Nachdem wir dir in diesem Beitrag (hier klicken) unseren Ersteindruck zur Carpy Multitip-Rute von Sportex vermittelt haben, soll es diesmal – wie angekündigt –, darum gehen, mit der Rute in der Praxis auf Tuchfühlung zu gehen.

Oder sollten wir besser schreiben: Mit den Ruten! Denn auch die Pluralform wäre zulässig, wenn man bedenkt, dass man mit der Carpy Multitip 2 Ruten in einer erhält! In aller Kürze: Das Gegenstück zum 2-in-1-Konzept besteht in der Wahl zwischen zwei verschiedenen Spitzenteilen, die im Lieferumfang enthalten sind. Und mehr noch: Mit den beiden austauschbaren Spitzen gehen sowohl eine unterschiedliche Länge als auch ein verändertes Wurfgewicht der Rute einher. Das sind…

  • eine Version in 11 Fuß mit 2,75 lbs
  • eine Version in 12 Fuß mit 3,5 lbs
Sportex Carpy Multitip im Test: Auf Tuchfühlung mit dem 2-in-1-Konzept -
Meister aller Klassen – Die Sportex Carpy Multitip in der Version mit 11 ft. – 2,75 lbs – mit kürzerem Spitzenteil
Sportex Carpy Multitip im Test: Auf Tuchfühlung mit dem 2-in-1-Konzept -
Meister aller Klassen – Die Sportex Carpy Multitip in der Version mit 12 ft. – 3,5 lbs – mit längerem Spitzenteil

Damit ist diesmal auch die doppelte Maßgabe für den Test der Rute abgesteckt, die in gemeinsamer Zusammenarbeit des Carpy-Podcast-Teams und Sportex unter dem Banner „Von Anglern, für Angler“ entwickelt wurde. Was uns postwendend zum Testsetting führt.

Sportex Carpy Multitip im Test: Auf Tuchfühlung mit dem 2-in-1-Konzept -

Das Testsetting

Sportex Carpy Multitip im Test: Auf Tuchfühlung mit dem 2-in-1-Konzept -

Bereits auf dem Datenblatt steckt die Rute ihre Eignung für verschiedene Angelszenarien ab. Sportex bündelt diese Eigenschaften in den Worten „Ein echter Allrounder mit Charakter“ (Quelle: Sportex.de). Aber was bedeutet das nun eigentlich im Detail?

Fakt ist, dass sowohl die 11-Fuß-Version als auch der 12 Fuß-Ableger mit längerer Spitze nicht nur auf dem Datenblatt ihre Berechtigung haben. Während die 11 Fuß-Variante ein Kompromiss aus Stalker- bzw. Bootsrute und Wurfrute darstellt, deckt die 12 Fuß-Version mit ihrem kraftvollen 3,5 lbs-Blank die allermeisten Szenarien beim klassischen Wurfangeln ab. Diese Eignung für die verschiedenen Einsatzbereiche legten wir auch für unseren Test zugrunde, woraus sich diesmal 2 unterschiedliche Settings ergaben!

Testetting 1

Sportex Carpy Multitip im Test: Auf Tuchfühlung mit dem 2-in-1-Konzept -

Stalken und Bootsangeln mit der 11Fuß-Version: Für’s Nachspüren der Karpfen auf Sicht bzw. mit Unterstützung von Polbrille und Drohne begaben wir uns an einen kleinen Vereinssee; gewappnet mit Schwimmbrot an freier Leine ging es bei sommerlichem Wetter im Juni auf Karpfen-Pirsch. Später sollte es hier auch um die Frage gehen, wie sich die eingekürzte Version der Carpy Multitip zum Bootsangeln eignen würde. Hierzu fuhren wir anderntags an einen größeren Verbandssee, um dort unsere Köder mit der Rute abzulegen – aus unserm Schlauchboot mit 2,40 Meter Länge und begrenztem Platzangebot.

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Testsetting 2

Hier würde sich die längere Version beweisen müssen: Beim klassischen Wurfangeln am mittelgroßen Verbandssee versuchten wir uns

a) an 100 Testwürfen, um zu schauen, wie es um die Wurfweite und-Performance der Rute bestellt ist und

b) beim eigentlichen Angeln und Drillen einiger Fische.

In Summe ergaben sich daraus 2 ausgefüllte Angeltage im Dienste unseres Rutentests – mit durchaus repräsentativer Qualität.

Die Ergebnisse

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Zu Testetting 1: Zunächst ging es mit der eingekürzten Version der Carpy Multitip in’s dichte Unterholz. Hierfür hatten wir uns bewusst besagten Vereinssee mit bewachsenen Uferpartien ausgesucht. Es dauerte nicht lange, bis wir an jenem Sonntag-Nachmittag die Karpfen bei strahlendem Sonnenschein unter der Wasseroberfläche ausmachen konnten – auch größere Exemplare waren dabei. Die Crux: Die Karpfen suchten Schutz in den angrenzenden Büschen, die auch – wie wir aus Erfahrung anderer Tests wussten – von Totholz umsäumt waren.

