Grau ist alle Theorie! Nachdem wir uns diesem Beitrag (hier klicken) die CS-2 Karpfenrute von Sportex im mittleren Preissegment auf dem Datenblatt genauer angeschaut haben, kommen wir in den folgenden Zeilen unserem weiterführenden Informationsauftrag nach.
Als Karpfenangler und Schreibtisch-Täter in Personalunion wissen wir: Dieser Informationsauftrag ist vom Gebot der Praxis inspiriert. Und genau hier schließt sich der Kreis zu unserem Testbericht zur Rute: Wir haben der Specimen CS-2 im Rahmen einer 4-tägigen Test-Session im zeitigen Frühjahr am Vereinssee genauer auf den Zahn gefühlt. Würde sich unser Ersteindruck zur flächendeckenden Eignung der Rute für eine Vielzahl „gewöhnlicher“ Szenarien bestätigen? Inwieweit überzeugt die Performance der Rute flächendeckend und wo wurden womöglich Kompromisse eingegangen?
Am Ende dieses Beitrages wirst du es erfahren haben! Mögen dir die folgenden Zeilen als Sondierungshilfe für deine nächste Karpfenrute dienen.
Informationen zum Test-Setting
Bei dem uns vorliegenden Testobjekt handelte es sich um die 10-Fuß-Version der Rute mit einer Testkurve in 3,5 lbs. Wir haben uns bewusst für eine stärkere Version der Rute entschieden, da – einen günstigen Verlauf unserer Test-Session vorausgesetzt – wir es bestenfalls mit großen Karpfen zu tun haben würden. Insofern würden hier auf designierten Kraftreserven des mittelschnellen Blanks aus Toray-Carbon zurückzukommen sein.

Totholz und Co
Die Wahl der Ruten-Ausführung war auch deshalb angezeigt, da wir vor Hindernissen angeln würden – und deren gab es einige: Totholz, das mit Muscheln übersäht war sowie scharfkantige Steine am diesseitigen Ufer forderten ihren Tribut. Das galt übrigens auch in Punkto Schnurwahl. Hier griffen wir auf durchgehende 40 Monofile und eine vorgeschaltete Schlagschnur zurück – aber das nur am Rande…
Werfen auf 80 Meter
Und dann wäre da noch der dritte Grund für unsere Ruten-Wahl – diesmal in Bezug auf die Länge. Die 10 Fuß-Rute würde völlig genügen, lagen doch unsere Spots in ca. 80 Meter Entfernung. Das müsste doch eine Distanz sein, die wir in Kombinationen mit verschiedenen Blei-Systemen und Gewichten zwischen 3 und 4 Unzen werfen können müssten. Hinzu kam: An der von uns beangelten Uferpartie herrschte dichte Ufervegetation – eine 12 Fuß-Rute würde hiermit beim Werfen in Konflikt geraten…
Erste Würfe mit der Specimen CS-2

