In dieser Geschichte erzählt Christopher Retzlaff von einer ganz besonderen Spätsommer-Session mit überraschenden Entwicklungen. Wir steigen sofort ein und übergeben das Wort an Christopher.

Die letzten Tage des Sommers rückten immer näher und man merkte sichtlich, dass sich die Abendtemperaturen mittlerweile im einstelligen Bereich bewegten. Auch die allmählich-einsetzenden Herbstwinde stellten erste Vorboten dafür dar, dass die Hochsaison für uns Karpfenangler nicht mehr allzu weit entfernt ist. Ich bin da keine Ausnahme: Auch bei mir sorgen diese Vorteichen alljährlich für Bauchkribbeln. Und so kam es, dass ich mich voller Vorfreude auf die kommende Herbstzeit auf den Weg machte, um nach Plätzen für meine Spätsommer-Angelei an den heimischen Gewässern zu suchen.

Gesagt, getan – in gewohnter Manier hieß es für mich: Helm auf und mal wieder eine Runde mit dem Roller durch die Gegend fahren. 

Eine erste Anbahnung: Auf dem Weg zum Fisch

Auf dem Weg zu meinen Hausgewässern kam ich an Seen vorbei, die durch meine Kindheit tief in meinen Erinnerungen verankert waren. Meine Eltern hatten hier seinerzeit eine Pazelle gepachtet und auch ich hatte hier erste anglerische Gehversuche unternommen. Während ich in Nostalgie schwelgte hatte ich auf der Durchfahrt dann sogar noch das Glück, einen Pächter eines Gewässers anzutreffen und mit ihm in‘s Gespräch zu kommen. Das musste ein Zeichen gewesen sein! Begleitet von den üblichen Phrasen eines Kennenlerngesprächs kamen wir schnell auf das Thema Angeln. Als wir merkten, dass wir menschlich miteinander harmonierten und wir beide dieselbe Leidenschaft zur Angelei teilen, beschloss ich, Alles auf eine Karte zu setzen und ihm die neuralgische Frage nach einer Angelmöglichkeit zu stellen.

Spätsommer, Sternstunden und ein unbekanntes Gewässer – Ein Gastbeitrag von Christopher Retzlaff -

Ein überraschendes Angebot

Warum die Frage nach einer Angelmöglichkeit neuralgisch ist? Ganz einfach: Mit dieser Frage ist immer eine gewisse Fallhöhe verbunden. Ich wusste nämlich, dass diese Frage alles bis dato Positive zu meiner Person mit einem Schlag zu Nichte machen könnte; denn die Reaktion auf diese Frage konnte von verhaltener Skepsis bis hin zu offener Abneigung reichen, zumal niemand “Fremde“ an seinem Gewässer haben wollte. 

Umso größer war meine anschließende Überraschung: Noch bevor ich die Frage überhaupt stellen konnte, sagte er zu mir: “Wenn du magst, kannst du gerne mal mit mir an unseren See angeln kommen, ich bin eigentlich jedes Wochenende da.“ Vollkommen überrumpelt von seiner Aussage willigte ich natürlich sofort ein und wäre lieber schon gestern als heute mit Sack und Pack am Gewässer gewesen, um den Fischen nachzustellen. 

Im gleichen Zuge verabredeten wir uns für das kommende Wochenende am See. Eine Begehung des unbekannten Gewässers sollte aber sofort erfolgen. 

Erster Eindruck vom Gewässer: Ein Karpfen-Paradies

Das Gewässer, das sich mir darbot, war ein kleiner Kies-See mit völlig-unbekanntem Karpfenbestand. Weil der nette Herr ein Bilderbuch Allround-Angler der alten Guarde war – er angelte mit Pose und Mais, wahlweise Wurm – konnte er mir bezüglich des Karpfenbestandes nicht sonderlich viel sagen. Mir erschloss sich allerdings auf den ersten Blick, dass es sich um ein attraktives Karpfengewässer handeln müsste: Die überhängenden Äste und das viele Totholz an den Uferbereichen, das sich als Nahrungsquelle bzw. Unterstand für die Fische herauskristallisierte, sprachen hier eine deutliche Sprache.