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Ab in’s Unterholz: Mit der eingekürzten 11-Fuß Carpy Multitip

Aber ein’s nach dem anderen: Zunächst einmal ging es ja darum, dass unsere Ankunft von Karpfen unbemerkt bleiben möge. Denn es war klar: Wir würden hier nur eine-, bestenfalls zwei Chancen haben, bevor wir den Argwohn der Karpfen geschürt haben würden. Der erste Schritt bestand also im wahrsten Sinne darin, auf leisen Sohlen durch das dicht bewachsene Ufer zu schreiten. Und bereits hier kommt auch die Funktion bzw. Länge der Rute in’s Spiel: jeder unnötige berührte Ast, jede Geräuschquelle, die durch den Rutenkontakt ausgelöst werden könnte, würde die Fische verschrecken – zumal uns nur wenige Meter von den Karpfen trennten.

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Angeln auf Sicht: Karpfenpirsch mit der Carpy Multitip

Stalken am Vereinssee

Zugegeben: Wir mussten unsere Bewegung schon langsam gestalten: Die Rute mit ihren 11 Fuß-Länge ermöglichte noch immer eine Kontaktfreie Ufer-Begehung, wenngleich sich hier natürlich eine 10 Fuß-Rute oder gar ein noch kürzeres Modell diesem Zweck umso mehr verpflichten – allerdings dann auch mit Abstrichen in der Performance einhergehen.

Und gerade hierauf würde es ja mit Blick auf das nahegelegene Totholz ankommen. Aber ein’s nach dem anderen: Wir fanden schließlich eine gute Wurfposition und pendelten unsere Schwimmbrot an freier Leine über die Rücken der Karpfen hinweg – so dass sie keinen Argwohn schöpfen würden. Durch langsames Herankurbeln brachten wir das Brot in den Pulk der Fische, während ein paar freie Futtergaben zunächst vom Hakenköder ablenken sollten.

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Bemerkenswert: Direkt unser erster Pendelwurf landete im Ziel, was für den Blank der Rute spricht: Trotz geringem Wurfgewicht – nur getragen vom Eigengewicht des Schwimmbrotes – tat dies der Präzision keinen Abbruch. Auch daran hat sich eine gute Rute zu messen, was gerne vernachlässigt wird.

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15 Sekunden später: Ein mittelgroßer Schuppi wird auf unseren Köder aufmerksam, nachdem die restlichen Futtergaben bereits alle aufgenommen worden sind. Und zack – Biss! Ein blitzschneller Anschlag und der Fisch hing! Erstaunlich, wie schnell dieser Anschlag durchdrang! Gleichzeitig zu spüren: Die nachgiebige Spitze…

Der Rest war erwartbar: Der Fisch nahm schnurstracks Kurs in Richtung des Totholz! Allerdings hat er da seine Rechnung ohne die Carpy-Multitip gemacht: Hier gelang es uns, den Fisch trotz geschlossener Bremse vom Hindernis fernzuhalten. Dass der Fisch trotzdem nicht „ausgeschlitzt“ ist,  haben wir der feinfühligen Spitze zu verdanken, während zugleich das Rückgrat der Rute „griff“ – in Summe ergab sich daraus  – passend zur aktuellen Fußball-WM – ein „moderates Gegenpressing“, mit dem wir den Fisch dann erfolgreich in die Keschermaschen beförderten.

Zum Boots-Setting

Sportex Carpy Multitip im Test: Auf Tuchfühlung mit dem 2-in-1-Konzept -

Auch hier überzeugte die Carpy Multitip in der kurzen Version (11 Fuß) insbesondere beim Handling im Boot. Wer seine Ruten mit dem Boot auf größere Distanzen ablegt, der kennt die üblichen Stolpersteine: Das Beködern erfordert bisweilen ein Manövrieren der Rute über die Boots-Reling hinweg. Selbiges gilt auch für Das Herablassen von Backleads bei der Rückfahrt. Im Zuge unseres Settings im 2,40 Meter Boot kam uns die 11 Fuß-Rute ein Stück weit entgegen: Trotz weiterer Utensilien, wie Akku, Echolot und Futtereimer wussten wir mit der Rute im Boot zu haushalten und konnten mit der Hand an die Spitze heranreichen, um Einstellungen vorzunehmen.

Das Rückfahren der abgelegten Rute gestaltete sich spielend leicht, was nicht zuletzt dem nahtlosen Gleiten der geflochtenen Schnur durch die Minima-Ringe zu verdanken war. Übrigens nehmen es die 2,75 Pfund Rückgrat ohne Weiteres mit Bleien der 180-200-Gramm-Klasse auf – solange man diese nur in’s Wasser „pendelt“! Das Einkurbeln auf größerer Distanzen ging uns trotz etwaigen Widerstands durch kraut etc. leicht von der Hand, wobei das kräftige Rückgrat der Rute unterstützte.