Wenn es darum geht, vor Hindernissen zu angeln, dann kommt es auf Genauigkeit an. Damit ist zugleich eine Gratwanderung beschrieben. Auf der einen Seite: Einen gewissen Sicherheitsabstand zum Hindernis wahren. Auf der anderen: Nicht zu weit davon entfernt liegen, um nicht an den Karpfen vorbeizuangeln. Kein Geheimnis: Karpfen suchen Schutz in den Hindernissen.
Diese Gratwanderung ist zugleich die Kehrseite der ersten Bewährungsprobe für unseren Test: Wie genau würde sich die Rute werfen lassen? Wie gut würde sie sich aufladen lassen? Um das herauszufinden, längsten wir zunächst mit Hilfe der Marker-Rute und Distance-Sticks eine Distanz ab, die bis auf zwei Meter an das Hindernis heranreichte. Nah genug, um den Karpfen auf die Schliche zu kommen. weit, genug, um gegenzuhalten, wenn sie beim Biss darein flüchten wollten.
Unsere Eindrücke beim Angeln vor Totholz
Daraus ergab sich in Summe eine Distanz von 83 Metern. Das sollte doch machbar sein! Wir montierten für ein paar Testwürfe ein 3,5 Unzen-Tropfenblei, übertrugen die Länge auf die Specimen CS-2 und „tasteten uns heran“. Dabei gewannen wir folgende Eindrücke:
- 1. Das Aufladen und Werfen mit der CS-2 erlebten wir erstaunlich „linear“, wobei wir in jeder Phase des Wurfs eine tolle Rückmeldung bis in’s Handteil hatten. Die Rute lag gut in der Hand – nicht zuletzt dank des griffigen EVA-Handteiles, das selbst unter den regnerischen Bedingungen eine astreine (!) Führung der Rute ermöglichte.
- 2. Die Genauigkeit beim Wurf ist bemerkenswert. Das gefürchtete Ausbrechen der Rute nach links oder rechts blieb aus. Das war auch deshalb ein Segen, da unser Wurfkorridor sehr schmal war und rechts und links bereits die nächsten Äste aus dem Wasser ragten, die unseren Aktionsradius einschränkten. Unser Blei landete genau dort, wo es landen sollte, wobei wir auch die gewünschte Weite von 83 Metern auf Anhieb erzielten – die Blei schlug ohne Probleme in den Clip.
- 3. Wir führen diese Wurfgenauigkeit nicht zuletzt auf die spiralförmige Wicklung einer zusätzliche Carbonmatte zurück, die der Rute eine linear-progressive Aufladung sowie eine erstaunliche Straffheit verleiht, die die Kraftreserven der CS-2 bei jedem Wurf spürbar werden ließen.
- 4. Diese Simulation wiederholten wir mehrere Male, wobei wir das Bleigewicht jedenfalls variierten: Wurfweite und Präzision waren bei allen von uns verwendeten Blei-Formen und Typen unverändert gut – egal, ob Inline, Safety-Clip oder Helikopter-Rig-Montage. Einzige Einschränkung bzw. Bedingung: Das Bleigewicht sollte nicht zu leicht gewählt sein: Einige Testwürfe mit Gewichten unter 100 Gramm erschwerten die Aufladung der Rute, wobei in der Folgen die Energie etwas verpuffte. Das genügte trotzdem, um in den Clip zu werfen, hinterließ allerdings kein so gutes „Gefühl“ und Feedback beim Wurf. Wir führen dies auf die Physik des schwerer-gewählten Rutenblanks zurück. Hier bedarf es schon einer gewissen Grundmasse, um die Energien im Wurf freizusetzen.


- 5. Die Überwindung des dicken Schlagschnurknotens stellte kein Einbußen in Punkto Wurfweite dar: Der Knoten glitt geschmeidig durch die großzügigen Keramik-Sic-Ringe. Auch am Spitzenring kam es zu keinerlei Schwierigkeiten bzw. Blockaden beim Wurf.
- 6. Nach 30 Testwürfen – allesamt zielgenau in den Clip – stellten wir schließlich unsere Rute scharf: Wir entschieden uns für ein Multi-Kombi-Rig mit einem Schneemann, den wir am Ende einer Inline-Montage mit 3,5 Unzen-Blei anboten. Und so geschah es, wobei wir einen kleinen PVA-Stringer und einige Boilies an der Montage anknüpften. Dieses zusätzliche Gewicht tat der Souveränität im Wurf keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Der nächste Wurf landete zielgenau – die Rute lag nunmehr fangbereit.

