Weit über 100 Nächte verbrachte ich früher pro Jahr am Wasser, zusätzlich noch mindesten zwei bis drei Wochentrips an unterschiedlichste Gewässer, um das Fassungsvermögen des eigenen PKW an neu definierte Grenzen zu bringen. Es musste einfach alles mit, was irgendwie gebraucht werden konnte. Im Sommer 2010 kam es dann zu einem lebensveränderndem Erlebnis, das meine Angelei komplett und nachhaltig verändern sollte – der Geburt meiner Tochter. Ich konnte und wollte mein Hobby nicht mehr in der bisherigen Form ausüben. Wochenenden oder gar Wochen ohne meine inzwischen noch größer gewordene Familie sind für mich eher die Ausnahme und kaum mit einem guten Gewissen vereinbar.

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Ein Nachteil? Ganz gewiss nicht, denn diese Situation öffnete mir komplett die Augen und veränderte meine Einstellung und Vorgehensweise grundlegend. Und der Erfolg gibt mir eindeutig Recht. In der Summe fange ich deutlich mehr Fische bei geringerem Zeitaufwand. Trotzdem schaffe ich es so nicht selten 3-4 Mal pro Woche ans Wasser, eben nur für deutlich kürzere Zeitfenster. Oberste Priorität hat dabei eine gute Gewässerkenntnis, Mobilität und die Bereitschaft, in den wenigen Stunden auch wirklich aktiv zu sein. Um in diesen kurzen Zeitfenstern wirklich die Komfortzone verlassen zu können (und wollen), muss unsere Ausrüstung schnell im Auto, aus dem Auto heraus und anschließend genauso schnell einsatzbereit am Fisch sein. Weniger ist dabei oft mehr, das gilt als Grundsatz für mein Short-Session Tackle.

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Dennoch möchte ich an dieser Stelle eine kleine Differenzierung vornehmen: Habe ich weniger als 90 Minuten Zeit, dann spreche ich definitiv nicht von einer Session, sondern bin wirklich nur mit einer Rute, Rucksack, Kescher und Matte unterwegs. Ich gehe auf die Pirsch und versuche, einen schnellen Fisch zu stalken. Ohne eindeutigen Sichtkontakt bleibt mein Köder dann nicht selten auch komplett trocken. Und selbst wenn ich Fische ausmachen kann, kommt es gelegentlich vor, dass ich diese nur beobachte, um Rückschlüsse für spätere Aktionen zu ziehen.

Habe ich mehr Zeit zur Verfügung, vielleicht sogar einen ganzen Vormittag oder Abend, so fällt meine Tackle eigentlich nur minimal umfangreicher aus. In erster Linie sind dann aber mehr Futter, Angelruten und auch Verpflegung dabei. Dennoch gilt auch hier das Minimalprinzip, um schnell, mobil und effektiv zu bleiben. Drei Dinge, die trotzdem nicht fehlen sollten, wenn aus einer Short-Session das optimale herausgeholt werden soll, haben sich bei mir als feste Bestandteile etabliert.

Mein kleiner Lastenträger

Mein kleines, kompaktes No-Name Trolley war ein Geschenk meiner Frau und leistet mir seit Jahren tolle Dienste. Ich bekomme es komplett zusammengebaut ins Auto und es ist daher sofort einsatzbereit. Das zu kleine Originalrad gegen eine große, hochwertige Vollgummiversion ausgetauscht, ist es leichtgängig und lässt mich nie im Stich. Zu oft habe ich versucht, auf dieses Teil zu verzichten, musste jedoch feststellen, dass ich trotz kleiner(-er) Ausrüstung meine Bereitschaft zur Mobilität mit Trolley deutlich steigern konnte. Krummer Rücken und lange Arme gehören der Vergangenheit an. Drehe ich eine Runde um mein Gewässer, kann ich mich selber deutlich freier und entspannter bewegen, meine Sachen auf der Karre am Weg stehen lassen und auch mal einige Schritte zur Erkundung in unwegsames Strauchwerk wagen. Sind die Fische gefunden, bleibt ein Großteil meiner Ausrüstung aufgeladen und ermöglicht so jederzeit ein schnelles Moven. Muss neu beködert oder montiert werden, kann ich in angenehmer Höhe aufrecht am Trolley stehend arbeiten und behalte so alles kompakt beisammen. Vor einiger Zeit haben meine Kinder in meinem Angelkeller eine Kiste mit einer bunten Mischung Aufkleber gefunden, damit wurde in einer spontanen Aktion mein Trolley gepimpt und zu einem echten Familienunikat verwandelt.

