Der Großteil des Jahres liegt bereits hinter uns und Rene Steurer blickt auf fulminante Monate beim Karpfenangeln zurück. In diesem Catch-Report berichtet Rene von seinem spannenden Frühsommer. An einem ihm unbekannten Waldsee in Österreich hat er mit vielen Mitessern zu kämpfen gehabt, die ihm das Angeln dort sehr erschwert haben. Doch Rene angelte sich durch und krönte sein Durchhaltevermögen mit einem neuen PB. Doch genug der Vorrede, wir übergeben das Wort an Rene.

Ich hatte vor ca. zwei Jahren mal die Chance, diesen See vom Ufer aus zu erkunden. Dabei habe ich vereinzelt gute Fische gesehen, die sich direkt im Holz aufgehalten haben. Mit vielen Erinnerungen an diesen idyllischen und verborgenen See habe ich jetzt das Glück, erneut hier zu angeln. Ich werde euch einiges über den See erzählen – von Location über Taktik, Futter und meine Vorgehensweise.

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Die Platzwahl gestaltet sich schwierig

Bei dem See handelt es sich um einen uralten Donau-Altarm, der in Privatbesitz eines Jagdvereines ist. Die Wasserfläche beträgt ca. 7-8 Hektar. Der See ist sehr flach, verschlammt und nur so voll von Seerosen, Kraut und Totholz. Die Platzwahl hat sich als schwierig herausgestellt. Da überall nur steile Hänge und verwachsene Böschungen waren, hatte ich nirgendwo genug Platz, um mich so richtig entfalten zu könnten. Die vereinzelten Stege, die es dort gibt, sind alle mühevoll von anderen Anglern errichtet worden. Da wollte ich mich nicht in das sogenannte „gemachte Nest“ setzen und die jeweiligen Angler stören. Ich nahm mein kleines Schlauchboot, um die Sache mal von einer anderen Perspektive zu sehen.

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Ich entdeckte vom Boot aus einen kleinen Steg, den ich kurz danach genau erkundete aber erstmal musste ich mir den Weg frei schneiden, da er von vielen Sträuchern zugewachsen war. Nach genauere Expertise entschied ich mich, den alten Steg als kleine Basis zu nehmen, ihn zu verlängern, neue Pfähle ins Wasser zu schlagen und neue Bretter drauf zu schrauben. Dadurch sollte ich anschließend mein Boot und meine Ruten gut positionieren können, ohne das mir etwas im Weg ist. Das war sehr zeitaufwendig aber wenn man sich ein Ziel vor Augen setzt, sind alle Wege offen. Man muss ihnen nur nachgehen.

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Startschuss in die Saison

Ohne viel Informationen über den Bestand ging es im März endlich los. Die Freude auf neue Abenteuer und Herausforderungen war grenzenlos. Mein Stahlbivvy wurde am Vorabend schon geladen und so konnte meiner Session nichts mehr im Wege stehen. Das Wetter war nicht so wie man es sich erhofft, im Gegenteil. Es war Regen und Wind aber ich konnte es nicht mehr aushalten und fuhr raus. Als erste kleine Zündung entschied ich mit für einen Partikelmix, Groundmix und eine Handvoll Boilies, um zu schauen, ob die Fische das Futter so annehmen.

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Als Hakenköder entschied ich mich zuerst für einen 15 mm Fluo Nautik-Up in gelb. Jedoch stellte sich aber dann schnell raus, dass ich es mit einem sehr hohen Brassenaufkommen zutun habe. Ich wechselte auf ein Blowback-Rig mit einem 30 mm Lite-Rock und einen Fake Corn als Eye-Catcher oben drauf. In der ersten Regenpause stellte sich diese Entscheidung für richtig heraus und die Rute lief das erste mal ab.

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Der erste Fisch im Kescher

Ich konnte direkt einen Fisch überlisten, der sicher zu den größeren Exemplaren in diesem Gewässer zählt. Nach einen harten und aufregenden Drill von Fluchten ins Kraut bis unter Holz konnte ich den Fisch sicher bergen. Der erste Fisch an einem unbekannten See, der öffentlich nicht einmal zugänglich ist, ist sehr interessant und aufregend. Dann gleich mit so einem urigen Schuppenkarpfen zu starten, machte mich gleich noch umso glücklicher, da meine Taktik aufzugehen schien.

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Je wärmer das Wasser wurde, desto mehr stellte sich heraus, dass ich es nun auch noch mit einen hohen Welsaufkommen zutun habe. Ich probierte alles aus. Von Tigernüsse über süße Boilies aber das hat alles nichts geholfen, sie haben sich alles reingezogen, was nur so am Grund zu finden war. Somit konnte ich mich nur „durchangeln“ und hoffen, dass sich auch noch der ein oder andere Karpfen blicken lässt. Bis zu drei Welse in der Nacht waren keine Seltenheit. Das nagt an der Motivation aber wenn man dann wieder einen schönen urigen Altarm-Schuppi in den Händen hat, ist das alles verflogen.

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Über 25 Kilo – neuer PB!

Mitte Mai habe ich mich nochmal neu fokussiert und es spielte mir dann einfach alles in die Karten. Donnerstag nach der Arbeit ging es raus an den See – trotz schlechten Wetterbedingungen. Vom Aufbau bis zum Abbau hatte ich durchgehend Regen aber das schien die Fische nicht gestört zu haben. Im Gegenteil, ich konnte an diesem launischen Gewässer wahre Sternstunden erleben. In den ersten Morgenstunden lief es mit ein paar guten Fischen zwischen 15-21 Kilo schon mehr als gut. Doch mit dem, was am nächsten Morgen passieren sollte, habe ich so schnell nicht gerechnet.

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Früh am Morgen lief die rechte Rute ab, die ich direkt vor den Seerosen am anderen Ufer platziert habe. Der Fisch hat sehr viel Druck gemacht und ich wusste genau, wo er hin wollte. Ich schaute, dass ich ihn von den Seerosen fern halte. Schön langsam kam er in meine Richtung aber er setzte die nächste Flucht und schwamm über die anderen zwei Ruten drunter und drüber. Nach kurzem Chaos konnte ich die Schnüre wieder befreien und beschloss, vom Boot aus weiter zu drillen.

Plötzlich war alles ruhig, ich spürte von dem Fisch nichts mehr und dachte schon, dass ich ihn verloren habe und nur noch im Kraut hänge. Ich fuhr mit dem Schlauchboot genau dort hin, wo die Schnur vertikal runter ging. Ich sah schon jede Menge abgeschnittenes Kraut an der Oberfläche herum treiben, als ich auf einmal wieder einen sehr starken Druck und Schläge in der Rute spürte. Nachdem ich ihm vom Kraut befreien konnte, ging der Drill weiter und ich konnte den Fisch das erste mal im Licht der Stirnschlampe sehen.

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Nach ein paar Fluchten gab er sich dann aber geschlagen und ich konnte ihn sicher über den Rand des Keschers lotsen. Mit zitternde Beine blickte ich das erste mal in den Kescher und sah erst so richtig, was das für ein massiver Schuppi war. Mit weichen Knien fuhr ich erstmal zum Ufer und versorgte den Fisch. Die Waage pendelte sich bei knapp über 25 Kilo ein. Neuer PB.

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Nachdem ich noch ein paar Fotos mit dem Fisch gemacht habe, ließ ich ihn wieder zurück. Völlig durchnässt packte ich dann schon frühzeitig mein Zeug ins Auto und trat ich den Heimweg an. Man sagt ja immer: „Man soll dann aufhören, wenn es am schönsten ist“.

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