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Vertrauen fängt: So ging ich am „neuen“ Karpfengewässer vor

Endlich war der Freitag gekommen und mit dem Herunterfahren des Laptops hieß es für mich nach einem kurzen Einkaufstrip: Ab ans Wasser. Dort angekommen wurde direkt alles für die nächsten Tage aufgebaut und die Ruten mit den Ködern von JH-Baits bestückt. Dieser Baitfirma gehöre ich nun mittlerweile seit geraumer Zeit an und habe schon vorher an anderen Seen mit dem “KLF“ so einige Fische überlisten können, sodass dieser Köder auch hier mein vollstes Vertrauen genoss.

Spätsommer, Sternstunden und ein unbekanntes Gewässer – Ein Gastbeitrag von Christopher Retzlaff -

Getreu dem Motto “Never change a running system“, bestückte ich meine Spinner Rigs mit den “White Peppers“ und den “KLF Fluoro Orange PopUps“ und fuhr sie direkt mit meinem Futterboot unter die überhängenden Bäume und vor das Totholz. Ein bis zwei Hände KLF Boilies für zusätzliche Attraktivität fanden ihren Weg zum Spot –  und die Fische ließen nicht lange auf sich warten.

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Von Fressorgien und Pausen

Gleich der erste Karpfen war ein guter-, makelloser Spiegler. Insgesamt liefen alle Ruten nacheinander ab und die Session entwickelte sich zu einer wahren Fressorgie. Stetiges Nachfüttern war hier das beste Rezept, um die Karpfen bei Laune zu halten. Nach der ersten Nacht und insgesamt 5 Fischen auf der Habenseite entschied ich mich gegen 5 Uhr morgens, die Ruten aus dem Wasser zu lassen, ein wenig Schlaf aufzuholen und etwas Ruhe auf dem Platz einkehren zu lassen. 

Spätsommer, Sternstunden und ein unbekanntes Gewässer – Ein Gastbeitrag von Christopher Retzlaff -

Nach ein paar Stunden kamen die Ruten wieder ins Wasser und nach kürzester Zeit ertönte der Bissanzeiger unter dem lauten Knall des Swingers, der unter meinen Blank schlug. Ich nahm die Rute auf und merkte sofort, dass dieser Fisch nochmal von ganz anderem Kaliber war. Dieser Bulle wusste sofort, wo er hin wollte und machte mir unweigerlich begreifbar, dass er die Richtung, in die es gehen würde, bestimmt. Um es abzukürzen: Nach einem starkem Drill, einigen entschiedenen Fluchten ins Totholz und noch mehr Schweißperlen auf der Stirn war ich umso glücklicher, als ich diesen Fisch über den Kescherrand führen konnte, wobei ein lautstarkes „JAAA!“, das über meien Lippen ging, allen Druck von mir nahm. 

Der krönende Abschluss – und eine tolle Bilanz

Die Waage verriet mir dann, was ich auch schon während des Drills und beim Anblick des Fisches in der Cradle erahnen konnte. Die 20kg sind gefallen. Wahnsinn! Unglaublich, was solch kleine Seen für Fische beherbergen.

Alsbald war der Sonntag gekommen – und damit das Ende meiner Session an diesem kleinen See, an dem ich insgesamt 9 Karpfen landen konnte. Überglücklich und absolut erschöpft verließ ich diesen See mit dem Versprechen, dass ich wieder kommen würde. 

Eine Session, die ich in dieser Form wohl so schnell nicht vergessen werde. 

Diesen Spirit möchte ich hiermit an euch weitergeben – möge euch dieser Session-Bericht eine Inspiration sein. Ich wünsche allen Lesern eine erfolgreiche Angelsaison 2024!

Spätsommer, Sternstunden und ein unbekanntes Gewässer – Ein Gastbeitrag von Christopher Retzlaff -