Dass sich die Welt – jedenfalls gefühlt – immer schneller dreht, ist eine Entwicklung, die auch vor dem Karpfenangeln keine Ausnahme macht. Neue Methoden erhalten Einzug und werden von einer Reihe von Innovationen und Neuheiten auf dem Tackle-Markt flankiert. Und das gesteigerte Tempo, in dem das stattfindet, ist auch berechtigt, denn es stellt die Weichen für die zukünftige Ausrichtung unseres Hobbys, sei es durch die Auswahlmöglichkeiten beim Tackle oder durch das veränderte Bewußtsein der Karpfenangler.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Im Dickicht dieser Möglichkeiten kann man nicht nur schnell überfordert sein, sondern auch Gefahr laufen, zu vergessen, worauf es wirklich ankommt und das Wesentliche vom Unwesentlichen nicht mehr trennen zu können. Das kann uns mitunter von der ursprünglichen Idee unseres Hobbys wegführen – und das wäre schade.

Old-School-Karpfenangeln zum Saisonstart. Ein inspirierender Beitrag von Mathias Pospiech -

Alte Schule mit Mathias Pospiech: Saisonstart im Zeichen der Tradition

Insofern stellt die folgenden Zeilen von Mathias Pospiech auch eine Mahnmal dar. Die Lektion – sofern es eine gibt: Auch heute funktioniert das Karpfenangeln noch (fast) so, wie vor hundert Jahren – wenn man nur will. Denn die Frage, wie man sich seinem Hobby angeht und ausgestaltet, beginnt im Kopf. Wer sich nicht vom Blendwerk aus Tackle-Dickicht und dem Blick auf die Waage geblendet ist, der kann mit ungetrübtem Blick seinen Fokus auf das Wesentliche ausrichteten. Wir übergeben das Wort an Mathias, der nachfolgend von einer Frühjahres-Session nach alter Schule berichtet – gepaart mit wunderbaren Bildern, die die Idee der Ursprünglichkeit wunderbar unterstreichen.

Old-School-Karpfenangeln zum Saisonstart. Ein inspirierender Beitrag von Mathias Pospiech -

Frühjahrserwachen: Neue Lebensgeister und Reflexionen

Die ersten warmen Tage sind übers Land hinweg und haben der Natur Leben eingehaucht. Diese erwacht nun langsam aus ihrem Winterschlaf. Das Erwachen des Frühlings rief auch in mir die Lebensgeister wieder hervor – und erweckte den anglerischen Tatendrang zu neuem Leben: Es ist an der Zeit, um an den kleineren flachen Gewässern sein Glück zu suchen.

Als der Wetterbericht Anfang März die ersten warmen Tage für 2025 prophezeite, zog es mich an den kleinen idyllischen See, der den ein oder anderen Schatz beherbergt. Ich wählte ein Setup, das zum Entschleunigen einlädt. Von dieser minimalistischen Idylle inspiriert, beschäftigte mich die Frage: Wie war es wohl als „Angeln auf Karpfen“ noch nicht „Karpfenangeln“ war, wie es sich heute in seinen schillernden Facetten darstellt…

Angeln am kleinen Kiesweiher

Freitags morgen entschied ich mich kurzerhand, besagtem Kleinst-Gewässer für 2 Nächte eine Chance zu geben – einem ca. 1,5 ha großen-, relativ flachen (ca. 2 Meter tiefen) Kiesweiher.

Mein Ansatz stand ganz im Zeichen der Tradition: Während bei vielen Anglern Partikel wie Mais, Tiefernüsse oder Hanf auf dem Plan stehen, setzte ich – bereits seit Jahren – gerade im Frühjahr des Öfteren auf Kichererbsen. Und dafür sprechen eine Reihe von Gründen: Größe, Farbe und Nährwert stehen bei Karpfen hoch im Kurs – heute, wie damals. Hinzu kommt: Weil sie bei Anglern in Vergessenheit geraten sind, fressen Karpfen sie ohne Scheu.

Old-School-Karpfenangeln zum Saisonstart. Ein inspirierender Beitrag von Mathias Pospiech -

Eine kleinere windstille Ecke machte ich als geeignete Stelle aus. Ich fütterte ein paar Hände Kichererbsen auf dem Übergang zwischen Kies und Schlamm. Da im See keine  kapitalen Karpfen zu erwarten sind, entschied ich mich für ein zweckmäßiges Setup, das an alte Zeiten erinnert.

Old-School-Karpfenangeln zum Saisonstart. Ein inspirierender Beitrag von Mathias Pospiech -

So verlief meine Frühjahrs-Session

Auch wenn sich der Frühling Überwasser schlagartig auszubreiten begann, war es unter Wasser doch noch relativ ruhig. So verging der Tag ohne Aktivitäten auf dem Spot und der erste Tag klang ereignislos aus. Auch die Nacht blieb ohne Aktivitäten, bis sich  – erst im erst Morgengrauen –  eine der beiden Ruten meldete. Es folgte ein Drill, der mich unmittelbar aus der Idylle riß und mich das Adrenalin spüren ließ: Ich traute meinen Augen nicht, als nach einen Drill mit paar Fluchten ein schwarz-orangener Koi die Oberfläche durchbrach.

Old-School-Karpfenangeln zum Saisonstart. Ein inspirierender Beitrag von Mathias Pospiech -

Als es mir gelang, den Fisch erfolgreich zu keschern, konnte ich mein Grinsen kaum verbergen. Ganz beseelt blickte ich meinen Fang an, der zwar nicht der größte- aber an Schönheit kaum zu überbieten war. Der Morgen glich einem Märchen: Mitten in der Idylle am kleinen magischen See konnte ich diese Schönheit in meinen Armen halten – perfekt.

Die Tatsache, dass der Rest der Session – mit Ausnahme eines kleinen Spieglers, der aber direkt wieder schwimmen durfte – eher ruhig verlief, tat meiner Freude über den Fang keinerlei Abbruch. Während ich diese Zeilen gerade schreibe, frage ich mich, ob sie vielleicht dadurch sogar noch verstärkt wurde. Schließlich zählen die raren Momente und Erinnerungen in besonderer Weise. Jedenfalls zehre noch immer von den 2 magische Nächte im „Blitzfrühling“ – getragen von den „Old School-Vibes“, die mich wieder in Kontakt zum ursprünglichen Angeln gebracht haben.

Euer Mathias Pospiech

Old-School-Karpfenangeln zum Saisonstart. Ein inspirierender Beitrag von Mathias Pospiech -