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Meine Location-/Baiting-Tasche

Immer dabei ist eine kleine kompakte Tasche mit den wichtigsten und effektivsten Hilfsmitteln zum Erkunden, Beobachten und Füttern. Diese Tasche nimmt wirklich kaum Platz in Anspruch, enthält aber echte Waffen für alle Situationen. Eine einfache Markermontage gefolgt von Wolf X-Spods, Deeper, Spycam, GTM-Temperatur/Tiefenmesser, Fernglas, Polarisationsbrille und Tastbleie machen diese Tasche für mich unverzichtbar. Das Smartphone in der Hosentasche, als Ergänzung zu Deeper und Unterwasserkamera, ist sowieso immer mit am Wasser und für den „Tiefenblick“ jederzeit verfügbar. Alle Bestandteile können mit einer einfachen Schlaufenmontage innerhalb von Sekunden montiert werden und sind somit sofort einsatzbereit. Voraussetzung hierfür ist natürlich eine zusätzliche und für den Einsatz entsprechend geeignete Rute. Mein Set wird hierfür von meiner X3K Spod/Marker Rute aus dem Hause Wolf abgerundet und macht mit allen genannten Tools einen tollen Job.

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An dieser Stelle sollte natürlich immer gut überlegt sein, welches Hilfsmittel wie und wann wirklich zum Einsatz kommen sollte. Eine dicke Spycam samt Blei auf den Platz zu donnern, von dem wir eh gerade gesehen haben, dass Fische anwesend sind, ist sicher keine gute Idee. Zu wissen, wo im zeitigen Frühjahr das Wasser ein halbes Grad wärmer ist, kann aber einen gewaltigen Unterschied ausmachen. Einsatz also immer mit Köpfchen.

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Mein Basha DPM Army Tarp

Dieses Teil habe ich vor einiger Zeit bei Ebay erstanden und ist mir aus England zugeschickt worden. Ich würde es definitiv nie mehr abgeben. Eine absolute Allzweckplane mit jeder Menge Ösen und Laschen zum Abspannen. Mit ein bis zwei Banksticks abgespannt habe ich darunter schon ganze Wochenenden verbracht. Trotz seiner Größe von 160 x 240 cm nimmt das Teil gefaltet einfach keinen Platz ein und ist mit den Spanngummis meines Trolleys schnell zu einem kleinen Wetterschutz abgespannt.

Bei Short-Sessions rettet es mich und meine Ausrüstung vor unerwarteten Regenschauern. Meist werfe ich es jedoch nur über das Tackle auf dem Trolley und bleibe mit der eigenen Nase lieber in Wind und Regen und behalte das Gewässer im Auge. Wer möchte nach einer drei Stunden Session seine gesamte Ausrüstung im Keller oder Garage ausbreiten und für einen deutlich längere Zeit trocknen müssen? Ich jedenfalls nicht.

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Nebenbei nutze ich das Tarp auch als unkomplizierte Sitzgelegenheit, um den Allerwertesten trocken zu halten. Nach einer erfolgreichen Short-Session wickle ich dort sehr gerne meine nasse Abhakmatte und Keschernetz ein und verschließe das Bündel möglichst luftdicht mit Spanngummis. So kann ich direkt nach dem Angeln zur Arbeit fahren und falle später nicht in Ohnmacht, wenn die Matte im sonnenbeschienenen PKW einige Stunden warten musste. Auch der Innenraum bleibt deutlich sauberer und trockener. In der Theorie ist dieses Tarp zusätzlich auch als Bergungstuch konzipiert worden – ich hoffe, die Eignung hierfür niemals testen zu müssen.

Ich denke, auf einige Dinge, die grundsätzlich zu jeder Ausrüstung gehören sollten, muss hier nicht weiter eingegangen werden und sind selbstverständlich. Zusätzlich hat sicher jeder Angler seine eigenen Prioritäten. Für mich sind jedoch die genannten Dinge unverzichtbar geworden. Ein Stuhl, Wiegeschlinge, Waage oder der Schirm sind bei mir nur sehr selten dabei. Selbst auf Bissanzeiger kann ich gerne verzichten. Nicht jedoch auf die 3 Dinge, die trotzdem nicht fehlen sollten.

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