Verhalten im Drill…
Es dauerte nicht lange, bis ein erster Karpfen auf unseren Köder aufmerksam wurde. Ein Fallbiss, der sich später in einen Run umwandelte. Was allerdings nicht ganz gelang, da wir die Rollenbremse fest geschlossen hatten, um einer Flucht in’s Hindernis entgegenzuwirken. Wenige Minuten später glitt der erste Spiegelkarpfen der 15 Pfund-Klasse in unsere Keschermaschen.
Die Gegenwehr des Fisches meisterte Die CS-2 mit Bravur – was wir bei einem Fisch dieser Größenordnung aber auch nicht anders erwartet haben. Zwei beherzte Fluchten und ein Regulieren der Bremse in der sicheren Zone im Freiwasser vermittelten uns bereits jetzt ein Gefühl des puren Drillvergnügens und der absoluten Souveränität der Rute, die sagen will: Hier gebe ich als Angler den Ton an! Deine Fluchten kontere ich jederzeit!
Wiederholgenaues Werfen
In den folgenden drei Tagen wiederholten wir dieses Prozedere: Unser Rig fand mitsamt PVA-Stringer seinen Platz vor dem Totholz, wobei wir die genaue Platzierung in der rechts-links-Achse etwas variierten, um nicht allzu berechenbar zu sein und dem Argwohn der Fische entgegenzuwirken. Bei all‘ den Würfen ist uns lediglich ein einziger im Zuge von stärkerem Wind etwa zu weit nach rechts entglitten– eine sehr gute Bilanz, wie wir finden!
Diese Taktik schien aufzugehen: In den folgenden drei Tagen fingen wir noch 5 weitere Fische bis zur 25 Pfund-Marke. Alle diese landeten wir mit Erfolg, wobei auch ein hartes Gegenhalten und Wegzerren vom Totholz nicht zum Ausschlitzen führte – anders: der 10 Fuß lange Blank bot immer noch genug Pufferzone, um beherzte Fluchten gekonnt abzufedern, ohne dabei „schwammig“ zu sein. Sobald die Karpfen Kraft und Tempo aufdrehten, griff das Rückgrat der Rute spürbar – und bot den Karpfen Paroli bis zum Keschervorgang.
Apropos Kraft und Tempo. In dieser Hinsicht stellte der letzte Fisch unserer Session die vorläufige Bewährungsprobe für die Specimen CS-2-dar. Am Morgen des letzten Tages knallte der Swinger mit Karacho unter die Rute, die unter dem Druck des Fisches unverzüglich krumm wurde. Während die Bremse nach wie vor fest geschlossen war, reagierten wir schnell.
Zerreißprobe – Das fette Ende der Testsession
Darauf folgte im wahrsten Sinne die ultimative Zerreißprobe – der Fische schaltete in den Turbogang mit klarer Marschrichtung zum Totholz. Währende die Specimen CS-2 immer krummer und „bissiger“ wurde, waren wir kurz in Versuchung, mit der Bremse nachzuregulieren – auch um den Preis, dass der Fisch dann in’s Totholz ziehen würde. Das war allemal besser, als ein Ausschlitzen zu riskieren.
Als meine Hand gerade den Griff zur Rollenbremse tätigen wollte, gab der Fisch kurz nach – es gelang mir, ihn zu drehen und einige Meter Schnur gutzumachen! Puuh, das war knapp. Nunmehr manövrierte ich den Fisch in die sichere Zone im Freiwasser. Bald darauf hatte der Fisch erneute Energien gebündelten und legte drei beherzte Fluchten nach. Diesmal reagierte ich darauf mit einem Nachregulieren der Bremse – die gröbste Gefahr war schließlich gebannt.
Nach einer erneuten halbstarken Flucht vor dem Kescher gelang es mir schließlich, ihn beim ersten beherzten Versuch abzuschöpfen: Wenig überraschend handelte es sich hier um ein größerers Exemplar, wie bereits der Blick in Keschermaschen enthüllte. Die Waage bestätigte später diese Einschätzung: Ein Spiegler mit 39 Pfund Lebendgewicht stellte den krönenden Abschluss unserer Testsession zur CS-2- dar, die wir anschließend im etwas zu groß geratenen 12 Fuß-Futteral verstauten.

Und eines ist bereits jetzt klar: Es wird nicht lange dauern, bis wir diese tolle Rute, die in allen Belangen überzeugte, wieder auspacken werden!
Fazit
Die Specimen CS2-Rute von Sportex überzeugte im Rahmen unseres Tests in allen abgefragten Disziplinen – Wurfperformance -Weite und -Genauigkeit, Kraft und Feinfühligkeit, Fehlerverzeihlichkeit und Pufferzone. All diese Faktoren wirkten bei unserem Hook-and-Hold-Testsetting zusammen. Die 3,5 lbs-Variante eignet sich hervorragend für weite Würfe über 80 Meter bei Bleien im Bereich zwischen 3 und 4 Unzen – auch für ungeübte Werfer und unter Verwendung zusätzlicher PVA-Anhängsel stellte dies kein Problem dar.

Im Drill überzeugte die Rute durch absolute Souveränität. Einerseits: Enorme Kraftreserven, um die Fische von Hindernissen fernzuhalten. Andererseits: Genügend Pufferzone in der Spitze, wobei die Übergänge fließend sind. Das ist nicht zuletzt der speziellen Carbon-Anordnung inklusive der zusätzlichen diagonalen Spiralflechtung zu verdanken.
Mit einer UVP im Preisbereich zwischen 250 und 330 Euro – je nach Ausführung – bietet die CS2 dem preisbewussten Karpfenangler, der auf souveräne Performance und der Vereinbarkeit von Gefühl mit genügend Kraftreserven Wert legt, eine Rute, an der langfristig Freude haben wird. Nicht zuletzt dank der 10 Jahre Garantie, die Sportex serienmäßig auf den Blank (nicht nur) der CS2- gewährleistet. Das ist das Gegenstück zu wahrer Überzeugung in das eigene Produkt. Und die ist sehr berechtigt.
















