Eines der spannendsten Angeljahre liegt hinter mir. Alles sollte neu und auch anders sein. In einem früheren Bericht für twelve ft. habe ich von meinem neuen Projekt „Carfishing“ berichtet und über den ersten Erfolg. Aber nicht nur das „Stahlbivvy“ ist neu. Auch neue Gewässer und ein neuer Köder sollten in 2019 Jahr getestet werden. Seit einigen Jahren fische ich überwiegend die Boilies von Succesful Baits. Einige Zeit setzte ich auf den Red Spice Fish und den Mussel. Sicherlich sind diese beiden Boilies Fanggaranten, allerdings bin ich Neuem immer offen gegenüber und eine meiner Ruten geht immer als „Testrute“ ins Rennen. Als ich auf der Carp Zwolle bei Successful Baits den angekündigten Seafood das erste Mal in den Händen hielt und meine Nase diesen Köder riechen konnte, da war mir sofort klar, dieser Köder gehört in mein Sortiment! Direkt wurde das Messeangebot mitgenommen, um bei den ersten Ansitzen dabei zu sein. Der erste Erfolg kam direkt in der ersten Nacht des Jahres.

twelvefeetmag hendrik freese 6 -  - Hendrik Fresse, Carfishing

Am Anfang stand das „Wie“?

Wie setze ich den neuen Köder ein? Jeder Karpfenangler kennt es: Vertrauen zu neuen Ködern muss wachsen und schwer wird es dann, wenn dieser nicht den gewünschten Erfolg bringt. Oft ist es aber nicht der Köder, der Misserfolge bringt, sondern die Art und Weise der Präsentation, das Wetter, der Luftdruck oder eben ein völlig anderer Umstand. Da ich also keinesfalls negative Erfahrungen machen wollte, fing ich vorsichtig an, auch wenn der erste Fisch des Jahres direkt auf den neuen Köder gebissen hatte.

Ich selbst zähle zu den „Instand Anglern“. Lange Futterkampagnen sind nicht mein Stil. Mein Motto war auch vor dem Projekt „Carpfishing“ klar definiert: Losfahren und am Gewässer entscheiden. Oft genug ist es der Fall, das bekannte, gute Spots am Wochenende belegt sind, also spare ich mir das Füttern für andere.

Neue Spots, neue Fische

Natürlich suchte ich neben den altbewährten Gewässern auch neue, unbekannte Gewässer bzw. Gewässer, die ich zwar kenne aber noch nie befischt hatte. So begann ich die ersten Kurzsessions unter der Woche nach Feierabend. Meine Ausrüstung verblieb zum Teil über mehrere Wochen im Bus, sodass ich jederzeit spontan losfahren konnte. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und auch der neue Boilie schlug ein wie eine Bombe. Selten waren Ansitze ohne Fisch dabei und je mehr Ansitze oder Kurzsessions ich machte, desto mehr konnte ich meine selbstgesteckten Ziele abhaken. Einige dieser Ziele und Fische möchte ich euch nicht vorenthalten…

Von Gewässer zu Gewässer

Es kam einer der Tage, an denen ich nur einige Stunden Zeit zum Fischen hatte. Ich fuhr mehrere Gewässer an, checkte die bekannten Plätze und suchte einen Platz, der mir für die paar Stunden zusagte. Die Wahl viel auf ein Gewässer, an dem ich mir schon einmal im Frühjahr einige Blanks eingefangen hatte. Ich wählte einen Spot aus, den ich nicht kannte. Warum nicht versuchen? Ich möchte ja nur ein paar Stunden ans Wasser, vielleicht kann ich den Spot währenddessen besser absuchen und kennenlernen.

Ich setzte natürlich auch den neuen Köder ein. Einen 18er Boilie plus passenden Pop-Up am „German Rig“ präsentierte ich direkt vor einer Büsche am anderen Ufer. Dazu schnippte ich ca. 15 Boilies in 18 mm und 14 mm um den Hakenköder, mehr sollte es für die paar Stunden nicht sein. Ich vertrieb mir die Zeit mit einem Kaffee, beschäftigte mich mit dem Binden neuer Rigs und ging hin und wieder zu den Ruten und beobachtete das Wasser. Es zeigten sich keine Fische und auch keinerlei Anzeichen, das sich Fische im Areal aufhielten.

