht es wirklich?

Hier noch einen Rig Ring, dort einen Schlauch, ein wenig Tungsten, den Kicker nicht vergessen. Hast du das richtige Hooklink-Material? Ummantelt, uncoatet, Flourcarbon, weich, flexibel, semi stiff. Ein Overkill, sondergleichen.

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Wer heute noch Standard-Rigs fischt, scheint ein Exot zu sein. Man muss schon ein Experte sein, um die vielen verschiedenen Komponenten zu einem High-Performance Hooklink zusammenfügen zu können. Aber ist komplizierter auch gleichzeitig besser und vor allem fängiger? Oder spielen wir nur der Endtackle-Industrie in die Karten und machen das Thema Rigs viel größer, als es eigentlich ist? Wir haben uns mit Matthias Plöger getroffen, ein paar Stunden mit ihm zusammen gefischt und seinen Standpunkt zum Thema Rig Schnick Schnack abgefragt. Wie viel Schnick Schnack braucht es in deiner Tacklebox und am Ende deiner Hauptschnur eigentlich? Think about – und entscheide für dich selbst.

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Das Thema Rigs beschäftigt uns alle – den einen mehr, den anderen weniger. Zu welcher Fraktion gehörst du? Machst du dir viele oder eher wenige Gedanken, ob aktuell das richtige Rig an deinem Bleisystem baumelt?

Was das Thema Rigs angeht, hat sich bei mir in den letzten Jahren nicht wirklich viel verändert. Natürlich finde ich dieses Thema super interessant und ich verfolge die Entwicklung aufmerksam, aber wirklich verrückt mache ich mich deswegen nicht. Ich hatte mal eine Zeit, in der ich sehr viel ausprobiert habe, aber ich habe für mich festgestellt: je einfacher das Rig gestaltet wird, desto mehr Vertrauen habe ich darin. Und mehr Vertrauen bedeutet für mich besser, zu angeln.
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Du hast also ein, vielleicht zwei Rigs, auf die du in allen Situationen deiner Angelei setzt? Gibt es Ausnahmen oder Zeiten, wo du davon abweichst?
Im Grunde fische ich sogar nur ein Rig, das ich auf die verschiedenen Situationen anpasse. Ich verändere lediglich die Gesamtlänge und die Haarlänge des Rigs, um es an die Hakenköder und die Situation anzupassen. Wenn ich zum Beispiel stalken gehe, fische ich extrem kurze Vorfächer, da mir aufgefallen ist, dass die Fische tagsüber im Flachwasser meist sehr viel vorsichtiger fressen. Dann möchte ich, dass die Fische nicht viel Zeit haben, den Haken wieder auszuspucken. Im Fluss hingegen verwende ich extrem lange Vorfächer, da ich dort nie genau weiß, welche Untergrundgegebenheiten herrschen. Außerdem haben die Fische im Fluss ein ganz anderes Fressverhalten. Die Fische können sich dort nicht zweimal überlegen, ob sie den Köder fressen oder nicht und aus diesem Grund fressen die Fische dort viel unvorsichtiger und aggressiver.
Es gibt unzählige Rigvarianten und Kombinationsmöglichkeiten, von dem Angebot an Anbauteilen mal ganz zu schweigen. Jetzt mal Hand aufs Herz, was davon ist deiner Meinung überhaupt wichtig und fangentscheidend und was ist Schnick Schnack?
Ich denke bei den Rigvarianten muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Es gibt viele verschiedene Rigs, die allerdings aus meiner Sicht genau gleich gut funktionieren. Vertrauen ist da ein ganz wichtiger Aspekt. Der eine findet ein monofiles Vorfachmaterial besser und der andere setzt komplett auf beschichtetes geflochtenes Material. Der eine setzt voll und ganz auf die eine Hakenform, der andere setzt auf die andere Hankenform. Was das angeht, sollte jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln, denn fangen tun sie meiner Meinung nach, in den verschiedenen Situationen richtig eingesetzt, alle ähnlich bis gleich.
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Ich denke schon, dass es die ein oder anderen Anbauteile gibt, die ein Rig mehr oder weniger fängig machen. Allerdings sollte man darauf achten, dass man sich nicht zu sehr an den Ideen großer Firmen orientiert. Diese Firmen sind nun einmal dazu ausgelegt, Umsatz zu machen und das passiert nur, wenn sie uns Anglern so viele Anbauteile wie möglich verkaufen. Ich fahre da eher die Schiene „Keep it simple“. Ich setze auf solide Anbauteile, auf die ich mich verlassen kann. Der Haken sollte scharf sein, aber nicht so eine dünne Spitze haben, dass ich ihn nach jedem Fisch wegschmeißen muss. Für mich ist es völlig ausreichend, wenn ich meine Haken nach jedem Fisch mit der Feile ein wenig nachschärfe und der Haken auf diese Art ein paar Fische aushält. Das Vorfach sollte nach dem Ausbringen der Montage gestreckt auf dem Grund liegen und sich beim Auswerfen nicht verknoten. Es gibt einige Anbauteile, die diese Faktoren ermöglichen und diese verwende ich dann auch. Mehr aber wirklich auch nicht.

