In den letzten Jahren zeichnet sich bezüglich des Wetters ein Trend ab, der unmittelbar auf die Folgen des Klimawandels zurückzuführen ist: Die globale Erderwärmung macht sich auch hierzulande dahingehend bemerkbar, dass der ehedem gewohnte Temperaturverlauf im Kalenderjahr gehörig ins Wanken geraten ist. Stimmst du mir zu? Wohingegen es früher die Regel war, dass die Temperatur spätestens im November in Bereiche diesseits und jenseits des Gefrierpunktes purzelten, kommt der November heutzutage wesentlich milder daher. Gerade dieses Jahr macht sich diese Klimaänderung besonders bemerkbar, zumal die Temperaturen der letzten Tage und Wochen eher an T-Shirt-Wetter erinnerten als an den bevorstehenden Winter. Von Kälte keine Spur. Jedenfalls noch nicht….

Die Gunst der Stunde: Andreas Traxler berichtet

Das Alles hat natürlich mittelbaren und unmittelbaren Einfluss auf unser geliebtes Hobby. Schließlich gerät auch die Innere Uhr der wechselwarmen Karpfen aus ihrem gewohnten Takt. Darin liegt aber, wie Andreas Traxler von Northern Baits berichtet, auch eine große Chance für‘s Angeln. Im Bericht, den er uns übermittelte, erklärt er, wie er die veränderten klimatischen Bedingungen zu seinen Gunsten nutzt und welche Auswirkungen die Beständigkeit der Temperaturen im Herbst auf seine Taktik und die Wahl seiner Köder haben. Andreas Traxler verbindet diese taktischen Überlegungen mit seinen Erfahrungswerten und fügt sie zu einem spannenden Beitrag mit Ratgeber-Charakter zusammen. Wir übergeben das Wort an Andreas und wünschen dir viel Spaß beim Lesen.

 

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November als der neue goldene Herbst…..?

Vielerorts hat sich das Klima verändert. Der Sommer verlagert sich oftmals bis in den September. Auch der Winter setzt sich in gemäß dem Trend der letzten Jahre erst Ende des jeweiligen Jahres so richtig durch.

Irgendwo dazwischen ist der Altweiber-Sommer anzusiedeln. Der ,,Altweiber Sommer“ beginnt je nach Region zwischen Anfang und Mitte September und endet je nach Verlauf circa Ende Oktober. Er ist oft sehr wechselhaft – geprägt von so manchem Hochdruck-Gebiet und zumeist sonnigem Wetter, das bald darauf wieder von einem Tiefdruck-Gebiet abgelöst wird. Dieser wankelmütige Rhythmus wiederholt sich in seiner bestechend regelmäßigen Unregelmäßigkeit.  Die Folge: Durch diese Wetter-Kapriolen wird es nicht wirklich einfacher, die Fische zu fangen.

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Hier kommt der November wieder ins Spiel. Die schlimmsten Schwankungen der Außentemperatur sind vorüber und das konstante Wetter stellt sich langsam wieder ein. Mit Blick auf das Verhalten der Fische bringt das eine gewisse Vorhersehbarkeit mit sich: Die Fische begeben sich nun auch wieder in die unteren Wasserschichten, da vielerorts die Gewässer durchgemischt sind und stabile Temperaturen aufweisen, die langsam in den einstelligen Bereich sinken. Allmählich setzt sich der Winter auch unter Wasser durch. 

 

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Was für mich im Herbst zählt

Ich möchte auf die Faktoren dieser Vorhersehbarkeit gerne etwas genauer eingehen. Unter den oben genannten Vorzeichen richtet sich die Planung meiner Angelei nach der Wassertemperatur und der Mondphase. Die Erfahrung hat hier gezeigt: Oft beginnt das große Fressen schon viel früher als man denkt. In den Monaten Juli und August liegen die Wassertemperaturen an den meisten Seen über 25 Grad. Und genau hier ist auch das Nahrungsangebot am Höchsten.

 

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Worauf es ankommt: Das richtige Timing

Wenn diese warme Phase aber vorbei ist, verharrt mancher Karpfenangler in der Hoffnung auf den Beginn des großen Fressens mit Einzug der kälteren Temperaturen in Tatenlosigkeit. Da ist guter Rat teuer. In der Annahme, dass die Fisch erst dann fressen, wenn das Wasser ordentlich abgekühlt hat, täuschen sich allerdings Viele und vergeben sich dadurch Möglichkeiten.

Meine Erfahrungen fördern jedenfalls ein andere Bewertung zutage: Bereits Anfang September, wenn die ersten Spätsommer-Gewitter über die Landschaft gezogen sind und die Gewässer sich langsam der 20 Grad Marke nähern, beginnt vielerorts an den tiefen Baggerseen der erste große Fressrausch. Wenn dazu noch eine Vollmond-Periode kurz nach dem Gewitter beginnt und die Wassertemperatur knapp unter bzw. über 20 Grad ist, stehen die Fangchancen am Höchsten. Durch die kontinuierliche Abkühlung steigt zugleich der Sauerstoff, wodurch die Fische deutlich aktiver werden.

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Oktober: Ein überbewerteter Monat zum Karpfenangeln?

Der Oktober war und ist für mich immer ein sehr schwieriger Monat – es lief nie so richtig rund bei mir. Woran das liegt möchte ich euch hier noch kurz erklären. Durch das schwankende Wetter im Oktober sind die Fische oftmals lethargisch und fressen – jedenfalls in meiner Region– sehr verhalten. Gleichzeitig glaubt man zu wissen, wo sich die Fische aufhalten, wobei man sie zumeist in Bodennähe vermutet. Meiner Erfahrung nach ist dies allerdings ebenfalls unzutreffend: Ich habe gemerkt, dass sich die Fische durch die Umschichtung der Wassersäule, die im Oktober stattfindet, nicht allzu gern in Bodennähe aufhalten.