Umso mehr zuckte ich zusammen, als plötzlich der Delkim losschrie. Trotz der geschlossenen Bremse, riss der Fisch die Schnur von der Rolle. Ich stand nicht weit weg und hatte die Rute schnell in den Händen. Der Fisch hing und ein klasse Drill begann. Der Adrenalinschub war riesig, endlich hatte ich an diesem Gewässer einen Fisch am Band und direkt auf den neuen Boilie. Aber als der Fisch sich das erste mal zeigte, wurde ich sichtlich nervös. Ich hatte einen der Fische im Drill, der mir von Erzählungen und Bildern bekannt war. Diesen Fisch wollte ich nicht verlieren. Aber nach etwa 10 Minuten konnte ich den Fisch sicher einnetzen. Ein Freudenschrei hatte wahrscheinlich jedem Angler am Gewässer an diesem besonderen Moment teilhaben lassen. Zu Recht, denn dieser markante Spiegler ist einfach einer der schönsten Fische, die ich bisher landen konnte.

twelvefeetmag hendrik freese 1 -  - Hendrik Fresse, Carfishing

Anhänger dran, Boot drauf, Abfahrt

An eines meiner  Hausgewässer, das ich in der Vergangenheit schon regelmäßig befischt hatte, zog es mich an einem Wochenende, an dem das Wetter nicht schlechter hätte sein können: Starker Wind und starke Schauer ließen jede Motivation sinken. Doch nicht meine, denn ich habe meinen Bus und kann innerhalb weniger Minuten das Nötigste am Ufer aufgebaut stehen haben. Also Anhänger dran, Boot drauf, Abfahrt!

Am Gewässer angekommen machte ich mir ein Bild. Der Wind drückte ziemlich stark auf das Gewässer und ich überlegte, wie ich die Ruten bei diesen Verhältnissen überhaupt ablegen sollte. Doch an einer Uferseite ließ der Wind einen Teil unberührt. Ich entschied mich für genau diesen Abschnitt. Es war trotzdem harte Arbeit, die Ruten ohne großen Schnurbogen abzulegen aber für mich war wichtig, dass der Köder am richtigen Spot liegt. Ich setzte wieder auf wenig Futter. Nur eine Nacht Zeit, das heißt für mich langsam steigern. Die Ruten lagen den Ganzen Tag ohne Aktion.

twelvefeetmag hendrik freese 4 -  - Hendrik Fresse, Carfishing

Ich handhabe es so, bei kurzen Ansitzen am Abend noch einmal alle Ruten mit neuen Ködern zu bestücken und neu abzulegen. Der Wind hatte auch nachgelassen und das Ablegen verlief wesentlich entspannter. Eine gute Stunde später riss mich der Bissanzeiger hoch. Schnell war klar, hier ist eine Maschine eingestiegen, die stramm vorwärts marschierte. Der Fisch hielt gut dagegen aber gab nach kurzer Zeit auf. Ein Blick in den Kescher sagte nur eins: Wieder ein unbekannter auf den Seafood! Ein strammer  17,2 kg Fisch hatte sich die Kombination aus 18 mm Boilie plus Pop-Up schmecken lassen. Der neue Boilie hatte wieder einmal seine Existenzberechtigung in meinem Eimer unter Beweis gestellt.

twelvefeetmag hendrik freese 3 -  - Hendrik Fresse, Carfishing

Auch der Herbst bringt Fisch

Klar, der Herbst gilt neben dem Frühling bei vielen als die Beste Jahreszeit. Für mich persönlich allerdings nicht unbedingt, also zieht es mich in dieser Zeit an bekannte Gewässer. Umso besser, wenn man dann auch noch den Bus zum Schlafen nutzen kann.

So auch an einem geplanten Ansitz mit einem Kollegen. Wir hatten schon einige Zeit eine Session geplant, hatten aber selten am gleichen Tag Zeit. Doch diesmal klappte es, wir trafen uns zweimal am Gewässer und diesmal fütterten wir ein paar Boilies auf die anvisierten Stellen. Keine Unmengen, nur kleine verteilte Snacks, um den Fischen vielleicht den Weg zu weisen. Freitags ging es nach der Arbeit dann los. Den ersten Fisch konnte Matze schon nach einer Stunde landen. Ein Graser, dem das Futter scheinbar auch gefallen hatte. Auch gegen 23:00 Uhr konnte Matze wieder einen Fisch verbuchen, ein kleiner Spiegler. Klar freute ich mich, fragte mich aber auch, ob ich die richtigen Plätze gewählte hatte. Die Antwort bekam ich gegen 05:00 Uhr am Morgen, denn ein Schuppenkarpfen nahm den Seafood auf. Geil, wenn es  einfach klappt, auch wenn das Wetter langsam die schlechten Tage präsentiert.

twelvefeetmag hendrik freese 5 -  - Hendrik Fresse, Carfishing

Unter´m Strich habe ich in diesem Jahr definitiv meine Ziele erreicht und zum Teil getoppt. Einzelne Fische, die ich fangen konnte, werden mir sicherlich lange in Erinnerung bleiben. Der Bus hat sich auf jeden Fall bezahlt gemacht, um spontan und flexibel loszufahren. Ich wünsche jedem einzelnen ein erfolgreiches Jahr!

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