Das Longrangeangeln ist eine besondere aber auch sehr umstrittene Art der Angelei. Man hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Es beginnt mit der richtigen Spulengröße, der angepassten Schnur und nicht zuletzt die Spinnangler bzw. Mitangler am Gewässer, die uns schnell einen Strich durch unsere Angelei machen können. Gegenseitige Rücksichtnahme ist im letzteren Fall das Zauberwort. Ich selbst bin kein Liebhaber dieser Angelei, gerade wegen des hohen Aufwandes und dem Ärger, den sie bereiten kann. Allerdings ist es für mich in den Weiten der großen Flachlandseen eine oft notwendige Taktik. Viele erfolgversprechende Spots sind dort nun mal weit entfernt. Die erste spürbare Kante von 2 auf 4 Meter verläuft dort teilweise erst bei 700 m Entfernung. Aber Longrange ist, wie ich finde, individuell zu sehen. So ist Longrange für mich auch, an einem Baggersee mit 5 ha zu sitzen und diesen komplett mit Ruten zu bepflastern. Also halten wir fest, Distanzen ab 300 m zählen für mich zur Longrangeangelei. Ich habe euch ein paar Dinge zusammengestellt, auf die ich entweder nicht verzichten kann oder sie stets beachte…

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Das richtige Boot

Das wichtigste: Ein richtiges Boot. Rudern auf diese Distanz ist Mord und der Schnurbogen später brachial. Herrscht Ententeichstimmung, ist das kein Problem. Doch schon eine leichte Brise führt zu großen Problemen. So verwende ich möglichst große Motoren. An den riesigen Seen, an denen es erlaubt ist, auch gern einen Benzinmotor. Mit dem komme ich schnell in Gleitfahrt und schaffe große Distanzen zurück ans Ufer in weniger als einer Minute. Die Schnur fliegt dann nur so von der Spule und man muss sehr aufpassen, dass sich hier nichts verhakt oder verheddert.

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Die Schnur muss stimmen

Apropos Schnur. Da sind wir gleich beim nächsten Thema. Die Schnur ist abhängig von den Gewässern, die ihr beangelt und den zu überbrückenden Distanzen. So bekomme ich 300 m Mono noch ganz gut auf viele Spulen. Bei 500 m sieht das schon wieder anders aus. Ich stieg vor geraumer Zeit daher auf sinkende geflochtene Schnur um. Sie ist sehr dünn fischbar und ich bekomme so bis zu 800 m auf meine Spule.

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Sinkende Schnur ist an großen, windanfälligen Seen das Non plus ultra. Nicht nur, weil ich, wenn sie gesunken ist, jeder Zeit darüber fahren kann, sie hilft mir auch bei stetigem Bootverkehr und Spinnanglern. Nur sehr selten schafft es ein großes Boot oder ein super genauer Werfer, meine Schnur zu erwischen und mir so einen Fullrun zu bescheren. In diesen Fällen nützt es allerdings nichts gleich auszurasten und wild rumzuschreien. Ich selbst habe mir das Problem eingefangen und muss mit den Konsequenzen rechnen. Habt dies bitte im Hinterkopf!

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Bei extremen Winden kann es schonmal sein, dass das Eigengewicht der Schnur nicht ausreicht und trotzdem einen Schnurbogen erzeugt. Da behelfe ich mir mit Sliding-Backleads. In diesem Fall werfe ich etwa in der Mitte der Strecke zusätzliche Gewicht aus und drücke die Schnur so auf den Grund. Sie fixieren die Schnur schnell am Grund und verhindern ein mögliches Verziehen der Montage am Spot.

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An geschlossenen Gewässerkomplexen hat man leichteres Spiel. Hier benutze ich gern schwimmende Geflochtene, die ich mit Backleads absenke. So liegt die Schnur sicher unter Wasser. Sie treibt allerdings trotzdem leicht auf und setzt sich nicht in Muschelbänken, Kraut oder Totholz fest. Die Gefahr besteht bei sinkender Schnur natürlich immer. Zum Absenken nutze ich ebenfalls Backleads, die ich zwischendurch auf die Schnur auffädele.

