Draußen ist es kalt, die Nächte scheinen unendlich lang zu sein und es ist deutlich schwieriger, etwas zu fangen als in der wärmeren Jahreszeit. Es ist nicht einfach, eine Begeisterung für das Winterangeln zu entwickeln – auch Uli Zeller erging es in seinen Anfangsjahren als Karpfenanglen so. Über die Jahre ist es ihm dann noch gelungen, sich damit anzufreunden. Er geht nun sogar so weit, dass er es sich nicht mehr vorstellen kann, seine Karpfenruten über den Winter an den Nagel zu hängen. Doch wie ist es zu diesem Sinneswandel gekommen, Uli?

Das ist leicht und schnell zu erklären. So habe ich über die Jahre herausgefunden, dass ein paar einfache und eigentlich logische „Regeln“ mein Winterangeln wesentlich produktiver gemacht haben, was natürlich die Freude und Motivation steigern. In diesem Beitrag beschreibe ich meine persönliche Vorgehensweise beim Winterangeln auf Karpfen.

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Auswahl des Gewässers

In Artikeln zum Thema Winterangeln liest man oft, dass man zunächst ein gutes Wintergewässer benötigt. Aber was macht eigentlich ein gutes Wintergewässer aus? Ich suche mir für den Winter immer ein Gewässer mit einem guten Karpfenbestand, auch wenn das bedeutet, dass man bei der Größe der Fische manchmal ein paar Kompromisse machen muss. Generell ist mir im Winter die Größe weniger wichtig als in den wärmeren Monaten und gerade im tiefen Winter fühlt sich der Fang eines Karpfens unabhängig von seiner Größe stets wie ein richtiges Geschenk an.

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Auch schaue ich nach kleineren Gewässern, idealerweise mit guter Sichttiefe, was oftmals bereits dadurch gewährleistet ist, dass im Winter viele Gewässer aufgrund der fehlenden Schwebealgen im Wasser wesentlich klarer sind als im Sommer. Denn dort ist es einfacher, die Fische durch regelmäßiges Beobachten zu lokalisieren und dies kann gerade im Winter der alles entscheidende Faktor sein.

Ebenso sollte das Gewässer nicht zu strukturlos sein, sondern über unterschiedliche Tiefenbereiche verfügen, denn gerade im Winter spielt die Wassertemperatur eine sehr große Rolle und von ihr hängt es ab, wo sich die Fische wohlfühlen und aufhalten oder sogar fressen. Schon kleinere Temperaturunterschiede zwischen den verschiedenen Gewässerbereichen können für das Wohlbefinden der Fische einen großen Unterschied machen.

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Location im Winter

Nachdem man sein Gewässer für den Winter ausgewählt hat, ist Location der wichtigste Punkt. Im Sommer ist Location wichtig, im Winter bedeutet sie einfach alles. Der Grund dafür ist, dass die Karpfen sich im Winter gerne in größeren Gruppen aufhalten, weniger mobil sind und bei gleichbleibenden Wetterbedingungen auch mal länger in einem bestimmten Bereich des Gewässers verweilen.

Ob sich die Fische lieber in tiefem oder flachem Wasser aufhalten, ist abstrakt schwer zu sagen. Dies kann von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich sein und hängt natürlich auch von den Wetterbedingungen ab. Als Faustregel würde ich sagen, dass sich die Fische bei fallenden Wassertemperaturen eher in tieferem Wasser aufhalten, da es dort langsamer abkühlt. Im Gegensatz dazu suchen die Karpfen am Ende des Winters oder zu Beginn des Frühjahrs bei steigenden Wassertemperaturen gerne flachere Bereiche auf, die sich schneller erwärmen.

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Besonders im Winter ist für mich der Deeper ein wertvolles Hilfsmittel, um Fische zu finden. Normalerweise gebe ich nicht viel auf die Fischsymbole, die mir ein Echolot anzeigt. Wenn ich jedoch im Winter einen Bereich finde, in dem der Deeper viele eng beieinanderstehende Fischsymbole anzeigt, kann das durchaus bedeuten, dass ich einen interessanten Bereich gefunden habe.

Üblicherweise fische ich im Winter gerne mobil, um schnell auf sich zeigende Fische reagieren zu können. So lade ich nur den Teil der Ausrüstung vom Trolley, den ich unbedingt benötige, um einen Biss zu bekommen und den Fisch angemessen zu versorgen.

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Beißzeiten im Blick behalten

Beißzeiten sind ebenfalls ein interessantes Thema und wichtig für eine erfolgreiche Wintersession. Meine persönliche Erfahrung ist, dass im Winter die Beißzeiten zumeist kürzer ausfallen als in den wärmeren Monaten. Der Grund dafür ist, dass die Fische weniger Nahrung finden und deshalb auch weniger Energie zur Verfügung haben. Grundsätzlich fressen Karpfen das ganze Jahr hindurch, allerdings sind sie im Winter weniger mobil und auch weniger aktiv und fressen oft nur während eines kurzen Zeitfensters.