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Zu Testsetting 2 – Wurfangeln

100 Würfe zum Glück lautet die Maßgabe für unseren Wurftest. Natürlich gingen wir unseren Wurftest mit einer realistischen Erwartungshaltung an: Einerseits, weil wir selber nicht zu den geübtesten Werfern zählen. Andererseits aber auch, weil die Rute auf dem Datenblatt als „Allrounder mit Charakter“ bezeichnet wird – der Blank ist also nicht ausschließlich als Wurfweiten-Jäger konzipiert. Neue Wurfrekorde würden also nicht zu erwarten sein.

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Umso überraschter waren wir, dass wir uns mit einem Inline-Blei der 113 Gramm-Klasse und montiertem Vorfach samt Köder sukzessive steigern konnten. Nach anfänglichem Herantasten – wir wussten nicht, wieviel Kraft wir dem Blank zumuten konnten – konnten wir bald den richtigen Ansprech-Punkt und Schwung der Rute finden. Insgesamt gefallen hat uns dabei die nicht ganz lineare-, mittelschnelle Aktion und die spürbare Übertragung der Kraft bis in’s Handteil. Dabei wirkte die Rute überraschend spritzig, wobei uns auch das schnelle Rückstellvermögen überzeugte, von dem wir uns  bereits in der Theorie im ersten Teil (hier klicken) überzeugen konnten.

In Summe resultierte das in Würfen in Bereichen um die 100 Meter, was durchaus eine Vielzahl gängiger Angelsituationen abdeckt. Selbst das Anbinden eines kleinen PVA-Säckchens tat dieser Wurfweite keinen allzu großen Abbruch – es half sogar zusätzlich dabei, den Sweetspot der 3,5lbs-Rute zu finden und Wurfweiten um die 80 Meter zu erzielen.

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Übrigens: Nicht nur von der Weite, sondern auch von der Präzision der Carpy-Multi-Tip waren wir überrascht: Ein Ausbrechen nach rechts oder links blieb weitestgehend aus, mit Ausnahme zweier Würfe zu Beginn unserer Session, als wir selber noch ein Gefühl für den Blank bekommen mussten. Die Eingewöhnungszeit belief sich aber lediglich auf wenige weitere Würfe.

Bei alledem lag die Rute dank des EVA-Griffteils gut und sicher in der Hand, wobei sich auch die Länge des Griffs für unseren, 1,83 Meter großen Werfer als optimal erwies.

Dabei ließen wir es bei 100 Würfen bewenden – mit Blick auf den Drill hatte sich die Rute bereits in der eingekürzten Version beim Stalken bewährt.

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Fazit zur Carpy Multitip

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 350 Euro bekommet der Karpfenangler hier ein echtes Schmuckstück von Rute an die Hand. Die Rute bestätigt in der Praxis den wertigen Eindruck, den sie bereits optisch vermittelt. Der mittelschnelle-, kreuz-geflechtete Carbonblank überzeugt – in beiden Versionen – durch ein starkes Rückgrat, gepaart mit einer etwas weicheren Spitze.

Während die 11-Fuß Version (2,75 lbs) der Rute beim Stalken und Bootsangeln durch leichtes Handling und das insgesamt recht geringe Gesamtgewicht überzeugte, hat uns die 12-Fuß-Version der Rute gerade in Punkto Wurfweite, Präzision und dem schnellen Rückstellungsvermögen begeistert.

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Die 11 Fuß-Version ist perfekt zum Stalken geeignet

Im Drill hat sich die Kombination aus der etwas weicheren Spitze mit den Kraftreserven des Blanks als optimale Gratwanderung erwiesen, um beim-Hook.and-Hold-Angeln vor Hindernissen den Fischen Paroli zu bieten; wobei sich die 11 Fuß-Version als gerade noch handlebar genug erweist, um im Unterholz zu navigieren. Bei sämtlichen Manövern hat uns die Haptik sowie die wertige Optik des Handteils Freude am Angeln bereitet – funktional und ästhetisch. Beim Werfen begünstigt das etwas längere Handteil die Kraftübetragung bzw. Hebelwirkung, während es beim Stalken im Unterholz zugleich nicht im Wege war.

Sportex Carpy Multitip im Test: Auf Tuchfühlung mit dem 2-in-1-Konzept -

Gemessen an der Tatsache, dass der Angler hier zwei Ruten in einer an die Hand gereicht bekommt, ist zu sagen: Die Rute vereint diese beiden Versionen – jede davon grundständig und souverän. Will meinen: Sie ist nicht ein bloßer Kompromiss, der sich nicht für seine Lieblings-Disziplin entscheiden kann, sondern bietet beides zugleich. Das war es schließlich auch, worauf die Carpy-Jungs bei der Konstruktion besonderen Wert gelegt haben. Wir können nunmehr sagen: Mission erfüllt!

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