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Abschließend wäre zur Schnur noch zu erwähnen, dass man für den Fall eines Runs genügend Schnur auf der Rolle als Puffer benötigt. Einige wissen eventuell wovon ich rede. Oft ist es mir schon passiert, dass der neue Spot doch 20 m zu weit entfernt war und die Rute es nichtmal bis zum Pod geschafft hat. Pech gehabt, entweder ich spulte in diesen Fällen zusätzlich Schnur auf oder ich  legte die Montage erneut in weniger Distanz aus. Als Puffer solltet ihr in jedem Fall 50 m veranschlagen. Habt also immer noch genug Schnur auf der Rolle!

Schlagschnur – Darüber müssen wir sprechen!

Eine Schlagschnur ist bei diesen Distanzen ein Muss. Ich selbst musste auch so meine Erfahrungen machen und höre des öfteren von Freunden, dass sie ihre Schlagschnur zu kurz gewählt haben. Es gibt hier meiner Meinung nach drei Punkte zu beachten.

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  1. Wählt sie lieber eine Nummer dicker. Ich vertraue nur noch 0,70 mm Stärke und rund 50 m Länge. Damit bist du auf der sicheren Seite!
  2. Wenn ihr die Rute aufnehmt, macht keinen Druck. Bei Druck erhöht sich Reibung. Die Konsequenz ist eventuell ein schnelles Kappen der Schnur und der ungewollte Fischverlust. Ich fahre zum Beispiel nur noch ohne Druck zum Fisch und fange erst an zu drillen, wenn ich 10 m Schlagschnur auf der Spule habe.
  3. Montagenretter: Sollte mir doch mal die Schnur reißen, so verwende ich einen Montagenretter (Drillinge mit Bleigewicht an Schnur zum Hauptschnur finden). Diesen ziehe ich dann quer zu meinem Spot und versuche die Schnur zu finden. Vier mal habe ich dies jetzt schon geschafft und knotete beide Schnurenden wieder zusammen. Ich konnte tatsächlich alle schon verloren geglaubten Fische sicher landen und sie von der Schnur befreien.

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Hohe Bleigewichte – ohne Kompromiss

Aufgrund der hohen Distanz kann es vorkommen, dass die Schnur nicht einwandfrei von der Rolle fliegt. Auch der beschriebene Schnurdruck bei Wind kann dazu führen, dass sich der Köder bzw. die Montage verzieht. Für diesen Fall benutze ich ausschließlich hohe Bleigewichte mit 227 Gramm. Sie garantieren es nicht, aber sie helfen, dass Köder und Montage sicher am Grund liegen. Hohe Bleigewichte sind fast unverzichtbar bei großen Distanzen.

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Finde deine Spots wieder!

Einen guten Spot zu finden, ist die eine Sache. Nach einem erfolgreichen Drill den Spot auf weiter Wasserfläche wieder zu finden, eine andere. Hierbei hilft mir nicht etwa eine Boje. Nein, ich habe ein Echolot mit GPS. Darin speichere ich mir meine Spots ab und kann sie wenn gewünscht, bei jeder Wetterlage, ob Nebel, Nacht oder Sturm, wieder anpeilen. Ein echt cooles Tool. Hast du kein Echolot mit GPS, dann schau dir mal diese App an. Vielleicht hilft dir das erstmal weiter.

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Hab alles im Boot!

Die Distanzen sind riesig und es kostet Energie, Zeit und Nerven für jede Kleinigkeit ans Ufer zurück zu müssen. Auch nach einem Drill ist es eigentlich keine Option, den Fisch an der Bordwand zu halten, um mit dem Außenborder schnell wieder zurückzufahren. Schlimmer ist es noch, für jeden Hakenwechsel bzw. Neubeköderung zurück zum Camp zu müssen. Ich habe deshalb alles an Bord. Abhakmatte, Wechselbleie, genügend Futter, Rigs und Hakenköder. Das ermöglicht es mir, die Rute gleich wieder in die heiße Zone zu befördern, ohne ein weiteres Mal Unruhe am Spot zu verbreiten.

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Mehr von unserem Autor Martin Höpfel

Auch in unseren Ausgaben zu lesen

Mehr von Martin Höpfel gibt es übrigens auch zu seiner Angelei in den Städten der Republik. Er hatte in unserer Ausgabe 10 zum Thema Urban Style einen coolen Artikel. Sieh dir seinen Urban-Artikel an dieser Stelle an.

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