Dieses Wissen nimmt auch Einfluss auf meine Taktik. Dadurch, dass ich schlichtweg nicht die Zeit habe, mir die Plätze vorzubereiten und meistens „Instant“ (ohne Vorfüttern) unterwegs bin, nutze ich eine andere Taktik als die Meisten. Dabei berufe ich mich auf den alten Leitsatz: „Angle anders, als die Anderen“.

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Anders, als die Anderen – meine Taktik im Oktober

Die meisten Angler nutzen Pop Ups oder Snowmans auf ihren Futterplätzen. Ich nutze lieber visuell-auffallende Köder, die meinem Futter angepasst sind und einen starken Kontrast zum Boden, auf dem ich angele, aufweisen. Meine Wahl fällt demnach auf weiße, braune oder rote Töne. 

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Gelbe Boilies, die einem Maiskorn farblich ähnlich sind, nutze ich eher, um eine kleine Falle zu stellen. Größere Mengen dieser visuell- auffälligen Bodenköder würden hingegen Wasservögel magisch anziehen, was ich logischerweise gerne vermeiden möchte. Daher kommen die visuell-auffälligen Boilies bei mir nur ganz gezielt und in kleinen Mengen zum Einsatz.

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Wo angeln im Herbst? Kriterien meiner Platzwahl

Nachdem ich nun die Art- und Weise meiner Angelei und die Wahl des Futters beschrieben habe, stellt sich allein eine Frage: Die Frage nach dem wo? An welchen Plätzen angele ich im Herbst?

Hierzu einige Eckdaten zur Gewässer- und Spotwahl: Grundsätzlich bevorzuge ich klare Baggerseen mit oder ohne Krautbewuchs. Meine Spotwahl flt dabei einem einfachen Prinzip:  Ich suche mir Stellen, die sich im untersten Drittel der maximalen Tiefe eines Gewässers befinden. Ein Beispiel: In einem 12m tiefen Baggersee werde ich meine Spots im Bereich von 6,5 bis in etwa 8,3 m suchen.

Bevorzugt wähle ich Stellen, an denen die Kante relativ zügig abfällt und anschließend abflacht, damit man möglichst großflächig mit wenigen Ködern ein sehr großes Areal abdecken kann. Denn oft schwimmen die Fische ganz dicht am Ufer entlang. Paradoxerweise legen die meisten Angler legen ihre Ruten trotzdem auf Distanz ab. Genau hier haben die Fische dann den höchsten Angeldruck. Nahe am Ufer können sie hingegen in Ruhe patrouillieren. Sandige oder leicht schlammige Bereiche bieten sich besonders an, da hier eben die natürliche Nahrung schon vorhanden ist. Hat man den Platz erst einmal gefunden, benötigt man keine Unmengen an Futter. Oft ist weniger mehr. Vor allem auch, weil die Konkurrenz ohnehin die Futterplätze bearbeitet und mit reichlich Futter versorgt.

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Natürlich haben Futterplätze durchaus ihre Vorteile. Wenn man allerdings – so wie ich – einfach nicht die Möglichkeit hat, sich einen Platz aufzubauen, muss man eben andere Wege gehen. Sich auf einen Platz von jemand Anderem setzen, der dort womöglich seit Wochen füttert, ist für mich keine Option. Das gebietet der Anstand. 

Ein kurzer Absatz zu den Rigs: Hierzu kann ich nur sagen, dass ich je nach Situation und Fischbestand entweder Stiffrigs mit einem D verwende, oder auf Kombirigs zurückgreife, die ich ebenfalls einem eingebundenen D anbiete. Aber auch Stiffrig´s mit einem beweglichen Wirbel als Gelenk, um etwas mehr Beweglichkeit im steifen Bereich zu haben, finden bei mir Verwendung. Wobei ich die Wahl der Rigs hier nicht allzu kategorisch halte: Ob man sich nun für Geflecht oder Mono entscheidet, ist jedem selbst überlassen und sollte an die Gegebenheiten am Wasser angepasst werden. 

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Beim Futter verwende ich eine Mischung aus 2 oder 3 Größen. Hinzu kommt ein ordentlicher Schuss an Liquid für die Attraktivität. Diese Mischung bereite ich meist ein paar Tage zuvor zu, damit Alles ordentlich einziehen kann.

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Wenn es der Weißfischbestand zulässt, benetze ich meine Köder zur weiteren Steigerung der Attraktivität noch zusätzlich mit Boiliemix oder Bagmix. Die stark-leuchtenden Boilies – meist in gelb oder pink – setze ich eher in sehr geringen Mengen ein. Wenn sie danach zum Einsatz kommen, dann in 15mm, um eine kleine Falle zu stellen.

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Abschließende Gedanken: Alles ist relativ….

Kennt ihr das ? Man hat oft vorab einen Plan im Kopf und unzählige Variationen durchgespielt, nur, um später festzustellen, dass es anders kommt, als man es sich ausgemalt hat?

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Das kommt in der Tat öfters vor, als einem lieb ist. Zum Schluss möchte ich daher noch sagen: Achtet auf das Wasser, denn oftmals unterschätzt man die Tücken des Gewässers, was schnell dazu führen kann, dass das Vorhaben und der damit einhergehende Aufwand nicht belohnt werden. Das kann frustrierend sein.  Mein Rat lautet deswegen: Besser und genauer beobachten und lieber einmal weniger Futter einbringen, als einmal zu viel. Denn Tatsache ist: Was bereits im Wasser liegt, kann man später nicht mehr entfernen.

In diesem Sinne: Tight Lines und schöne Karpfen für die noch laufende Session. 

Andreas Traxler

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