Ob es hauptsächlich tagsüber oder nachts beißt, gilt es herauszufinden und auch das kann sich im Laufe des Winters ändern. Sobald man die Beißzeiten herausgefunden hat, muss man nicht unbedingt lange Sessions machen, um erfolgreich zu sein. Ich persönlich versuche, die Beißzeiten dadurch herauszufinden, dass ich komplette 24 Stunden am Stück fische. Sollte dies aufgrund anderweitiger Verpflichtungen oder zeitlicher Einschränkungen nicht möglich sein, dann mache ich kurze Sessions zu verschiedenen Tageszeiten oder auch mal nachts und versuche so, die verschiedenen Zeiten des Tages abzudecken und herauszufinden, wann es beißt. Sobald mir dies gelungen ist, verkürze ich oft meine Sessions und konzentriere mich auf die Beißzeiten. Dies mache ich vor allem dann, wenn die Tage sehr kurz und die Temperaturen sehr niedrig sind.

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Hakenköder – darauf kommt’s jetzt an

Der Winter ist für mich ganz klar die Zeit für auffällige Pop-Ups. Während diese Köder in der wärmeren Jahreszeit in manchen Situationen sogar abschreckend wirken können, spielen sie im Winter ihre Stärke voll aus. Dies liegt meiner Meinung nach daran, dass die Karpfen im Winter ihren Stoffwechsel herunterfahren, was die gesamten Körperfunktionen verlangsamt. Dies führt wiederum dazu, dass sie weniger vorsichtig sind und auch nicht so wachsam wie in der warmen Jahreszeit. Weiter vermute ich, dass unter diesen Bedingungen ein auffälliger Pop-Up für die Fische einfach leichter zu lokalisieren ist als zum Beispiel ein normaler Boilie aus der Tüte. Letzteres liegt nicht zuletzt daran, dass bei kaltem Wasser die Sehfähigkeit der Karpfen anerkanntermaßen reduziert ist.

Was die Farben anbelangt, sind im Winter pink und weiß meine absoluten Favoriten. Als Flavour setzte ich regelmäßig auf King Prawn oder Plumberry von Crafty Catcher. Beide verfügen auch in kaltem Wasser über eine sehr gute Löslichkeit und haben mir über die Jahre immer wieder gute Winterfische gebracht.

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Beim Thema Rigs setze ich auf das Hinged Stiff-Rig, das das ganze Jahr über mein bevorzugtes Pop-Up-Rig ist. Der einzige Unterschied zum Sommer besteht darin, dass ich die Hakengröße und die Größe der Köder im Winter nach unten anpasse. Während ich im Sommer für das Hinged Stiff-Rig den Beaked Chod Hook von Thinking Anglers in Größe 4 benutze, reduziere ich dies im Winter auf die Größe 6. Auch bei den Pop-Ups reduziere ich die Größe von rund 15 mm im Sommer auf 10 bis 12 mm im Winter.

Ein wichtiger Unterschied meiner Präsentation im Vergleich zu den wärmeren Monaten besteht darin, dass ich im Winter meine Pop-Ups ausbalanciere und langsam sinkend verwende, während ich diese in der wärmeren Jahreszeit überbleie, weil ich nicht will, dass sich der Hakenköder am Futterplatz zu stark bewegt, vor allem wenn die Fische gierig am Platz fressen. Im Winter hingegen, wenn die Fische langsam und behäbig fressen, wird der ausbalancierte Pop-Up meiner Meinung nach leichter eingesaugt und kann damit einen entscheidenden Vorteil bringen.

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Anfüttern bei kaltem Wasser

Meine Grundregel für das Anfüttern im Winter lautet „weniger ist mehr“! Zu Beginn einer Session fische ich eigentlich immer Single Hookbaits und füttere nicht mehr als einen kleinen PVA Sack gefüllt mit kleinen Pellets, zerbröselten Boilies und etwas Grundfutter. Erst wenn ich die Fische gefunden habe und nur wenn ich Bisse bekomme, füttere ich etwas mehr, vielleicht eine oder zwei Handvoll nach jedem Biss. Am Ende einer Session füttere ich normalerweise ebenfalls zwei Handvoll und nur wenn mehrere Tage zwischen den Sessions liegen, erhöhe ich diese Menge auf bis zu einem halben Kilo. Ganze Boilies füttere ich im Winter so gut wie gar nicht und wenn, dann nur kleinere Größen von 10 bis maximal 15 mm. Dies ist sorgt für mehr einzelne Futterpartikel am Platz, hält die Fische über einen längeren Zeitraum beschäftigt, sättigt sie aber nicht so schnell. Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass insbesondere größere Boilies im Winter für die Fische kaum zu verdauen sind.

Um mein Beifutter noch attraktiver zu machen, arbeite ich bei kaltem Wasser auch gerne mit flüssigen Attraktoren. Neben fertigen Liquids aus der Angelindustrie verwende ich hierbei auch gerne Milch oder Kondensmilch. Dies sorgt für eine schöne Wolke unter Wasser und die Karpfen lieben es.

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Natürlich sind diese „Regeln“ nicht in Stein gemeißelt, sondern bilden lediglich die Eckpfeiler meiner Winterangelei und ich verfeinere beziehungsweise verbessere sie von Jahr zu Jahr basierend auf meinen Erfahrungen. Wie bereits gesagt, ist auch dies keine Garantie für einen Biss, erhöht aber die Chancen aus meiner Sicht doch ganz beträchtlich. Und schließlich geht es ja darum, all die kleinen Vorteile zu nutzen, die in Kombination unter Umständen dazu führen, dass man am Ende des Tages vielleicht einen Winterkarpfen im Kescher hat.

Mehr über Uli und seine Angelei erfährst du auf seinen Social-Media-Kanälen bei Instagram und Facebook.