Wie denkst du über Trend-Rigs? Denkst du hin und wieder auch „out oft he box“, probierst du sie aus oder setzt du auf das, was sich in seiner Angelei seit vielen Jahren bewährt hat?
Natürlich muss ich sagen, dass ich den einen oder anderen Ansatz sehr interessant finde. Gerade das Thema Pop Up Montagen interessiert mich, da ich zugeben muss, dass ich eine für mich zuverlässige Pop Up Montage bis heute nicht gefunden habe. In diesem Bereich probiere ich gerne ein wenig herum, aber meistens wechsele ich nach ein paar Stunden wieder zu meinem Standard-Rig, da mir einfach das Vertrauen fehlt. Mir gefällt die Idee des Ronnie-Rigs (360 Grad-Rig), das ja gerade in aller Munde ist. Nur wenn ich mir angucke, wie viele Anbauteile ich dafür brauche, weiß ich, warum es gerade durch alle Medien geht und von den Firmen so gehypt wird. Aber ja, ich lasse mich, was meine Pop Up Montagen angeht, gerne inspirieren, probiere Sachen aus und versuche, sie auf mein Angeln anzupassen. Jedoch fische ich eigentlich überall meine simplen Standard-Rigs, da ich mit ihnen die besten Erfahrungen gesammelt habe. Keep it simple!
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Irgendeinen Grund muss es doch haben, dass manche Rigs vermeidlich bessere Ergebnisse liefern. Wie groß, denkst du, ist der Anteil des Endtackles am späteren Erfolg? Machst du dir darüber Gedanken?
Ich denke schon, dass Kleinigkeiten am Rig in bestimmten Gewässern über Erfolg und Misserfolg entscheiden können. Jedes Rig hat in irgendeiner Art und Weise seine Daseinsberechtigung, nur man muss sie auch richtig einsetzen. Ich denke eher, dass Rigs nur dann schlechter fangen, wenn sie falsch eingesetzt werden. Zum Beispiel ist das „German Rig“ eine super Montage, um kleine Köder anzubieten. Es ist in meinen Augen aber komplett falsch, wenn ich zwei 20 mm Boilies als Hakenköder fischen möchte. Ich liebe die Funktionalität des Combi Rigs, nur ist mir das Binden viel zu umständlich und mich stören die weiteren Knoten zwischen mir und dem Fisch. Ich denke, dass es am wichtigsten ist, sein Rig an die Situation anzupassen oder eine Montage zu fischen, die am vielfältigsten einsetzbar ist.
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Würdest du auf Fertig-Rigs setzen, oder ist das ein No-Go für dich?
Ich finde es an sich nicht schlimm, wenn jemand Fertig-Rigs fischt, nur finde ich es einfach sinnvoller, sie selbst zu binden. Ich kann meine Vorfächer viel leichter an jede Situation anpassen und das ist mir sehr wichtig. Zudem sind Fertig-Rigs in der Regel viel teurer als die paar Teile, die ich für meine Rigs benötige. Außerdem gibt es mir schon irgendwie mehr, wenn ich meine Fische auf selbst gebundene Rigs fange.
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Was kannst du Lesern raten, die im Thema Rigs noch nicht so klar und fokussiert sind und vielleicht gar nicht wissen, welches Rigs überhaupt standardmäßig gut funktioniert?
Ich kann jedem nur raten, seine Vorfächer am Anfang so simpel wie möglich zu gestalten. Ein guter Haken und ein stabiles Vorfachmaterial, mehr braucht es in meinen Augen am Anfang nicht. Mit der Zeit kann man dann verschiedene Sachen ausprobieren und testen, ob sich diese positiv auf den Erfolg auswirken. Ich bin seit Beginn meiner Angelei so gefahren und kann es nur so weitergeben. Ausprobieren, Erfahrungen machen und sie richtig deuten, um danach dann die passenden Schlüsse zu ziehen. Misserfolge gehören dazu, daraus kann man nur lernen!